UBILIBETIK - DIE LOGISCHE PHILOSOPHIE
Inhalt:
1. Erklärung
2. Prologon
3. Monasmatik
4. Dyasmatik
- Das Syndrom der Angst
- Antinomien und Verflechtungen
5. Der Schnitt durch die Materie
6. Impressionen
7. Epilogon
8. Traktat zur Speziellen Relativitätstheorie
9. Quellenangabe
10.Theorie und Praxis
11.Programmatika
12.Konkretika
Erklärung
Wir schreiben den 01.01.2013
Nicht dass dies ein besonderer Tag wäre, nur soll auf den historischen Kontext, die Abhängigkeit vom gesellschaftlichen Paradigma verwiesen werden, in dessen Schatten die hier vorzustellende Philosophie das Licht der Welt erblickt. Denn so wahr alles vergeht, kann der Anspruch nicht bestehen, kommenden Geschlechtern Anregung für Verhalten und Anschauung sein zu wollen.
Der heutige Tag liegt zudem eingebettet in eine Zeit, da Denk- und Wirtschaftssysteme, Ideologien und Technologien, Wissenschaften, Überzeugungen und Werte ihren Bankrott erklären. Das Gespenst der Anarchie und des Chaos greift nach den Kontinenten, Ratlosigkeit, Pessimismus und Resignation machen sich breit im Bewusstsein von Millionen. Angesichts einer unberechenbaren Zukunft taucht die bange Frage auf, ob die Menschheit der globalen ökologischen Katastrophe oder dem atomaren Inferno noch entrinnen kann. Die Neigung zu Intoleranz, Fatalismus, Heilslehren und Okkultismus, zu Süchtigkeit, Gesetzesübertretungen und Weltuntergangsstimmung ufert aus. Schon vermeint man zu spüren, wie unsere Zivilisation sich aufzulösen beginnt, um dem Mysterium des hereinbrechenden Jüngsten Gerichts überantwortet zu werden...
Und doch ist die Kriseneuphorie nur der Ausdruck des Übergangs von der Alten zur heraufziehenden Neuen Ordnung, die Ahnung einer Morgendämmerung im Leben der Menschen, der Völker und deren Gemeinschaften. Kühne Ideen und Taten als Verkündungen des neuen Lebens existieren bereits, und es kommt jetzt darauf an, ihren Siegeszug beschleunigen zu helfen durch den eigenen Beitrag.
In Anzweifelung der Möglichkeit einer Mittelpunkttheorie, um die alle anderen geistigen Schöpfungen zentrifugieren, will die Ubilibetik einen akzentuierten Platz im Netz der progressiven Theorien und Gedanken einnehmen. Die Ära des Meinungsmonopols, des intellektuellen Zentralismus geht vorüber. Die Ein-Mann-Welt-Revolution wird abgelöst durch die organische Vielfalt, durch ein noch zu findendes offenes System, in dem Namen wie Christus und Buddha, Goethe, Leibniz, Kant und Hegel, Helmholtz, Haeckel, Darwin, Freud und Einstein, Marcuse, Tito und Capra hell leuchten. Der Same des Wissens, repräsentiert durch einige wenige Persönlichkeiten aus längst vergangener Geschichte, ist mittlerweile zu einem stattlichen Baum emporgewachsen, bei dem bekanntlich weder Krone, Stamm noch Wurzelwerk für primär (oder sekundär) in Beziehung zur Lebensfunktion erklärt werden können. Statt einer Oligarchie im Staat der Baumzellen, findet man ein zuverlässiges System relativ selbstständiger, sich selbst optimierender Einheiten vor, die komplizierte Organisation einer nicht beschränkten Mannigfaltigkeit...
Die Ubilibetik, eine philosophische, strukturalistische und gleichzeitig praxisbezogene Wissenschaft vom Sein, fußt auf den klassischen und revolutionären Lehren abendländischer, in nicht geringem Maße auch morgenländischer Denker, auf den modernen Erkenntnissen vor allem der Physik, Logik, Systemtheorie, Ökologie, Biologie, Astronomie und Psychologie, und sie fußt auf den gesellschaftlichen und politischen Prozessen und Tendenzen auf unserem Erdball. Diese genannten Einflüsse untersuchend, arbeitet die Ubilibetik die allgemeinsten Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten heraus, und wendet die so gewonnenen Schlussfolgerungen konkret an mit dem Ziel, auf die brennenden Fragen und Probleme unserer Epoche wenn nicht eine Lösung, so doch eine Orientierung zu geben.
Der so entstehende kontinuierliche Progress mit dem Namen Omnialismus kann allerdings nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn er sich zu einer am Ende globalen und gewaltfreien Volksbewegung ausweitet.
Prologon
Doch nun begleiten Sie mich bitte auf der Reise zu einer Welt geistiger Klarheit. Es wird Sie überraschen!
Internet, Globalisierung und Informationsexplosion - halten Sie sich bitte diese Neuzeitphänomene vor Augen! Welcher Kern steckt wohl hinter diesen Prozessen?
Die Tendenz geht ja bekanntlich dahin, dass die ganze Menschheit eines Tages vollständig miteinander verbunden sein wird, dass ALLE Menschen informationell und materiell in BEZIEHUNGEN zueinander stehen werden. Das Gleiche auch in der Politik: Der Zustand der Isolation von Gruppen oder Individuen wird sein Ende finden. Wenn Arm und Reich nichts mehr miteinander zu tun haben, weil die Vermögensunterschiede zu groß werden, dann ist das Band der BEZIEHUNGEN zwischen Arm und Reich zerrissen. Die Ubilibetik (ubilibet: lateinisch von „überall vorhanden") sagt - völlig moralfrei -, dass diese Beziehungen wieder hergestellt werden müssen, denn sonst setzt unweigerlich ein Zerstörungsmechanismus in Richtung Revolution ein. Andererseits müssen die UNTERSCHIEDE auch beim Vermögen erhalten bleiben, nur eben unter der Maßgabe, dass die einzelnen Vermögen zueinander in Beziehung stehen, also vergleichbar und zueinander berechtigt sind. Genauso auch zum Begriff Parallelgesellschaften: Es gibt sie bei der Vermögenselite und es gibt sie bei vielen Migranten. Bei beiden ist die Abschottung mittlerweile so extrem geworden, dass das Relationsprinzip verletzt ist - man muss die Beziehungen also wieder herstellen. Oder der Begriff "Transparenz": Es war und ist die Abschottung (also das Fehlen von Beziehungen), weshalb Banker und Spekulanten ganze Volkswirtschaften in den Abgrund treiben konnten. Anders gesagt: Die Denkprinzipien der Ubilibetik müssen heute unbedingt angewendet werden - so ist zum Beispiel der Marsch in das Land Transparentia zwingend notwendig -, will man die Probleme der Weltzivilisation beherrschen.
Ich selbst hatte schon als Jugendlicher erkannt, dass eine Lüge das Band der Beziehungen unterbricht. Es geht folglich nicht nur um Moral, um Wahrheitsliebe, es geht vor allem um eine objektive Evolution: Die Unterschiede und Beziehungen nehmen zu, und man darf sich dieser Entwicklung nicht entgegenstellen. Die ganze Welt wird vernetzt werden (Relationsprinzip), und gleichzeitig werden die Besonderheiten der einzelnen Völker, Ethnien und Einzelpersonen immer stärker berücksichtigt werden (Differenzprinzip): das gebietet schon die Menschenwürde. Also Globalisierung einerseits, Humanisierung andererseits.
Bei Großprojekten kommen wir nicht mehr umhin, den Betroffenheitsgrad der Personen in Rechnung zu stellen, deren Interessen von diesen Projekten berührt werden. STUTTGART 21 zeigt ganz signifikant, dass ohne die breite Einbeziehung der Menschen, also ohne Demokratisierung, und ohne absolute Transparenz nichts mehr geht. VOR dem Bau eines neuen Flughafens oder eines Autobahnabschnittes müssen die Anlieger, jedoch auch die betreffende Gemeinde und - je nach räumlicher Verbreitung der Betroffenheit - die übergeordnete politische Einheit sowie fachkundige Experten angehört werden. Unter Anleitung eines Mediators ist ein Konsens zwischen den genannten Interessensgruppen herauszuarbeiten, der in einen schriftlichen, von jedermann einsehbaren Vertrag mündet, ohne jede Geheimklausel. Der Konsens kann auch bedeuten, dass die (mit Entschädigungsansprüchen ausgestatteten) Anlieger Opfer bringen müssen zugunsten übergeordneter Interessen - was sonst ist Demokratie? - Die Deutsche Bundesbank mit ihrer Fiskalpolitik soll unabhängig sein, heißt es. Obwohl die Bundesbank maßgeblichen Einfluss auf die Geschicke unseres Landes hat, ja sogar über Wohl und Wehe der Europäischen Union und darüber hinaus entscheiden kann, ist es all den potentiell Betroffenen (und der Regierung) verwehrt, auf die Bundesbank Einfluss zu nehmen - diese Konstruktion widerspricht jedweder Vernunft.
Nur wenn wir es schaffen, im gesellschaftlichen (später aber auch im privaten) Leben die absolute Transparenz herbeizuführen, wird unsere Zivilisation vor den kommenden Krisen verschont bleiben.
Gewalt bedeutet immer Unterdrückung des einen Relationspartners, verbunden mit dem Bestreben, den Widerspruch zwischen Zweien zu beseitigen und also den Unterschied zu eliminieren. Nach den Grundsätzen der Ubilibetik kommt es jedoch im Gegenteil darauf an, Unterschiede und Beziehungen zu suchen und zu bewahren. Die Ubilibetik erweist sich daher als die Wissenschaft des Friedens, der Gewaltfreiheit, der Toleranz und der Wahrheitsliebe, und dies länder- und religionsübergreifend.
Der Prozeß der Globalisierung findet nicht nur international statt, sondern auch im eigenen Lande. Wir müssen allmählich begreifen, dass die nationale und die Weltgesellschaft eine SYSTEM von vernetzten Individuen sind, aus welchem man nicht einfach bestimmte Individuen ausschließen (ausgrenzen, einsperren oder sogar eliminieren) kann ohne schädliche Folgen für das Gesamtsystem. Wer Individuen oder ganze Bevölkerungsgruppen vom gesellschaftlichen System abtrennen will, riskiert destabilisierende Rückkopplungen im kybernetischen Sinne.
Durch Sozialleistungsmissbrauch bei Hartz IV kam es 2009 zu Überzahlungen von 72 Mio. Euro. Die Steuerhinterziehungen dagegen kosten dem deutschen Steuerzahler laut OECD jedes Jahr über 100 Mrd. Euro! (Kim Otto, heise.de v. 27.10.2010). In der medialen Ablenkung von den eigentlichen Schadensverursachern wird der Klassencharakter unseres gesellschaftlichen Systems deutlich. Der Klassenkampf von oben, die politische Einflussnahme des großen Geldes also ist nicht minder problematisch für die gesellschaftliche Stabilität wie linksradikale Revolutionsträume. Auch über Russland informieren unsere Medien oft vom Klassenstandpunkt aus: Es gehe angeblich um die Menschenrechte, wenn Putin den Ölmilliardär Chodorkowski, der mit Hilfe seines nicht ganz legal erworbenen Geldes Politik machen wollte, inhaftieren läßt. Dass in der russischen Gesellschaft die Machtbalance noch labil ist und noch nicht zivilisierten Normen entspricht, steht auf einem anderen Blatt. In diesem Zusammenhang sollte man sich endlich mal mit dem Skandal befassen, wonach auf Grund von Justizirrtümern einige hundert Unschuldige in deutschen Gefängnissen sitzen! Deren Schicksal ist nicht weniger wichtig als das des russischen Milliardärs! - Auch die Berichterstattung über das Reich der Mitte und über das chinesische Modell der staatlich gelenkten Marktwirtschaft würde sicher viel positiver ausfallen, wären dort nicht Kommunisten an der Macht. Der Klassenstandpunkt wie überhaupt jede Ideologie bedeutet implizit Unterdrückung einer anderen Klasse oder einer anderen Ideologie. Diese Engstirnigkeit, diese Gewalttendenz kann man sich in der heutigen Welt nicht mehr leisten.
"Wer hat, dem wird gegeben, wer nicht hat, dem wird auch das Letzte genommen", sagt eine jahrtausend alte, biblische Weisheit. So beschämend es auch ist, diese Ungerechtigkeit hat nach wie vor Gültigkeit. Sie konterkariert das Leistungsprinzip, denn wieso erhält man ab einem bestimmten Vermögen ohne Leistung noch mehr Vermögen (über Zinsen, Dividenden, Bestechung usw.)? Ich trete ganz klar für eine - faire - Leistungsgesellschaft ein, wir müssen auch in jeder Hinsicht von Südostasien lernen, wollen wir nicht von der Dominanz dieser Weltregion überfahren werden. Doch ich verwahre mich dagegen, dass ausgerechnet die Vermögenden, die es durch Erbschaft, durch Beziehung, Zufall, Steuerhinterziehung oder sonstige kriminelle Praktiken wurden, auf das Leistungsprinzip pochen.
Warum eigentlich existiert diese ZUNAHME von Unterschieden und Beziehungen (= Dyasmition)? Weil ein lebendiger Unterschied (und Beziehung) niemals auf der Stelle verharren kann. Daher entstehen immer neue Dyasmata, aber nicht gleichmäßig. Weniger aber auch nicht, denn das wäre eine Richtung in den Stillstand. Also werden es immer mehr, wenn auch im UNTERSCHIEDLICHEN Tempo.
Die Menschen nehmen immer mehr Informationen auf (wegen der Dyasmition = konkret die Informationsexplosion), dadurch werden sie auch zu Individualisten, sie unterscheiden sich immer mehr voneinander. Die menschlichen Beziehungen dagegen bleiben auf der Strecke - auch da muss man gegensteuern. WIR MÜSSEN WIEDER EIN VOLK WERDEN! Ansonsten ist es die Technik, die uns irgendwie nackt macht, der Datenschutz wird bald nicht mehr zu retten sein. Um den Missbrauch unserer Daten durch Kriminelle und den Staat zu verhindern, brauchen wir eine Modernisierung und eine grundlegende Reform unserer Gesellschaft.
Die Aufnahmefähigkeit des Gehirns ist begrenzt, darum lernen Schüler eher, WIE man an relevante Informationen herankommt. Man nutzt den Computerspeicher und Internetbibliotheken wie google. Früher haben die Menschen noch gepauckt, um sich Wissen anzueignen, heute nimmt man die Informationsquellen. Das Internet transformiert sich zum Weltgeist.
Lieber Leser, warum habe ich die ubilibetane Weltanschauung als kosmisches Evangelium bezeichnet? - Im Zeitalter der Raumfahrt erweitert sich zwangläufig unser Seh-Horizont. Der Begriff „Welt" dehnt sich aus: Welt ist nicht mehr nur mein Dorf, nicht mehr nur mein Land, nicht mehr nur mein Kontinent. Den wahren Blickwinkel auf die Menschheit, das irdische Leben und auf unseren - von Erdbeben gezeichneten - Planeten selbst hat man von „draußen", vom Weltraum aus. Erst aus dieser kosmischen Perspektive wird schlagartig klar, wie kostbar, zerbrechlich und winzig unser Lebensraum auf Mutter Erde ist. Die endlosen Weiten des Universums mit ihrer klirrenden Kälte, ihrer abgrundtiefen Dunkelheit und tödlichen Strahlung führen das Ausgeliefertsein des Menschen und des ganzen Lebens überdeutlich vor Augen. Dieses Bild von der fundamentalen Feindseligkeit des Alls müssen wir uns verinnerlichen. Werden wir uns dessen bewusst, bleibt kein Spielraum mehr für die kleinlichen Auseinandersetzungen zwischen uns Menschen. Die Kostbarkeit jedes einzelnen Lebens und unserer irdischen Umwelt wird offenbar.
In Anbetracht der ungeheuren Gefahr aus dem All verwandeln sich alle Konflikte auf der Erde zu Nichtigkeiten. Der große Feind des Menschen heißt Universum. Es ist kommenden Geschlechtern überlassen, sich der gewaltigen Herausforderung zu stellen, um mit vereinten Kräften das All zu besiedeln. Nur inspiriert von einer Religion des Geistes und des Friedens wird der Mensch das Paradigma der Nacht, das unermessliche Universum zu seinem Freund gewinnen.
Dieser Botschaft habe ich den Namen „kosmisches Evangelium" gegeben.
Monasmatik
1
Ist es nicht ein großer Trost zu wissen, dass wir alle nur einmal sterben werden? Jeder Mensch stirbt, wenn seine Stunde naht, nur einmal für sich allein... Das Sterben anderer Menschen dagegen erleben wir nicht selbst: außer Empathie, Mitgefühl, Trauer, Verlustgefühl oder auch - in einer dramatischen Situation - Entsetzen existiert keine direkte Verbindung zwischen mir und einem Sterbenden. Auf dieser Ebene des Individuellen entbehrt daher die Aussage, beim Untergang der Titanic seien etwa 1500 Passagiere und Besatzungsmitglieder umgekommen, eigentlich einer reellen Grundlage. Denn jeder Mensch auf dem Dampfer musste - Gott sei Dank gewissermaßen - seinen Tod „nur einmal erleben"...
Dieses Phänomen der individuellen Sicht möchte ich Monasmität nennen. Demnach wäre der einzelne, „innere" Mensch ein Monasmatum (abgeleitet vom griechischen Monas = Einheit, Einfachheit). Die Tatsache der Einmaligkeit des Sterbens beschreibt eine Qualität beziehungsweise einen Teilbereich der subjektiven Realität (im Gegensatz dazu die Quantität beziehungsweise die objektive Realität). Obwohl ein Zusammenfassen der einzelnen Monasmata zu einer Menge oder zu einem Reich ein logischer Widerspruch darstellt, der den ganzen, soeben vorgenommenen Gedankengang konterkarieren würde, soll von dieser Menge - mit dem Namen Monasmatium - behelfsmäßig Gebrauch gemacht werden.
An dieser Stelle wird der mir geneigte Leser zu Recht einwenden, dass der Tod nun einmal Millionen dahinrafft - das sei ein Faktum, eine unleugbare Tatsache!
Darum möchte ich die überindividuelle Welt, die objektive Realität beziehungsweise Quantität also als Dyasmatium bezeichnen (abgeleitet vom griechischen Dyas = Zwei). Der Mensch als ein von außen zu betrachtendes, kompaktes, materielles System wäre demnach ein Dyasmatum, eine Menge von ihm eine Dyasmata.
Der wirkliche Umfang, die Tiefe und damit die Definition dieser neu eingeführten Begriffe wird sich im Zuge der vorliegenden Arbeit noch herauskristallisieren.
2
Der Gedanke ist sicherlich schon jedem von uns aufgetaucht: Kann man sich wirklich in das Innenleben eines anderen Lebewesen als dem Menschen hineinversetzen ?
Eine Ameise zum Modell nehmend, stehe ich schon vor dem unlösbaren Problem, Material aus dem Selbstsein dieses Insekts sammeln zu müssen, ohne das zu können. Zu allem Überfluss vermag ich nur solche Formen des Ameiseninnenlebens nachzuempfinden, die ohnehin den Formen menschlichen Innenlebens analog sind. Verspürt also zum Beispiel die Ameise bei Berührung ihrer linken vorderen Extremität mit einem 90°C heißen Gegenstand die gleichen Schmerzen, wie der Mensch an seiner linken Hand? Diese Frage führt schon vor Augen, dass der Versuch eines reinen Vergleichs nur analoger Formen des Innenlebens nicht ausreicht; gleichermaßen muss die Struktur der materiellen Grundlage für das ganz bestimmte Schmerzerlebnis bei beiden Lebewesen erforscht und miteinander verglichen werden. Und außerdem: Kann man eigentlich die vergleichbaren, der Temperatur von 90°C auszusetzenden Stellen genau lokalisieren: bei der Ameise eventuell die Spitze der linken von den zwei krallenförmigen Borsten des linken Vorderfußes und beim Menschen die Kuppe des linken kleinen Fingers? Die notwendige genaue Lokalisation einerseits und die verschiedene Anatomie beider Lebewesen (einschließlich die verschiedene Lage der Neuronen) andererseits sowie die verschiedene Struktur des neurophysiologischen Apparates machen grundsätzliche Schwierigkeiten deutlich. Zudem existiert ein Schmerz an sich überhaupt nicht, denn dieser ist immer gekoppelt mit anderen psychischen Tätigkeiten und untrennbar verflochten in der Gaze der Gesamtpsyche.
In je mehr Formen des Ameiseninnenlebens ich mich hineinversetze, desto weniger würde zwangsläufig von meinem ursprünglichen Ich zurückbleiben; „ich" wäre in psychischer Hinsicht eine Ameise und daher außerstande, „mich" an mein menschliches Ich zu erinnern. Meine Funktion als Experimentator würde erloschen sein. In der anschließenden Rückverwandlung zum Menschen dürfte sich mein Ich
wieder irgendwo dort anknüpfen, wo ich es allmählich verloren hatte. Ob dann mein menschliches Gedächtnis die Fähigkeit der vollständigen Reproduktion ameisenadäquaten Selbstseins besäße, ist zumindesten sehr zweifelhaft - abgesehen von der rein praktischen Frage.
Mein Körper würde am Nichts teilhaben und meine Seele sich im Selbstsein einer Ameise verlieren, könnte ich diese eine konkrete Ameise werden. Die Unmöglichkeit, genügend Punkte im Ameisengehirn „anzuzapfen", die man dann mit analogen Punkten meines Gehirns verbindet, wird schon in der bereits erwähnten Frage der richtigen Lokalisation, des komplexen Zusammenhangs der Psyche und der verschiedenen Materiestruktur deutlich. Das übertriebene „Anzapfen" des Ameisengehirns hätte außerdem noch dessen Psyche störend beeinflusst.
Die hier geschilderte Aporie lässt in uns den Verdacht aufkeimen, dass zwischen zwei verschiedenen Lebewesen ganze Welten klaffen mögen. Aber selbst zwischen Menschen ist das ja nicht viel anders: Wenn sich Zweie unterhalten, wird der Gesprächsstoff für sich genommen sicher von logischem Inhalt sein, doch welch ein gewaltiger Komplex aus ganz individuellen Erinnerungen und Gefühlen knüpft sich an jeden einzelnen Begriff an! Die ererbten Anlagen und die speziellen Erlebnisse und Erfahrungen machen die Forderung, wonach eine Information gleiche innere Reaktionen auslösen soll, illusorisch. Um so pessimistischer sind Bestrebungen zu beurteilen, aus Worten, dem Aussehen, der Mimik und Gestik eines Probanden sein tatsächliches inneres Milieu ursprünglich lebendig und umfassend nachzuempfinden!
Anknüpfend an die Tradition des Monadenbegriffes (insbesondere den des von mir hoch verehrten Gottfried Wilhelm Leibniz) soll an dieser Stelle der Begriff „Omniade" eingeführt werden. Vorerst im Umfang eingegrenzt und von vorläufigem Charakter kann man unter Omniaden unter anderem Lebewesen verstehen, die mit einem Selbstsein, so zum Beispiel mit einer Psyche, ausgestattet sind.
3
Das Selbstsein beziehungsweise das Insein der Omniaden Mensch und Ameise muss sich durch abgründige, transzendente Selbstversunkenheit auszeichnen, wenn uns die Möglichkeit verwehrt ist, sich in den jeweils anderen wirklich hineinversetzen zu können. Der Versuch, dieses doch zu tun, beschreibt ein Beispiel für das Selbstbespiegelungsphänomen, also die Unfähigkeit zur Überwindung des eigenen Selbst.
Der Wachheitsgrad eines Monasmatums ist abhängig von der Lebendigkeit und Komplexität eines Selbstseins, so wird die menschliche Psyche wacher sein als das Insein einer Ameise, und wird der Mensch Schmerzen stärker spüren als die Ameise.
Wie aber lässt sich der Wachheitsgrad und die Klasse von Selbstseins bestimmen? - Das Instrument dafür heißt reiner Vergleich der Omniaden untereinander - entweder auf der Basis des bloßen Augenscheins oder der einer wissenschaftlichen Studie. Der Augenschein oder die Studie können abstrakte Schlüsse enthalten, konkret gesagt: Der Fakt, dass alle Menschen sich von anderen Lebewesen unterscheiden, ist sowohl Binsenweisheit (sprich Augenschein) wie auch objektive Wahrheit (sprich wissenschaftliche Studie). Indem also die Gleichartigkeit aller Menschen unter Zuhilfenahme reiner Unterschiede und reiner Beziehungen konstatiert wird, schließen wir mit einer gewissen Sicherheit auf die Gleichartigkeit der Psyche, welche alle Formen des Inseins von Menschen einschließt. Diese könnte man aufteilen in Unbewusstsein, Unterbewusstsein, Bewusstsein, Ich und Über-Ich.
4
Mein eigenes Lächeln im Spiegel zeigt analoge Konturen verglichen mit dem Lächeln eines fremden Menschen, wodurch ich mit Recht die Annahme treffe, der Fremde empfinde beim Lächeln Ähnliches wie ich. Nur durch das Konstatieren von reinen Unterschieden und reinen Beziehungen, von Dyasmität also bin ich in der Lage, Rückschlüsse auf das Monasmatium zu ziehen. Damit ist auch schon ein erster, direkter Zusammenhang zwischen dem Dyasmatium und dem Monasmatium transparent geworden.
5
Der psychophysische Parallelismus nach Wilhelm Wundt besagt, dass die physiologischen und die analogen psychischen Prozesse gleichzeitig, aber unabhängig voneinander verlaufen. In der Tat: Die Beziehung zwischen den reinen Strukturen des Dyasmatiums und dem irgendwie lebendigen, reinen Monasmatium konvergiert gegen Null.
Nichtreine Monasmität bedeutet dagegen objektivierbares Selbstsein, also potentielles Anderssein. So stellt alles Material, mit dem gedacht oder empfunden wird, einen Abstand zum momentanen Selbst dar: Ich träume von einer sommerwarmen Wiese, ohne die Wiese selbst zu sein, oder ich denke über Herrn
X nach, ohne dabei er selbst zu sein. Nichtreine Monasmität - beim Menschen die reale Psyche -, die auch Forschungsgegenstand sein kann sowie nichtreine Dyasmität - der Mensch als nur stoffliche, daher subjektivierbare Materie -, befinden sich in Beziehung zueinander, allerdings in dyasmataler Beziehung, das heißt einer solchen, der irgendwie das Stigma der Durchsichtigkeit, Stofflosigkeit und Unfasslichkeit anhängt. Wenn wir die parallelen physiologischen und psychischen Prozesse im Menschen miteinander vergleichen, dann gewinnt man unwillkürlich den Eindruck der gegenseitigen Determiniertheit, obwohl doch eine Beziehung im materiellen Sinne fehlt.
Man hat bis auf den heutigen Tag nicht herausgefunden, wie, wann und wo Bewusstsein im neurophysiologischen Apparat entsteht. Wie sollte man auch - hängt doch die Klärung dieser Frage davon ab, ob der konkrete Mensch, der einem im Spiegel erscheint und der den eigenen Namen trägt, man selber ist und ob man daher anderen Omniaden ein eigenes Selbstsein zuerkennen kann!
So ist jedes Vorstellungsvermögen eine bewusste Eigenschaft, also entfällt die Realisierbarkeit des Nachempfindens und Empfindens unbewusster Erlebnisse. Entweder man ist bewusst und empfindet und beurteilt alles Sein nach selbigen Maßstäben oder „man" ist unbewusst und erfasst alles Sein nach selbigen Maßstäben. Die Vision, die Menschheit würde in einer Million Jahren, falls sie dann noch existiert, uns Heutigen mit den Affenmenschen auf eine Stufe stellen, lässt ahnen, wie sehr wir Gefangene unseres eigenen Selbst sind, denn wir zweifeln gewiss nicht an unserer Kultiviertheit und an unserem Intellekt.
Es gibt kein Monasmatum, für das die fremden Monasmata keine Objekte sind mit der Eigenschaft, ihre Monasmität zu verbergen. Monasmität, so auch Bewusstsein, kann nie direkt nachgewiesen werden als durch das selber Sein eines Objekts. Wir kommen an späterer Stelle noch darauf zu sprechen, wieso nur Omniaden - also Lebewesen zum Beispiel - diese Objekte sind, da sie die Eigenschaft haben, über ein Insein beziehungsweise über Monasmität zu verfügen.
Mein augenblickliches Ich-Sein, meine Empfindungen, die ich nunmehr habe, der Gedanke, der mir im dritten Zeitmoment durch den Kopf schießt und mein Entschlussgefühl jetzt im Ergebnis - jedes aktuelle Monasmatum existiert außerhalb vom Zugriffsbereich der Erinnerung und der Sinnesorgane.
Die Konzeption des dialektischen Materialismus, wonach Bewusstsein eine Eigenschaft der Materie sei und von dieser erzeugt werde, muss, da von der Wissenschaft weder bestätigt, noch frei von Widersprüchen, folglich als unrichtig verworfen werden.
6
Ich spüre etwas Raues, das heißt ich registriere einen Unterschied zwischen mir und dem Nicht-Ich, der Umwelt. Die Empfindung subsumiert sich demnach unter das universale Differenzprinzip. Vor der Empfindung des Rauen muss ein anderer innerer Zustand gewesen sein, in dem der Unterschied zwischen mir und der Umwelt oder gespeicherten „Umwelt" (z.B. beim Traum) in dem Moment überwunden schien, als die Empfindung der Neuheit, die des Rauen eintrat. Jede Empfindung setzt einen Unterschied zur Vergangenheit hin voraus - und sei diese der klinische Tod. Der empfundene Unterschied im vorhergehenden Zustand (hier also nicht der klinische Tod) muss zu einer gewissen Gewöhnung abgeschwächt oder von vornherein geringerer Intensität sein, wenn mich eine neue Empfindung erobern kann. Die relative Harmonie wird bei einer neuen Empfindung zerstört dadurch, dass das eigentliche Ich in die Vergangenheit übergeht angesichts der monumentalen Gegenwart: grelle Disharmonie, ein Unterschied zwischen Polen, die in diesem Augenblick noch nicht definiert sind. Die anschließende gewisse Gewöhnung gebiert das Ich.
Bemerke ich eine absolut homogene Umwelt, so gewährleistet diese Empfindung lediglich ein Ich, das als lebendiges Sein eine Vergangenheit hat. Ohne dyasmatale Vergangenheit bestände eine Identifikation zwischen dem „Ich" und der „Umwelt". Die dyasmatale Umwelt, zum Beispiel als Licht oder Ton, schafft die außermenschliche Grundlage für Empfindung und Wahrnehmung. In dem Unvermögen unserer Sinnesorgane, auf einer gleichmäßig grün erscheinenden Fläche die dennoch vorhandenen schwachen Grünnuancen zu analysieren, spiegelt sich die Unvollkommenheit unserer Sinnesorgane
wider.
Unsere Wahrnehmung alterniert irgendwie zwischen der unendlichen Vielfalt des Dyasmatiums und der reinen Zwei.
Ein Monasmatum ist nur, wenn es etwas Fremdes gibt, wenn es sich daher lokalisieren kann. Folglich geschieht die Verbindung eines Monasmatums mit einem anderen auf fremde Art, durch ein reines Dyasmatum.
Ein Monasmatum ist immer nur Eines; mit der Zwei beginnt die Objektivierung. Das eigentlich Bewusste kennt keine Zeit und keine Dimension, folglich muss alles andere Psychische, zum Beispiel die Vergangenheit des Bewussten, in das Unbewusste überwechseln. Daher besteht das Unbewusste aus mehreren Ebenen und Einzelexistenzen, die sich dem Zugriff des Bewussten entziehen. Denn sich erinnern und denken kann man lediglich bei Bewusstsein, oder aber man ist unbewusst.
Denken begreift man, den Traum erlebt man, den Hunger fühlt man. Jeder dieser Zustände „weiß" von den anderen höchstens durch die Extrapolation seiner selbst. Das Denk-Monasmatum bildet den Inhalt, die Denk-Dyasmata die Form des Denkens. Man vermag nicht das ganze eigene Denken zum Primat allen Seins zu erklären, sich damit über das Denken zu stellen und zugleich denken. Dadurch würde das Prinzip der Monasmität verletzt, das ein Isolationsprinzip ist, wobei „Isolation" hier das Aussichselbstsein, das absolut Unabhängige bedeutet: ein kategorischer Imperativ der Monasmität. Das aus der notwendigen Selbsterhaltung der Omniade „Mensch" resultierende Schutzbedürfnis kreiert das Rationelle und Ökonomische einer Philosophie, welche mit wenigen Begriffen die ganze Welt zu beschreiben und berechenbarer zu machen versucht - was ein weiteres Beispiel für das Isolationsprinzip wäre. Daran anknüpfend lässt sich die Palette erweitern durch solche Aspekte wie die Selbstverwaltung in der Gesellschaft, die Selbstbewegung der Materie und das Primat der Selbstheilung des therapeutisch behandelten, aber letztlich nur zielgerichtet „informierten" Organismus.
Ich hätte nie alles Sein dem Denken unterordnen können, nie einen solchen Denkakt zu vollziehen vermocht, gäbe es nicht dieses von mir Unbeeinflussbare: den Unterschied zwischen den feinen Zuständen des Denkens. Präziser noch: Unterschied, für den ich keine Verantwortung trage. Oder nur: Unterschied.
Und dieser Unterschied ist für mich solange unüberwindbar, wie ich auf menschliche Weise denke. Ergo werde ich ein weiteres Mal auf die Übermacht des Dyasmatiums gestoßen, welche jeden Versuch wie Seifenblasen zerplatzen lässt, ein idealistisches oder gar solipsistisches System zu konstruieren. Andererseits: Gemäß dem Isolationsprinzips kann der „Autor" meines Denkens nur ich sein, der ich mein Denken als Subjekt erlebe und gestalte.
Folglich erweisen sich das Dyasmatium und das Monasmatium als miteinander unentwirrbar verflochten; beide zeigen sich als aktiv und unersetzbar und werden durch einen reinen Unterschied getrennt, der jeden anderen an Brillanz und Stringenz übertrifft. In diesem totalen Schema haben das Material der Psyche (da vom Dyasmatium durchdrungen) und die Materie (da von individueller Monasmität durchdrungen) keinen Platz. Alles Sein, ob es nun den Namen „Raum", „Zeit" oder „Wahrnehmung" trägt, wird unter den reinen Unterschied zwischen Dyasmatium und Monasmatium, zwischen Objekt und Subjekt subsumiert.
Zur Veranschaulichung darf man sich folgendes Intervall vorstellen: Dyasmatium ... zum Beispiel Materie ... zum Beispiel reale Psyche ... Monasmatium. - Die Beispiele „Materie" und „reale Psyche" sind hierbei Überschneidungen der beiden Extrema, welche in reiner Beziehung zueinander stehen. Dyasmität erscheint wie das sich Ausdehnende, sich vom inneren Sein gleich Wasserwellen Entfernende; Monasmität dagegen wie ein unaufhörlich in seinen Mittelpunkt fallender Raum.
Es gibt die zwei Seinssphären Dyasmatium und Monasmatium. Das Dyasmatium wird durch die zwei Prädikate Unterschied und Beziehung charakterisiert. Ein Dyasmatum ist die reine Zwei. Das Monasmatium oder korrekter, ein Monasmatum ist die reine Eins. Die reine Eins lässt sich beschreiben als reine Gegenwart, die im Objektiven praktisch nicht existiert - als punktförmig und dimensionslos, als das reine Gegenteil aller Eigenschaften der Dyasmität. Die Selbstversunkenheit eines Monasmatums kann plakativ verdeutlicht werden durch das sich Hineinversetzen in einen - menschlichen - Ekel oder Schmerz.
7
Der Fakt, wonach Bewusstsein keine Eigenschaft der Materie, sondern
das Selbstsein der bewusstseinsadäquaten Materie ist, hat Konsequenzen.
Der Mensch verfügt bekanntlich über zwei Augen, damit er plastisch sehen kann. Zwei verschiedene Raumkoordinaten erzeugen zwei verschiedene Bilder auf der Netzhaut der Augen. Die Entfernungsabschätzung erfolgt hauptsächlich durch die organisch-biologische „Messung" des Winkels, den beide Augen zueinander bilden, beziehungsweise der Winkel ist für das Subjekt identisch mit der Entfernung. Ich als Subjekt sage „Entfernung", der außenstehende Beobachter als Objekt sagt „analoger Winkel". Könnte mein Beobachter sich in mich hineinversetzen, sich also für mich subjektivieren, so würde er statt „Winkel" „Entfernung" sagen. Durch „Selbstobjektivierung", etwa indem ich in einen Spiegel schaue, hätte das Objekt, dessen Selbstsein ich bin, „in sich" den Winkel. - Der Unterschied Entfernung-Winkel entspricht fast dem Unterschied Winkel-adäquate Dyasmität. Genauer wird es, substituiere ich den Winkel durch den Teil meines Zentralnervensystems, dem die Winkel-"messung" obliegt und dessen Selbstsein die Entfernung ergibt. Interessanterweise impliziert der geometrische Winkel die subjektive Richtungsvorstellung, auch hat die Winkelmessung des Mathematikers nur eine äquivalente Ähnlichkeit mit den adäquaten Prozessen des Zentralnervensystems.
Indem beide Augen durch die Eigenschaft A (subjektiv: ihr räumlicher Abstand) zueinander in Beziehung stehen, kann, wenn die Augen zugleich der Eigenschaft B (subjektiv: Winkelstellung) folgen, die neue Teileigenschaft AB (subjektiv: Abschätzung der Entfernung) in Erscheinung treten. Abstand, Winkel und Entfernung, für sich betrachtet subjektiv, werden durch den Vergleich miteinander dyasmatal.
Um ein zweites Beispiel anzuführen, möchte ich auf die auf der Netzhaut des Auges umgekehrt widergespiegelten Bilder aufmerksam machen. Angeblich muss das Kind die richtige Lage der Bilder, das heißt der gesehenen Dinge erst erlernen, und der Erwachsene würde dadurch bei der Beurteilung von „oben" und „unten" nicht mehr durcheinander geraten. Offensichtlich rückt dabei nicht etwa das Bewusstsein die verkehrten Bilder wieder zurecht, sondern es werden ganz einfach bloß die richtigen Beziehungen hergestellt. Schließlich speichert das Gehirn die Bilder im Neuronengewebe und nicht auf einen Film. Wäre dem nicht so, dann müssten wir die Erfahrung gemacht haben, dass weniger unsere Bilder, als vielmehr die geschaute Welt auf dem Kopf steht!
Mit unseren beiden Beispielen wurde versucht, die so genannte Widerspiegelung auf der kybernetischen und sophischen Ebene zu belassen und die Widerspiegelung als Erlebnis, als Bewusstsein auszuklammern. Relevant ist eben der Unterschied zwischen der einwirkenden Umwelt und den adäquaten neurophysiologischen Vorgängen, wogegen das Bewusstsein sich außerhalb von all dem befindet, weil es streng genommen kein Forschungsgegenstand sein kann. Das Bewusstsein als Erlebnis gehört einer transzendenten Welt, dem Monasmatium an, und das Bewusstsein als Objekt, als Abstand und als Dyasmität wird erforschbar auch erst, indem der Experimentator sich einer persönlichen Introspektion unterzieht.
8
„Ein Gehirn als Materie" in Bezug zu „Einwirkende, adäquate Umwelt als Materie" entspricht dem Unterschied von: „Eben diese Umwelt als Materie" in Bezug zu „Umweltadäquater Teil des Dyasmatiums".
Der Widerspruch des Menschen zur Umwelt weckt in ihm das Bedürfnis nach Bewahrung des Unterschieds, der Distanz zur Umwelt. Diese Sehnsucht nach Widerspruchslosigkeit, nach Freiheit ist die Quelle aller Vorstellungen vom Absoluten, von der Ewigkeit, den Spielarten des Unendlichen, der Transzendenz, der Idealität, dem Tod, Nirwana und Jenseits, dem Paradies, der Gerechtigkeit und der Freiheit selbst sowie von der Ökonomie an sich, wie sie zum Beispiel in der Intuition zum Ausdruck kommt, die Materie möge sich aus ganz wenigen elementaren Bausteinen zusammensetzen, die sich obendrein nur durch quantitative Merkmale unterscheiden.
Bei der Dyasmition können Omniaden wie zum Beispiel Lebewesen als Widerspruchspartner agieren, aber auch Elementarformationen wie zum Beispiel ein Buch gegenüber dem Leser. Wenn ich lernen will, muss die Information in dem Buch für mich neu sein (sofern ich sie nicht bloß vergessen habe); ich bin genötigt, mich mit dem Buch geistig auseinanderzusetzen, womit es mir gegenüber ebenso als Widerspruchspartner auftritt (mit dem ich eine Dyasmition gestalte), wie wenn ich es mit einem mir unliebsamen Beamten zu tun hätte. Die gegenwärtige Akkumulation an Dyasmitionen steht daher auch in engem Zusammenhang mit der sogenannten Informationslawine.
Dyasmition heißt auch Verschiebung des äußeren zum inneren Widerspruch. Sind Menschen die Widerparts, dann erfahren sie an sich selbst durch die innere Verarbeitung des konträren Standpunktes eine Zunahme ihres Wissens und eine Vertiefung ihrer Psyche infolge des Toleranzgebotes. Die Bekanntschaft mit dem Inhalt von Informationsquellen - so zum Beispiel mit einem Buch - macht das Bewusstsein ebenfalls differenzierter und sensibler. Dieses Anwachsen subjektiv-monasmataler Phänomene möchte ich als „Monasmition" bezeichnen, ein objektiver Prozess, der, wie gesagt, sehr eng mit der Dyasmition zusammenhängt und gewissermaßen nur die andere Seite derselben Medaille ist, und dessen Wirkungsbereich sich hauptsächlich auf die irdische (und nichtirdische) Zivilisation erstreckt.
Die Monasmition hat auch zur Folge, dass statt der Behandlung des Menschen als Gegenstand und statt der bloßen Betrachtung der Beziehungen zwischen Menschen die Persönlichkeit des Menschen selbst in den Mittelpunkt rückt. Wegen der dyasmatalen Auseinandersetzung der Menschen mit ihrer jeweiligen Umwelt (z.B. als Arbeitsplatz), wegen der heutzutage intensiven Monasmition also transponiert sich das Wissen über die konkrete Umwelt immer mehr in Richtung desjenigen, der mit ihr unmittelbar konfrontiert wird. So kann zum Beispiel heute weniger denn je die Gebundenheit eines Arbeitnehmers an seinen Arbeitsplatz ignoriert werden; er ist nicht mehr so ohne weiteres austauschbar. Und die Anweisungen, die er von „oben" erhält, müssen immer mehr an Konkretheit einbüßen; der Arbeitnehmer bestimmt in hohem Maße selbstständig und schöpferisch, was, wann und wie schnell etwas zu tun ist. Die Verantwortung und Zuständigkeit der Arbeitnehmer (aber auch der Arbeitgeber) für ihren Arbeitsplatz wachsen an, wie auch die Entscheidungsbefugnisse von Bürgerinitiativen, lokalen Gemeinschaften und regionalen Verwaltungsämtern zunehmen.
Der objektive Prozess der Monasmition begründet also notwendig das Prinzip der Selbstverwaltung und Selbstversorgung, der Direktheit und Unmittelbarkeit in der Ökonomie und der Gesellschaft. Er begründet aber auch Forderungen nach Unabhängigkeit und Freiheit.
Verständlich wird damit auch, dass jede ideologische Manipulation fehl am Platze ist und dass man zum Beispiel der sogenannten „Unterschicht" nicht mehr vorschreiben kann, wie sie sich politisch betätigen soll.
Das Selbstverwaltungsprinzip schließt nicht aus die übergeordnete Leitung und Lenkung der sonst partikulären Personen - im Gegenteil -, aber dies muss durch wirklich kompetente Leute geschehen, die "Einblick in die Materie" haben. Zu solch modernem, fähigem Management zähle
ich im allgemeinen nicht zum Beispiel im Parteiapparat hochgediente Politiker.
Weil sich die Dyasmition als gegenläufiger Prozess darstellt, bei dem ihr Widerspruchspartner Monasmition eine geringfügig „schwächere" Position einzunehmen scheint, ohne allerdings ein reines Negat zur ersterem zu sein, kann man das Selbstverwaltungsprinzip nur eingefügt betrachten beispielsweise in die Erscheinung der zunehmenden Arbeitsteilung.
Staaten, in denen das Intellektuelle und Sensible offiziell verpönt ist, in denen die Moral stupiden Gehorsams, soldatischer Tugenden, der kalten Berechnung, der plumpen Gewalt oder auch „nur" die Verachtung der Empfindsamkeit und des Geistes herrschen, stehen der Monasmition diametral entgegen und damit dem objektiven, letztlich unaufhaltsamen Fortgang der Geschichte.
Dyasmatik
Das Syndrom der Angst
Zu der Überzeugung von der kommenden Weltherrschaft der menschlichen Vernunft gesellt sich immer mehr das erschreckende Gefühl einer apokalyptischen Zukunft. Die Probleme der letzten hundert Jahre scheinen sich angehäuft zu haben und drohen nun, uns wie eine Lawine zu überrollen.
Wer beispielsweise kennt jenes todsichere Rezept, nach dem zu verfahren garantiert, die Wiedergeburt des Faschismus ohne Chance zu lassen? Woher wissen wir, ob religiöse oder kommunistische Totalitarismen nicht das Morgen gehört? Wie kann es sein, dass wir zwar von der Verhaftung eines Bürgerrechtlers in einem diktatorischen Land erfuhren, aber nicht von der brutalen Ausrottung eines Großteils der kampucheanischen Bevölkerung durch das Pol Pot - Regime? Die technischen und organisatorischen Möglichkeiten zur Unterdrückung eines ganzen Volkes sind heute perfekter denn je - lässt sich das auch sagen von den Instrumentarien einer Demokratie und deren theoretischer Basis? Dürfen wir noch untätig zusehen, wie die Probleme der Oberernährung und der Unterernährung, die die Höhe des Butterberges und die Zahl der Hungertoten gleichermaßen zunehmen? Wird es gelingen, die Selbstständigkeit der europäischen Nationen und die Souveränität der Europäischen Union unter einen Hut zu bringen? Wie können im weltweiten Konzentrationsprozess der ökonomischen und politischen Macht die Interessen der Kleinen und Schwachen gewahrt werden? Die Bedeutung und Eigenverantwortung der Kleinen und Schwachen - seien es Arbeitnehmer oder Entwicklungsländer - wachsen objektiv an: wie sind die Großen und Starken - seien es Konzerne oder Industriestaaten - zu Loyalität, Zusammenarbeit und Anpassungsbereitschaft zu bewegen? Wie lässt sich die Arbeitslosigkeit wirksam bekämpfen, das Recht auf Arbeit oder zumindest auf würdiger Existenz durchsetzen, ohne dass es zur Radikalisierung der politischen Kräfte, zur Beseitigung der Errungenschaften der westlichen Kultur kommt? Ist der Widerspruch lösbar, dass Freiheit, Rechte, Eigeninitiative, Selbstentscheidung und Mitbestimmung des Bürgers in dem Maße zunehmen wie seine Verantwortlichkeit, Pflichten und Diszipliniertheit gegenüber Staat und Gesellschaft?
Noch nie hat Europa so lange im Frieden gelebt und noch nie war Europa der Gefahr so nahe, gänzlich von der Landkarte der Zivilisation ausgelöscht zu werden. Dieser Zusammenhang ergibt sich aus der Furcht jedes normalen Menschen vor dem Kernwaffenkrieg. Würden im Zuge von Abrüstungsverhandlungen nur noch konventionelle Streitkräfte bestehen bleiben, dann wäre sicher nicht die Kriegsgefahr als solche gebannt, vielleicht eher im Gegenteil... Abrüstung kann also nur Sinn haben, wenn man die kriegsauslösenden Faktoren selbst liquidiert und vertrauensbildende Maßnahmen schafft.
Die Verknappung und Verteuerung der Rohstoffe bedingen automatisch den Bau von Kernkraftwerken. Diese sowie die mögliche Alternative Kohlekraftwerke wiederum schädigen in unkalkulierbarem Maße die Umwelt. Daraus entsteht die Einsicht, dass für die Erforschung und praktische Anwendung neuer Konzeptionen der Betriebssicherheit und der Schadstoffneutralisierung sowie für den Einsatz erneuerbarer Energien mehr Mittel bereitgestellt werden müssen. Daneben sollten gleichberechtigt unkonventionelle Formen der Energiegewinnung zur Anwendung kommen. Warum - so ist zu fragen - gibt es bei diesem uns alle betreffenden Problem so viele unversöhnliche Standpunkte, warum können Bürgerinitiativen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft nicht die uneigennützige, kollektive Vernunft obsiegen lassen? Sitzen wir nicht alle in einem Boot?
Antinomien und Verflechtungen
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Vergegenwärtigt man sich die großen und kleinen Probleme der heutigen Zeit und untersucht ihre gemeinsame Struktur, so gewinnt man den Eindruck, als seien sie Antinomien dergestalt, dass vor allem das Widersprüchliche, Unversöhnliche ins Auge springt. Kontradiktionen und Antagonismen erscheinen wirklichkeitsnäher als Eintracht und Harmonie, und doch möchten wir diese am liebsten ignorieren. Die heutigen Probleme wahrhaben und auch noch verarbeiten zu müssen, stellt das menschliche Gehirn vor einer jener Prüfungen, die sonst im Evolutionsprozess des homo sapiens wie ein Katalysator gewirkt haben.
Der dialektische und historische Materialismus von Karl Marx erhebt den Anspruch, ein einheitliches, transparentes Weltbild zu vermitteln und Leitschnur des gesellschaftlichen Handelns zu sein. In der konkreten Praxis aber wurde der Marxismus Auslegungssache, je nach den Erfahrungen, dem kulturellen und Bildungsniveau eines Volkes und seiner kommunistischen Partei. Die objektiven Umstände, die Marx immer so hervorgehoben hat, bestimmen den Typ der Brille, durch welche die Lehre von Marx gesehen wird - also auch
hier das berühmte Axiom vom Primat des Seins über das Bewusstsein.
Die linksradikale Interpretation des Marxismus - ich denke an den Maoismus - erwies sich als utopisch, wie die Entwicklung in China lehrbuchhaft zeigt. Linke, aber auch rechte Diktaturen, erkenntlich an ihrem Klassenwesen, schwelen in einer permanenten Krise.
Die Entwicklung der Produktivkräfte erfordert hochgebildete, selbstständig und verantwortungsbewusst handelnde Menschen, die jedoch ihre elementaren politischen und persönlichen Bedürfnisse zurückstecken sollen; Entfaltung und Unterdrückung gleichermaßen - an diesem Grundwiderspruch werden alle Diktaturen unvermeidlich scheitern.
Doch was ist mit dem marxistischen Weltbild - gehört es nun endgültig einer vergangenen Epoche an? Ja und nein.
Bekanntlich hat man im Zusammenhang mit der Entwicklung des Lebens und speziell der Menschheit den Begriff der Negentropie geprägt. Danach überwiegt, kurz gesagt, beim Leben das aufbauende, sich organisierende, verkomplizierende, vermehrende und produzierende Element das Element des Zerfalls und der Auflösung. Das wird sichtbar durch den vor Jahrhundertmillionen vollzogenen Übergang von Einzellern zu Vielzellern, durch die Entstehung neuer Organismusspezialisierungen mit immer perfekter ausgeübten Funktionen, die Herausbildung höher entwickelter Arten, das so genannte Erbgedächtnis und schließlich durch den kumulativen Charakter des menschlichen Wissens. So wie das Embryo die verschiedenen Stadien der biologischen Evolution im Mutterleib durchgemacht hat und somit diese durch seine Existenz manifestiert (in sich "aufhebt" - im Hegelschen Sinne), so wie die ersten Werkzeuge unserer Urvorfahren noch heute verwendet werden (beispielsweise der Hammer inmitten eines Maschinenparks) - so wird normalerweise das allgemeine Wissen in den Informationsquellen der Zivilisation gespeichert.
Nicht nur die materiellen Träger des Wissens (Bücher, Filme, CD´s usw.) bleiben erhalten, auch in jeder neuen, überprüften Theorie stecken die Erfahrungen und Erkenntnisse der vorhergehenden. Alles Wissen stützt sich auf überholtes Wissen, wenn auch indirekt, durch "Aufheben". Schaut man tiefer, so wird offensichtlich, dass es absolut falsches, also folgenloses Wissen gar nicht geben kann, und dass bisheriges Wissen - für allgemeingültig gehalten - sich früher oder später zu einem Spezialwissen transformiert, zu einem Sonderfall mit eingeengtem Definitionsbereich, welcher eingebettet ist in ein umfassenderes Wissen. Als Beispiel hierfür mag das Verhältnis zwischen der klassischen mechanischen Physik und der Quantenphysik dienen.
Nach diesem kleinen Exkurs in die Gefilde der Informationstheorie nun zurück zu der Frage, ob der dialektische und historische Materialismus uns Heutigen noch etwas zu sagen hat. - Kumulation des Wissens impliziert die Einheit von Zuwachs und Organisation. Demzufolge muss der Marxismus in irgendeiner Form zum Bestandteil oder Sonderfall einer modernen Weltanschauung werden. Selbst falsche Thesen (zum Beispiel die des Geozentrismus) haben ihre Wahrheiten - das heliozentrische Weltbild bedarf lediglich des Tausches der von Erde und Sonne eingenommenen Plätze!
In den globalen Hochburgen der Zivilisation und Kultur lässt sich der historische Materialismus in seiner Urfassung nur noch auf die Länder anwenden, bei denen merkwürdigerweise der Marxismus sowieso Staatsdoktrin ist; dieser Anwendungsbereich entspricht dem oben erwähnten Sonderfall.
Wir hatten am Anfang dieses Abschnittes die Bemerkung getroffen, dass Antinomien augenscheinlich wirklichkeitsnäher sind als Harmonien. Unterstellen wir einmal, derart krasse Gegensätze und Unversöhnlichkeiten seien etwas Objektives und für die Gegenwart Typisches. Reine Widersprüche zu suchen und zu bejahen, würde daher zu Erkenntnissen führen. Wenn dem folglich so wäre, dann müsste die Gültigkeitsbeschränkung des historischen Materialismus in der modernen Welt auf die marxistisch-kommunistischen Länder ein ganz normaler Akt sein, der
selbstverständlich einen objektiven Sachverhalt widerspiegelt. Dann wären überhaupt die kuriosen Zusammenhänge die wesentlichen.
So können angesichts linker Diktaturen nicht rechte Diktaturen, angesichts rechter Diktaturen nicht linke Vorbild sein. Der Unterschied zwischen beiden Formen der Diktatur ist nur äußerlich; fast kann man sagen, es sind lediglich die herrschenden Personen ausgetauscht, während ihre gemeinsame Grundeigenschaft in ihrem ausgeprägten Klassencharakter besteht.
Da also diese Negation, dieser Widerspruch und Unterschied nicht optimal in Erscheinung treten, werden die Negation der Negation, der maximale Unterschied (nicht absoluter Unterschied, denn dann ginge der Zusammenhang zwischen Negat und Ergebnis verloren) notwendig. Daraus, dass der bloße Wechsel des Vorzeichens einer Diktatur nicht ausreicht, auch wenn dieser erste Schritt theoretisch wie praktisch (praktisch durch Übernahme des alten Staatsapparates) erfolgen muss, ergibt sich die schwierige Aufgabe der Errichtung einer klassenbefriedeten Demokratie mit anderem Vorzeichen.
Um also dem dialektischen Gesetz der Negation und Negation der Negation beziehungsweise - abstrakter - dem Prinzip des maximalen Unterschieds Genüge zu tun, sollte das Ergebnis der Überwindung einer rechten Diktatur eine linke Demokratie und der Überwindung einer linken Diktatur eine rechte Demokratie sein. Gemäß dem Prinzip des maximalen Unterschieds (im folgenden Differenzprinzip genannt) wäre das weitere nebeneinander Bestehen des linken wie des rechten Gesellschaftssystems, allerdings auf höherer, demokratischer Ebene, anzustreben. Davon abgesehen, befanden sich bisher beide Systeme in einem erbitterten Wettbewerb um die militärische, ökonomische, politische und moralische Vormachtstellung; keines der Systeme konnte es sich erlauben, die geringste Möglichkeit beschleunigter Kraftentfaltung ungenutzt zu lassen. Nach dem nun doch erfolgten Zusammenbruch des Ostblocks tauchten neue Kontrahenten des Westens auf: gegenwärtig die chinesische Hemisphäre und die islamische Welt. Deswegen ist die Erwartung illusorisch, eines der Seiten werde kurzfristig den Sieg davontragen, zumal ohne das Gleichgewicht der Kräfte der Friede gefährdet wäre - auch das wird niemand verantworten wollen.
Dieser Wettbewerb sollte künftig jedoch eher als Mittel dienen, den Kultivierungs- und Zivilisationsprozess der Menschheit voranzubringen.
Staaten, in denen das Differenzprinzip verletzt wird dadurch, dass eine herrschende Minderheit ihre sich aus der sozialen Stellung ergebenden Sonderinteressen der beherrschten Mehrheit aufoktroyiert, in denen statt Pluralität der Interessen und deren Ausgleich Gleichschaltung besteht (Marx sagt, dass die Gedanken der herrschenden Klasse in jeder Epoche die herrschenden Gedanken sind) - solche die Bedeutung der Vielfalt ignorierenden Diktaturen können wegen mangelnden Interesses des Volkes auf die Dauer dem Wettbewerb der Gesellschaftssysteme nicht standhalten. Das Gleichgewicht der Kräfte gerät aus der Bahn, dem Frieden droht Gefahr und zu allem Überdruss grollt der Donner der Revolution.
- Ebenso kann die Revolution selbst das Kräftegleichgewicht und den Frieden gefährden.
Außerdem: Beim Übergang von der einen Diktatur zur anderen mit umgekehrtem Vorzeichen kommt die Revolution womöglich zum Erliegen, wenn die Voraussetzungen für die Demokratie fehlen. Somit hätte die Revolution dann nichts bewirkt als neues Leid. Revolution soll darum erst sein, wenn - wie Marx formulierte - alle Bedingungen hierfür herangereift sind und die herrschende Klasse sich gegen Reformen sperrt. Der kumulative Charakter der gesellschaftlichen Entwicklung schließt in sich ein, dass nicht nur in immer größerem Umfang Neues entsteht, sondern dass das Alte in dem Neuen "aufgehoben", eingebaut ist, so wie der Steinzeithammer praktisch auch heute Anwendung findet. Wenn das Neue nicht seinen Ursprung in dem Alten besäße, keine Beziehung zwischen beiden wäre, dürfte das Neue nicht als Neues erkennbar sein. Nur durch die Gebundenheit an das Alte ist Neues das, was es ist.
Eine neue Gesellschaft muss daher immer auch Elemente der alten sowie Elemente aller vorhergehenden enthalten. Sie muss die konservativen Kräfte genauso gewähren lassen wie die progressiven. Den Konservatismus verteidigt, dass das Nichtwissen mit dem Wissen, die Fragen mit den Antworten zunehmen.
Eine Revolution, in dem Bestreben, alles Alte radikal zu negieren, verliert an Boden und fällt - anstatt Neues zu schaffen - zum Alten zurück. Die beste Revolution ist die, die nicht notwendig ist (wenngleich das Beste sich nicht immer verwirklichen lässt). Der wahre Revolutionär trägt mit dazu bei, Bedingungen zu schaffen, die eine Revolution überflüssig machen. Die Revolution wird nicht notwendig und überflüssig durch die sukzessive, echte Evolution, durch die Einheit von Konsequenz und Toleranz, Stetigkeit und diplomatischem Geschick, Zielbewusstheit und Kompromissbereitschaft, Mut und Vernunft.
Will die herrschende Klasse nicht einer Revolution zum Opfer fallen, ist sie gut beraten, Reformen den Weg zu ebnen. Da auf diese Weise die Demokratie unvermeidlich entsteht, direkt und ohne Risiko, ist die Evolution eigentlich wirksamer als die Revolution. Die Negation der Diktatur durch eine mit anderem Vorzeichen wird hier schon - bevor es geschieht - abgelöst durch die Negation der Negation, die Errichtung einer Demokratie mit gleichem Vorzeichen. Das Differenzprinzip kommt also, falls die Umstände günstig sind, bei der Evolution stärker zur Geltung als bei der Revolution.
Entspricht es in der modernen Welt noch den Interessen der herrschenden Klasse gleich welchen Systems, wenn sie ihre Macht fortdauernd vervollkommnet und perfektioniert? Währt Herrschaft ewig durch absolute Herrschaft? Sind die eigenen Interessen wirklich die eigenen Interessen? Mit dem Spatz in der Hand - lockt da noch die Taube auf dem Dach? Warum eigentlich predigen die Weisen immer wieder übereinstimmend Frieden, Besonnenheit, Versöhnung, Eintracht und den goldenen Mittelweg?
Kurz und gut - kann es nicht sein, dass größere Weitsichtigkeit, die dialektische Heranziehung des genauen Gegenteils der eigenen Interessen, Misstrauen gegenüber Unbeweglichkeit, das ständige Infragestellen eigener Positionen, die Bekämpfung von Geistlosigkeit und plumper Gewalt, die Zusammenarbeit mit dem politischen Gegner, die Intensivierung des Kontaktes mit der beherrschten Mehrheit, ja die arbeitsteilige, gemeinsame Bewältigung der Aufgaben ohne Argwohn oder Klassenkampf, und die Teilnahme des Volkes an der Macht - kann eine solche Orientierung nicht letztlich der eigenen Macht förderlicher sein als die starren und gescheiterten Konzeptionen der Vergangenheit? Ich meine die dialektische Demokratie im Ernst, nicht diejenige des Scheins, obzwar die Verschleierung von Unterdrückung gewissermaßen immer noch einen Fortschritt darstellt gegenüber selbstherrlicher Unverfrorenheit. Und ich meine nicht den Tausch der Plätze von unten (sprich Volk) und oben (sprich Herrschende), da das nach dem Differenzprinzip zu wenig wäre (der Unterschied muss also erhalten bleiben), sondern ich meine die gegenseitige Vereinnahmung der Position der Gegenspieler, konkret die Mitverantwortung des Unten (können auch Arbeitnehmer einer Abteilung sein) bei der Entscheidung, Leitung und Planung, und die Mitverantwortung des Oben (kann auch der "Chef" sein) durch die Offenlegung der großen und noch größeren Zusammenhänge. Das Unten ist bereit, Opfer auf sich zu nehmen, wenn es sich als Initiator und Informierter weiß und wenn es der Gesinnung des Oben vertraut.
Das Oben wie das Unten sollten asymptotisch immer stärker - aber nie vollständig - die Rechte und Pflichten des anderen mitvertreten. Ein jeder sollte den reinen Gegensatz seiner Interessen für sich gewinnen können und - was dazu gehört - die Beziehungen zum Gegenspieler bis zu der Grenze ausbauen, hinter der das Minimum an eigenen Interessen verlustig ginge.
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Um auf die Frage bezüglich der herrschenden Klasse jedweden Systems zurückzukommen: Welchen Beweise bedarf es denn noch, zu behaupten, dass Macht heutzutage dann am stabilsten ist, wenn sie sich freiwillig und schrittweise bis zu einer bestimmten Grenze als Macht selbst entmachtet? Anders gesagt: Der Verzicht auf eine Herrschaft mit freiwilliger Beschränkung bildet die Ursache für Instabilität, Krieg und Revolution, welche die Herrschaft überhaupt bedrohen. Schon die Unüberschaubarkeit und Kompliziertheit der zeitgenössischen Welt, die Wissenslücken aufreißt und damit den Alleinherrschern und privilegierten Klassen den Anspruch auf komplette Verantwortlichkeit verwehrt, verbietet von selbst die Legitimation einer Oligarchie.
Das Verhalten der Herrschenden etabliert sich damit gerade in der modernen, von Wissenschaft und Technik geprägten Gesellschaft zum Gradmesser dafür, inwieweit der Fortschritt, sozialer Friede und Demokratie gesichert werden können. Dieser auf eine evolutionäre, dialektische Demokratie ausgerichtete Verhaltenskodex lässt sich wiederum nur dann realisieren, wenn es starke, unzerschlagbare Organisationen der Interessen der Arbeitnehmer, der Rentner, Studenten usw. gibt, so auch mächtige, aber kompromissbereite Gewerkschaften.
Das knapp skizzierte, im Detail sicher nicht immer unproblematische Grundmodell der gesellschaftlichen Entwicklung wurde erstellt auf der Basis allgemein anerkannter Tatsachen, die aber mit Hilfe des Differenzprinzips eine Umschichtung und Neubewertung erfahren haben. Mit der bewussten Orientierung auf Widersprüche oder maximale Unterschiede ging einher der Versuch, den Zusammenhang zwischen Unterschied und entsprechender Beziehung anzudeuten.
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Eigentlich leuchtet es ja von selbst ein, dass da, wo ein Unterschied besteht, derselbe nicht konstatierbar wäre ohne eine Beziehung zwischen den sich unterscheidenden Kontrahenten oder Polen. In Anlehnung an die Begriffsbildung beim Unterschied möchte ich für das Prinzip der maximalen Beziehung den Terminus Relationsprinzip wählen. Um hierfür gleich ein Beispiel zu geben: Bekanntlich wird die Wahrscheinlichkeit, dass ein außerordentliches Ereignis in einem x-beliebigen geographischen Teil der Welt eine Auswirkung auf die übrige Welt hat, immer größer. Es existiert die Tendenz der zunehmenden gegenseitigen Abhängigkeit der einzelnen Teile der Welt. Diese Abhängigkeit oder - allgemein gesagt - Beziehung wird sich gemäß dem Relationsprinzip verstärken. - Eine Regierung kann dem bewusst Folge leisten, indem sie Kontakte zu allen Ländern der Erde sucht und pflegt.
Übrigens: Verstärkte Beziehungen weisen auf vermehrte Widersprüche (beziehungsweise Unterschiede) hin. An unserem folgenden Beispiel kommt der untrennbare Zusammenhang zwischen Unterschied und Beziehung plastisch zum Ausdruck.
Die Wissenschaftsentwicklung war bislang gekennzeichnet einerseits durch Spezialisierung, was gleichbedeutend ist mit der Herausbildung neuer Wissenschaftsdisziplinen. Ich denke dabei zum Beispiel an die Festkörper-, Quanten-, Astro- und Elektrophysik, an die Ballistik und Aerodynamik, die Nanotechnologie - alles relativ selbstständige Zweige der Physik. Ähnliche Selbstständigkeit erlangten die Petrochemie, Mikrobiologie, Immunforschung, Genetik, Biotechnologie, Computertechnik, Optik, Mineralogie, Hydrologie, Ökologie, Tierpsychologie, Soziologie, Psychoanalyse - um nur einige zu nennen. Andererseits war die Wissenschaftsentwicklung auch gekennzeichnet durch Integration einzelner Disziplinen; so entstanden die Bionik, die Geochemie, die Optronik, die Raummedizin, die Computertomographie und andere.
Integralen Charakter tragen ebenfalls die so genannten Querschnittswissenschaften, wie zum Beispiel Logik, Statistik und Kybernetik.
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Betrachtet man die Entwicklung der Wissenschaften (ein kumulativer Prozess) einmal genauer, nennt die Spezialisierung Differenzierung und die Integration Relativierung, und stellt einen Zusammenhang her zum Beispiel zwischen Mikrobiologie und Optik, zwischen Computertechnik und Astrophysik, oder zwischen Ökologie und Ökonomie, dann wird man sich des Eindrucks nicht erwehren können, als handele es sich bei der Spezialisierung und Integration nur um zwei Seiten ein und derselben Medaille. So wie ein Prisma je nach Blickwinkel in verschiedenen Farben leuchtet, betreffen die Differenz und die Relation ein und dieselbe Sache.
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Ausgesprochen markante Unterschiede, also Widersprüche zwischen Kontrahenten, entgegengesetzten Polen, wie plus und minus, insbesondere der Konflikt zweier sich ausschließender Partner, die ihre Existenz aber gerade der Existenz des Gegners verdanken, wie zum Beispiel das Verhältnis von Kapital und Arbeit - ein solcher deutlicher Unterschied verdient von uns mehr Aufmerksamkeit und mehr Sorgfalt hinsichtlich der Verpflichtung, diesen Unterschied zu erhalten und zu entwickeln, als vergleichsweise harmlose, konfliktarme, schwache und bedeutungslose Unterschiede wie der zwischen grün und violett, Regen und Auto, Lamaismus und Spiralnebel. Die drastischen, bis zur Feindschaft gehenden Unterschiede sind geprägt von besonders direkten und vielfältigen Beziehungen, und man kann umgekehrt bei Vorhandensein solcher Beziehungen auf einen spannungsvollen Widerspruch schließen. Warum nun diese speziellen und lebendigen Unterschiede unser Hauptaugenmerk verdienen, wird durch das Differenzprinzip (beziehungsweise Relationsprinzip) begründet, welches die Unterschiede, die Widersprüchlichkeit und die Determiniertheit als wesentliche Attribute des Universums auffasst.
Einen kurzen Abstecher in das von Widersprüchen und Zusammenhängen nur so strotzende Gebiet der modernen Ökonomik unternehmend, wollen wir untersuchen, welche Konsequenzen sich aus der Anwendung des Differenz- und Relationsprinzips ergeben.
„Der Reichtum der Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktion herrscht, besteht in den Waren. Die Ware ist ein Ding, das Gebrauchswert hat; dieser existiert in allen Gesellschaftsformen, in der kapitalistischen Gesellschaft aber ist der Gebrauchswert zugleich der stoffliche Träger des Tauschwerts". (Engels, S. 7). „Die Waren können sich nur als Werte und daher als Waren aufeinander beziehen, in denen sie sich gegensätzlich auf irgendeine andere Ware als allgemeines Äquivalent beziehen. Aber nur die gesellschaftliche Tat kann eine bestimmte Ware zum allgemeinen Äquivalent machen: Geld.
Der immanente Widerspruch der Ware als unmittelbare Einheit von Gebrauchswert und Tauschwert, als Produkt nützlicher Privatarbeit ... und als unmittelbare und gesellschaftliche Materiatur abstrakter menschlicher Arbeit, dieser Widerspruch ruht und rastet nicht, bis er sich zur Verdopplung der Ware in Ware und Geld gestaltet hat". (Engels, S. 10).
Dieser Auszug aus dem Konspekt über Marx „Das Kapital" von Friedrich Engels zeigt in konzentrierter Form den Beginn der Auflösung des Statischen, Qualitativen, Stofflichen und Konkreten (sprich Gebrauchswert) ins Dynamische, Quantitative, Relative und Abstrakte (sprich Tauschwert und Geld). Karl Marx war Zeuge der explosionsartigen Atomisierung der schönen Welt des Unmittelbaren, Fasslichen, Anschaulichen und Direkten, der Expansion des Stoffes zu ideellen, geistigen Wesenheiten. Immaterielle Kategorien wie Preise, Schecks, Wertpapiere, freikonvertierbare Währung, Zinsen, Diskont- und Lombardsätze - allesamt in erster Linie Relationen und Differenzierungen - kumulierten aus der fatalen Evolution der Produktivkräfte.
Die Entstofflichung, eine Erscheinung nicht bloß der ökonomischen Sphäre, sondern beobachtbar im ganzen gesellschaftlichen Leben - gewissermaßen eine Wiederholung der Bewusstseinsbildung vom Kinde bis hin zum Erwachsenen, welche bestimmt wird von einer schleichenden Verdrängung der Sinneszugewandtheit durch den sterilen Intellektualismus, des Sensus durch die Ratio - dieser Prozess geht unmittelbar einher mit der Entfaltung der Unterschiede und Beziehungen.
So wie der innere Aufbau des Marxschen „Kapital" ein Hineinwachsen vom Einfachen zum Komplizierten darstellt, ist auch die reale Entwicklung der Marktwirtschaft kumulativer Art.
Die Wirtschaftseinheiten aller Dimensionen - ob Konzern, mittleres Unternehmen, Abteilung und Hilfsarbeiter oder der selbstständige Gewerbetreibende - differenzieren untereinander und relativieren miteinander immer ausgeprägter, unter Berücksichtigung von Neugründungen und Transformationen. Die Zahl der Entscheidungsträger, aber auch die Abhängigkeiten nehmen zu, womit die Wirtschaftsstrukturen allmählich Gefahr laufen, ihre Transparenz zu verlieren. Diese Überlegungen schließen ein den Begriff der sich ständig vervollkommenden Arbeitsteilung.
Eingedenk der Forderung, dass Widersprüche erhalten bleiben müssen wie der zwischen Kapital und Arbeit, zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Arbeit und der privaten Aneignung des Mehrwerts, zwischen Angebot und Nachfrage, Sparen und Investieren und so weiter, wird zu wissen interessant, welchen Tendenzen diese Widersprüche folgen und was uns also die Zukunft bringt.
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Widersprüche als besonders konträre Unterschiede führen dazu (insbesondere bei hochentwickelten, lernfähigen Systemen, hauptsächlich die der menschlichen Gesellschaft), dass beide Seiten stärker aufeinander reflektieren und jede die Interessen der anderen mehr in Rechnung stellt, als es vorher der Fall war. Bei Wahrung der Widerspruchskonstellation erfolgt eine Verbreiterung und Intensivierung der Beziehungen zwischen beiden Seiten, während die innere Abarbeitung und Speicherung der gegnerischen Interessen einerseits Verständnis, andererseits eine Spannung erzeugt, weil die Fremd- und Andersartigkeit der gegnerischen Seite, vielleicht sogar die unüberbrückbare Kluft zutage getreten ist. Die neu entdeckte Fremdheit beziehungsweise Unüberbrückbarkeit zwingt wiederum zu neuen Kontakten, damit im
eigenen Interesse das geklärte Gegeneinander reibungsloser in geregelten Bahnen verlaufen kann.
Wir wollen an dieser Stelle uns vorerst mit einem Beispiel begnügen: mit dem Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
Beide Gegenspieler im Arbeits- und Kapitalverwertungsprozess sind im eigenen und im Interesse der Firma voneinander abhängig, und sehen in der verstärkten Zusammenarbeit naturgemäß eine Effektivitätsreserve. (Ich möchte in dem Zusammenhang auf die entsprechenden japanischen Gepflogenheiten verweisen). Mit dem steigenden Kompliziertheitsgrad der Arbeitsmittel und -bedingungen müssen sich der Bildungsstand und die Verantwortung der Arbeitnehmer erhöhen. Der Unternehmer dagegen muss sich unter den verschärften Konkurrenzbedingungen behaupten können. Ohne Umschweife darf man also prognostizieren, dass der Inhalt und die Form der Beziehungen zwischen beiden Gegenspielern eine grundlegende Wandlung erfahren werden. Nunmehr gleichberechtigt, verhalten sich beide in Zukunft so, wie sich eben ein unternehmerisches Kollektiv und sein von ihm gewählter Leiter zueinander verhalten. Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit besteht dann im Grunde genommen nicht mehr zwischen, sondern vielmehr in den Personen selbst. Diese Veränderung vom äußeren zum inneren Widerspruch - nur bei Lebewesen sowie bei gesellschaftlichen und auch technischen Systemen vollziehbar - bedeutet zwar die Auslöschung des animalischen und primitivistischen Moments im Widerspruch, doch die Unterschiede in ihm gewinnen an Klarheit, und vermehren sich mit der Höherentwicklung des Widerspruchs. Dazu kommt noch, dass der Interessengegensatz zwischen dem Leiter und dem Kollektiv bei aller Kultivierung keineswegs verloren gehen darf, auch wenn immer mehr Leitungsaufgaben auf die Schultern der Kollektivmitglieder verteilt werden.
Die Dyasmition beziehungsweise Unterschiedsexpansion, entstehend durch die Aufteilung der Leitungsaufgaben, impliziert automatisch eine Vertiefung der Koordination und Beziehungen zwischen den Kollektivmitgliedern. Das allerdings erfordert die verstärkte Vergesellschaftung des Bewusstseins, die Aufnahmebereitschaft und Tolerierung fremden Gedankenguts, fremder Eigenarten und Gefühle. Die Notwendigkeit der Toleranz und der inneren Verarbeitung menschlicher Unterschiedlichkeiten - welche sich durch das wachsende Bildungsniveau noch schärfer ausprägen, erzeugt im Anfangsstadium den Widerspruch, dass die Effektivität der Einzelleitung unerreichbar erscheint für die tendenziell kollektive Leitung.
Dieser „Nachteil" in der ersten Zeit der kommenden Gesellschaftsformation schafft Assoziationen zu den beispiellosen Leistungen der Antike, zu den mit einfachsten Werkzeugen, aber mit größtem handwerklichen Geschick und größter körperlicher Kraft und Ausdauer hergestellten gewaltigen Statuen, Pyramiden und so weiter, Leistungen, die die Fähigkeiten späterer Generationen übersteigen. Die Betrachtung des kulturellen Erbes aus der Renaissance oder der frühbürgerlichen Revolution führt zu der betrüblichen Erkenntnis, dass der gesellschaftliche Fortschritt auch Rückentwicklungen auf einigen Gebieten mit sich bringt.
Die Aufteilung und Delegierung von Leitungsaufgaben „nach unten hin" ist aber auch deshalb eine Gesetzmäßigkeit, weil mit dieser Machtverlagerung das Klasseninteresse der unterprivilegierten Volksschichten unmittelbar berührt wird. Dazu gehört die allmähliche Umwandlung des privaten Eigentums in kollektives, das heißt in Eigentum für den Einzelnen wie für die Gesamtheit. Natürlich muss das Eigentum des kleinen Selbständigen auch künftig im wesentlichen ein privates sein, denn der Satz von der Übereinstimmung der Produktions- oder Verteilungsverhältnisse mit den Produktivkräften gilt auch im konkreten. Weiterhin sollte Organisations-, kommunales, regionales, staatliches und internationales Eigentum bestehen.
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Nach der Lehre der Ubilibetik schließt das Prinzip des maximalen, lebendigen und unerschöpflichen Unterschieds die Vorstellung einer unveränderlich bleibenden oder sich verringernden Anzahl an Unterschieden beziehungsweise deren monotone, unterschiedslose Entwicklung aus. Unterschiede können sich also immer nur - ungleichmäßig - vermehren.
Auf die menschliche Gesellschaft angewendet, lässt sich die Voraussage treffen, dass die Unterschiede zwischen den Individuen (aber auch die Beziehungen !) eine Zunahme erfahren werden. Doch das kann nur das Resultat der Entfaltung der Individualität, folglich das Resultat des persönlichen Schöpfertums, des Wissenserwerbs, des selbständigen Handelns, kurz - des Wachstums der persönlichen Freiheit sein. Persönliche Freiheit wiederum wäre unvollkommen ohne eine ihr adäquate gesellschaftlich-praktische Freiheit und wäre undenkbar in einer sozialen Ordnung, in der einige wenige alle und immer einer einige beherrschen. Mit der Hierarchie der Klassen ist verbunden das Eigentum - definitorisch die alleinige Verfügung über materielle Macht - und die Entfremdung der Arbeit, in der über Ergebnis und Bedingungen der Arbeit der Arbeitende nicht bestimmen kann.
Um die Fesseln, die das Wachstum der persönlichen Freiheit aller Menschen behindern, zu sprengen, bedarf es der Schaffung eines Systems des kollektiven Eigentums, welches keinen Menschen ohne Eigentum lässt und dadurch das Eigentum im eigentlichen Sinne aufhebt. Allgemeine Freiheit setzt Chancengleichheit und Gerechtigkeit voraus, also eine relativ straffe Ordnung und Disziplin, ein waches Rechtsbewusstsein, ein ausgeklügeltes Schema der Regelung der Beziehungen zwischen den Menschen, daran sich zu halten Pflicht ist.
Somit dürfte klar sein, dass die künftige, klassenlose, freie Selbstverwaltungsgesellschaft in gewisser Hinsicht die bisher nur partiell vorhandene Ordnung und Planung auf eine neue Stufe hebt.
Wenn die Aufgaben des absterbenden Staates als politisches Machtorgan dem ganzen Volk übertragen werden, muss man die Interessen von Millionen gebildeter, selbstständiger Menschen miteinander koordinieren. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, wer nun solches tun könnte, wo doch der Staat als repressive Gewalt, der zu gehorchen war, seine Existenz einbüßt? - Freilich, der Verlust der Eigenschaft des Staates, Unterdrückungsinstrument der herrschenden Klasse zu sein, heißt nicht unbedingt auch Verlust der sich aus der zentralen Stellung ergebenden Funktionen. Anders gesagt: Die Einsicht, dass die Handlungen und Bedürfnisse der Millionen von Menschen, die alle ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen wollen, in Beziehung zu setzen sind, vermittelt die Schlussfolgerung einer sich verstärkenden Rolle der zentralen Funktion des Staates, diesmal aber nicht eines Staates über und gegen das Volk, sondern mit und für das Volk. Der Staat und seine vielfältigen Einrichtungen haben also im Namen des Volkes zu dienen, denn alle Macht geht ja - bedingt durch das Überwiegen des kollektiven Eigentums - vom Volke aus. Im Übrigen gibt es noch regionale, nichtstaatliche Ämter und Institutionen, die allgemeinnützliche, zentrale Aufgaben wahrnehmen.
Wie sich aus dem Gesagten verfolgen lässt, findet objektiv und gesetzmäßig in der menschlichen Gesellschaft eine Vermehrung der Unterschiede, so auch ein Wachstum der Rechte und Freiheiten aller Menschen - streckenweise natürlich oft genug behindert - statt. Diesem primären Prozess der Dezentralisierung schließt sich scheinbar widersprechend der entgegengesetzte Prozess der Zentralisierung an, die Regelung der Beziehungen. Der hiermit wiederum verdeutlichte etwas höhere Stellenwert der Unterschiede gegenüber den Beziehungen ist eine ausnahmslos anzutreffende Eigenart, deren nähere Erläuterung einem späteren Abschnitt dieser Arbeit vorbehalten bleiben soll. Diese Eigenart negiert allerdings nicht die Tatsache, dass bei vielen Erscheinungen die isolierte Betrachtung der Beziehungen Vorrang haben kann.
Die parallel verlaufenden Prozesse der Dezentralisierung und Zentralisierung unterliegen dem Differenz- bzw. Relationsprinzip, das heißt beide Prozesse unterscheiden sich maximal, bedingen andererseits einander. Indikatoren für die Dezentralisierung findet man in pazifistischen und neutralistischen Tendenzen, in der erstarkenden Bewegung der Nichtpaktgebundenheit, in der Forderung nach mehr Unabhängigkeit der kleinen und mittleren Staaten, der Kritik an den Weltmächten, der Überwindung des Neokolonialismus, in den Autonomiebestrebungen und föderativen Zusammenschlüssen, den ökologischen Bürgerinitiativen, im so genannten freien Spiel der Kräfte, im Pluralismus der Anschauungen und so weiter. Indikatoren für die Zentralisierung sind Forderungen nach einer gerechten und demokratischen Weltwirtschaftsordnung, nach einer Vergrößerung der Wirksamkeit der UNO, einer verbesserten internationalen Zusammenarbeit auf allen Gebieten, sind die Trusts und Kartelle, die latente Bedrohung der Bürgerfreiheit durch das inzwischen perfekte Kontrollsystem des Staates, die Militärblöcke und die amerikanischen, chinesischen und islamischen Weltreiche.
Da - trotz des unterschiedlichen Stellenwerts - die Dezentralisierung nicht ohne die Zentralisierung und umgekehrt gesehen werden darf, wundert es einen nicht, weshalb die Grundprobleme in den totalitären und damit überzentralisierten Staaten einen Mangel reflektieren: den Mangel an Dezentralisierung, an Demokratie. Die Ubilibetik vermag an diesem Beispiel logisch aufzuzeigen, dass die einseitige, undialektische - nämlich zentralistische - Entwicklung der totalitären Staaten zu zerstörenden Widersprüchen führen muss.
Die parallel verlaufenden Prozesse der Dezentralisierung und der Zentralisierung einerseits und der etwas höhere Stellenwert der Dezentralisierung gegenüber ihrem Widerpart andererseits - diese Konstellation macht den Gedanken einer sich verstärkenden Rolle der rein zentralen Funktionen des Staates in der Selbstverwaltungsgesellschaft verständlich.
Ich schrieb vorhin, dass allgemeine Freiheit Chancengleichheit und Gerechtigkeit voraussetzt, dabei unter bewusster Auslassung des Begriffs „soziale Gleichheit". Nach all den „Vorerfahrungen", die man schon heute über das Funktionieren des Systems der Selbstverwaltung hat sammeln können, ist die Herstellung der sozialen Gleichheit nur im begrenzten Umfange möglich, ungeachtet der Verpflichtung, für eine solche immer wieder zu kämpfen. Tatsächlich verwirft das Differenzprinzip aus sich heraus das Ideal einer völligen Gleichheit der Menschen, was aber nicht die Sublimierung, also Entschärfung der Widersprüche, die Beseitigung der Klassen und anderes ausschließt. Überschreitet die Spanne zwischen dem untersten und dem höchsten sozialen Lebensniveau eine gewisse Grenze, dann lassen sich zwischen beiden Extrema keine vernünftigen Beziehungen mehr herstellen, so dass auch hier der Unterschied verloren geht und das Differenzprinzip „unters Schafott kommt".
Die anzustrebende neue Gesellschaft, die dem gesetzmäßigen Lauf der Geschichte adäquat ist, wird sich uns nicht als Morgenröte menschlichen Glücks, als Paradies offenbaren. Darum haben Eile, Ungeduld, das Überspringen einzelner notwendiger Schritte und Revolutionsabenteuer anstatt unerbittlich konsequente Festigung der Demokratie, keinen Sinn. Die neue Gesellschaft wird in erster Linie eine Heimstatt der menschlichen Würde, des ganzen, wahren Menschen sein.
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Das Axiom, wonach Unterschiede zu suchen, zu erhalten und deren kumulative Vermehrung nicht einzuschränken Forderung ist, entspricht wirklichen Entwicklungsprozessen auf vielleicht allen organisierten Ebenen und Abschnitten des Universums, wie wir das anhand bereits vieler Beispiele zu belegen bemüht waren. Diesem Axiom muss man genauso Rechnung tragen wie etwa der ungestümen Entfaltung der Produktivkräfte oder der Wissenschaft, will man nicht beim allgemeinen kulturellen und zivilisatorischen Fortschreiten der Nationen ins Hintertreffen geraten.
Die Extrapolation dieses schicksalhaften Axioms in die Zukunft zeigt aber auch atemberaubende Perspektiven, die die Größe der vor der Menschheit liegenden Aufgaben illustrieren.
Wir wissen, dass den zentralistischen Klassengesellschaften gleich welchen Couleurs der expansionistische Drang und der Hang zu militärischen Lösungen immanent sind. Die Namen Hitler, Stalin und Mao mögen dafür sprechen. Als Hauptgrund für den langanhaltenden Frieden in den entwickelten Regionen der Welt die Selbstgefährdung des Aggressors anzugeben - eine nicht
gerade ermutigende Erkenntnis. Dazu der Verdacht der Geringschätzung häufig emotional vorgebrachter Friedensargumente durch reaktionäre Kreise.
Krieg bedeutet sachlich die physische oder machtmäßige Liquidierung eines Gegners mit oder ohne territoriale Annektion. Anders formuliert: Der Widerspruchspartner wird ausgeschaltet und der Unterschied zu ihm ersatzlos aufgehoben.
Diese Verfahrensweise ist aber im Hinblick auf das vorhin genannte Axiom der Unterschiedserhaltung beziehungsweise auf das Differenzprinzip unzulässig und gemäß der ubilitanen Lehre auch unlogisch. In solchen schweren Konfliktsituationen kann erst dann von Sophik (philosophische Variante der Logik) die Rede sein, wenn beide verfeindeten Partner ihren Widerspruch sublimieren, zur Höherentwicklung treiben, die einzelnen Aspekte des Konfliktes voneinander sondieren und differenzierter bewerten sowie den Informationsaustausch ebenso wie die persönlichen Kontakte vertiefen. Die Widerspruchssublimierung bzw. die Expansion der speziellen Unterschiede und Beziehungen gestaltet sich hierbei in der Form, dass die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln in der größeren Ernsthaftigkeit bei der Kunst der Diplomatie besteht. Psychologisches Einfühlungsvermögen, Intelligenz und kompromisslose Kompromissbereitschaft im Umgang mit dem Widersacher und nicht seine Vernichtung oder Verdrängung sind die Devise unserer Zeit.
In den unterentwickelten Gebieten der Erde kann die Kriegsgefahr wegen der objektiven, unreifen Bedingungen nicht gebannt werden. Dies ist einer der wenigen Fälle, wo die zivilisierten Staaten helfend eingreifen sollten.
Auch Mord, Selbstmord und jedwede Gewaltanwendung überhaupt laufen dem Differenzprinzip zuwider. Somit erhalten alle
Theorien von der Gewaltlosigkeit zum ersten Mal eine wissenschaftliche Grundlage.
Wenn jemand eine Entbehrung erleidet, die ihn zum Suizidversuch treibt, dann vermeint er gewöhnlich, dass gerade ihm größtes Unrecht angetan wurde. Die Barrieren des Auswegs sind meist psychologischer Natur und haben oft mit der Verkennung des eigenen Wertes zu tun. In diesem Zusammenhang genügt es bekanntlich nicht, das Recht auf Leben zu postulieren, zumal das Recht auf Gestaltung des eigenen Schicksals und damit auf Beendigung des Lebens (falls nicht Angehörige davon betroffen werden) als Argument gilt.
Inwiefern kann man das Postulat vom Recht auf Leben eventuell mit der Pflicht zu Leben gekoppelt denken?
Im gesellschaftlichen Bewusstsein der modernen Zivilisation ist der Wert des einzelnen Menschen im Ansteigen begriffen, was unter anderem durch die Kompliziertheit der materiellen gesellschaftlichen Basis begründet wird, deren Beherrschung immer mehr die aktive Tätigkeit von Persönlichkeiten erfordert. Das Bewusstsein von der Unersetzlichkeit, Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit des Individuums ordnet sich ein unter das Gesetz, wonach die Unterschiede wie die Beziehungen zwischen den Menschen zunehmen. Sowenig danach die Vernichtung fremden Menschenlebens zulässig ist, sowenig darf der Wert der eigenen Persönlichkeit, die kostbare Einmaligkeit eines ganzen, inneren Universums, der Vergessenheit anheim fallen - und sowenig darf man einfach vom Antlitz der Materie verschwinden.
Die neugewonnene Achtung des Andersartigen verträgt sich auch nicht mit der Diskriminierung des anderen Geschlechts, der Homosexualität, mit der Diskriminierung älterer Bürger, Jugendlicher, Geisteskranker, Fremdarbeiter, ethnischer Minderheiten, fremder Völker und Rassen und deren Eigenarten, fremder Weltanschauungen, Religionen, Sitten und Gebräuche. Die kluge, antiautoritäre Erziehung der Kinder und Jugendlichen muss zur Maßgabe die gegenseitige Wertschätzung der altersspezifischen Fähigkeiten von Jung und Alt - von Erzogenem und Erziehendem - haben. Selbst in dem Kinde, einstmals mit weichem Wachs verglichen, dem man alle erwünschten Formen geben könne, stecken noch unerkannte Gaben, die ihrer Entdeckung und Entfaltung harren. Die produktive Persönlichkeit des Kindes und des Jugendlichen, welche entsteht in einer Atmosphäre der Freiheit und des Respektes vor dem gerechten Erwachsenen, birgt in sich gesellschaftlich nützliche Schätze, von denen wir heute kaum etwas ahnen. Man braucht sich nur einmal den Phantasiereichtum der eigenen Kindheit vergegenwärtigen, die Fragen über für uns Selbstverständliches und die manchmal genialen Ideen eines noch ungebundenen Denkens, um zu erkennen, welcher „Nutzeffekt" sich aus der sachkundigen Auswertung dieser - sicher oft verschwommenen - Ideen ergeben würde. Der junge Mensch hat zwar noch vor sich, was wir hinter uns haben, so wie wir vor uns haben, was noch ältere hinter sich haben, doch geht mit dem Verfließen der Jahre auch der Verlust von wertvollen Eigenschaften wie die der Erlebnisfähigkeit einher, und nicht umsonst sehnt sich so mancher nach seiner Kindheit zurück.
Es ist wie mit der menschlichen Gesellschaft: Neben Dingen, die immer besser werden, vollziehen sich parallel dazu auch rückläufige Prozesse (zum Beispiel die Zivilisationskrankheiten und die Umweltzerstörung), welche dem politischen Konservatismus hier recht geben. So wie man die Unbefangenheit und Lebensfrische der alten Griechen - die eigentlichen Gründer des Abendlandes - als dem kindheitlichen Stadium der Menschheit zugehörig bezeichnet,
legte in der Sonne des Lebens unsere Kindheit mit schöpferischer Phantasie den Samen für alles Grundlegende, was wir heute sind.
Die Wertschätzung altersspezifischer Fähigkeiten bezieht sich genauso auf die Senioren unter uns. Ist es nicht ein unglaublicher Luxus, den wir uns leisten, wenn wir die Erfahrung und die Weisheit von .Menschen, die nicht mehr am Arbeitsplatz stehen, der Gesellschaft vorenthalten? Warum sollen Rentner nicht in ansprechender Form nützliche Tätigkeit leisten, falls sie dies wünschen? Würden wir uns endlich bemühen, Mittel und Wege zu finden, die den alten Menschen unentbehrlich machten, ihm damit seinen Lebensmut wieder stärkten, dann wäre den sozial nachteiligen Folgen des Alters und dessen ungenügender Achtung der Boden entzogen.
Die Praxis, Menschen mit Gebrechen beziehungsweise Geistesbehinderte vom gesellschaftlichen Leben zu isolieren und gar in ausbruchssichere Heilanstalten zu sperren, kann nicht befriedigen. Die Beziehungen zu den „gesellschaftlich legitimierten" Mitmenschen sind unterbunden und auch die Unterschiede kommen nicht wirklich zum Vorschein. Weder wird der Behinderte dem Einfluss eines normalen sozialen Milieus und normalen Verhaltens unterworfen, noch lernt der gesunde Mitmensch die eigentliche Problematik des Krankheitsbildes, das gestörte Bewusstsein und die Verantwortung für den Bedauernswerten kennen. Der Gesunde und der Behinderte müssen miteinander konfrontiert werden, müssen sich aufeinander einstellen, Widerspruchsentwicklung betreiben - das würde beide Seiten zum Vorteil gereichen. Man akzeptiert ja heute schon den Grundsatz, dass immerhin alte und junge Leute Umgang miteinander pflegen sollten, weil das den beiden Lebensphasen etwas gibt. Nicht zuletzt können Behinderte, falls sie keiner regulären Arbeit nachgehen, sich zumindest handwerklich oder künstlerisch entfalten (Arbeitstherapie) und Nutzen bringen, wodurch ihr Ansehen in der Gesellschaft steigen würde.
Zur Respektierung der Eigenarten und Rechte fremder Völker und Minderheiten (Minderheiten sind Bindeglieder zwischen den Völkern, wie Josip Broz Tito sagte) hat sich so manche - zumal große - Nation leider erst nach Kriegen durchgerungen. Jetzt kommt es darauf an, das Andersartige eines fremden Volkes (bzw. einer Minderheit) zu verstehen und für sich selbst zu tolerieren (objektiv eine Zuspitzung des Widerspruchs!) und die Beziehungen zu vertiefen.
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Der gleiche ubilibetane Gedanke betrifft auch unsere Einstellung zum gezähmten und wilden Tier sowie zur Pflanze.
Das Tier ist uns durch die Ergebnisse der Verhaltensforschung, der Tierpsychologie, Veterinärmedizin und anderes sowie durch die allgemeine Sensibilisierung als Ausdruck der Zivilisation im wahrsten Sinne des Wortes näher gekommen. Die Entdeckung der Intelligenz der Delphine - Tiere, die äußerlich so gar nicht an den Menschen erinnern - mag man als einen typischen Einschnitt ansehen. Das Tier verkündet seine Regungen und Bedürfnisse auf andere Weise als der Mensch; jeder Haustierbesitzer wüsste Romane darüber zu erzählen. Doch im Gegensatz zu früheren Zeiten wird heute kaum noch jemand die Andersartigkeit tierischen Aussehens und Verhaltens mit dem Gefühl der Geringschätzung und Verachtung koppeln. Dort, wo der Geist der Toleranz und des Pluralismus herrscht, rückt der Mensch näher an das Tier und das Tier näher an den Menschen. Was die Natur, also die freie Wildbahn und den Daseinskampf der Arten angeht, so muss der Mensch versuchen, sich aller störenden und zerstörenden Eingriffe zu enthalten. Schon das hohe Organisationsniveau der Natur als System erheischt die Toleranz des Menschen zu ihr.
Freilich ist die Natur wiederum nicht entwickelt genug, als dass in ihr etwa eine nennenswerte Unterschiedsexpansion oder Kumulation zu registrieren wären. Daher ist es nur moralisch für den Menschen, an den „Gesetzen der Wildnis" nicht zu rütteln; der Mensch trägt keine Verantwortung zum Beispiel für die Tötung des Tieres durch das Tier, für das Verenden des kranken oder unterlegeneren Tieres. Zuständig dagegen ist der Mensch im höchsten Maße für die Geschehnisse in seiner Zivilisation. Die Versklavung des Tieres als Folge der intensiven landwirtschaftlichen Produktion, die oft sinnlose und nicht schmerzlose Massenvernichtung in den Schlachthäusern und Farmen, das Ausgeliefertsein bei wissenschaftlichen Experimenten und die verbreitete Einstellung, das Tier sei für den Menschen da, anstatt zu sehen, dass das Tier für sich selbst existiert und nur durch die Stärke des Menschen versklavt wurde - eine solche Behandlung des Tieres verträgt sich in keiner Hinsicht mit der Würde des Menschen! Das Nachfühlen fremden Schmerzes, fremden Leides und die Achtung vor dem Leben überhaupt sind wesentliche Merkmale der menschlichen Würde. Wie kann man ruhigen Gewissens einen echten Pelzmantel kaufen, ohne dabei zu überlegen, ob nicht für diesen lebende Wesen einen qualvollen Tod gefunden hatten!
Die Zukunft gehört dem Veganismus, und bis dahin ist der Mensch aufgerufen, sich maßvoll von Fleischwaren zu ernähren (solange sie nicht künstlich herstellbar sind), doch er darf mit dem Leben nicht verschwenderisch umgehen (so sollte zum Beispiel jedes getötete Vieh sozusagen besser verwertet werden), und vor allem darf eine solche Barbarei nicht sein, dass Schmerzen und Leid millionenfach auftreten, die ohne viel Mühe vermeidbar gewesen wären! Jedes Leid - auch das tierische - hat Anspruch und ein Recht auf Erlösung! Wenn ich behaupte, das Erschlagen von drei Robben sei von gleicher Brutalität, von gleicher Gesetzlosigkeit wie das Umbringen eines Menschen - wer fände den Maßstab oder die Regel, wodurch meine Behauptung entkräftet würde? Ein solches Maß gibt es nicht - was aber bleibt, ist das furchtbare Sterben jeder einzelnen hingeschlachteten Robbe.
Ob ein Wal, ein aussortiertes „minderwertiges" Küken, ein so wenig Vertrauen erweckendes Wesen wie der Alligator oder die Schlange: Alle haben sie das Licht der Welt erblickt, damit sie leben sollen!
Milliarden Jahre fortgesetzter Entwicklung mögen vorübergegangen sein, bis die Biosphäre entstand, in der der Mensch heute weilt: Kann man da das Recht besitzen, Lebewesen für primitiv zu halten und entsprechend zu behandeln - ich denke an so alte Gattungen wie Insekten und Pflanzen -, nur weil bei ihnen das menschliche Nachfühlen versagt?
Wir werden, wie ansatzweise in der Vergangenheit geschehen, bald auch das fremdartigste Leben verstehen und schätzen lernen - sollten wir also nicht schon heute damit beginnen, das Verhältnis zu unserer Umwelt neu zu ordnen? Sollten wir nicht die Kruste unserer verschütteten Empfindsamkeit aufbrechen, wenn wir beobachten, wie jemand einen Regenwurm auf den Angelhaken spießt und dann in vollkommenem Seelenfrieden darauf wartet, bis ein Fischmaul sich verfängt? Wie bewertet man Menschen, die ihre Hauskaninchen so entzückend und süß finden, um ihnen einen Monat später das Fell abzuziehen? Was hindert uns daran, manche pharmakologischen oder physiologischen Laboratorien, in denen mit Meerschweinchen, Ratten oder Katzen experimentiert wird, als Folterkammern zu bezeichnen? Warum wird ein Wellensittich gekauft - dieses zum Fliegen geschaffene Wesen -, wenn es doch nur im Käfig dahinsiechen muss, außerdem vielleicht einsam und ohne zureichende Nahrung? Die Legeboxen für Hühner, Schweineställe und Terrarien - glaubt denn heute noch jemand, das Tier wisse nichts von der Freiheit? Oder der schikanöse und lieblose Umgang mit dem unterjochten Tier- glaubt denn heute noch jemand, der Mensch sei der einzige, dem es nach Gerechtigkeit dürstet? Die wirkliche Anerkennung des Unterschieds zwischen Mensch und nichtmenschlichen Lebewesen, die Anerkennung der vollen und freien Daseinsberechtigung von Tier und Pflanze, das Gelten lassen des Natürlichen - dies bedeutet die Preisgabe eines weiteren Bausteinchens unseres noch immer anthropozentrischen Weltbildes. Noch immer steckt in uns das Kind, das vermeint, alles drehe sich nur um es und der Wolf habe einen schlechten, dagegen der Igel einen guten Charakter...
Die Anerkennung der Daseinsberechtigung der Pflanze als Individualität steckt erst in den Anfängen, doch dem Gesetz der Unterschiedsexpansion werden wir nicht entrinnen können. Wissenschaftliche Untersuchungen geben heute bereits eine Vorstellung von bisher unbekannten Eigenschaften der Pflanzen. Dasselbe gilt auch für die Betrachtung der ökologischen Kreisläufe sowie der Erde als solche, die ja ein sehr komplexes System darstellt. Das Tier, die Pflanze, der ökologische Kreislauf und die Erde selbst bilden im wesentlichen kein Feindschaftsverhältnis zum Menschen. Daher beschränkt sich die Widerspruchsentwicklung (welche hier ja ohnehin nur vom Menschen durchführbar wäre) darauf, dass der Mensch das Leben und die Erde nutzt, indem er die natürlichen Bewegungsformen des Lebens und der Erde für sich verwendet. Er intensiviert die Beziehungen zum Leben und zur Erde in dem Umfange, wie er den Unterschied toleriert, wie er das Leben und die Erde aus seiner Herrschaft entlässt.
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Nach unserem Streifzug quer durch die bunte Wirklichkeit wollen wir zunächst innehalten und wieder einige Präzisierungen und Begriffsbildungen vornehmen.
Es wurde bereits der Gedanke ausgesprochen, wonach der reine, dynamisch-vitale, lebendige Unterschied nicht mit einer genau gleich bleibenden oder gar sich verringernden Menge an Unterschieden vereinbar ist. Die Menge an Unterschieden kann daher - allerdings ungleichmäßig - prinzipiell nur anwachsen. Dasselbe gilt auch von der reinen, lebendigen Beziehung.
Dieses Wachstum kommt zum Ausdruck in dem Begriff der Kumulation, letztere wiederum wird durch die Eigenschaft bestimmt, Altes nicht zu liquidieren, sondern zu bewahren, dabei jedoch zu einem Sonderfall zu „degradieren". Wegen dem unzureichenden Abstraktionsgrad des Begriffs "Kumulation" soll der hier schon erwähnte Terminus "Dyasmition" eingeführt werden.
Die geistigen Prozesse der Menschheit und des Individuums, in materiellen oder moralisch-intellektuellen Schöpfungen widergespiegelt, die Informationslawine, die Evolution des Samens, des Keimes, des Embryos und des irdischen und nichtirdischen Lebens überhaupt sind Dyasmition, welche annähernd auch mit dem Begriff der Negentropie beschrieben werden kann.
Die Expansion der uns zugänglichen, ungeheuren Weiten des Universums vermittelt die hypothetische Vorstellung, dass anfänglich alles in einer sehr dichten, raummäßig beschränkten Urmaterie komprimiert war, deren physikalische und zeitliche Gesetzmäßigkeiten sich von den heutigen unterschied. Die Urmaterie musste im gewissen Sinne die Information über das uns bekannte Weltall in sich enthalten haben, und wenn man den Vergleich zu einem Samen herstellt, so drängt sich einem unwillkürlich die Idee auf, das Universum und damit die Materie schlechthin könnten sich kumulativ bzw. dyasmitiv entwickeln - was freilich der These der Entropie widerspricht. Die Geschichte der endlosen, vom Silberschleier der Myriarden Sterne verhangenen Weltnacht nach dem gleichen Grundprinzip sich vollziehen zu lassen, mit dem sich ein Grassame entfaltet - welch eine phantastische, änigmatische Vision! Dann würde die Geschichte des Alls im Großen und Ganzen nach einem „Programm" ablaufen, das nur durch Umwelteinflüsse, die das All selbst hervorruft, modifizierbar wäre - adäquat dem Wachsen und sich Anpassen eines Grashalmes. Und wenn das Axiom gilt, wonach alles mehr oder weniger direkt mit allem in Beziehung steht, und die Information über die Zukunft im wesentlichen in der Gegenwart und Vergangenheit verborgen liegt, so ist der Schritt nicht weit, auch noch die Hellseherei, Wahrsagerei und Astrologie, falls nicht von Scharlatanen und Laien praktiziert, zu akzeptieren...
Hätte die Zukunft nicht in jeder Hinsicht irgendeine Beziehung zur Gegenwart, wäre in der Kastanie nicht schon die Wahrscheinlichkeitsverteilung über den künftigen Baum herauslesbar (mit Varianten und Freiheitsgraden), dann müsste man die Entstehung von Materie aus dem Nichts für möglich halten. Eine gegenwärtige Erscheinung, die keinerlei Wurzeln in der Vergangenheit hat - eine reine Erschaffung durch das bloße Wort des Kreators - solch kühner Utopismus ignoriert die materielle Wirklichkeit und ihre Determiniertheit.
Die Dyasmition des Universums, soweit sie statthat, wird für den Menschen auf Grund der gewaltigen Zeiträume kaum bemerkbar sein. Auch braucht die Dyasmition des irdischen Lebens im Zusammenhang mit aktuellen Fragen keine Berücksichtigung finden. Sicher sind die heutigen Tierarten großenteils komplizierter organisiert und intelligenter als ihre Vorfahren, doch inwiefern soll diese Tatsache unseren Umgang mit dem Tier verändern? Eine echte Kommunikation und damit Widerspruchsentwicklung mit dem Tier kommt bekanntlich nur im Märchen vor, daher bleibt uns lediglich die Aufgabe, durch besseres Verständnis das Tier - wie auch die Pflanze - allmählich von der Ausbeutung und Unterjochung durch uns zu befreien. Es bleibt uns die Aufgabe, der Natur ihr Gleichgewicht wiederzugeben.
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In den rückständigen Ländern der Erde kann Friedfertigkeit, die Macht der Vernunft und des Diplomatismus, Toleranz, Empfindsamkeit für die Probleme des Kindes, der Frau, des Senioren, des Behinderten und des Außenseiters sowie für das Tier nicht vorausgesetzt werden. Weiterhin stellt dort der Sozialismus unter Umständen tatsächlich einen sozialen Fortschritt dar, allerdings in Gestalt eines etatistischen Sozialismus, der es nicht vermag, die politische Funktion des Staates abzubauen, die Klassen und die Ideologien zu beseitigen sowie die volle Selbstverwaltung des Einzelnen, des Kollektivs und der Region herzustellen. Die Einteilung zwischen progressiv und konservativ-reaktionär, zwischen fortschrittlich und rückschrittlich, zwischen gut und böse gelingt noch leicht in diesen Ländern. Da gibt es auch den Einheitsglauben, der Millionen erfasst und gleichschaltet, und suchen muss man die gebildeten Persönlichkeiten, den Individualismus, die Differenziertheit, Psychologie und die verfeinerten Ansprüche. Kurzum: Die Idee vom Bestehen dyasmitiver Prozesse konnte erst in der Jetztzeit aufkommen, die Idee, dass alles in Bewegung ist, was folglich auch die weitere Differenzierung der Geschwindigkeiten schlechthin bedeutet, womit parallel dazu auch die Beziehungen zahlreicher werden.
Stellen wir noch einige Gedanken zur Situation in Europa an.
Wegen der allseitigen engmaschigen Verflochtenheit (und zwar im unterschiedlichen Maße) der europäischen Länder untereinander und zur übrigen Welt beschwören Umsturz und Machtwechsel in einem dieser Länder die Gefahr einer nicht mehr überschaubaren, sicher globalen Kettenreaktion herauf, die das komplizierte Gewebe der Beziehungen „durcheinander bringt". Daher ist das Interesse an Stabilität und Sicherheit in Europa allgemein verbreitet. Doch Diktaturen sind potentiell labil und bergen in sich den Keim der Revolution. Um letztere aufzuhalten, wird die Demokratisierung unumgänglich - die Errichtung einer Demokratie mit gleichem Vorzeichen und mit nationalen Besonderheiten. Sperrt sich die Obrigkeit einer solchen Einsicht, dann kommt die stählerne Faust der Revolution zu ihrem Recht, wobei für die Folgen und das Gelingen nicht garantiert werden kann...
Portugal, Griechenland und Spanien waren die letzten Diktaturen Westeuropas. Je schwerer der Kampf gegen die Unfreiheit gefochten wurde, desto deutlicher das spätere Aufscheinen von Merkmalen einer linken Demokratie. Es entstand eine Staatengruppe, deren gesellschaftlichen Systeme in Europa ihresgleichen suchen; ein die Vielfalt der europäischen Landschaft vergrößerndes Novum.
Um einer Schwächung der NATO und damit des Kräftegleichgewichts vorzubeugen, hatten vor allem die USA gegen die linken Tendenzen in diesen Ländern interveniert - ob berechtigt, sei dahingestellt. Auf keinen Fall aber werden die drei Länder ihre sich von den anderen Staaten Europas abhebenden Eigenarten verlieren, sei es, sie treten im Gewand einer linken, sei es, sie treten im Gewand einer rechten Demokratie auf.
Diesen bloßen Zuwachs an Vielfalt möchte ich "quantitative Dyasmition" nennen. Als ein weiteres Beispiel hierfür kann
die Tatsache herangezogen werden, dass die Aufspaltung der Wissenschaft und der Philosophie voneinander historisch bedingt war und vorher beide Grunddisziplinen für ein und dasselbe galten.
Hätte sich die herrschende Klasse damals in den kommunistischen Regimes Osteuropas dazu durchringen können, mit der Opposition und überhaupt mit dem Volk Kontakt aufzunehmen und einen Dialog einzuleiten mit dem Ziel, die gesellschaftlichen Strukturen zu demokratisieren, dann würde sie viel Macht preisgeben und diese zugleich retten. Dem Westen hätte an der Herausbildung linker Demokratien eher gelegen sein müssen als an der rechter Demokratien (was natürlich paradox ist), da letztere mit unberechenbaren Revolutionen verbunden wären. Vom ubilibetanen Gesichtspunkt aus ist der Verlust der Differenz und der dialektischen Spannung zwischen Ost und West zu bedauern - bei einem Fortbestand auf unvergleichlich höherem Niveau allerdings. Der demokratische Sozialismus des Ostens würde sicher enger mit dem westlichen Lager in Beziehung getreten sein, und der Wettbewerb der Systeme wäre friedlicher und geregelter, aber auch breiter und spürbarer, als das in der Periode des Kalten Krieges der Fall war.
Der mühselige Widerspruchsdialog zweier Kontrahenten, nicht die Ignorierung, sondern die zunehmende innere Abarbeitung des gegnerischen Standpunktes, die Aufwärtsentwicklung zum Kompromiss - das möchte ich als "konträre Dyasmition" bezeichnen.
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Betrachten wir jetzt einmal jene verwirrende Logik, wonach die Aufrüstung heutzutage die Kriegsgefahr ebenso erhöht, wie sie den bestehenden Frieden festigt. Länder wie China oder Indien schrecken mit ihrer wachsenden militärischen Präsenz einen potentiellen Aggressor deshalb ab, weil nicht abzusehen ist, wie diese beiden Länder sich im Ernstfall verhalten würden. Je mehr
Atommächte existieren (das wäre militärischer Pluralismus), desto unklarer der Ausgang eines Krieges und um so sicherer der Friede. Eigentlich müssten zum Beispiel die USA die saudiarabischen und iranischen Streitkräfte mit modernen Kernwaffen ausrüsten, denn so könnten sie substantiell zeigen, dass sie wirklich nicht Überlegenheit, sondern den dauerhaften Frieden wollen.
Ähnlich zweischneidig sind die Überzeugungen und Argumente des Sozialdemokratismus einerseits und des politischen Konservatismus andererseits. Beide Strömungen haben „irgendwie recht", beiden ist zuzustimmen und doch kann ja Feuer und Wasser, Rot und Blau nicht zugleich sein.
Das bewusste Suchen derartiger „Kuriositäten" verschafft die Möglichkeit, zu tiefgreifenden Erkenntnissen zu gelangen. - Der gegenwärtigen Zunahme solcher verwirrender Zusammenhänge soll der Begriff „paradoxe Dyasmition" entsprechen.
In unseren Darlegungen hatten wir bereits eine mathematische Abstraktion eingeführt, nämlich den reinen Unterschied zwischen Plus und Minus, welcher wiederum nur bestehen kann, wenn beide Pole durch eine reine Beziehung miteinander verknüpft sind. Wäre der Unterschied zwischen Plus und Minus absolut, dann dürfte keiner der Pole Merkmale des anderen implizit enthalten, was bedeute, dass es keinerlei Beziehung zwischen beiden gäbe. Ohne Beziehung dagegen existiere kein Instrumentarium, mit dessen Hilfe man einen Unterschied zwischen Plus und Minus registrieren könne - beide wären so ein und dasselbe. Würden nur absolute Unterschiede das Universum ausfüllen, dann hätten diese letzteres zur reinen Eins komprimiert, zur reinen Negation der Vielfalt.
Zum reinen Unterschied gehört aber auch die Voraussetzung, dass zwar beide Pole gemeinsame Merkmale haben, sie jedoch nicht mit
etwas Drittem teilen - das Gemeinsame ist nur den beiden eigen. Wenn dem nicht so wäre und der Unterschied lediglich als relativer gelte, könnte ein solcherart gestaltetes Universum wie eine graue, homogene Masse vorgestellt werden, in der vor lauter Beziehungen die Unterschiede stranguliert sind.
Über Beziehungen zu etwas Drittem, und zwar verschiedenen Inhalts, verfügen beide Pole für sich allein und unabhängig voneinander.
Wie beim Unterschied, kann auch die reine Beziehung weder absolut noch relativ, sondern nur maximal sein, weil sonst auch hier das Universum die Form eines Punktes annähme, im Sinne einer völlig homogenen Masse oder der Eindimensionalität, der reinen Eins.
Auf ein anderes Beispiel angewendet: Das Männliche im Manne muss ein bestimmtes Quantum weiblicher Merkmale, das Weibliche in der Frau ein bestimmtes Quantum männlicher Merkmale besitzen, und beide müssen sich deckende allgemein menschliche Merkmale besitzen, damit der Unterschied und die Beziehung zwischen beiden Geschlechtern maximal sind. Der eine Partner ist also vermögend, die Persönlichkeit, die Bedürfnisse und Wünsche des anderen Partners innerlich nachzuvollziehen, jedoch nur soweit, wie es die geschlechtliche Grenze zulässt. - Dieser Gedanke schließt die Homosexualität mit ein.
Gerade weil der Unterschied so klar gesetzt ist, gestaltet sich die Beziehung schier unermesslich tief, und umgekehrt macht gerade die Tiefe der Beziehung die quälende Transzendenz des Unterschieds bewusst. Offenbar liegt das Geheimnis der Liebe in der gegenseitigen Bedingtheit von Unterschied und Beziehung begründet, und wo die Liebe herrscht, herrschen auch die Eifersucht und der Schmerz. Nirgend sonst tritt die Dialektik so prägnant zutage wie in der Verwobenheit zweier sich Liebender, nirgend sonst erreichen die Arten der Dyasmition eine solche Blüte an Vollkommenheit.
Wahre Liebe wächst mit den Hindernissen, und sie kann erlöschen, wenn diese fallen. Liebe ist Last und macht überempfindlich für die Stimmungsschwankungen des Partners. Keine Wunde ist furchtbarer als die durch den Geliebten, und das Schlagen von Wunden gehört zu den Episoden einer Liebe. Aufatmen kann, wer den bitteren Nektar der Liebe zu Ende getrunken hat, doch er muss lernen, die Farben des alltäglichen Lebens wieder zu entdecken. Die Liebe und das Leid ergänzen einander wie zwei Geschwister, und am Ende ist Herzensbildung die einzige Erbin - oder die Erkenntnis, eigentlich gar nicht geliebt zu haben...
Dasjenige, was eine Wechselbeziehung zweier Pole oder Kontrahenten im Konkreten darstellt, also ein spezieller reiner Unterschied und mit ihm die reine Beziehung, möchte ich „Dyasmatum" nennen. Die Mehrzahl sind die „Dyasmata", welche wiederum - in ihrer unendlichen Zahl - das „Dyasmatium" ausmachen, ein Weltall im Weltall. „Dyasmität" schließlich bedeutet, Eigenschaften eines Dyasmatum - der kleinsten Einheit - aufzuzeigen.
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Gewiss ist die Fähigkeit des Menschen, seine Triebe zu steuern und zu beherrschen, aus der längst verflossenen Alternative entwachsen, entweder aus den Annalen des Seins gelöscht zu werden wie schon endlos viele Tierarten zuvor, oder aber immer wieder Ausbruchsversuche aus dem allmächtigen Reich des Instinktiven und Unbewussten zu unternehmen, zu arbeiten also im körperlichen und geistigen Sinne, um damit im brutalen Existenzkampf zu überleben. Im Ergebnis der Triebsublimierung wurden Ersatzwerte geboren wie die seelische Liebe, Religion, Kunst, danach die Zivilisation, intellektuelle Kultur, Wissenschaft, Technik und Toleranz. Heute, da die menschliche Arbeit sich verstärkt von der Zeit herauslöst, in der sie geleistet wird, da die Arbeitszeit ihren Einfluss auf das Maß an Arbeit verliert, und da es mit Not und Entbehrung bei uns - hoffentlich - vorbei zu sein könnte, stellt sich die prähistorische Frage erneut: Trieb oder Arbeit, Eros oder Kultur?
In Rechnung stellend, dass Verinnerlichung, Vergeistigung und Diszipliniertheit indessen bereits ebenso zum Wesen des Menschen gehören wie der Drang, sich ausleben zu können, nach Freiheit und Selbstverwirklichung und dass ja Arbeit und Ordnung natürlich noch immer sein müssen, hat man die Existenzberechtigung beider Widerspruchspartner anzuerkennen. Zumal die Zivilisation selbst vormals unbekannte Bedürfnisse geschaffen hat, die befriedigt werden wollen; ich denke an das Bedürfnis noch Mobilität, nach Informiertheit, nach gesellschaftlichem Renommee, nach Behaglichkeit und Schönheit. Es ist dies ein Verhältnis, das dem Verhältnis von Freiheit (welche mehr den reinen Unterschied verkörpert) und Gerechtigkeit (welche mehr die reine Beziehung verkörpert) entspricht. Herrschte nur die Freiheit, herrschte auch Ungerechtigkeit und herrschte nur die Gerechtigkeit, so herrschte auch Unfreiheit. Optimal ist, wenn Freiheit und Gerechtigkeit einander nicht drangsalieren, wenn beide Ideale in reinem Lichte stehen, trotzdem eng miteinander verbunden sind und eines dem anderen dient.
In eine solche Widerspruchsbeziehung, die ein Prozess ist, müssen auch die Pole Eros und Kultur eingehen. Gesetzt, die seelische Liebe sei sublimierter Fortpflanzungstrieb, das heißt verklärte, umhüllte, geschminkte, umgelenkte körperliche Liebe. Doch eine solche Verfeinerung und Verkünstelung des Sexuellen besagt noch lange nicht, dass die tiefe Sympathie und Ergriffenheit einer
seelischen Liebe keine Eigenständigkeit besäße. Sie ist im Gegenteil so eigenständig gegenüber dem Sexuellen, wie ja auch die Gattung des Homo Sapiens gegenüber der Gattung des Affens, obwohl der Mensch bekanntermaßen vom letzteren abstammt.
Kurz und gut: Das Verhältnis von Eros und Kultur, von uns als reiner und notwendiger Widerspruch, mithin als Dyasmatum definiert, wird sich in Zukunft nach den Gesetzen der konträren Dyasmition fortentwickeln, ohne dass dabei ein Sieger oder Verlierer zu erwarten wäre.
Gemäß dem Differenzprinzip ändern sich Wert und Dominanz zweier Kontrahenten zueinander während einer Dyasmition ständig - mal überwiegt der eine, mal der andere -, ungeachtet der Tatsache, dass einer der Partner, solange er sich selbst bleibt, über längere Zeit hinweg stets letztlich die Oberhand behalten wird. Das Differenzprinzip, das Prinzip des maximalen Unterschieds erfordert es, einem der Widerspruchspartner eine geringfügige Priorität einzuräumen, obzwar beide ein Dyasmatum mit seinen Voraussetzungen bilden. Der leicht bevorzugte Partner zeichnet sich gegenüber dem anderen durch ein etwas aktiveres Moment aus, wenngleich, wie gesagt, der etwas passivere Partner zeitweilig doch den anderen an Wert und Dominanz überragt.
So ist vorauszusehen, dass die Waage zwischen Eros und Kultur unaufhörlich hin und her pendeln wird, trotz der Beobachtung, wonach die des Eros zugedachte Seite sich als von größerem Gewicht erweist; nur in „ruhigeren Zeiten" dürfte die Priorität der Kultur kaum bestreitbar sein. Analog ist es in der Konstellation zwischen Dezentralisation und Zentralisation, zwischen Markt und Plan, Nachfrage und Angebot, Gebrauchswert und Wert einer Ware, Arbeit und Kapital, zwischen den Standpunkten des Arbeitnehmers und des
Arbeitgebers. Die jeweils ersteren werden auf längere Sicht hin dominieren, auch wenn das Pendel des Rechts, der Wahrheit, der ökonomischen Vernunft, der Macht und so weiter ständig nach beiden Seiten hin ausschlägt.
Dasselbe gilt theoretisch - unter Auslassung denkbarer Verschiebungen - für die Konstellation zwischen Sozialdemokratismus und politischem Konservatismus, zwischen Marktwirtschaft und Zwangsverwaltung - nach allem hin und her werden erstere Recht behalten. Genauso einschätzbar stellt sich in der Mathematik das Verhältnis von Plus und Minus, in der Logik das Verhältnis von Aussage und Negation derselben, in der Philosophie das dialektische Verhältnis von Kampf und Einheit der Gegensätze und in der Liebe das Verhältnis von Erhöhung und Erniedrigung. Bei aller Gleichberechtigung verfügen erstere über mehr Eigenschaften und sind stärker gegenwärtig.
Die Hoffnung ist gering, dass unserer Welt die gleichzeitige Ausbreitung von Massenmord und Demokratie der Massen erspart bleibt. An uns liegt es, in jener paradoxen Dyasmition der ohnehin schwereren Waagschale der Demokratie noch mehr Gewicht beizumessen.
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Wir hatten bereits den Nachweis geführt, dass, wenn die reinen Unterschiede und reinen Beziehungen die letzte Substanz, der Urgrund der objektiven Welt sind, sich alle Eigenschaften der objektiven Welt auf dieselben zurückführen lassen müssen. Allerdings begründet das Wesen des reinen Unterschieds das Gebot der Vielfalt, der Expansion, Kumulation und Evolution des Weltsamens. Wirklich Neues sein heißt, nur bedingt rückführbar auf Vergangenes, auf die letzten Dinge zu sein. Die Mannigfaltigkeit im Universum (speziell beim Leben) und die Totalität des Neuen gestatten die
Rückführbarkeit auf wenige Grundattribute nicht absolut, wohl aber maximal, das heißt Rückführbarkeit ist auch nicht bloß relativ.
Der reine und maximale Unterschied kommt erst zur Geltung durch das gleichzeitige Bestehen von klarer, unbedingter Differenz an sich und wachsender, lebendiger Vielfalt von Abstraktem und Konkretem, von Wesen und Erscheinung.
Nun können aber das Abstrakte und das Wesen überall dort ermittelt werden, wo auch das Konkrete und die Erscheinung offenbar sind. Mit einem Wort: Das Konkrete und die Erscheinung beziehungsweise das Abgeleitete unterscheiden sich vom Ursprünglichen, welches „die Welt im Innersten zusammen hält", nur kraft des Einwirkens eines dritten Faktors, und dies ist das Subjektive. Das bewusste Sein des Menschen lässt das Wesen als verborgen - weil meist unerkannt - und die Erscheinung als vordergründig erscheinen. Das Subjektive - und beileibe nicht ausschließlich dasjenige des Menschen - überzieht den reinen Urgrund der Dinge mit dem trüben Schleier seiner selbst, welcher jedoch eine dem Subjektiven adäquate Farbigkeit und Plastizität aufweist. Diese Beschränktheit durch das Subjektive wird schon der begrenzten Aufnahmefähigkeit des menschlichen Gehirns - falls es sich um ein menschliches handelt - für Informationen geschuldet. - Zu diesen Aspekten kommen wir später noch einmal zurück.
Viele Erscheinungen der Kumulation beziehungsweise quantitativen Dyasmition hatten wir bereits erwähnt. Zu den Erscheinungen, die sich besonders weit vom Wesen entfernt haben, gehören die Gefühle über etwas. So macht heutzutage ein Gefühl die Runde, welches man mit „Staatsverdrossenheit" benennt. Das heißt, immer mehr Menschen gewinnen den Eindruck, dass die zentralen Institutionen des Staates nicht mehr alle in ihre Zuständigkeit fallenden sozialen und anderen Probleme zu lösen vermögen. Die repräsentative
Demokratie stellt sich zunehmend in den Gegensatz zu den Auffassungen einer unmittelbaren, direkten Selbstverwaltungsdemokratie. Das in Vorgesetzte, in „Chefs" gelegte, blinde Vertrauen schwindet. Die Fehlbarkeit und der Eigendünkel von Persönlichkeiten bleiben dem aufgeklärten, gebildeten Menschen kein Geheimnis.
Zu dem Bedürfnis nach Dezentralisierung der Entscheidungsbefugnisse gesellt sich auch der so genannte Generationskonflikt, die Opposition gegen die Wertmaßstäbe und Erfahrungen der Eltern und Erzieher. - Der moralische Verschleiß des Wissens der Älteren beschleunigte sich mit der Einsetzung der wissenschaftlich-technischen Revolution und ihren Folgen. Die Jugendlichen, noch nicht im Vollbesitz aller staatsbürgerlichen und sonstigen Rechte sowie noch ohne Funktionen und Macht, verlieren den Respekt und die Ehrfurcht vor den Älteren, wie sie noch Mitte des 20. Jahrhunderts selbstverständlich waren. Das Empfinden von Bevormundung musste bei den mit neuesten Erkenntnissen und Wertsystemen ausgerüsteten Jugendlichen unweigerlich entstehen. Diese Diskrepanz von Wissen einerseits und Macht andererseits erklärt die Radikalität weiter Kreise Jugendlicher sowie deren fast einmütiges Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie.
Der Uniformismus, ob geistig, als äußere Haltung oder Handlung, ist ebenfalls passé.
Derselben antiautoritären Einstellung begegnet man in der Mode: heute beugt sich kaum einer mehr dem Modediktat beziehungsweise die Modebranche lässt modern sein, was der Individualität des Trägers Spielraum gewährt.
Schließlich greift auch eine ebenso deprimierende wie weise Erfahrung um sich, wonach von verschiedenen, einigermaßen vernünftigen Meinungen über eine Sache keine der Meinungen völlig
verworfen werden kann. Wer objektiv und recht urteilt, muss resignierend den Pluralismus der Meinungen akzeptieren. Viele Menschen haben sogar schon selber mehrere Meinungen, von denen keine bevorzugt wird - ganz nach dem Motto: ich weiß, dass ich nichts weiß.
All diese Erscheinungen der quantitativen Dyasmition zeigen also eine Unterschiedsexpansion auf, wobei die sich anhäufenden Unterschiede natürlich mehr und intensivere Beziehungen erfordern. Unterschied und Beziehung bilden ein Verhältnis zueinander, das der konträren Dyasmition entspricht, wenn auch ein Verhältnis von unübertreffbarer Klarheit und Prägnanz. Der Unterschied und die Beziehung zwischen den Partnern Unterschied und Beziehung sind das Maximum und die Reinheit schlechthin. Beide Partner können nicht getrennt gedacht werden, beide versinnbildlichen die zwei Seiten ein und derselben Medaille, obgleich wegen ihrer Unterschiedenheit mal der eine, mal der andere, jedoch nicht gleichmäßig wechselnd, die Hauptrolle spielt. Da es dem Differenzprinzip widerspricht, einen absolut gleichen Wert und gleiche Dominanz beider Partner anzunehmen (womit wäre dies auch zu begründen?), muss der dynamischere der Partner, der Unterschied folglich letztendlich die Oberhand behalten.
Diese allgemeingültige Sophik (das ist, wie gesagt, die philosophische Variante der Logik), die eigentlich nur ein Komprimat wirklicher Tendenzen darstellt, erschließt wiederum für den Vernunftbegabten kategorisch Anwendungsgebiete in der praktischen Wirklichkeit.
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Da wird zwingend, in der bereits erwähnten Konstellation Dezentralisation- Zentralisation zunächst von der Gleichzeitigkeit und Gleichnotwendigkeit beider Prozesse auszugehen.
Für den einstigen, osteuropäischen, doktrinären Sozialismus würde gegolten haben, dass die übergroßen Wirtschaftseinheiten, die starren Kontrollmechanismen, die Verantwortungsscheuheit und diese ganze Korsettmentalität abgebaut werden und dass man die Marxschen Intentionen über das Absterben der politischen Funktion des Staates, der Klassenteilung, der Ideologien, über die allseitige Entfaltung des Individuums und die "Assoziationen freier Produzenten" endlich ernst genommen hätte. Bei einem Einzug des Pluralismus, der freiheitlichen Demokratie, der Selbstverwaltung und der gelenkten Marktwirtschaft wachsen aber auch die Koordinierungs- und Führungsaufgaben des Staates. Die Verflechtung von Markt und Plan muss sich vertiefen, doch genauso müssen beide ihre Vorzüge, also ihre Spezifikationen stärker zum Ausdruck bringen. Keine moderne Gesellschaft kann es sich auf Dauer leisten, die spezifischen Vorzüge der Markt- und der Planorientierung zu ignorieren; eine Erkenntnis, die gerade in jüngster Vergangenheit Runde gemacht hat in den Regierungszentralen.
Der Widerspruch zwischen Markt und Plan - der sich als konträre Dyasmition gestaltet - weist nur auf ihre gegenseitige Voraussetzung hin.
In der westlichen Zivilisation gilt - und das ist für sie weniger einschneidend und utopisch, als die vorhin genannten Aufgaben für die östlichen Diktaturen -, dem Element der Planung von Wirtschaft, Gesellschaft und supranationalen Gemeinschaften wie der Europäischen Union mehr Platz einzuräumen. Da eine solche Einsicht und weitsichtige Klugheit für die Vertreter kapitalträchtiger Unternehmungen, speziell der übergroßen Konzerne und Banken, zwar nahe liegend, aber leider nicht zwangsläufig sein dürfte, müssen die Organisationen der Arbeitnehmer, der Gewerbetreibenden und so weiter mehr als bisher darauf hinwirken, die Rolle des Staates in der
Wirtschaft zu erhöhen und damit auch das Element der Planung. - Um das zu ermöglichen und zugleich die Interessen der kleineren Unternehmungen zu schützen, muss die Verfügungsgewalt über das Kapital sukzessive nach unten verlagert werden. Erst wenn die Arbeitnehmer paritätisch mitbestimmen, im Endeffekt besser noch überwiegend bestimmen können darüber, was mit dem Kapital geschieht und die kleineren Unternehmungen aus dem „Würgegriff der Monopole" entlassen sind, entsteht die solide „machtmäßig geklärte" Voraussetzung für die demokratische Funktion des Staates und für die relative Verbindlichkeit staatlicher Planauflagen. Wenn also die Arbeitnehmer nach dem Prinzip der Gewaltenteilung über das betriebliche oder institutionelle Eigentum mit verfügen, besser noch dabei das „Zünglein an der Waage" sind, hat der Staat die Macht, in die Ökonomie eines Landes regulierend einzugreifen, um zum Beispiel Rezession, Inflation und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Bei dieser Dezentralisierung darf natürlich nicht eine Planwirtschaft herauskommen - im Gegenteil: Die sich selbst verwaltenden Arbeitnehmer, welche ihre Vorgesetzten nach einem Wahlmodus bestimmen (die Leitung muss freilich kraft ihrer Vollmachten ebenfalls auf das Wahlergebnis Einfluss haben), werden nunmehr miteinander im Wettbewerb stehen, weil sie den Konkurrenzdruck, dem ihr Betrieb oder ihre Institution ausgesetzt ist, an sich selber (zum Beispiel an ihrer Lohntüte) spüren. Selbstverwaltende Arbeitnehmer haben gewiss eine höhere Arbeitsmoral als abhängige, folglich ist der Arbeitgeber gut beraten, der seine Entscheidungsgewalt mit seinen Mitarbeitern teilt und sich überhaupt als zu letzteren zugehörig fühlt.
Selbstverwaltung führt einerseits zur Zersplitterung und Aufteilung der Macht, andererseits vertieft sich die Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Spezielle Koordinierungs- und Informationseinrichtungen
werden unabweislich, damit der alles Maß überschreitende, gewaltige Komplex an miteinander gekoppelten Wirtschaftseinheiten funktionieren kann. Auf diese Weise kommt es gar nicht erst zu solchen Monopolkonzentrationen, dass die Beziehungen die Unterschiede (die Konkurrenz) verdrängen.
Gemäß dem ubilibetanen Gesetz der konträren Dyasmition sollte der Konkurrenzkampf nicht mehr die Vernichtung des einen durch den anderen zum Ergebnis haben, und zwar in dem Maße nicht, wie auch der Wettbewerbsverzerrung begegnet werden muss. Die zuständige Gemeinde oder der Staat sollten sich daher bemüßigen, einer bankrotten Firma - eventuell nach strukturellen Veränderungen - wieder auf die Beine zu verhelfen. Der Zusammenschluss zweier sonst miteinander konkurrierender Firmen ist dann zulässig, wenn die Konkurrenz einer dritten (zum Beispiel) Firma den Pleitegeier ins Haus zu schicken droht.
Ich denke, dass mit diesen Darlegungen überzeugend die Gleichzeitigkeit und Gleichnotwendigkeit der Prozesse Dezentralisation und Zentralisation demonstriert wurde, welche sich übrigens nicht nur auf die Politik oder Ökonomie beschränken. Es dürfte aber auch deutlich geworden sein, warum dabei gerade die Dezentralisation ein leichtes Übergewicht hat. Dieser Widerspruchspartner ist der eigentliche Motor des Gesamtprozesses, was wir - unterschiedlich akzentuiert - in der weltweiten Praxis beobachten können, und er lässt sich dem Begriff Unterschied eher zuordnen, als dem Begriff Beziehung, so dass dem Gesetz der konträren Dyasmition ebenfalls Genüge getan wird.
Als die eigentlichen Triebkräfte fungieren auch der Markt gegenüber dem Plan, die Arbeit gegenüber dem Kapital und die Interessen der Arbeitnehmer gegenüber den der Arbeitgeber - obwohl keiner ohne den anderen
auskommt. Die Behauptung, wonach für das westliche System die Konkurrenz durch das einstige sozialistische Lager zu ihrem Vorteil gereicht hätte, lässt sich mit dem Hinweis erhärten, dass die Existenz allein des Warschauer Pakts der Stabilisierung, Disziplinierung, der Vernunft und Demokratisierung des westlichen Lagers mit zum Durchbruch verholfen hat.
Ähnlich verhalten sich die progressiven Überzeugungen gegenüber den konservativen.
In der Konstellation Nachfrage und Angebot muss sich der Verbraucher zwar danach richten, was auf dem Markt ist, aber letztlich lebt der Markt nur, wenn der Wunsch des Verbrauchers Priorität genießt. Da sich der Verbraucher immer erst dem Gebrauchswert einer Ware zuwendet und dann dem Wert (Preis) derselben, da also die Nachfrage in der Konsequenz das Angebot bestimmt, dominiert auch hier der Gebrauchswert leicht über den Wert.
Der neuerdings aufgetauchte Gedanke einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung erhält durch das Differenzprinzip eine Ermutigung, sofern diese sozial ausgewogen bleibt.
Wir hatten vorhin ein Stückchen Zukunft antizipiert, indem wir die weitere Ausbreitung von Massenmord und Demokratie der Massen prognostizierten. Die brutale Missachtung der Menschenrechte, die Auslöschung ganzer Ortschaften, die fabrikmäßig betriebene Folter nach wissenschaftlich ausgeklügelten Methoden, systematische Volksbelügung und psychologischer Staatsterror nach innen, die Gangstermanier von Amts wegen im „Namen des Volkes" oder einer „höheren Idee", die Verhaftung von Menschen, die behaupten, dass keine Freiheit sei, oder die die offizielle Meinung vertreten, wenngleich eine seit gestern nicht mehr gültige, oder die die offizielle Meinung vertreten, wenngleich sie den Fehler machen, laut zu sagen, was nur verordnete Flüsterpropaganda ist, oder die
Verhaftung von Menschen, die den offiziellen Standpunkt zu einer bestimmten Frage in Erfahrung bringen wollen, oder die Verhaftung eines Körperbehinderten, nur weil er öffentlich auf sein Problem aufmerksam machen möchte, oder die Verfolgung aktiver Christen, Pazifisten, Friedenskämpfer, Umweltschützer, Farbiger und schließlich wieder im allgemeinen die Vergewaltigung ganzer Kulturen - dieser egozentrischen Perversion „im Namen der Menschenrechte und der Demokratie" steht diametral die Tendenz in anderen Regionen der Welt entgegen, wo die Menscnenrechte in subtilster Weise beachtet und die intellektuellsten Bedürfnisse befriedigt werden. Einerseits die immer grausamere und perfektere Unterdrückung des Menschen; ich denke auch an die mögliche genetische und hypnotische Manipulation, an die medikamentöse oder Elektroschockbehandlung, andererseits die ständige Entfaltung des Menschen in Würde und Freiheit.
Diese paradoxe Dyasmition wird als solche bestehen bleiben, wobei mit ihr widersprüchlich eine Entwicklung korrespondiert, die die zunehmende Respektierung des Widerspruchs und der Vielfalt auch in den Diktaturen zum Inhalt hat. Obwohl also auch in den Diktaturen der Fortschritt und die Toleranz sich durchsetzen - was in das Schema der quantitativen Dyasmition gehört -, vergrößert sich trotzdem die Spanne zwischen weltweiter Menschlichkeit und Unmenschlichkeit. Bei genauerem Hinsehen erscheint dieser Widerspruch als dialektischer, der so klassifiziert, einen wahren Sachverhalt widerspiegelt und der, weil er ein Widerspruch ist, wahr sein muss.
Beide Dyasmitionsarten also hängen, weil sie sich widersprechen, miteinander zusammen. Bei einiger Phantasie kann man sich das Bild einer solchen Zivilisation vor Augen führen, in der beide Tendenzen wirken, freilich nicht ohne Ahnungsschauer über die Verworrenheit der Zukunft...
Resümierend darf man feststellen, dass überhaupt kein Satz als wahr gilt, der nicht widersprüchlich ist. Dies deckt sich auch mit den Ansichten vieler Wissenschaftler über die Kreativität, wonach die verblüffendsten und verrücktesten Ideen, denen ja das Stigma der Genialität anhaftet, oft gerade den größten Wahrheitsgehalt besitzen.
Alle bisherige .Geschichte war bekanntlich von dem Bemühen gekennzeichnet, widerspruchslose Beziehungen, eine widerspruchslose Gesellschaft zu etablieren. Da unterdrückte eine Klasse die andere, die Staatsmacht die Bürger, der „Chef" seine Mitarbeiter und ein Volk das andere. Das Bewusstsein, den Kontrahenten des eigenen Interesses nicht gewähren zu lassen, war alltäglich. So vermeinten die christlichen Missionare, es dürfe nur eine Weltreligion geben. So kämpften Teile der Arbeiterschaft dafür, die Kapitalisten zu expropriieren, ohne zu bedenken, dass in deren Fußtapfen doch nur neue Herren treten würden. - Heute, im Zeitalter des Pluralismus geht es gerade umgekehrt darum, die Widersprüche, die Unterschiede von Repression und Ignoranz zu befreien. Es geht gerade darum, widersprüchliche Beziehungen, eine widersprüchliche Gesellschaft aus der Taufe zu heben.
Im selben Atemzug muss auf die Totalität des Relationsprinzips verwiesen werden, welcher sophisch gebietet, die der bestehenden Gesellschaft innewohnenden Gesetzmäßigkeiten erst wirklich zu begreifen, bevor man mit Reformen beginnen kann. Es waren die kommunistischen Länder, die gemerkt hatten, dass sich die eisernen Gesetze des Kapitalismus nicht ungestraft beugen lassen; deshalb kehrten sie zu ihnen zurück, so durch Einführung einer gemischten Wirtschaft und die Zielsetzung, die Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse immer konkret in Übereinstimmung zu bringen. Die scheinbar sich
spontan durchsetzenden kapitalistischen Gesetze sind kein Ausdruck von Anarchie und Chaos, kein Werk des Zufalls, sondern im Gegenteil materielles Resultat eines ebenso materiellen wie dialektischen Prozesses, ausgestattet mit allen Attributen einer bestimmten Phase der gesellschaftlichen Dyasmition. Anarchie tritt hingegen ein, wird eine Planwirtschaft vom Zentralismus beherrscht.
Die schönen Träume von der anarchistischen Revolution, auch wenn sie mit logischen Argumenten verbrämt waren, haben sich inzwischen als irrational erwiesen. Statt zur klassenlosen Gesellschaft aufzusteigen, ist man zum Chaos herabgesunken. Ungeachtet der Vieldeutigkeit des Begriffes „Demokratie" erscheint es nur konsequent, in Abwandlung eines Marx-Wortes die „Diktatur der Demokratie" als Formel, als Diktum aufzufassen.
Die Länder des Ostens mussten also die bittere Lehre ziehen, dass man mit der Vergangenheit nicht einfach „so mir nicht, dir nicht" brechen kann. Die Vergangenheit steht mit der Gegenwart eben in einer unauflöslich festen Verbindung. Gemäß dem Kumulationsverständnis ist die Gegenwart „nur mehr", als die Vergangenheit und enthält diese vollständig, denn wirklich verloren geht nichts im Strom der Geschichte. Mit dem mystisch anmutenden Begriff "Volkskörper" lässt sich immerhin plausibel darlegen, warum zum Beispiel die willkürliche Spaltung einer Nation in zwei Staaten nicht von Dauer war.
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So wie das Embryo alle Stadien der biologischen Evolution im Mutterleib nachvollzieht und der Same programmgemäß eine Pflanze hervorbringt, entwickeln sich offenkundig die Menschheit und das Universum kumulativ. Die Hypothesen vom so genannten Urknall und der Expansion aller Himmelskörper deuten darauf hin. In der Urmaterie waren folglich die Informationen über die Zukunft des
Weltalls verschlüsselt. Konsequent zu Ende gedacht, verbarg die Urmaterie auch die wesentlichen Informationen über das künftige Gedeihen intelligenten Lebens, so der Menschheit.
Entsprechend den Wachstumsbedingungen nimmt eine Lärche diese oder jene Gestalt an, aber sie wird diese eine unverwechselbare Lärche werden. Genauso hätte intelligentes Leben auf Erden nicht Fuß zu fassen brauchen, doch es hätte immer Fuß gefasst irgendwo in den unermesslichen Weiten der Weltnacht.
Es ist demnach kein Zufall, wenn die Materie des Universums ein Stadium erreichte, in dem das Aufblühen des Lebens unaufhaltsam wurde.
Ansätze, die den Gedanken vom Samen des Universums, von der Intelligenz als der gesetzmäßig entstandenen höchsten Blüte bestätigen, finden sich in dem von einer Gruppe Astronomen und Physiker vertretenen, so genannten „anthropischen Prinzip".
Die notwendig gewordene Produktion von Computern ist ein anderer schlagender Beweis für die These von dem unübersehbaren und kollossalen Zuwachs an Beziehungen. So erheischt der dichte Straßenverkehr bekanntlich die Ampelregelung, und diese wiederum will abgestimmt sein. Die Zusammenschaltung von Ampeln löst eine solche Lawine an Zusammenhängen und Informationen aus, dass man ihrer nur Herr wird, indem man sich eines Computers bedient. Diese Informationslawine bricht praktisch in alle Bereiche unseres Lebens herein. Bildlich erinnert das an die Keime in einer metallenen Schmelzmasse, welche bei Abkühlung die Kristallisation in Gang setzen, bis das erkaltete Metall seine spezifische Kristallstruktur erhalten hat.
Wie ein Bergrutsch nimmt auch die Menge ungelöster Probleme zu. Die Schaffung immer neuer, künstlicher Organe lässt die Frage nach der Wurzel der Identität eines Menschen aufkommen. Wie viel Transplantate darf der gute Bürger
X besitzen, ohne ein synthetisches Monstrum zu werden? Falls er ganz und gar aus der Retorte entstanden ist, mit Ausnahme seines noch verbliebenen Kopfes - kann man mit Fug und Recht weiterhin vom Bürger X sprechen?
Wie vermag man die Flut der steigenden Kriminalität einzudämmen? Warum scheint unser althergebrachtes Wertesystem auseinander zu brechen, während die von Idealisten beschworenen neuen Werte noch nicht allgemein überzeugen?
Als noch alle Welt über die Intelligenz der zum zweiten Mal entdeckten Delphine staunte, meldeten sich sogleich Zweifel an dem bisher postulierten Ursprung des Menschen an: nämlich der Arbeit. Wie können die Delphine solche Eigenschaften haben, wenn der Mensch hierfür erst eine Zivilisation aufbauen musste? Ich denke, des Rätsels Lösung liegt in der stärkeren, gedanklichen Verknüpfung der menschlichen Gesellschaft mit der Natur, des Bewussten mit dem Unbewussten; darin, dass auch die Arbeit ein Moment des Natürlichen, wie die praktische Auseinandersetzung des Tieres mit der Umwelt ein Moment von Arbeit hat. - So gern man den Unterschied Tier-Mensch herausstreicht, so unauflöslich fest ist der Mensch mit einem Bein im Tierreich verankert.
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Die Selbstjustiz bildet ein vielschichtigeres Problem, als gemeinhin angenommen.
Nehmen wir das Beispiel, eine Mutter tötet den Mörder ihres Kindes, weil das Urteil des Gerichts für ihre Begriffe zu milde ausfiel. Vielleicht kam das Gericht zu dem Schluss, dass der Angeklagte für seine Tat nicht voll verantwortlich war. Und die Schöffen stellten sein bisheriges Leben als treusorgenden Familienvater in Rechnung. Die Mutter dagegen kann in ihrem Schmerz nicht die sachliche Ermittlung des Maßes an Schuld begreifen, da man ihr das Liebste auf Erden hat weggenommen. Ihr Rechtsempfinden, das des Angeklagten, das der
Angehörigen und das des neutralen Gerichts decken sich nicht. Doch diese Tatsache bedeutet weder, die Anarchie verschiedener Rechtsprechungen, noch die Indoktrination einer einzigen zu propagieren. Vielmehr geht es darum, bei Wahrung unterschiedlicher Rechtspositionen zu einem Konsens zu gelangen. Die Zeit, in der die Mitwirkung der Prozessparteien nicht von Gleichberechtigung bestimmt wird, sollte vorbei sein. In unserem konkreten Fall darf man die Tötung des Angeklagten durch die Mutter nicht pauschal als Selbstjustiz ansehen, bei der ein „Unschuldiger" umgebracht wurde, sondern richtiger ist es zu sagen, dass sich die Mutter über die Rechtspositionen der anderen Prozessparteien hinwegsetzte. Denn erstens ist dem aus unterschiedlichen Rechtspositionen gebildeten Konsens bereits die Beleuchtung aller Zusammenhänge zugrunde gelegt worden, und zweitens drückt der Konsens das innere Rechtsempfinden der betroffenen juristischen Personen aus, so dass die Mutter keine Ursache hätte, dem beschlossenen Urteil die Kälte von Paragraphen zu unterstellen und neue Tatsachen zu schaffen.
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Dieses pluralistische Modell der Urteilsfindung lässt sich strukturell auf ein vollkommen anderes Gebiet übertragen: auf den Einsteinschen Kosmos. Dachte man früher noch, Zeit, Raum und Masse seien unveränderliche Konstanten, bar jeder Abhängigkeit, fundamental wie die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches, so weiß man heute um die Modifizierung wesentlichster Eigenschaften der Materie, wenn diese ihre Bewegungsgeschwindigkeit ändert. (Ruhende Materie gibt es ja nicht). Bei lichtnahen Geschwindigkeiten hat Materie die Tendenz, in ihrer Masse einen unendlichen Wert anzunehmen, mit der Zeitdilatation einem drohenden Stillstand aller eigenen Vorgänge entgegenzugehen und mit der Längenkontraktion in Flugrichtung flach wie eine Scheibe
zu werden. Masse, das Tempo der Zeit und die Geometrie eines Körpers, mithin viele physikalische Gesetzmäßigkeiten hängen also von der Bewegungsgeschwindigkeit ab. Die in unserer Welt scheinbare Stabilität solcher Parameter erweist sich als relativ, da die sich aus der Geschwindigkeit zum Beispiel der Erde ergebenen Abweichungen tatsächlich vorhanden, wenn auch vernachlässigbar klein sind. Die souveräne stoffliche Materie existiert nicht mehr, denn das was sie ist, ist sie wesentlich infolge stoffloser, reiner Beziehungen. Mit dem Begriff der Inertialsysteme wird außerdem die relative Eigengesetzlichkeit von Materieinseln hervorgehoben, somit die reinen Unterschiede. Die Heisenbergsche Unschärferelation, bezogen auf die Unmöglichkeit, Impuls und Ort eines Elementarteilchens gleichzeitig zu messen, lässt das Bestehen weiterer Zusammenhänge erahnen, die irgendwie immateriell erscheinen. Überhaupt: warum bedient sich die moderne Wissenschaft mit Vorliebe solcher „steriler", stoffloser, beinahe geistiger Begriffe wie Information, Modell, Struktur, System, Prozess, Wechselwirkung und so weiter? Oder wie verhält sich eigentlich die Logik zur Materie?
Leibniz - meines Erachtens einer der genialsten Denker - nahm das Differenzprinzip vorweg, indem er sinngemäß formulierte, dass die Elemente zu einer Klasse zusammengefasst werden können, die sich von allen anderen Elementen unterscheiden. (Eine Nominaldefinition!).
Die Ubilibetik stellt sich im Lichte der neuen Erkenntnisse die Aufgabe, den Urgrund aller Dinge zu erforschen. Folglich erstreckt sich der Geltungsbereich der ubilibetanen Axiome auf die Materie und die Gesellschaft ebenso wie auf das menschliche Bewusstsein und die quantitativen Formalismen, wie der Logik. - Hierfür möchte ich neue Beispiele anführen.
Will die Menschheit überleben, dann müssen sich die Beziehungen (sprich Brüderlichkeit und solidarische Gemeinschaft) zwischen den Menschen und Völkern intensivieren. Das hat zur Voraussetzung die weitere Entfaltung der Unterschiede (sprich Unabhängigkeit und Freiheit). Die Unterschiede und Beziehungen nehmen gesetzmäßig zu, was durch menschliches Handeln aber gebremst oder beschleunigt werden kann.
Die Mathematik beruht letzten Endes auf der simplen Operation, zusammengefasste Einzelne (Zahlen) zu vermehren (Addition) oder zu vermindern (Subtraktion). Sie geht also aus vom Wesen der objektiven Welt, nämlich von der reinen Vielzahl! y ist x zugeordnet beziehungsweise umgekehrt; konkret: Weiche Butter heißt hohe Raumtemperatur beziehungsweise umgekehrt. Dieser mathematische Funktionsbegriff hat unzweifelhaft eine reine Beziehung auf der Basis eines reinen Unterschieds zum Vorbild genommen.
Die Negation einer logischen Aussage (zum Beispiel ~A von A) ist keine umgekehrte Gleichwertigkeit, sondern sie hat nur ein „geringeres Gewicht" als die Position. Im Unterschied dazu tritt - allerdings „weniger häufig" - der Fall ein, dass ~A. negiert wird, wodurch ~~A beziehungsweise A entsteht, welches - obwohl Negat - über mehr Eigenschaften verfügt, als der Ausgangspunkt ~A.
Sogar der der mechanistischen Denkweise verhaftete Isaac Newton formulierte eine allgemeine dynamische Theorie der Materie: Die Materie bestehe aus punktförmigen Massenteilchen, die als solche zwar Orte besitzen, den Raum aber nicht erfüllen könnten. Der Eindruck einer Raumerfüllung bzw. einer Raumeinnahme durch die Materie entstehe vielmehr erst durch die Wechselwirkung zwischen den Massenpunkten, die durch Kräfte-Funktionen beschrieben würden. (Philosophen- Lexikon, S. 689).
Eine Grundfrage der Philosophie ist die nach dem Primat von Materie oder Bewusstsein; Kategorien, die allerdings einer weiteren Untersuchung bedürfen. Gemäß dem Konzept der konträren Dyasmition wechselwirken beide Widerspruchspartner immer stärker miteinander; mit dem Verlust der ursprünglichen Einheit von Mensch und Natur vergrößert sich der Unterschied zwischen Materie und Bewusstsein, der Mensch „verinnerlicht immer mehr" und er muss zu seinem Schutz eine künstliche Umwelt aufbauen - und also mit Hilfe der Wissenschaft die Beziehung zur Materie vertiefen. Die Wissenschaft selbst ist ein Spiegelbild der Verinnerlichung, folglich erlaubt es diese Form der „Loslösung" vom Objektiven, der Materie, erlaubt es diese Differenzierung, den wechselseitigen Einfluss, die Relationierung voranzutreiben. Demnach vermochte der Mensch der Umwelt seinen Willen aufzuzwingen - wenn auch mit schweren Tributzahlungen, da die Umwelt „sich zu wehren versteht" -, indem er immer mehr Seele und Geist wurde. Diese Subjektivierung wiederum schafft leider verfeinerte Bedürfnisse, die dann notwendig einen „Kampf mit der Materie" auf noch breiterer Front zur Folge haben.
Die eingangs gestellte Grundfrage der Philosophie nach dem Primat beantwortet sich dadurch, dass erst letztendlich, nach dem Alternieren gleichberechtigter idealistischer und materialistischer Ansichten, die Materie als der leicht dominierende Partner einzuschätzen ist; denn letztlich überwiegt der Anpassungszwang die Willensfreiheit, das Lernen die Gestaltung.
Je mehr Antworten die Menschen finden, desto mehr Fragen tauchen auf, und deren Beantwortung wiederum wird erschwert einmal wegen ihrer überwältigenden Anzahl und zum anderen wegen ihres Kompliziertheitsgrades. Sicher: Die Materie erscheint implizit mit der Eigenschaft ausgestattet, „denkfreundlich" zu sein, das heißt sie bietet jeden Augenblick Probleme an, „falls man ihrer bedarf". Ständig nachzugrübeln, ewig neue Erkenntnisse sammeln, sich immer bewegen, ist direkt ein Spiegelbild der veränderlichen Vielfalt der Materie. Also irgendetwas nicht in Zweifel zu ziehen, bedeutet mit Sicherheit, einen Irrweg zu beschreiten.
Dennoch: Je mehr wir den Schleier der Geheimnisse des äonengreisen Alls lüften, desto heftiger schlägt uns das kaleidoskopartige Chaos ins Gesicht. Wie ein Kind stehen wir mit offenem Munde da angesichts der Inkarnation des Fremden, der wahnsinnigen Trubel unbegreiflicher Gesetze, die in ihrem Schoße alle Mysterien der Raumzeit bergen. Und je mehr Wissen wir ihr entreißen, desto dichter wird die Wand der letzten Rätsel, bis unsere Aufmerksamkeit auf uns selbst zurückfällt: sind nicht wir höchstes Produkt und vornehmster Teil der Erde und zusammen mit außerirdischen Intelligenzen die Krone der Schöpfung? Das Endglied einer langen Kette qualitativer Veränderungen des Universums: die Vernunft? Liegt die Lösung aller brennenden Probleme nicht in uns selbst beschlossen? Etwa so, wie man entwicklungsgeschichtlich die Herausbildung körperlicher Merkmale bei unseren primitiven Vorfahren erst versteht, wenn man den Menschen zum Maßstab erhebt?
Der Schnitt durch die Materie
In den vorangegangenen Kapiteln wurde durch uns ein „Schnitt durch die Materie" vorgenommen insofern, als wir die subjektiven und objektiven Komponenten der menschenadäquaten Außenwelt aufdeckten und voneinander sondierten. Dem aus den objektiven Komponenten gebildeten Dyasmatium muss sich ein reines Gegenteil, etwas zutiefst Subjektives gegenüber stellen lassen. Die Materie wäre dann die Überlagerung der beiden Extrema, des rein Objektiven und des rein Subjektiven.
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Die Entdeckungen der modernen Naturwissenschaft haben den Vorstellungen von einer stofflichen Materie den Todesstoß versetzt. - Nach Einstein könnte der Stoff (die Moleküle und Atome) gefrorene, gefesselte Energie sein. Schaut man sich die Atome näher an, vergegenwärtigt man sich das Verhältnis von Größe der Bestandteile des Atoms (Kern und Elektronen) und Durchmesser des Atoms selbst sowie das Verhältnis von Größe der Bestandteile des Atomkerns (Protonen und Neutronen) und Durchmesser des Kerns selbst, so gewinnt man zwangsläufig den Eindruck, dass die Atome, aus denen ja der Stoff besteht, eher hohl und leer als kompakt sind. Anders gesagt, es hätte der Stoff ob seiner „Hohlheit und Porösität" eigentlich durchsichtig und mit dem Nichts verwandt sein müssen, wäre er nicht mit Elementarteilchen „ausgefüllt", zwischen denen sehr starke Bindungskräfte herrschen. Es ist also Energie, welche die Eigenschaften des Stoffs prägt.
Einstein entwarf ein Konzept der Geometrie physikalischer Felder. Das Feld sei Ausdruck der Struktur, der räumlichen Bedingungen überhaupt. Somit würde die Materie als Raum in der Zeit aufgefasst, was unserer Definition des Dyasmatiums sehr nahe kommt.
Die Unhaltbarkeit der stofflichen Materievorstellung wird auch durch folgende Tatsachen belegt:
- Verschiedene Energieformen sind ineinander umwandelbar;
- desgleichen können sich Elementarteilchen ineinander verwandeln;
- gemäß der Formel E= m x c² kann Masse in Energie und umgekehrt verwandelt werden, so auch der Stoff in Strahlung und umgekehrt;
- der Welle-Korpuskel-Dualismus, bei dem beide Erscheinungsweisen der elektromagnetischen Teilchen, obwohl einander widersprechend, gleichberechtigt sind (eine Unterschied-Beziehung-Dyasmität in Reinkultur!);
- Masse, Zeit, Länge und Bewegung (Geschwindigkeit) hängen untrennbar miteinander zusammen, und
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- bei der Kernspaltung (und -fusion) wird Energie frei, welche sich vorher offenbar im „Schlummerzustand" befand.
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Wie wir wissen, ist die Stoffvorstellung an etwas Statisches, Starres, in Ruhe Befindliches gebunden. Abgesehen davon, dass ja die Moleküle und die noch kleineren Bestandteile des Stoffes ständig hin und her schwingen, kreisen, die Plätze tauschen und was auch immer, obliegt es der subjektiven, menschlichen Einschätzung, zu behaupten, es gäbe unveränderliche Dinge. Unsere Erde zum Beispiel bleibt für einen gewissen Zeitabschnitt qualitativ dieselbe, quantitativ aber verändert sie sich mit jeder Minute. Für den Menschen fügt sich die Erde in das ein, was man unter „ewig" versteht, während für die Milchstraße, unsere Galaxis also - die ja in einem eigenen, ihr adäquaten Zeitsystem eingebettet ist - die Erde nur ein Alter hat, das vielleicht zwei Dutzend Jahre im Menschenleben entspricht. Instabile Elemente, die im Laboratorium lediglich für Bruchteile von Sekunden auf der Welt sind, erscheinen uns wie tot geborene Kinder; oder die Kürze des Daseins einer Eintagsfliege macht uns zweifeln, ob die Geburt von Eintagsfliegen überhaupt einen Sinn hat.
Der Fehler unsererseits besteht darin, den Dingen unseren Zeitbegriff aufzuoktroyieren und nicht zu akzeptieren, dass alles weniger für uns, als vielmehr für sich selbst existiert, wie wir vorhin anhand der Tiere und Pflanzen bereits den Nachweis führten. Das menschliche Bewusstsein muss sich noch mehr von der Materie lösen, vor allem wegkommen von der Fetischisierung des Stoffs, und muss den Unterschied zwischen sich und der Umwelt klar erkennen, und somit die Wechselwirkung zwischen beiden vertiefen. Die Überwindung des Anthropozentrismus bildet eine Voraussetzung dafür, dem Anspruch, Krone der Schöpfung sein zu wollen, gerecht zu werden.
Die Leute geraten bekanntlich ins Staunen, wenn sie von der Anzahl der Atome in einem Stecknadelkopf hören, von den irrsinnigen Entfernungen der Galaxien, Spiralnebel und Sternhaufen, den Ouadrilliarden Lichtjahren und Parsec, oder von der Kleinheit und Perfektion lebender Computer (Gehirne) und von der Kompliziertheit des Mikrokosmos und der biologischen und organischen Materie. Kein Wunder - wird doch der Mensch mit Anlagen geboren, die die eigenhändige Herstellung eines einzigen Werkzeuges unter Umständen als große Kraftanstrengung empfinden lassen! Die eigene Erfahrung hinsichtlich der produktiven Tätigkeit, hinsichtlich der Bewältigung langer Wegstrecken und hinsichtlich des mühevollen schöpferischen Denkaktes prägen der Natur das Korsett menschlichen Urteilens auf.
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Die Quantifizierung, Schematisierung, Mathematisierung, Kybernetisierung, Relativierung und auch Psychologisierung - Wesenszüge der modernen Wissenschaften - machen die Einheit von Anschaulichkeit und Richtigkeit und die Forderung nach direkter, praktischer Verifizierung einer Theorie immer hinfälliger.
Gäbe es keine relative Ruhe im Universum, so könnte es keine Beziehungen zwischen den Dingen geben, denn dann wäre alles in jedem Moment ein ganz anderes. Allerdings heißt relative Ruhe in Wirklichkeit, dass die Dinge in ihren Bewegungen und Veränderungen miteinander verglichen sich in unterschiedlichem Tempo befinden. Weil also die Ruhe nur relativ ist, erlangen die Unterschiede (die Tempi) ein leichtes Übergewicht über die Beziehungen.
Streng genommen erweisen sich die Endlichkeit und die Unendlichkeit der Materie als Kategorien gleichen Inhalts und als gleich undenkbar, da sie gleichermaßen das Differenzprinzip verletzen. Die „Endlichkeit" wirft die Frage auf, was denn hinter der Materie sei, während die „Unendlichkeit" sich unserer Vorstellung entzieht, in ein inneres Bild eingezwängt und zum festgefügten, unelastischen Phantasiebewohner wird. Die Beschränktheit des Menschen und seiner historischen Umwelt lässt die Formulierung einer objektiven Unendlichkeit zur Transzendenz werden, da sie jeden Erfahrungshorizont, jeden Vergleich übersteigt. - Die Behauptung, das Weltall habe unendlich viele Atome, muss sich die Entgegnung gefallen lassen, wonach die Zahl der Elementarteilchen dann
größer als unendlich wäre. Oder aber misst das Weltall etwa genauso viel Meter wie Kilometer?
Die Mathematik operiert mit großen und kleinen Unendlichkeiten. Das kommt der These von der Expansion des Weltalls nahe, welches endlich, aber unbegrenzt (im Modell analog der Oberfläche einer Kugel oder schlauchringartig} sein soll. Demnach könnte das Weltall weniger als Endliches oder Unendliches, als vielmehr als Kontinuum gedacht werden. Das Große Kontinuum schlechthin - eine zutreffende Beschreibung des lebendigen Universums.
Die Vergangenheit lässt sich, da wir zu ihr immer Beziehungen haben, rekonstruieren, auch wenn unter Umständen dabei unüberwindliche Schwierigkeiten auftauchen. Dies zeigt schon, dass Altes in dem Neuen aufgehoben wird (im Hegelschen Sinne) und dass die konträre Dyasmition Altes-Neues nicht den Exitus des einen Widerparts zur Folge hat. Das Differenzprinzip beweist daher die notwendige Existenz der Kumulation bzw. quantitativen Dyasmition.
Die materiellen Symmetrien (zum Beispiel Teilchen-Antiteilchen) verlieren vielleicht ihr Geheimnis, wenn man sie einfach als Manifestationen des reinen Unterschieds betrachtet.
Die Annahme eines „Nichts" verletzt das Differenzprinzip. Deshalb kann Energie nicht verschwinden, noch aus dem Nichts auftauchen.
Ist beides nicht möglich, bleibt die Energiemenge konstant, so dass folglich die Ubilibetik den Energieerhaltungssatz auf ihre Weise begründet.
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Eine geometrische Figur wie der ideale Kreis bedeutet eine
Reduktion auf wenige, einfache, reine Beziehungen, und kommt eben wegen der unterschiedslosen Einfachheit in der Natur sicher nicht vor. Eine Beziehung unterscheidet sich von allen anderen, jedoch in unterschiedlichem Maße. Dadurch entsteht automatisch ein SYSTEM, mithin die WELT.
Der biologische Organismus hat sich auf natürlichem Wege entwickelt und gilt somit als Demonstrationsobjekt für das Verhältnis zwischen Unterschieden und Beziehungen: Die Bestandteile des Organismus lassen sich voneinander trennen, existieren allerdings nur, wenn sie untereinander in Verbindung bleiben.
Die Pole „Kampf" und „Einheit" der Gegensätze enthalten von vornherein ein Moment der Eigenschaften des jeweils anderen. So auch beim Verhältnis von Quantität und Qualität.
Die Anhäufung von Quantitäten führt zum Umschlag, zu einer neuen Qualität. Nun muss der Übergang von der alten zur neuen Qualität ebenfalls strukturiert sein und über Quantitäten verfügen (nach dem Differenzprinzip tragen die Unterschiede das Stigma der Allgegenwart), wenngleich letztere untergeordneter Natur sind gegenüber dem Unterschied „alte und neue Qualität". - Analog dazu dies: Das Hineintropfen einer chemischen Flüssigkeit in eine andere bewirkt bald einen Farbumschlag, eine neue Qualität. Doch hat der Umschlag seine begrenzte Geschwindigkeit, nämlich die Kausalität der Reaktionen der einzelnen Flüssigkeitsmoleküle.
Im dynamischen Wirken zwischen den polaren Kräften Yin und Yang in der chinesischen, philosophischen Tradition kommt ebenfalls ein dyasmataler Zusammenhang zum Ausdruck.
Schon der bekannte Psychologe Wilhelm Wundt (1832-1920) dachte in modernen Kategorien. Für die Gesamtheit der Seelenerscheinungen waren nach seiner Ansicht zwei Gesetze gültig: das Gesetz der Abhängigkeit der psychischen Funktionen voneinander und das Gesetz der Entwicklung der psychischen Funktionen auseinander (Arnold, Alfred, S. 258).
Das Sprichwort: „Die Ausnahme bestätigt die Regel" gesteht zu, dass es zur Regelbeziehung noch immer einen Unterschied gibt.
Dasselbe dyasmatale und antistoffliche Moment wird in der
Entdeckung der physikalischen Pulsation von Erde oder Sonne sowie der Biorhythmen sichtbar.
Es kann der Übergang von der alten zur neuen Gesellschaftsordnung den Anschein eines evolutionären, reformerischen Prozesses erwecken, der erst in ferner Zukunft als Revolution erkennbar wird. Umgekehrt steckt in bloß quantitativen Entwicklungen bereits der Keim der Revolution. Welche soziale oder ökonomische Umwälzung tatsächlich Revolution in der Tiefe oder nur Maskerade ist, enthüllt sich selten dem zeitgenössischen Betrachter.
Die Idee vom Anfang dieser Welt schließt ein die Geburt der Atome, welche möglicherweise in einem Ausleseprozess nach dem Schema der Darwinschen These vom Daseinskampf der Arten entstanden sein könnten, wenngleich die Zahl der Elementarteilchenarten zu der Zeit relativ gering gewesen sein dürfte.
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Wechselwirken zwei Atome miteinander, dann lässt die unangetastete Stabilität der Atome an einen starren Körper, einen festen Stoff denken. Dabei ist zum Beispiel die Reißfestigkeit eines Kleiderstoffes nicht diesem selbst, sondern vielmehr der Stabilitätstoleranz der molekularen Vorgänge im Kleiderstoff zu verdanken. Die Sinnesorgane zeigen uns die stoffliche Materie, nicht jedoch die Verschachtelung der Welt, das Enthaltensein der Atome im Molekül, der Elementarteilchen im Atom. Die Grundlage der Verschachtelung bilden die Elementarteilchen, die geordnete Beziehungen zueinander eingehen. Insofern quantifiziert und relativiert sich die Eigenschaft der Größe zur „wertfreien" Dyasmität. Elementarteilchen formieren sich zu Atomen, sodann zu Molekülen, sodann zu kosmischen Körpern, Planetensystemen und Galaxien, und sodann zu Erscheinungen von Planetenoberflächen wie Kristallen, ökologischen Kreisläufen und
Lebewesen. Diese Zurückführung des Weltganzen auf die Eigenschaften von Elementarteilchen (oder der noch elementarerer Existenzen wie Fundamentalteilchen, Quarks, Partonen oder dem Fermionenfeld) bedeutet den Übergang vom Konkreten zum Abstrakten, vom Sinnlichen zum Rationellen, bedeutet aber nicht Substituierung zum Beispiel sozialökonomischer Zusammenhänge (weil das sonst Reduktionismus wäre).
Allerdings - worauf wir später gesondert eingehen werden - gehören die Gesetzmäßigkeiten zum Beispiel der Mathematik, Logik, Statistik, Kybernetik, der Gesellschaft und der Elementarteilchen gemeinsam dem Dyasmatium an; Gesetzmäßigkeiten, die wir von Stoffvorstellungen entkleidet denken. - Eine der bekanntesten Theorien über das Elektron formulierte der französische Physiker Dean Charon: Die Elektronen seien die eigentlichen Herren der Welt und die eigentlichen Träger aller Informationen. Deshalb machten sie sich die gesamte Schöpfung, auch den Menschen, für ihre Zwecke dienstbar. (Charon).
An dieser Stelle wollen wir Herbert Hörz zitieren: „Es besteht ... die von Heisenberg, Chew u.a. auf verschiedene physikalische Weise realisierte Möglichkeit, daß die Ganzen des Systems (aus gedachten Elementen eines Teilchens - d. Verf.) selbst keine Systeme darstellen, weil ihre Struktur oder ihre Teile keinen individuellen Charakter tragen, sondern durch die Wechselwirkung bestimmt sind. Während die Auffassung der Teilchen als eigene Systeme doch in gewisser Weise wiederum von der Wechselwirkung absieht, wird durch die Negation individueller Strukturelemente für einzelne Teilchen die Wechselwirkung zur Grundlage des Systems, und die Teilchen werden nur als Erscheinungen der Wechselwirkungen gefaßt. Faßte man vorher Objekte als das Einfachste und die Teile des Objekts als einfacher als das Objekt selbst, so liegt jetzt die Betonung auf der Beziehung als dem Einfachsten. Bei der
ersten Auffassung kommt man vom Objekt zu Teilen des Objekts und zu den Teilen der Teile. Dabei nimmt man relativ stabile Ganze an, die Systemgesetzen gehorchen und selbst Systeme sind. Hier wird die klassische Auffassung nur in ihrer mechanischen Beschränktheit getroffen, die Dialektik System-Element wird berücksichtigt. Faßt man jedoch die Ganzen, die Teilchen, nicht mehr als eigene Systeme, sondern nur als Repräsentanten der Beziehungen, dann erweisen sich die Beziehungen als das Einfachste, seien es Felder oder raum-zeitliche Beziehungen. Man erklärt nicht mehr Objekte durch kleinere Objekte, sondern Objekte durch Beziehungen. Das kommt auch in der Quantengeometrodynamik zum Ausdruck, die raum-zeitliche Beziehungen zur Grundlage nimmt, um das Objektverhalten zu erklären. In allen theoretischen Ansätzen zur Entwicklung der Physik wird diese Tendenz immer deutlicher, die Objekte nicht selbständig als isolierte Gegebenheiten sozusagen an sich zu erklären, sondern sie durch ihre Beziehungen zu erfassen. Dadurch kommt man dem Wesen der Naturzusammenhänge besser auf die Spur, weil man die Wechselwirkung selbst zum Gegenstand der Forschung macht." (I Hörz, S. 274). „... kann man die Struktur der Teilchen in der Struktur ihrer Wechselwirkung suchen, wie das Chew für die stark wechselwirkenden Teilchen mit der bootstrap-Hypothese macht. Damit existiert kein Teilchen für sich und es hat auch keine Eigenschaften als individuelles Teilchen, sondern es enthält in sich immer Eigenschaften anderer Teilchen. Es wird erst in der Wechselwirkung konstituiert durch die Existenz der anderen wechselwirkenden Teilchen, die selbst auch erst in der Wechselwirkung existieren. Damit geht es eben nicht um die Struktur von Teilchen, sondern die Beziehungen der Teilchen zueinander, die als Teilchenstruktur gefaßt wird." (II Hörz, S. 147).
Und dazu ein Zitat von v. Weizsäcker: „Es erweist sich als sinnlos, z.B. von einem isolierten (´nackten´) Elektron, wie es ohne Wechselwirkung mit dem Strahlungsfeld wäre, überhaupt zu sprechen. ... Das, was wir empirisch als isolierte Teilchen ansprechen, ist in Wahrheit selbst schon Ergebnis seiner Wechselwirkung mit der stets vorhandenen Umwelt. Solche Überlegungen legen es nahe, die Eigenschaften der isolierten Teilchen grundsätzlich als Ergebnisse der Wechselwirkung aufzufassen." (v. Weizsäcker, S. 42).
Welche aus der objektiven Realität induzierten Begriffe könnten als die allgemeinsten und abstraktesten überhaupt angesehen werden? Wir sagten es schon: Es sind der reine Unterschied und die reine Beziehung. Die wesentlichsten Eigenschaften der Elementarteilchen (oder anderer, noch fundamentalerer Existenzen), der Basis der objektiven Realität, korrespondieren mit unserer auf die Spitze getriebenen begrifflichen Induktion.
Damit etwas vorhanden ist, das heißt von etwas anderem unterschieden werden kann, muss es bis zu einem gewissen Grade Individualität sein, also den Unterschied repräsentieren. Andererseits kann dieses etwas nur Individualität sein, wenn es zugleich durch die Beziehung zu einem anderen bestimmt wird. So haben auch Elementarteilchen die Eigenschaft, sie selbst zu sein, doch nur unter der Voraussetzung, dass sie zugleich die anderen sind. Die Weltebene der Elementarteilchen löst sich ganz auf in ein Gewebe aus reinen Unterschieden und Beziehungen.
Der Welle-Teilchen-Dualismus kann ähnlich erklärt werden. Während die Teilcheneigenschaften die Konkretheit bestimmter Partikel zum Ausdruck bringen, widerspiegeln die Welleneigenschaften die Beziehungsabhängigkeit der Partikel. Die Partikel sind es erst durch ihre Wechselwirkung untereinander und mit dem jeweiligen Messinstrument. So wie Unterschied und Beziehung zusammengehören, bildet die Komplementarität Welle-Teilchen eine logische objektive Einheit. Es wäre noch zu untersuchen, ob auch hierbei die Teilchenform (der Unterschied) leicht über die Wellenform (Beziehung) dominiert.
Es hat philosophische Konsequenzen, mitzuerleben, wie die Menschheit zunehmend mechanische und stoffliche Anwendungsmöglichkeiten verdrängt zugunsten solcher mittels elektrischem Strom, Laser, Funkwellen, Gas, Plasma, Kernenergie, Magnetismus und so weiter. Der feste Aggregatzustand ist von allen Materiearten sicherlich die „gemäßigste, ruhigste Variante", in der die Energie schlummert. Die anderen Materiearten dagegen zeichnen sich durch extreme, vielfältige, von statistischen Mittelwerten abweichende Eigenschaften aus, und werden deshalb für den Menschen interessant.
Ich stelle mir Materie vor - schon sehe ich helle, stoffliche Dinge, denen auch meine Bewertung anhaftet. Sogar die Elementarteilchen erscheinen mir als Kugeln.
Aber selbst der Zusammenstoß zweier Billardkugeln beschreibt keine mechanischen Gesetze, wenn man einmal die Sache genauer analysiert. Der Satz von der Erhaltung des Impulses verwirklicht sich, indem ein Energiefluss vom Anfang der einen Kugel bis zum Ende der anderen Kugel stattfindet, mit zeitlichem Intervall, ehe die Kugeln ihren Ort verändern. Die „Energieübertragung" beeinflusst die stoßende Kugel nicht weniger als die angestoßene; es handelt sich also um eine Wechselwirkung.
Infolge des Stoßes wechselwirken die Elementarteilchen beider Kugeln miteinander, wobei die äußere Ortsbewegung der Kugeln nur eine kleine - statistische - Auswahl der Elementarbewegungen ist, so wie die Ortsbewegung der Metagalaxis nur eine Auswahl oder Resultante der Bewegungen ihrer materiellen Bestandteile darstellt.
Der Wärmeausgleich zweier sich berührender, unterschiedlich temperierter Körper - das bedeutet Anpassung der Schwingungen der beider Körper aneinander, und Moleküle sind bekanntlich das Gewand bestimmter Elementarbeziehungen, mit der Zwischenstufe der Atome.
Nun wird die Vorstellung von der Energie denselben subjektiven Bewertungen unterworfen wie die der stofflichen Materie. - Wir denken, falls nicht Dyasmatales wie Formeln, Zahlenkolonnen und quantitative Zusammenhänge im Vordergrund stehen, bei Energie unwillkürlich an Kraft, Trägheit, Gewicht, Festigkeit, Schnelligkeit, Lautheit, Helligkeit oder Hitze. Die Vorstellung der Energie aber verbindet sich mit den Beschränkungen des eigenen Erfahrungsbereiches, mit den Leistungen des eigenen Organismus und mit seinen Empfindungen. Für den Menschen identifiziert sich die Vorstellung von der Energie mit der Energie selbst.
So symbolisiert die entfesselte Energie einer werdenden Supernovae die Urgewalt - aber nur für uns, die wir durch den Horizont der Geschehnisse auf unserer kleinen Erde eingeengt sind. Die Golden Bridge flößt ob der zu tragenden Lasten Respekt ein - doch tatsächlich stellt sich uns eine Assoziation mit Gewichten her, die man auf den eigenen Schultern ruhen fühlt. Ein schnelles Flugzeug oder das heiße Feuer - schnell und heiß doch nur für uns! Für den Geparden ist mein Tempo, wenn ich um mein Leben renne, nicht einmal der Beachtung wert, und für den Adler ist die „schwindlige Höhe" genau die, welche ihn in Sicherheit wiegt. Ebenso subjektiv urteilt der Mensch bezüglich der Größe; ihm dünkt ein Atom unfassbar klein, obwohl es wegen der Verschachtelung der Materie und der Elementarbeziehungen eine qualitative Größe nicht gibt. Er empfindet bei Berührung eines heißen Gegenstandes Schmerz, anstatt die Schwingung der Moleküle des Gegenstandes. Er nimmt schließlich das Orange einer Apfelsine wahr, wohl wissend oder auch nicht, dass die Farbe orange zwar die richtige Orientierung gibt, weil sie mit objektiven Eigenschaften verknüpft ist, andererseits die Apfelsine selbst Farben nicht kennt.
Die Umwandelbarkeit der Energieformen ineinander realisiert sich ausschließlich infolge ihres Gehaltes an Bewegung, weniger als Ortsbewegung zu verstehen denn als zutage tretende Dyasmität. Elektromagnetische Wellen wie Röntgenstrahlen oder mechanische Wellen wie der Schall wandeln sich ineinander nur um in einem genau definierten Verhältnis gleicher abstrakter Bewegungsquanten.
Soll Energie objektiv real sein, dann muss sie von allen subjektiven Vorstellungen und Bewertungen befreit werden, das heißt wir müssen die Energie ebenso wie die stoffliche Materie aufspalten in objektive und subjektive Komponenten. Hier wollen wir uns zunächst den objektiven Komponenten zuwenden.
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Es sei gesetzt, die Atome und Moleküle wären Entwicklungsprodukt eines allgemeinen Daseinskampfes und hätten wie Lebewesen die Funktion, sich selbst zu erhalten und sich der Umwelt anzupassen. Gerät ein Molekül in Kontakt mit einem anderen, so reagiert es innerlich, und zwar in der Weise, dass die Stabilität gewahrt bleibt. Auch wenn durch diesen Kontakt eine Molekülverbindung entsteht, hat unser Molekül doch nur so reagiert, wie es im Sinne der Selbsterhaltung optimal ist. Schon die Tatsache der relativen Stabilität der Atome und Moleküle (mithin der Materie) belegt die Eigenschaft dieser Systeme, bei Umwelteinflüssen im Sinne der Anpassung und Selbsterhaltung zu reagieren.
Betrachten wir nun unter diesem Aspekt und unter dem einer objektiv verstandenen Energie das Zusammenstoßen zweier Kugeln und den Wärmeaustausch zweier unterschiedlich temperierter Körper. Die Omniaden beider Kugeln oder Körper (Moleküle oder Atome) können nicht einander
ihre Bewegungen, ihre Energie übertragen, denn das widerspräche dem Prinzip der Selbstbewegung der Materie. Der „erste Anstoß" von außen wird nicht von der subjektiv, sondern von der objektiv verstandenen Energie verursacht, und diese ist zunächst nichts weiter als Information, das heißt also, beim Zusammenstoß oder beim Wärmeaustausch erhalten die ersten sich berührenden Omniaden die Information vom jeweils anderen Zustand der Omniaden der sich im Weg befindlichen Kugel oder des anders temperierten Körpers. Die Information wiederum löst eine Reaktion im Interesse der Selbsterhaltung bei den Omniaden aus. Diese Reaktion hat für die benachbarten Omniaden den Charakter einer Information - und so pflanzt sich das Ganze fort, bis alle Omniaden erfasst sind, und danach die beiden Kugeln die äußere Ortsbewegung vollführen können, oder beide Körper eine homogene Temperatur aufweisen. Die Omniaden der zwei Typen von in Wechselwirkung stehenden „Kontrahenten" (Kugeln oder Körper) haben sich angepasst, und zwar indem sie (auch innerhalb einer Kugel oder Körper) konträre Dyasmition betrieben.
Energie ist daher definitorisch - codierte - Außeneinwirkung und ausgelöste Selbstbewegung der Omniaden, unter Umständen mit Kettenreaktion. Information ist definitorisch - codierte - Außeneinwirkung und ausgelöste minimierte Selbstbewegung der Omniaden, unter Umständen mit Kettenreaktion. Die Omniaden wiederum bilden lediglich das Gewand, in dem Elementarteilchen auftreten. Die faszinierende Embryoentwicklung demonstriert mit großer Klarheit die im wesentlichen gleichen Eigenschaften von Energie und Information.
Der dialektisch untrennbare Zusammenhang von Außen und Innen, von durch Omniaden gekennzeichnete Umwelt und durch eine Omniade gekennzeichnete Eigenwelt, von Vielzahl und Einzahl - dieser reine Zusammenhang ist auch nur ein anderer Terminus für „reinen Unterschied", der sich an der Nahtstelle zwischen außen und innen entäußert.
Die von uns definierte Energie trägt logischerweise, wenngleich nicht primär, stets Informationen mit sich fort, ebenso wie die von uns definierte Information, wenngleich nicht primär, stets Energie mit sich fortträgt.
Genauso im Interesse der Selbsterhaltung reagieren Omniaden, die Repräsentanten von Energieformen wie elektrischer Strom, Strahlung, Weilen und mechanische Ortsbewegung sind. Die durch Menschenhand geschaffenen, also künstlichen Informationsquellen weisen gegenüber den natürlichen eine hohe Informationsdichte auf, das heißt der Mensch wird, falls er der Informationsempfänger ist, einem Reichtum an Außeneinwirkungen, an Dyasmität ausgesetzt. Information entsteht, um zu präzisieren, an der Schwelle von Außeneinwirkung zur minimierten beziehungsweise ökonomischen Selbstbewegung der Omniade. Ökonomische Selbstbewegung - welche von den Omniaden, insbesondere vom bewussten Menschen bevorzugt wird - kann eine heftige Selbstbewegung der benachbarten Omniade, also einen Energiefluss auslösen. Ein Beispiel für diesen Vorgang wäre das Signal einer Gefahr, welches damit eine Flucht, die bekanntlich energiegeladen zu sein pflegt, zur Folge hat. - Information verwirklicht sich in der ökonomischen Form der Umweltanpassung.
Mit dem Begriff Schwelle von äußerer zu innerer Wirkung verbindet sich - gegenüber der Energie - eine Vorstellung von Information, die die Bipolarität von außen und innen im Transzendenten aufhebt. Daher konnte der Eindruck entstehen, als sei die Information etwas, das zwischen den Stühlen Materie und
Bewusstsein sitze beziehungsweise sich in beiden Welten zu Hause fühle.
Den ebenfalls genannten Begriffen „ökonomisch" und „heftig" muss das Kleid des subjektiven Empfindens ausgezogen werden. „Heftig" bezieht sich auf eine „dyasmetal reiche Bewegung", während „ökonomisch" die Höhepunkte von konträren Dyasmitionen sind, bei denen die Hauptinteressen der Widerspruchspartner gewahrt bleiben und deren Beziehungen in geregelten Bahnen verlaufen.
Das Prinzip der Selbstbewegung der Materie macht - auch wenn hier von Materie im eigentlichen Sinne nicht mehr die Rede ist - zur Bedingung, dass die Omniaden sich nicht passiv, sondern ebenso aktiv verhalten, ein Umstand, der die Richtigkeit unserer Definition der Energie und Information nicht in Frage stellt. Im allgemeinen werden sich die passiven und aktiven Momente einer Omniade die Waage halten, wobei die passiven Momente, das heißt die Außeneinwirkung dennoch ein leichtes Übergewicht erlangen, denn schließlich sind die fremden Omniaden zahlenmäßig immer in der Mehrzahl.
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Die Chromosomen jeder Zeile eines Menschen enthalten die Informationen dieses Menschen in seiner Ganzheit. So sind auch der Mensch als Teil der universellen Intelligenz - die den vorläufigen Endpunkt der Kosmogenese bildet - und die Konfiguration der elementaren Teilchen überhaupt offensichtlich Träger von Informationen über das Universum in seiner Ganzheit. Seit Anbeginn unserer diesseitigen Welt müssen daher bestimmte Strukturen in ihr Abbilder des zeitlichen Ablaufes bestimmter anderer Strukturen sowie bestimmte Strukturen in ihr Abbilder räumlicher Verhältnisse bestimmter wieder anderer Strukturen sein: das Hologrammprinzip. Sollte also zum Beispiel die Vorsehung in der Konstellation der Gestirne (realistischerweise wohl eher in den periodischen Sonnenaktivitäten) verborgen sein - was nimmt es wunder, wenn sich Astrologen finden, die mehr oder weniger erfolgreich das Schicksal von
Menschen ergründen? Oder Chiromanten, denen die Handlinien Vergangenheit und Zukunft verraten, oder Kaffeesatzleser, Tarotspieler und Hellseher, denen - natürlich soweit sie „seriös" sind -, von Fall zu Fall die Gesetze und Launen des Jenseits zu Hilfe kommen könnten...
Die Abbildtheorie macht verständlich, dass es bei einer Krankheit nicht wesentlich ist, diese selbst zu behandeln. Gleich wie der Graphologe am Schriftbild die Charakterzüge ermittelt, oder die Funktionsstörung von Organen sich in der Iris des Auges widerspiegeln, wenden die alternative Medizin beziehungsweise die Naturheilkunde das Prinzip der durch Information angeregten Selbstbewegung der Materie praktisch an. Der Bedeutung des Begriffs Omniaden wegen dürfen wir auch bei der Omniade Mensch den Vorrang der Selbstheilungskräfte zwecks Kurierung von Krankheiten voraussetzen.
In gewissen Ärztekreisen zirkuliert der Gedanke, man müsse das Blut des Krebspatienten mit Sauerstoff anreichern, um die körperliche Gesamtkonstitution zu verbessern, oder man injiziert fieberauslösende Bakterien mit der Absicht, die Abwehrkräfte des Organismus, deren tätiges Symptom das Fieber ist, zu stärken. Dass nicht mehr im Mittelpunkt steht, den Krankheitsherd selbst zu erforschen und zu behandeln, sondern im Gegenteil sein Abbild, die Indirektheit reiner Beziehungen beziehungsweise die Information, weil so die „Professionalität" des Organismus, in den der Krankheitsherd gewissermaßen harmonisch verwachsen ist, ausgenutzt werden kann, kommt in folgenden Therapieformen zum Ausdruck:
1. Durch Besprechen, Suggestion und Hypnose.
2. Durch den eigenen Willen beziehungsweise durch Autosuggestion.
3. Durch Akupunktur.
4. Durch Bewegungstherapie oder Gymnastik, durch Atemtechniken.
5. Durch Reiztherapien, Kneippkuren, Solbäder, Ruhe oder Anregung, frische Luft, durch Diät.
6. Durch Medikamente, Spritzen, Strahlen und so weiter.
7. Durch homöopathische Mittel, Tinkturen, Salben und so weiter.
Wenngleich zum Beispiel Tabletten oder Kräuteraufgüsse chemisch und biologisch wirken können - der Heilimpuls geht von der richtigen Information, vom passenden Schlüssel aus, mit dessen Hilfe zielgerichtet die jeweils gewünschte, keineswegs immer verstehbare Art der Selbstheilung in Gang gesetzt werden kann. - Selbstverständlich versagt dieser Mechanismus in Fällen wie Knochenbrüchen, notwendigen Organtransplantationen und ähnlichem.
Entscheidend bleibt aber die Fähigkeit der Omniade Mensch, der ja ein Produkt des allgemeinen Daseinskampfes ist, sich selbst am besten auskurieren zu können. Seine eventuell durch einen Geistheiler oder eine „Weise Frau" (geheimnisvolles Orakel bei Vollmond...) stimulierte Psyche vermag unter Umständen mehr Reserven zu mobilisieren als alles andere, was auf die Stringenz des inneren Seins verweist. Auch der Placeboeffekt demonstriert auf beeindruckende Weise, wie die Kraft der Psyche einem vorgetäuschten „Medikament" wundersame Potenzen verleiht.
In seiner Eigenschaft, sich der Umwelt angepasst zu haben, werden bei der Omniade Mensch übrigens die inneren und die äußeren Bedingungen irgendwie kaum noch unterscheidbar, so dass zum Beispiel bei einer Infektion die Verursachung durch Bazillen oder die Verursachung durch eine vorausgegangene körpereigene Schwächung des Immunsystems nicht nur den gleichen Effekt haben, sondern sogar in Richtung Identität tendieren.
Bevor wir den Faden fortführen, möchte ich noch einige Gedankenexperimente anstellen, die das Gebäude der Ubilibetik-Philosophie weiter untermauern.
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In einem Elektronenmikroskop gerät ein Elektronenstrom mit einem Mikroobjekt in Berührung, und beide wechselwirken miteinander. Anschließend wechselwirken die Elektronen nochmals und zwar mit einem Objekt, welches die so genannte Energie der Elektronen weitergibt an Photonen. Erst jetzt werden Helligkeitsunterschiede bemerkbar, ein vergrößertes Bild vom Mikroobjekt entsteht. - Nun bin ich berechtigt zu fragen: Entspricht das sichtbare Bild der Wirklichkeit? Vergleiche und Extrapolationen können die Überzeugung, das Mikroobjekt tatsächlich zu sehen, zwar bestärken, doch wie erhalten wir den direkten Beweis?
Immerhin wird uns ein Gegenstand vor Augen geführt, der jenseits des Lichtreiches existiert. Wir nehmen den Eingeborenen des Ewigen Dunkels wahr, obwohl ihn kein Lichtschimmerchen je aus der Ruhe gestört hat.
Er, der das Licht nicht kennt, weiß jedoch um so mehr von anderen Strahlen im breiten Spektrum der elektromagnetischen Wellen, in welchem das sichtbare Licht nur einen kleinen Abschnitt ausfüllt. Gibt es Wesen, die mit Hilfe von Elektronen sehen und wenn ja, worin unterscheiden sich deren Bilder von den unserigen? Ist zum Sehen, so wie wir es verstehen, überhaupt Licht vonnöten? Geht es bei der Wahrnehmung vielleicht gar nicht um den materiellen Träger des Außenreizes, sondern vielmehr um den Gehalt an reiner Information?
Untersuchen wir noch einmal unser theoretisches Modell eines Elektronenmikroskopes, und wir müssen sagen, dass infolge der gesteuerten magnetischen Ablenkung der Elektronen, nachdem sie mit dem Mikroobjekt in Wechselwirkung gerieten, logischerweise eine Vergrößerung erzielt wird. Logisch aber ist auch, dass wir lediglich das Ergebnis der Wechselwirkung der Elektronen mit dem Mikroobjekt und mit Photonen, jedoch nicht das Mikroobjekt selbst sehen. Wir registrieren - und wieder müssen wir unseren Verstand in Anspruch nehmen - ein sichtbares Gefüge an Unterschieden und Beziehungen auf dem Bild, und dieses Gefüge, diese Dyasmität entstand - unabhängig vom materiellen Träger - im Gefolge geordneter gesetzmäßiger Wechselwirkungen. Nur indem wir
uns gedanklich von der stofflichen Materie entfernten und uns dem Dyasmatium näherten, indem also das Sinnliche vom Logos verdrängt wurde, die Verinnerlichung und die Vergeistigung wuchsen, konnten wir unsere Frage nach dem Wahrheitswert des Bildes beantworten, konnten wir einen Teil der objektiven Realität besser begreifen.
Eine analoge Aussage lässt sich treffen im Hinblick auf das Fernsehbild. Der Tag wird sicher kommen, da das Fernsehen eine Perfektion erlangt haben wird, durch welche der Mensch der Illusion erliegt, auf dem Bildschirm die Wirklichkeit selbst zu sehen. Von stofflicher Materie kann bei diesem Phänomen überhaupt nicht die Rede sein, und die den Luftraum durchmessenden, unsichtbaren Fernsehwellen beinhalten offenbar die gleichen Unterschiede und Beziehungen, also die gleiche Information (hier definiert im traditionellen Sinne), wie das leuchtende Bild selbst. Das Bild ist eine durch Energie wirksam gemachte Umcodierung der Fernsehwellen, das heißt eine Transformation zu einem Code, den die Omniade Mensch versteht.
Auch die mathematischen Gesetzmäßigkeiten, welche bekanntlich teilweise noch nicht verifizierbar, noch nicht in der Praxis anwendbar und damit gewissermaßen ihrer Zeit voraus sind, stellen Umcodierungen materieller Zusammenhänge dar. Umcodierungen tauchen immer dort auf, wo Vermittlungen zwischen - sich notwendig unterscheidenden - Omniaden stattfinden, wobei „Umcodierung" letztlich identisch ist mit „Unterschied zwischen Omniaden", die zueinander in Beziehung stehen. Auf der Ebene des Dyasmatiums unterscheiden sich wohl die Omniaden, nicht jedoch die Information durch Elektronen oder Photonen, durch die Fernsehwellen oder das leuchtende Bild, die mathematischen Gesetzmäßigkeiten oder ihr Analogon in der Materie - beide Seiten werden nur durch die Omniaden differenziert. Allerdings sind auch das Umfeld und die Komplexität beider Seiten ungleich - so erscheinen nicht alle Dyasmata der Fernsehwellen auf dem Bildschirm und ist die Materie reicher an Gesetzmäßigkeiten, als wir heute wissen. Doch die reine Dyasmität, wie sie zum Beispiel aus einem Axiom der Mengenlehre hervorgeht, lässt sich auch in der Materie finden, und ein Unterschied besteht hierbei sowenig, wie der bei der Anwendung eines elektromagnetischen Gesetzes auf der Erde und auf dem Mond.
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Die modernen Wissenschaften eliminieren die Einheit von Richtigkeit und Anschaulichkeit, die Erschöpfbarkeit der Sinnesdaten für jeden logischen Akt. Würde die Menschheit aussterben, dann bliebe von unserem Weltbild nur ein Fossil zurück: nämlich das Weltbild der Affen, Delphine und anderer intelligenter Lebewesen. Der Untergang allen Lebens auf Erden wäre auch der Untergang des irdisch erlebten Kosmos. Die Art und Weise, wie Umwelt für die übrig bleibenden Omniaden (zum Beispiel den Molekülen) ist, und das Dyasmatium aber würden von der Unsterblichkeit des Universums künden. Die Spuren unserer Zivilisation, das materielle Wissen, so die Hieroglyphen auf unseren Informationsquellen, und die unverrottbaren Industrieprodukte hätten Teil am Dyasmatium, und sie wären Objekt für dem Leben fremde Omniaden, welchen das Objektive etwas darstellt, wovon wir Menschen keine blasse Ahnung haben ...
Lenin schrieb einmal sinngemäß, dass die Existenz der Erde vor dem Aufkommen des Menschen das Primat der Materie, ihre Unabhängigkeit gegenüber dem Bewusstsein beweise. Dieser Schluss allerdings berücksichtigt nicht verschiedene Abstraktionsebenen.
So wird die Tiefe, die „Gewaltsamkeit" der materiellen Entwicklung gerade in ihrer Unwiederholbarkeit transparent. Alles, was wir über die Zeit denken, verbleibt im Gehirn. Unser Zeitbegriff unterliegt selbst Wandlungen inmitten der objektiven Zeit. Es ist
ja kein Zufall, dass die jungfräuliche Erde vom Menschen noch nicht geschaut, noch nicht berührt werden konnte. Das haben andere Wesen getan, und zwar auf eine ihnen adäquate Weise; so darunter die Vorfahren des Menschen, prähistorische Ungeheuer und wiederum deren Vorfahren. Die Vorstellung, mit Hilfe einer Zeitmaschine in die entfernteste Vergangenheit zurückzukehren, dort etwas zu unternehmen, und also zwangsläufig Einfluss auf die Zukunft, damit auch auf meine Eltern auszuüben, die mich dann womöglich gar nicht auf die Welt gebracht hätten - eine pure Konfusion. Das Erlebnis Erde aus der Sicht der Vorfahren des Menschen und nicht nur der seinen steht im engen Zusammenhang mit der Progression der Erde, denn schließlich hat alles frühere Leben - selbst gewordener Bestandteil der Erde, ein Stück Erde - die Herausbildung der heutigen Gestalt der Erde mit verursacht. Allgemein gesagt, kann die Entwicklung der inneren Welt der Omniaden nicht getrennt gedacht werden von der Veränderung der äußeren Beschaffenheit derselben.
So betrachtet erscheint die Formulierung, wonach das höhere Alter der Erde gegenüber dem des Menschengeschlechts die Unabhängigkeit der Materie vom Bewusstsein beweise, ziemlich einseitig und sogar falsch.
Dass die Erde überhaupt älter ist als der Mensch, lässt sich nur durch die Heranziehung von Dyasmata belegen.
Entsprechend verhält es sich bei der Altersbestimmung verschiedener Gesteinsarten und von Bäumen anhand ihrer Jahresringe. Aus dem Unvermögen heraus, die Vergangenheit wieder lebendig zu machen, transformiert sich die Zeit zu einer rein quantitativen Existenz, das heißt es wird einfach gemessen und verglichen. Sicher sind die Jahresringe eines Baumes ein dyasmatales Indiz dafür, wie viel Sommer er hat durchleben dürfen, doch unklar bleibt, wie alt sein
Organismus wirklich ist, und ob er länger oder weniger lang sich wird aufrecht halten können als seine Artgenossen. Im übrigen gibt es keinen Unterschied zwischen den Jahresringen und anderen entwicklungsspezifischen Merkmalen und dem Alter des Baumes, denn ein Alter unabhängig vom Baum oder - anders gesagt - eine Zeit unabhängig von der Materie ist eine Fiktion. Das Alter des Baumes identifiziert sich mit seiner konkreten Struktur.
Nun besteht für uns aber trotzdem ein Recht, auf Grund bestimmter außerhalb des Baumes befindlicher Zusammenhänge ein Alter - von meinetwegen 47 Jahren - zu konstatieren. Die Jahre selbst lassen sich zerlegen in Teile, also in Monate, Stunden und Sekunden. Dabei obliegt es mir nicht, zum Beispiel die Sekunden als unterste Grenze der Teilung festzuschreiben; ich muss konsequenterweise (falls nicht so genannte Chronomen, das heißt Zeitteilchen eine untere Grenze setzen) jeden noch so kleinen Augenblick als Basis der Jahre anerkennen. Die Zeit, so ins Unendliche zerstückelt, verschwindet damit fast von der Bildfläche des Seins, und zurück bleibt das subjektive Zeitempfinden der höheren Lebewesen, bleibt die dem Niveau der Omniaden adäquate innere Zeit.
Aber dennoch gibt es ja objektive Rhythmen wie die sich wiederholende Umkreisung der Erde um die Sonne. Ohne relative Wiederholung, relative Ruhe und Stabilität wären eine Beziehung, ein Unterschied zwischen zwei Dingen nicht herstellbar, da diese in jedem Moment andere Eigenschaften hätten. Unendlich schnell ablaufende Bewegungen oder Entwicklungen ließen keine Beziehung, keine Registrierung zu und sie würden wie sich nicht unterschiedlich schnell vollziehende Bewegungen das Differenz- und Relationsprinzip verletzen.
Wenn „Jahre" identisch ist mit periodischem Wechsel der Großwetterlage, hervorgerufen durch Entfernung oder Annäherung der
Erde in Bezug zur Sonne, so kann man von einer sich periodisch erneuernden Beeinflussung des Baumes durch den Abstand Erde-Sonne sprechen, welche durch Vermittlung in Form des Klimawechsels die Jahresringe hervorruft.
Die Zeit - wie übrigens auch der Raum - stellt sich außerhalb des inneren Seins der Omniaden lediglich als reiner Zusammenhang dar, der mit dem Attribut einer relativen Ruhe ausgezeichnet ist. Die objektive Zeit - wie der Raum - wird damit ein Bestandteil des Dyasmatiums.
Die objektive Zeit, als relative Gleichförmigkeit und Stabilität, kommt auch in Rhythmen wie beim künstlichen Chronometer oder bei der biologischen Uhr zum Ausdruck.
Der Sekundenzeiger durchläuft die Skalen übrigens nicht mit gleicher Geschwindigkeit, obwohl er das soll. Die Benutzung der Uhr gewährleistet erst viele Beziehungen in der menschlichen Gesellschaft. Die Messung der Zeit bei einer Bewegung ist nur das Anknüpfen einer Beziehung dieser Bewegung an eine andere oder an die Vergangenheit. Ohne diese Beziehung wäre die Bewegung nicht.
Die subjektive Zeit verdeutlicht sich in dem Vergleich zwischen einem Baum und einer Eintagsfliege, wenn beide mit einem sich innerhalb einer Minute abspielenden Ereignis konfrontiert werden. Für die Fliege füllt dieses Ereignis ein beträchtliches Stück ihres Lebens aus, während für den Baum das Ereignis so plötzlich wieder verschwindet, wie es auftauchte. Vulkane brechen aus der Sicht des Menschen viel seltener aus als für die Omniade Erde selbst, deren innere Prozesse bekanntlich auf gewaltige Zeiträume ausgelegt sind. Der Unterschied der inneren Zeit aber muss nicht in jedem Fall an die Lebensdauer der Omniaden gebunden sein.
Die subjektive Zeit des Menschen - und nicht nur des Menschen - umgreift die objektive, dyasmatale Zeit, so dass für uns die materielle Zeit entsteht: die Zeit an der Schwelle zwischen
Subjekt und Dyasmität.
Jedes Omniade hat ihre eigene Zeit. Bekannt ist auch die Veränderung der Zeit bei der lichtnahen Geschwindigkeit eines Körpers. Doch auch der Raum hängt von den Körpern, speziell von deren Gravitation ab, die die Raumkrümmung verursachen.
Erst die Grenzen eines Raumes beziehungsweise der Übergang, der Unterschied zwischen zwei Räumen, mithin das Vorhandensein von Struktur statuieren den Raum. Allerdings muss Struktur registriert (Information) und reagiert (Energie), das heißt von einer fremden Omniade erfasst werden, um zu sein.
Was geschähe denn mit einem Gegenstand, der absolut isoliert wäre? Er würde für die anderen Gegenstände die Eigenschaft eines Loches haben, um das Strahlen wie das Licht einen Bogen machten. Da er auch von seiner eigenen Struktur isoliert wäre, könnte es kein Äußeres für ihn mehr geben, womit seine Selbstbewegung brachliege und er dem ewigen Dornröschenschlaf anheim fiele.
Fazit: Das Sein der Welt beruht auf der Wechselwirkung.
Die Beziehung zwischen einer Omniade und ihrem Objekt sowie die Unterschiede des Objekts konstruieren den Raum. Für eine Omniade verkörpert der Raum vornehmlich den Unterschied und die Zeit vornehmlich die Beziehung.
Jede Omniade hat ihren inneren Raum ebenso wie ihre innere Zeit. Des Menschen Raum- und Zeitvorstellungen sind menschlich subjektiv. Die an der objektiven Welt teilhabenden, also fremden Omniaden dagegen bestimmen die objektive, dyasmatale Raumzeit, allerdings auf der Basis ihrer inneren Raumzeit.
Wenn die objektive Raumzeit im Dyasmatium aufgeht, zur Erkennung des letzteren ein Verstand vonnöten ist, welcher wiederum zwischen Denken und Dyasmatium solange nicht unterscheiden kann, wie er sein
Denken nicht als etwas Eigenes empfindet, muss man die Annahme treffen, dass der raumzeitliche Unterschied zwischen dem Denken und dem Dyasmatium sich anders ausdrückt als etwa der zwischen Empfindung und Materie. So wie Gesetze als von Raum und Zeit relativ unabhängig gelten, erscheint auch eine örtliche Trennung zwischen Denken und objektiver Umwelt, falls Denken nicht ich-, sondern objektbezogen ist, beim Dyasmatium irrelevant.
Die innere, also Entwicklungs-Bewegung erweist sich als konträre Dyasmition zwischen der Zeit (wesentlich Beziehung) und dem Raum (wesentlich Unterschied). Die äußere, also Orts-Bewegung zeigt sich entsprechend als konträres Dyasmatum zwischen der Zeit und dem Raum.
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Dem einem Atom adäquaten inneren Sein ermangelt es an Wachheit und Lebendigkeit verglichen mit dem Menschen genau um den Betrag, wie seine objektive Struktur in Bezug zur Funktion der Selbsterhaltung unvollkommener ist als der Organismus des Menschen. Analog erscheint die Selbstlebendigkeit der Erde gegenüber einem Ameisenselbstsein genau um den Betrag reduziert, wie ihre physikalisch-chemisch-biologisch-soziale, ihre geologische und gravitonische Beschaffenheit hinsichtlich der Funktion der Selbsterhaltung verglichen mit der Ameisenkörperstruktur ein primitiveres Niveau einnimmt. Denn immerhin zeichnen sich der Mensch und die Ameise durch einen höheren Freiheitsgrad an Bewegungen aus als das Atom und die Erde. Dem Leben überhaupt wohnt die Spezifität inne, schon durch Information eine äußere Bewegung vollziehen zu können und selbst Bewegung, das heißt Stoffwechsel zu sein, welche unaufhörlich verströmt in einem Flussbett der organisierten Stabilität und Entwicklung. Stetige Veränderung und enger, flexibler Kontakt zur Außenwelt, und dadurch eine
unübertreffbare Perfektion bei der Selbsterhaltung - dieses ausgeprägte Attribut des Lebens lässt es teilhaben an den höheren Formen der konträren Dyasmitionen, die in der Kosmogenese jüngeren Datums sind. Der eigene Körper als gebändigter Strom der Wandlungen, zudem die bei Tieren leichte Ortsbeweglichkeit und die damit einhergehende intensive Differenzierung und Relationierung, also Wechselwirkung mit der Umwelt - ein kristallklares Aufscheinen von Unterschieden und Beziehungen, womit das Leben über alle anderen, uns bekannten Omniaden triumphiert.
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Doch beim Atom wird der Unterschied zwischen Innen und Außen, zwischen Selbstsein und Anderssein bis zum äußersten abgeschwächt und konvergiert gegen Null. Gänzlich aufgehoben ist er beim Elementarteilchen (oder beim Parton, Quark beziehungsweise Fundamentalteilchen), mithin ist auch seine Individualität (fast) aufgehoben, die denn nur noch konstituiert werden kann durch die Wechselwirkung mehrerer Elementarteilchen. Die Herstellung der Individualität durch die Wechselwirkung wiederum bedeutet, dass ein - somit etabliertes, weil individuelles - Teilchen die Eigenschaften aller anderen Teilchen enthält, was sich auch mit der Heisenbergschen Definition der Teilchen deckt. Der Unterschied, das heißt Individualität verdankt sich der Beziehung, das heißt der Wechselwirkung und umgekehrt. Das „Selbstsein" des Teilchens hat sich zum „Anderssein" hin geöffnet, während das „Anderssein" unter das „Selbstsein" subsumiert wurde.
Das so genannte Fermionenfeld, das - da ohne Struktur - keine Geometrie, keinen Ort oder Raum kennt, soll theoretisch durch eine „Erregung" Elementarteilchen hervorbringen können, mit denen die Geburt von Ort und Raum sowie der Grundeigenschaften der Welt zusammenfällt. Vielleicht geschah nach diesem Mechanismus die Expansion des Universums, bildeten sich die Unterschiede und Beziehungen, die vordem im Fermionenfeld eingefroren waren.
Interessant in diesem Zusammenhang der folgende Gedanke von David Bohm, Professor für Theoretische Physik in London: „Ähnlich, wie in einem Hologramm alle Informationen gewissermaßen überall gespeichert sind, ist es auch in der Welt. Was wir als zwei getrennte Teilchen sehen, - die explizite, ‘entfaltete’ Ordnung - , ist in Wirklichkeit gar nicht getrennt. Beide Teilchen gehören zum selben, ‘tieferen Realitätsbereich’ - der impliziten Ordnung". (Bohm). Als Beispiel wird genannt, dass aus einem Fisch scheinbar zwei entstehen, würde dieser mit zwei Kameras, die jeweils einen Monitor haben, aufgenommen.
Mit der Heraufkunft der Elementarformationen begann auch die Konstruktion der Omniaden, wenngleich nach einem zeitlichen Algorithmus. Die Verschachtelung der Omniaden macht wiederum ihre Struktur transparent und relevant; gäbe es diese Wechselwirkung nicht, wäre die Materie durchsichtig wie Glas. Eine gründliche Erforschung der Omniaden erheischt daher auch die Beachtung der eingebundenen, subordinativen Omniaden; so setzt die vollständige Untersuchung eines Menschen die der eigenen Omniaden Gehirn, Herz, Nervenbahnen, Lymphknoten, Zellen und anderer inwärts gelegener Strukturen voraus.
Das grenzenlose Universum expandiert, obwohl es innerhalb seiner wohlbestallten Endlichkeitsschranken keine neue Materie produziert. Durch räumliche Ausdehnung gekennzeichnete Expansion darf in diesem Falle so verstanden werden, als würde man in ein Mikroskop mit stetig wachsendem Auflösungsvermögen schauen; das Materiequantum bleibt sich gleich, doch beobachten wir immer neue Details, immer neue Dyasmata. Mithin war die Expansion des Universums von Anfang an nur die materielle Äußerungsform der universellen Dyasmition. Es gehört mit zu den Mysterien der wahren Liebe, dass ihr tendenziell Eigenschaften zukommen, die den möglichen Zustand vor der Geburt des Alls widerspiegeln. „Ich weiß nicht, wo ich aufhöre und du anfängst" - dieser Eindruck zeigt prismatisch mit der Auflösung des subjektiven Unterschieds zweier sich Liebender und dem wechselseitigen Übergreifen der Seele die Ineinswerdung. Mit der Verschmelzung von Innen und Außen vollzieht die Liebe empfindungsmäßig das, wonach potenziell alle Omniaden hinstreben, geleitet durch ihre Art von Sehnsucht nach dem Nirwana des unendlichen Friedens. „Ich mache die Welt in dem Maße zum Teil meiner Seele, wie sie mich erstarrend und verlierend zu sich herüber holt".
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Die reine Zwei ist reiner Unterschied und ihr Unterschied zu einem Dritten ist reine Beziehung. Die reine Eins existiert im Objektiven nicht. Da der Unterschied und die Beziehung nur zusammen vorkommen, transfiguriert zu Zweien immer ein Drittes. Die Drei führt zu mehr als einem und maximal drei Paaren, das heißt Unterschieden. Jeder neue Unterschied bedingt eine neue Beziehung; die zwei, drei Paare aus Drei haben allerdings nur sich selbst als Beziehung. Die - nicht mehr reinen - Unterschiede in diesem System drohen eliminiert zu werden, obwohl Beziehungen bestehen. Letztere sind in ihrer Aktivität Totengräber der Unterschiede, falls sich nicht ein Viertes anschließt. Die Beziehungen bestehen aber nicht ohne Unterschiede.
Dieser Entwicklungskomplex beschreibt sicher annähernd den Beginn der Kosmogenese. Das Abstrakteste, welches das menschliche Gehirn hervorbringen kann, das von den Sinnesdaten am weitesten Entfernte vermag - wenn kein Irrtum vorliegt - das Dyasmatium am besten zu erfassen, ja wir sind sogar unvermögend, den allgemeinen Gedanken vom Dyasmatium zu trennen, was offenbar mit besonderen Raum-Zeit-Beziehungen zusammenhängt.
Der fehlende und der absolute Unterschied haben keine Beziehung, daher müssen Unterschiede maximal sein. Die fehlende und die absolute Beziehung haben keinen Unterschied, daher müssen Beziehungen maximal sein. Das Differenzprinzip besagt, dass ein Unterschied gravierend ist, wobei die Beziehung nicht abgeschwächt werden darf. Oder es existieren soviel Unterschiede, wie die Beziehungen nicht untergehen. - Das Relationsprinzip besagt, dass eine Beziehung intensiv ist, wobei der Unterschied nicht abgeschwächt werden darf. Oder es existieren soviel Beziehungen, wie die Unterschiede nicht untergehen. Der reine Unterschied zum Unterschied kann nur die Beziehung, der reine Unterschied zur Beziehung nur der Unterschied sein. Die reine Beziehung zum Unterschied kann nur die Beziehung, die reine Beziehung zur Beziehung nur der Unterschied sein.
Im Verhältnis Unterschied-Beziehung liegt der Ursprung der formallogischen und der höheren, dialektischen Gesetze, liegt der Urgrund der objektiven Welt. Das Dyasmatium - das in seiner Reinheit vom Menschen nicht völlig erfasst wird, weil er sinnlich-subjektiv ist und also unreine stofflich-materielle Vorstellungen hat - besteht im Objektiven allein. Die Materie erweist sich als die spezifisch menschliche Art der Maskierung des Dyasmatiums. Beim einfachen Daseinskampf des Homo Sapiens als Orientierungsmittel ausreichend, wirkt sich die Materievorstellung heute als Hemmschuh aus für den weiteren Menschheitsfortschritt.
Dyasmität lässt sich an folgenden Beispielen demonstrieren: Als die Physiker das Neutrino infolge der Zerstrahlung eines freien Neutrons entdeckten, schlossen sie mit Erfolg - eben weil sie an die Spiegelung, an die Symmetrie glaubten - auf das Positron, das bei der Zerstrahlung eines freien Protons entsteht. Oder: Der Sirius befindet sich schon deshalb mit mir und also mit der Erde in Kausalbeziehung, weil ich am Abendhimmel sein Licht gesehen
habe. Oder: Mit dem Urbanisierungsprozess, dem Wachsen der Dörfer in die anonyme Konzentration der Städte interpretiert sich die Dyasmition selbst.
Worin offenbart sich der reine Unterschied? - In der Differenz, der Abstraktion wie der Zahl, der Analyse (die Synthese wäre Beziehung), im Widerspruch, der Nichtwiederholbarkeit, im Widerspruch der annähernden Wiederholbarkeit (zum Beispiel dem Gesetz), den unterschiedlichen Tempi, in dem Nichtvorhandensein der Ruhe, den Symmetrien, den physikalischen Erhaltungssätzen, in der Entwicklung, die weder stagnieren noch rückwärts schreiten kann, der Vielfalt, der Relativität und „Beweglichkeit" von Raum und Zeit. Wirklich lebendiges, differenziertes Sein ist endloses, universelles, ewiges Sein, ist Unerschöpflichkeit und unbegrenzte Mannigfaltigkeit. Daher gibt es nichts Doppeltes, nichts Gleiches im All, so auch kein Nichts, kein tatsächliches Vakuum, zumindest nicht an zwei Orten des Alls oder endlich und messbar im Raum. Der reine Unterschied offenbart sich in der klaren Entgegensetzung von Selbstsein und Anderssein, von Subjekt und Objekt.
Wie soll ein Vakuum leer sein, wenn sich in ihm spontan und gleichzeitig Positronen und Elektronen bilden können, um kurze Zeit später wieder ins Vakuum zurückzufallen? Die Energie für diesen Vorgang leiht sich das Vakuum gewissermaßen aus; insofern wird hier der Energieerhaltungssatz verletzt. Die virtuellen - da aus dem Vakuum hervor gegangenen - Teilchen Positron und Elektron haben praktisch die gleiche Masse und unterscheiden sich nur durch ihre positive beziehungsweise negative Ladung. Wie am ersten Schöpfungstage entsteht ein reiner Unterschied aus dem scheinbaren Nichts!
Eine absolute Nullpunkt-Temperatur hätte das Einfrieren jeglicher Bewegung, das Erstarren der Dyasmität zur Folge und kann darum nicht existieren.
Aus all dem kommt fast gleichberechtigt ebenso die reine Beziehung zum Vorschein. Die einstmals überzentralisierten, kommunistischen Staaten wurden vor allem durch Beziehungen, die dezentralen, kapitalistischen Staaten werden dagegen vor allem durch Unterschiede charakterisiert. Da dies so blieb, war das ungünstige Schicksal des Sozialismus bei der Ost-West-Konfrontation vorprogrammiert. Die gleiche Aussage lässt sich treffen bei der Gegenüberstellung des Menschen als Individuum (= Unterschied) und als gesellschaftliches Wesen (= Beziehung), oder bei der Gegenüberstellung des durch Individuen repräsentierten Volkes (= Unterschiede) mit Regierungen und Unternehmen (= Beziehungen). Allein die Widerspruchsbejahung schafft und stabilisiert die befriedete Demokratie.
Die Entwicklung des Fötus bzw. Embryos erklärt lehrbuchhaft das Wesen der quantitativen Dyasmition. Auch sollen alle Menschen ursprünglich aus Afrika stammen und sogar - wie von Genforschern ermittelt wurde - nur einige oder eine einzige Urmutter gehabt haben, die biblische Eva.
Das Entstehen des kommunistischen Weltsystems oder das Wiedererwachen des islamischen Fundamentalismus sind nur vor dem Hintergrund des Gesetzes vom unaufhaltsamen Widerspruchszuwachs verständlich.
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Damit nicht übereinzustimmen scheinen Phänomene wie das Aussterben von Tierarten, die Produktion und die Standardisierung sowie die Zeit als Rhythmus. - Da kann man folgendes entgegnen: Im Prinzip sind die ausgestorbenen, vergangenen Tierarten in den heutigen „aufgehoben", implizit enthalten. Dieser Fakt schließt allerdings nicht aus die Vernichtung einzelner Tierarten durch Umweltkatastrophen oder den Menschen. Die partielle Liquidierung von Unterschieden erhöht im gewissen Sinne die dialektische Kraft des
Differenzprinzips, kann aber zugleich nur seltene Ausnahme sein.
Gelänge es nicht, immer relativ Gleiches herzustellen, dann hätten wir Produktion nicht; insofern reduziert sie die Unterschiede, wie sie ja auch die persönliche Note handwerklicher Vielfalt zurückdrängt. Aber im wesentlichen vervielfältigt Produktion bloß die Artikel, wofür Bedarf besteht, so dass mit ihrer Hilfe die Zivilisation und deren Vielfalt erst möglich wurde. Im Gegensatz zum Handwerk konnte die Produktion jeden Menschen in die Lage versetzen, sich eine große Menge künstlicher und natürlicher Gegenstände anzueignen. Außerdem macht die Massenfertigung bestimmte Beziehungen wie den internationalen Handel, das weit gespannte Netz von Servicestationen und natürlich auch die Senkung des Herstellungsaufwandes überhaupt erst real. Gegenüber dem Handwerk wird die Produktion also vor allem durch die den Unterschieden entsprechende Konstituierung von Beziehungen bestimmt. Analog gilt das für die Standardisierung und die Zeit als Rhythmus, bei welchen die Betonung auf die Entfaltung von Beziehungen liegt.
Doch korrespondieren die ubilibetanen Gesetze mit den Symptomen gerade der allerjüngsten Gegenwart: Durch den Einsatz von Robotern, die infolge ihrer Flexibilität die Umrüstzeiten bei der Umstellung auf ein neues Produkt entscheidend minimieren (ein Vorgang, der eine Parallele findet in der Einführung von Rechnern in den produktionsvorbereitenden Abteilungen), ergibt sich die Perspektive, zur Produktion kleinerer Stückzahlen, zum Teil sogar zur Einzelfertigung überzugehen. Damit steht freilich die Existenz des Handwerks und der mittleren Betriebe auf dem Spiel. Im Zuge der Entbürokratisierung haben auch Standards und Normen jetzt weniger die Aufgabe der Vereinheitlichung als vielmehr die Aufgabe der Beziehungsanknüpfung.
Eine paradoxe Dyasmition kommt zum Beispiel in der zwiespältigen, weil
sowohl friedlichen als auch militärischen Anwendung von Erfindungen wie die des Flugzeuges oder der Atomenergie zum Ausdruck. Paradox ist auch der Zusammenhang von Verinnerlichung, Vergeistigung und Entanthropozentrisierung - die Differenzierung also - auf der einen und die bessere Ausnutzung natürlicher und gesellschaftlicher Gesetze, der Ausbau der menschlichen Vormachtstellung - die Relationierung also - auf der anderen Seite. Je weiter der Geist sich vom unmittelbar Gegebenen, vom Sinnlichen entfernt, ohne dabei die Beziehung zu letzteren abzuschwächen - im Gegenteil, je mehr der Geist den Unterschied zum Sinnlichen, aber auch die Beziehung zu demselben fördert, desto harmonischer überdecken sich der Geist und das Dyasmatium.
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Konträre Dyasmition bedeutet die Überleitung des äußeren, primitiven zum inneren Widerspruch bei Omniaden und anderen Elementarformationen, bedeutet also Verinnerlichung sowie die allmähliche Substituierung der Energie durch Information.
Die konträre Dyasmition ist die höchste Stufe der Kosmogenese. Das denkbar erste und „martialischste" Beispiel war das Hervorgehen der Teilchen und Antiteilchen aus der „Ursuppe", in welcher vordem „Teilchen" ohne Profil, ohne Unterschied „schwammen"; sie agierten gleichsam wie Herdentiere nach der urkommunistischen Devise: „Einer für alle, alle für einen". Sobald die Teilchen und Antiteilchen - mengenmäßig fast gleich - miteinander in Kontakt kamen, zerstrahlten sie in einem wahren Höllenfeuerwerk. Niemals wieder in der Geschichte des Alls sollte es einen solch gigantischen Vernichtungskampf mehr geben. Die primitivste nur vorstellbare konträre Dyasmition hätte in einem Schlachtfeld geendet, wären nicht die Teilchen - wenn auch nur in geringem Maße - in der Überzahl gewesen. Und dieser Rest setzte dann gewissermaßen mit weniger kriegerischen Mitteln die Kosmogenese allein fort bis auf den heutigen Tag. Der
Daseinskampf der Teilchenarten transformierte sich nach Jahrmilliarden zu dem toleranten Dialog intelligenter Zivilisationen, zur verinnerlichten konträren Dyasmition.
Das Dyasmatium selbst bleibt in seiner Reinheit unerkennbar. Es scheint durch bei Gesetzmäßigkeiten, bei Formalismen, quantitativen Verhältnissen und Zusammenhängen, bei Axiomen der Wissenschaften wie in der Logik, Mathematik, Kybernetik, Semantik, Physik und andere. Das reine Dyasmatum und das reine Gefühl schließen einander aus wie der Teufel und das Weihwasser.
Wenn Sein bestehen soll, muss es wenigstens Unterschiede und Beziehungen in einfachster Form aufweisen, und diese werden durch die Elementarteilchen (oder andere Teilchen) repräsentiert. Die Konfigurationen der Teilchen ergeben die komplizierteren Formen der Dyasmität. Wie aber können Widersprüche und Wechselwirkungen, die besagten Konfigurationen also gewährleistet werden?
Das Differenzprinzip würde eigentlich zu Zerstörung und Chaos führen, wenn es keine relativ stabilen Strukturen gäbe, die ihre Stabilität auch bewahren können. Diese - dem Relationsprinzip entsprechenden - Strukturen müssen sich voneinander unterscheiden, weil sie sich sonst nicht im Widerspruch zueinander befänden. Sie unterscheiden sich aber auch infolge der Verschiedenartigkeit der fremden Strukturen, mit denen sie in Wechselwirkung treten. Die Strukturen müssen gewissermaßen voneinander ihre Nabelschnur zerreißen, müssen einander fremd, also Subjekt und Objekt sowie einander feind, also unterschiedlich in Form und Funktion werden. Dieses einander fremd und feind werden müssen löst Prozesse aus, deren Ergebnis wir Menschen mit Ort, Raum, Zeit und Determiniertheit bezeichnen. Schließlich können sich Subjekt und Objekt nur trennen, indem sich eine Struktur von der anderen räumlich löst und sich
von ihr entfremdet. Mit der Gestaltung der Ungleichheit von Form und Funktion der Strukturen wird verhindert, dass sich Subjekt und Objekt als zwei verloren gegangene Hälften betrachten. Die Beziehung zwischen den Strukturen muss natürlich algorithmiert sein.
Diese Schaffung der Subjekt-Objekt-Spaltung und der Vielfalt wiederum erfordert Aktivitäten hinsichtlich der Selbsterhaltung der Strukturen. Der ständige Kampf der Strukturen untereinander sichert einerseits die Stabilität, das heißt die Beziehungen und andererseits die Anpassung oder den „Angriff", das heißt die Unterschiede.
Die durch die Eigenschaft der Selbsterhaltung ausgezeichneten Strukturen möchte ich mit dem Begriff „Omniaden" belegen. Omniaden sind folglich im ontologischen und gnoseologischen Sinne die optimale Variante der Dyasmitätsverwirklichung im Universum.
Zu den Omniaden gehören Atome, Moleküle, Kristalle, Viren, Mikroben, Zellen, Organe, Pflanzen, Tiere, Menschen, Planeten, Sonnen und andere aktive Himmelskörper, Planetensysteme, Galaxien und anderes. Sie alle vermögen Störungen innerhalb eines bestimmten Toleranzbereiches regulierend auszugleichen. Die höher entwickelten unter ihnen können die Störungen beeinflussen durch Einwirkungen auf die Außenwelt, oder gar die Außenwelt bewusst verändern. Die Eigenschaft, Omniade zu sein, kommt zum Beispiel einem Atom schon deshalb zu, weil es, obwohl der Umwelt reagierend ausgesetzt, existiert. Die konkrete Omniade sowie ihre Art müssen wiederum im Kontext mit ihrer Umwelt erklärt werden. Nicht nur der Kampf ums Überleben, sondern auch die Beziehungen zur Umwelt an sich charakterisieren eine Omniade.
Die Omniaden sind Produkt der allgemeinen Materieentwicklung, deshalb bestimmt die jeweilige Umwelt - und zwar die externe
wie auch die interne, omniadeintegrierte, verschachtelte - den Inhalt des jeweiligen Selbstseins. Insofern ist die Umwelt gegenüber der Eigenwelt primär, wird die Grundfrage der Philosophie nach dem Primat materialistisch entschieden. Da jedoch einer Omniade immer das doppelte Attribut anhaftet, für sich selbst ebenso wie für andere Omniaden, also Subjekt oder Objekt zu sein, reduziert sich die Frage nach dem Primat auf die Frage nach dem Standpunkt des jeweiligen Betrachters. So bin ich für irgendeinen Menschen primär, weil Objekt, aber auch er ist primär, nämlich für mich, und Subjekt sind wir beide natürlich auch. Was das Bewusstsein angeht, welches irgendeinen Menschen, der nicht man selbst ist, trotz seiner Objekt-Eigenschaften zum „Träger" eines Subjekts macht, so muss auf den Umstand verwiesen werden, dass die Psyche eines fremden Menschen Forschungsgegenstand nur sein kann, indem entweder die dyasmatale Funktion (zum Beispiel die logischen Zusammenhänge bei einer Traumdeutung) der Psyche untersucht oder diese nachempfunden wird (zum Beispiel den Traum), was jedoch immer nur Selbstempfindung ist, denn fremde Empfindung existiert für mich nur, wenn ich mich in diese „hinein versetze", also mich selbst empfinde! Eine fremde Psyche als Erlebnis durch diese selbst kann demnach niemals Forschungsgegenstand sein, wie ja Bewusstsein konsequenterweise gar nicht anders als vermittels Introspektion nachweisbar ist.
Die Unauflösbarkeit des polaren Zwiespalts zwischen Subjekt und Objekt und die Gleichhäufigkeit und Austauschbarkeit derselben bekräftigen das Differenz- und Relationsprinzip und führen in unsere Philosophie den Gedanken der Relativität ein.
Resümierend schlussfolgern wir also, dass die Omniaden in ihrer Funktion nach der Umwelt ausgerichtet sind, sie diese als den primären und dominierenden Faktor behandeln, dass aber die Relativität von Subjekt und Objekt einer streng materialistischen Beantwortung der Grundfrage der Philosophie den Boden entzieht.
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Jede Omniade hat sich den anderen, umgebenden angepasst. Da die Organe des menschlichen Körpers ebenfalls Omniaden bilden, erlangt das Gehirn Informationen (im konventionellen Sinne verstanden) auch von ihnen.
Die übermäßige Bedeutung, die der Mensch der mechanischen und stofflichen Welt, dem Wasser, der Luft, dem Metall, der Drehmaschine, der Kerze und so weiter beimisst und nicht dem Dyasmatium und speziell den Omniaden, liegt in der beschränkten, pragmatischen Funktion der Sinnesorgane, des Gehirns und des Menschen überhaupt begründet. Eigentlich ist der Mensch Produkt einer bis in die Anfänge des Lebens zurückreichenden, wenn nicht gar noch älteren Evolution. Daher nehmen wir Sonnen-, aber nicht Röntgen- und Gammastrahlen wahr; wir fühlen das Glas, aber nicht seine Moleküle, wir hören ein Rascheln und wissen zugleich, dass das eine bestimmte Frequenz der Luftschwingungen darstellt. Auch registrieren wir immer nur Äußerliches - doch was ist schon das Sichtbare und Fühlbare zum Beispiel gegenüber den inneren Organen eines Menschen, den inwärts gelegenen Hautschichten, dem Inneren des Auges, der Struktur der Gewebe und des Blutes? Sogar die „Struktur der Gewebe" vernachlässigt die Tatsache, dass es im Objektiven letztendlich nur Elementarteilchen (jedenfalls die fundamentalsten schlechthin) und ihre Formationen gibt.
Die pragmatische Funktion des Menschen (wie aller Omniaden), das heißt die Anpassung an die „normalen", irdischen Bedingungen, seine „Ökonomie" also lässt ihn Materie wahrnehmen, jedoch nicht das Dyasmatale, nicht die Dinge, die sein Intellekt hervorbringt. Sicher stehen Materie und Dyasmatium, das Äußere eines Menschen und seine feinsten Strukturen in enger Beziehung zueinander; die ersteren kann man als Indizes des Dyasmatiums beziehungsweise der Strukturen ansehen.
Für ein einfaches, natürlich-biologisches Dasein reichen die beschränkten, ökonomisierten Fähigkeiten des Menschen auch aus. Sobald wir aber die Forderungen der modernen Zivilisation in Betracht ziehen, wird klar, dass der Mensch biologisch noch unangepasst ist, dass zum Beispiel seine geistigen Fähigkeiten den Forderungen oftmals nicht nachkommen können. Aus diesem Grunde erweist sich die Abkehr von der stofflichen Materievorstellung und die Hinwendung zum Dyasmatium als unumgänglich.
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Erscheinungen wie Meteoriten, Sandkörnchen, Holzstöcke, Laub, die künstlichen, nicht sich selbst erhaltenen Gegenstände der Zivilisation haben verglichen mit Omniaden gewissermaßen einen geringeren Wert, weil ihre Existenz allein auf den in ihnen verschachtelten Omniaden beruht. Der Tisch oder das Radio verdanken sich den Zusammenhaltskräften und den Beziehungen in der mikrokosmischen Region.
Der Mensch vermag es ebenso wenig, den materiell-funktionalen Unterschied zwischen einer lebenden Crustacea und einem aufziehbaren Spielzeugkrebs bloß mit Hilfe seiner Sinnesorgane zu bemerken. Er hält den Wachheitsgrad, die Selbstlebendigkeit eines Baumes und eines Säugetieres zunächst für prinzipiell gleich, obwohl bekanntlich das Säugetier über bessere Möglichkeiten zur Selbsterhaltung, daher über ein wacheres inneres Sein verfügt als der Baum. In der Regel sind alle Lebewesen an eine bestimmte Umgebung gebunden, doch ist die Anpassung eines Säugetieres flexibler und aktiver als die eines Baumes, während der Mensch sich beinahe schon in jeder Umwelt (Antarktis, Äquator, Kosmos) biologisch oder technisch häuslich einrichten kann. Analog dazu der Gedanke, wonach die Funktion des Unbewussten eine Vorausschau bei relativ stabilen, die Funktion des Bewussten eine Vorausschau bei instabilen oder bedrohlichen Umweltverhältnissen darstellt.
Photonen wechselwirken mit der Oberfläche eines Objektes, dann wechselwirken sie mit der Netzhaut des Auges, die elektrische Spannung in den Sehnerven ändert sich und eine bioelektrische Information wandert zum Gehirn, wo diese mit dem, was gespeichert ist, verglichen wird - vom Anfang bis zum Ende nur Wechselwirkung! Wir nehmen also lediglich das Resultat von Wechselwirkungen und weniger die „Objekte selbst" wahr. Andererseits erhalten die Objekte ihr Dasein erst durch die Wechselwirkung, durch den Kontakt mit der Umwelt.
Wir sehen auch nicht zum Beispiel das unter der Glasur befindliche Material eines Tontopfes, obwohl dieses entscheidend mit dazu beiträgt, dem Topf Halt zu verleihen und damit seine Existenz. - Wenn wir also nicht von den Objekten direkt die Information empfangen, sondern eher das Resultat der dazwischengeschalteten Wechselwirkungen, wenn wir außerdem nicht die inwärts gelegenen Strukturen der Objekte wahrnehmen, dann darf uns die Tatsache nicht verwundern, dass der Mensch vermittels seiner Sinnesorgane den funktionalen Unterschied zwischen einem Radio und einem Lebewesen, zwischen einem echten und einem künstlichen Krebs sowie den Unterschied zwischen dem Selbstsein eines Säugetieres und dem eines Baumes nicht zu registrieren vermag. - Durch Hinzuziehung des Denkens kann der Mensch dagegen zum Beispiel einen reinen Unterschied beim Vergleich Hase- Maulwurf gegenüber dem Vergleich Hase-anderer Hase feststellen, ein Unterschied, der infolge seiner Reinheit dyasmatal ist und daher auch von den anderen Omniaden, so zum Beispiel von einem Fuchs als Unterschied erfasst wird.
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Die Anpassungsfähigkeit eines einzelnen Lebewesens hat, durch das Vermögen der lebenden Materie selbst gesetzt, Grenzen. Unbeschränkte Anpassungsfähigkeit aber (und die bestehenden
Lebewesen sind historisches Produkt dieses Prinzips) bewahrt die einzelnen Populationen vor dem Aussterben. Folglich ist der natürliche Tod eines Individuums (gleichfalls historisches Produkt) unabdingbar für die Existenz des Lebens (zumindest bei den höheren Arten). Wenn ein Individuum sich seiner Umwelt anpasst, so hat das mehr oder weniger direkt positive Auswirkungen auf die Nachfahren. Der Fortpflanzungsakt vermittels eines einzigen Individuums würde bedeuten, dass der Nachfolger erst bei einer Reproduktion der Umwelt des Erzeugers diesem potentiell überlegen wäre. Bei einem Bestehen von drei Geschlechtern hätten - sofern sinnvoll überhaupt möglich - gewissermaßen technische Schwierigkeiten wohl zu einer Dezimierung der Geburtenrate geführt. Es ist hier wie mit der Dialektik: zwei Partner waren der Kompromiss der Natur. Die Summe der Erfahrungen und erworbenen Fähigkeiten biologisch sanktioniert, von zwei Lebewesen und damit zwei vielleicht verschiedene Umwelten wirken sich auf die Nachkommen aus. Die trotzdem existierenden eingeschlechtlichen Lebewesen haben womöglich nie einen dramatischen Wandel ihrer Umwelt kennen gelernt.
Das Gehirn und der Verdauungstrakt beim Säugling verhalten sich in ihren Grundeigenschaften wie der pflanzliche Samen. Einmal sind sie Produkt eines biologischen „Schöpfungsaktes", zum anderen brauchen sie die äußeren Lebensumstände, um ihr vorprogrammiertes Entwicklungsschema in die Tat umzusetzen, und drittens werden sie von der Umwelt beeinflusst. Sowohl sie selbst als auch ihre Umgebung sind Voraussetzungen für die Praktizierung des Entwicklungsprogramms, wobei letzteres phylo- und ontogenetischen Faktoren direkt unterliegt. Der Phylogenese entspricht der Satz, wonach jede Reaktion auf eigenmaterielle Weise geschieht. Anders formuliert: Für jede Umgebungsstruktur besteht ein spezielles Verhalten. Der ontogenetische Faktor zeigt sich in einer unnormalen Umgebung, in der das Entwicklungsprogramm eben dieser Umgebung entspricht; es verkümmert zum Beispiel der Organismus. Das Vorprogrammierte geht sozusagen Hand in Hand mit der Umgebung, beide verschmelzen irgendwo ineinander. So enthalten die Entwicklung des Gehirns sowie die Vorgänge in ihm eigenmaterielle und äußere Komponenten, die hoffnungslos miteinander verflochten sind.
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Für ein Zellulosemolekül ist der Tisch, in dem es sich befindet, im Prinzip so übergeordnet wie für den Menschen die Gesellschaft. Die Elementarformationen Tisch oder Gesellschaft sind einwirkende Umwelt wie auch Reaktionsergebnis in Bezug auf die aktiven Omniaden Zellulosemolekül oder Mensch. Omniaden und ihnen übergeordnete Elementarformationen verdanken ihre Existenz in hohem Maße gegenseitig, so dass sie gemeinsam eingefasst erscheinen in einen Zusammenhang höherer Natur.
Omniaden treten im Normalfall kollektiviert auf. Eine spezielle Elementarformation bildet die „Omniadenkonglomeration".
Wassermoleküle, alle gleichartig, machen das Wasser aus, Sauerstoff-, Stickstoff- sowie Edelgasmoleküle die Luft, gleichartige Kristalle das Metall und gleichartige Atome die Stoffe des Mendelejewschen Periodensystems. Weiterhin zählen dazu Mikrobengruppen, Tierherden und -gemeinschaften, die Menschheit und anderes. Dabei können zwei oder mehrere Omniadenarten in der gleichen Region bestehen, zum Beispiel die Haustiere mit den Menschen, Buchen und Fichten im Wald und verschiedene Elemente in einer Legierung. Die Ursache für das auffallende Beisammensein gleichartiger Omniaden liegt in den gleichartigen Eigenschaften oder im gleichartigen Ursprung verborgen. Ein Sauerstoffmolekül kann sich auf Grund seiner Dichte in der Atmosphäre, auf Grund chemischer Eigenschaften in einem Lebewesen befinden. Der irdische Kreislauf des Wassers wird den gemeinsamen Eigenschaften der Wassermoleküle geschuldet. Die
Gleichartigkeit der Omniaden selbst hängt mit ihrer gleichartigen Umwelt zusammen; darum gleicht eine neue Generation auch der alten.
Bei Überschneidungen verschiedener Omniadenarten gehen zwei oder mehrere nichtgleichartige Omniaden häufig besondere Beziehungen untereinander ein - sie gründen „Omniadenkonfigurationen". Die Biozönose, das Verhältnis zwischen der Sonne und den Planeten oder zwischen verschiedenen Elementen einer Legierung mögen hier erwähnt werden.
Von den Omniadenkonfigurationen direkt abgeleitet sind die „Kreislaufsysteme", die eben die gesetzmäßigen Naturkreisläufe beschreiben. Die Glieder der Omniadenkonfigurationen, aber auch die Menschen untereinander (durch die Arbeitsteilung) können Kreislaufsysteme darstellen.
Die beim Kohlenstoff besonders aktive chemische Bindungsfreudigkeit schuf eine große Vielzahl an Stoffen mit den verschiedensten Eigenschaften, die aber alle miteinander eng verbunden und aufeinander abgestimmt sind eben durch den Kohlenstoff. Diese Differenzierung und diese Relationierung manifestieren sich „in" den Lebewesen. Organische Kohlenstoffverbindungen bilden große, sehr zahlreich kombinierte Omniadenkonfigurationen. Je mehr Kombinationen, um so mehr Eigenschaften und desto perfekter die Möglichkeiten der Selbsterhaltung. Auf den Kohlenstoffverbindungen bauen interessanterweise neue Omniadenkonfigurationen auf - die Beziehungen in und zwischen den Zellen, dann zwischen den Organen, Muskeln, Knochen und so weiter. Je primitiver ein Lebewesen, desto mehr verschmilzt die Funktion seiner Organbeziehungen mit der Funktion der chemischen Verbindungen und umgekehrt.
An die kybernetisch-mathematische Betrachtungsweise der vermeintlich stofflichen Materie knüpft diese philosophische an: Eine Omniade ist für einen Betrachter - und nicht nur für ihn - bekanntlich ein Teil seiner Umwelt, muss aber, da es auch unabhängig von jedem Betrachter existiert, im gleichen Maße Subjekt sein. Dieselbe Aussage lässt sich treffen für die subordinativen, verschachtelten Grundsysteme in unserer Omniade. Daraus ergibt sich stringent der Schluss, dass die Betrachtung unseres Grundsystems als stofflich-materiell dieses unwirklich, hingegen als funktionell-dyasmatal dieses wirklich macht.
Die Omniade Mensch konstituiert die - stoffliche - Materie, die Masse (was wir noch darlegen werden), die Energie, die Information, den Raum, Ort, die Größe, die Zeit und die angebliche Endlichkeit oder Unendlichkeit des Alls. Die anderen Omniaden konstituieren das ihnen entsprechende Äquivalent. Doch da jede Außenwelt Orientierung gibt, hat jede Außenwelt auch dyasmatale Momente. Das allen Außenwelten Gemeinsame ist das Dyasmatium. Wäre fremdes Selbstsein direkt nachweisbar, würde sich das Dyasmatium in ein imaginäres Symbol mit sterbender Objektivität transformieren, welches nur ein Prädikat hätte: nämlich schlechthin kein Selbstsein zu haben.
Das einzig Gemeinsame zwischen dem Selbstsein und dem Dyasmatium besteht in dem reinen Unterschied an der Schwelle zwischen diesen beiden Welten.
19
Im Reich der Mechanik erweist sich die nicht substituierbare Druck- bzw. Zugfestigkeit als unabhängig von den Hebelgesetzen. Sie allein bestimmt letztlich darüber, welche Druck- bzw. Zugkräfte dem Menschen zur Verfügung stehen.
Je weiter zwei gedachte Punkte in der Materie voneinander entfernt sind, desto schwächer zeigt sich ihre Bindung aneinander: Atomkerne benötigen zu ihrer Spaltung gewaltige Energien, Metallstücke zu ihrer mechanischen Zerstörung schon bedeutend weniger
und Galaxien als „lockere Gebilde" halten sich selbst „gerade noch zusammen". Sogar die Zugfestigkeit pro Quadratmillimeter hat bei einem dünnen Metallstab einen höheren Wert als bei einem dicken. Diese Gesetzmäßigkeit reicht von den Elementar- und Kernbindungskräften bis zur Gravitation.
Jede mechanische zerstörende Einwirkung auf stoffliche Materie ist ein Auseinanderreißen, und jedes Reißen geschieht allmählich, mit mehr oder weniger langem zurückgelegten Weg. Der Charakter des Reißwiderstandes entspricht ganz dem des Magnetismus, so wie letzterer dem der Plastizität und der Gravitation entspricht. Und der Magnetismus verkörpert den materiellen Ausdruck der Widersprüche, deren Seiten sich permanent die Waage halten - ohne Sieger und Verlierer und nur
zu dem Zwecke, die Unterschiede und Beziehungen zu bewahren.
20
Aus Berliner Morgenpost, 19.11.2010, S. 9, Artikel: „Antimaterie in der Falle". Ich zitiere daraus das Schlusswort: „...Dahinter steht eine Frage: Unterscheiden sich Materie- und Antimaterieteilchen wirklich nur in ihrer elektrischen Ladung? Gäbe es keine anderen Unterschiede zwischen den Teilchensorten, so wären diese im Urknall in gleich großen Mengen entstanden und hätten sich komplett gegenseitig vernichtet. Dann gäbe es heute gar keine Materie".
Das Verhältnis Materie-Antimaterie kennzeichnet mustergültig eine materielle Symmetrie. Die Materieseite wird vertreten zum Beispiel durch ein Wasserstoffatom, das aus einem positiv geladenen Proton und einem negativ geladenen Elektron besteht. Bei der Antimaterieseite haben das Proton eine negative und das Elektron - nun Positron genannt - eine positive Ladung, also eine genau entgegengesetzte Konstellation. Man ist heute noch nicht in der Lage zu erkennen, worin sich beide Seiten sonst noch unterscheiden.
Würden sich beide Seiten so verhalten, dann wäre der Unterschied zwischen ihnen absolut. Der Sachverhalt eines absoluten Unterschieds ist mit der Eigenschaft ausgestattet, dass zwischen beiden Seiten keinerlei Beziehung mehr vorhanden ist. Beide Seiten lassen sich nicht mehr vergleichen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass beide Seiten absolut identisch sind. Egal, wie die Ladungskonstellation in der Materie und in der Antimaterie jeweils beschaffen ist, beide Welten verfügen über eine identische Struktur, deren Gleichheit so absolut ist, dass diese beiden in keinerlei Hinsicht mehr unterscheidbar sind - es handelt sich hier also um ein und dieselbe Welt.
Der absolute Unterschied würde in unserem Beispiel die Unterscheidung zwischen Materie und Antimaterie aufheben. Gemäß dem Differenzprinzip, wonach es keinen Ort und keinen Zeitpunkt gibt, wo Unterschiede (und auch Beziehungen) fehlen - denn diese sind omnipräsent - , wäre der absolute Unterschied ein Totengräber des Unterschieds zwischen Materie und Antimaterie.
Das Differenzprinzip fordert also in jeder Symmetrie Abweichungen - und seien sie noch so gering - von einer absoluten Spiegelbildlichkeit. Ja, das reelle Spiegelbild selbst weicht ja schon vom zu spiegelnden Objekt durch seine fehlende Dreidimensionalität ab, zudem ist die Welt im Spiegel trüber als die Realität. Auch die Symmetrie zwischen dem mathematischen Plus und dem Minus kennzeichnet keineswegs eine absolute spiegelverkehrte Gleichheit. Während nämlich plus mit plus multipliziert plus ergibt, bekommt man bei minus mit minus multipliziert plus - ein Spiegelbild sieht anders aus.
Die Dyasmatik, deren Bestandteil das Differenzprinzip ist, lehrt uns also, dass sich Materie und Antimaterie zwar symmetrisch zueinander verhalten, sie aber dennoch zusätzliche Unterschiede (und auch Beziehungen) aufweisen müssen. So auch Unterschiede zum absoluten Unterschied! Damit wäre erklärt, warum beim gegenseitigen Vernichten beider Seiten „kurz" nach dem Urknall die eine mit „Restbeständen" überlebt hat.
Findet man in der Konstellation zweier entgegengesetzter Pole mehrere Unterschiede und Beziehungen (die sogenannten Dyasmata), dann erkennt man auch Beziehungen ZWISCHEN den Polen. Das kennzeichnet den reinen Unterschied im Gegensatz zum absoluten Unterschied. Beziehungen wiederum können als Synonym für Gemeinsamkeiten (Gleichheiten) verstanden werden, so gibt es eine leichte Trübung der Farben im Spiegel auch sonst in unserer Welt außerhalb des Spiegels, oder hat das Produkt aus zweimal plus das gleiche Ergebnis wie das Produkt aus zweimal minus, nämlich plus - eine Gemeinsamkeit.
Lieber Leser, dieses oben aufgestellte Theorem weist unzweifelhaft konsequent dialektische Züge auf. Wegen ihrer strukturellen Radikalität möchte ich lieber von Dyasmatik sprechen - einem Fachgebiet innerhalb der Ubilibetik -, welches sich wiederum mit untergeordneten Begriffen beschäftigt wie dem der (im klassischen Sinne verstandenen) Dialektik oder dem des Differenz- und Relationsprinzips
.
Impressionen
1
In dem vorangegangenen Kapitel wurde durch uns ein „Schnitt durch die Materie" vorgenommen insofern, als wir die subjektiven und objektiven Komponenten der menschenadäquaten Außenwelt aufdeckten und voneinander sondierten. Dem aus den objektiven Komponenten gebildeten Dyasmatium muß sich ein reines Gegenteil, etwas zutiefst Subjektives, also das Monasmatium gegenüber stellen lassen. Die Materie wäre dann die Überlagerung der beiden Extrema, des rein Objektiven und des rein Subjektiven. Die so voneinander geschiedenen Pole, die gerade deshalb auf das Engste miteinander verzahnt sind, bilden ein gemeinsames Reich mit dem Namen „Cosmicanum".
2
Für die Evolution des Wesenhaften am Menschen und insbesondere für den weiteren Fortschritt des menschlichen Geistes sind zwei einander entgegengesetzte Entwicklungen unabdingbar.
Introspektivprogression
: Sich in einen anderen Menschen hinein zu versetzen und seine Motive und seine Psyche zu verstehen bedeutet, einen ersten Schritt zu tun, um übermäßigen Egoismus zu vermeiden. Das bedeutet, nachvollziehen zu können, was in einem Menschen vor sich geht, wenn ich an ihm ein Verbrechen begehe. Für ein harmonisches Zusammenleben in der menschlichen Gemeinschaft muss daher die Fähigkeit zur Empathie entwickelt und trainiert werden. Dies geschieht auf dem Wege der Kontemplation, der Selbstbesinnung in einem Klima der Ruhe. Introspektion heißt Reise in das eigene Ich, bei der die Räume des Bewusstseins und Unterbewusstseins erforscht werden. Es gilt, die Seele von der Stumpfheit des Alltags zu befreien und Phantasie, Feinfühligkeit und Empfindsamkeit zuzulassen. Die Errichtung einer neuen, globalen und gewaltfreien Zivilisation kann nur das Werk von sensiblen Menschenwesen sein.
Extrospektivprogression
: Empathie für einen anderen Menschen setzt nicht nur die Eigenschaft zur Introspektion voraus. Man muss auch das genaue Gegenteil tun, nämlich in sich die Fähigkeit entwickeln, von sich selber zu abstrahieren und sich mit Abstand sehen zu können. - Zuerst stand für den Menschen - wie auch heute noch für jedes Kind - das eigene Ich im Mittelpunkt des Universums, und dieses Universum war eine Scheibe. Es bedurfte eines Sprunges im Denken und im Vorstellungsvermögen, sich die Erde als Kugel vor Augen zu führen. Das geozentrische Weltbild wurde dann vom heliozentrischen Weltbild abgelöst, was mit der schmerzlichen Erkenntnis verbunden war, dass weder das eigene Ich noch die Erde, ja nicht einmal die Sonne den Mittelpunkt des Universums bilden. Die relative Bedeutungslosigkeit des Menschengeschlechts oder gar des eigenen Ichs schält sich plastisch heraus durch die beklemmende Tatsache, dass, gäbe es die Erde nicht, der Tod von Sonne zu Sonne und von Galaxie zu Galaxie allein herrschen würde. Jeden Augenblick kann der kalte Todeshauch des Weltraums die Atmosphäre, die sich wie ein dünner Reif um die Erdkugel schmiegt, durchdringen, jederzeit kann ein Asteroid sich auf dem Weg zu unserem Heimatplaneten begeben, um ihn in einem Inferno zu vernichten. - In letzter Konsequenz ist jeder von uns nicht einmal ein Staubkorn angesichts der unfassbaren Weiten der Weltnacht.
Die Introspektivprogression und die Extrospektivprogression stellen also die beiden entgegengesetzten Achsen dar, an denen entlang sich der menschliche Geist notwendigerweise entwickeln muss.
Das kosmische Evangelium
: So als wäre die Erde keine verlorene Insel des Lebens inmitten des unendlichen Ozeans des Todes, trachten noch immer Menschenwesen einander nach dem Leben und quälen und töten ihre tierischen Mitgeschöpfe. Doch wer als Lebewesen Tod über die Erde bringt, macht mit den lebensbedrohenden Kräften da draußen im Weltall gemeinsame Sache. Wir ruhen ja nicht mehr im Schoße von Mutter Erde, da wir die Geborgenheit in der Natur und damit unsere Unschuld verloren haben - wir sind die neuen Kinder des Universums.
Und wenn das Unheil unabwendbar über uns kommt - sei es von dort draußen, sei es durch irdische Naturkatastrophen oder menschengemacht durch eine Kernschmelze? Dann sollte unsere Gattung froh sein, erreicht zu haben, dass jeder der Kontinente die Fahne der Zivilisation weiter tragen könnte, sollten die anderen Kontinente dem Untergang geweiht sein.
Deshalb darf eigentlich nur einem Lebewesen, das diese Botschaft des kosmischen Evangeliums verstanden hat, der Titel „Mensch" verliehen werden.
3
Die Ubilibetik erhebt nicht den Anspruch, die bestehenden philosophischen Systeme für überholt zu erklären; solches zu befinden ist ohnehin Sache des Lesers.
Außerdem gehört es zu ihren Grundsätzen, Toleranz und Liberalität zu bewahren und möglichst „kein Porzellan zu zerschlagen". Des ungeachtet ergibt eine Untersuchung ihrer logischen Struktur, dass in ihr sowohl der Materialismus als auch der Idealismus einen gebührenden Stellenwert besitzen und dass hier keine Entscheidung zugunsten einer der beiden Grundrichtungen getroffen wurde. Allerdings haben die Aspekte, die das Wesen von Materialismus und Idealismus ausmachen, hier eine gewisse Radikalisierung erfahren, wodurch die beiden Grundrichtungen am Ende wieder zusammengekommen und irgendwie miteinander verschmolzen sind. Die Intentionen über das Dyasmatium nehmen die Erkenntnisse zum Beispiel des Positivismus und die Intentionen über das Monasmatium die Erkenntnisse zum Beispiel des Existentialismus in sich auf. Überhaupt lassen sich „Abfärbungen" der Gedankenwelt von Leibniz, Wilhelm Wundt, Kant, Hegel, Marx, Tito, der Konvergenztheorie in der Ubilibetik wiederfinden.
Anstatt eine der beiden Grundrichtungen zu repräsentieren, wurden Materialismus und Idealismus der konträren Dyasmition ausgesetzt, wobei der Materialismus letztlich der leicht überwiegende Partner ist. Im Verhältnis Atheismus-Gläubigkeit kann ebenfalls keine der Seiten die alleinige Herrschaft übernehmen, wenngleich der Atheismus doch einen geringen Vorzug genießt.
Philosophie sollte wie ein Keim sein, der durch Kontakt mit anderem Wissen kristallisiert und zum funkelnden Diamanten wird. Philosophie sollte auch in den Herzen der Menschen den Samen legen für den weiten Weg zur Weisheit. Philosophie sollte es vermögen, uns mit wenigen Worten sicher wie ein Leitstern durch die Welt zu führen.
4
Keine zeitgenössische Religion kommt umhin, vage Thesen oder Verhaltensregeln zur Doktrin zu erheben und etabliert sich so zur Ideologie. Es liegt am Charakter der Religion, dass sie, wendet sie sich den äußeren Dingen dieser Welt zu, dann als falsches Bewusstsein fungiert und Ansichten vertritt, die wissenschaftlichen Verifizierungen oft nicht standhalten. Obendrein zwingt sie zu einer vorgeschriebenen Lebensweise und versklavt letzthin Geist und Seele des Menschen. Könnte sich die Religion dazu durchringen, sich vom Diesseits abzuwenden, ihre weltliche Funktion und Macht abzuschütteln und sich ausschließlich mit den inneren Dingen, dem Himmel in uns, zu befassen, so bliebe ihr die Chance, auch das dritte Jahrtausend zu überleben. Religion, die dem Menschen helfen will, ihm psychologischen Beistand gibt, verliert die Eigenschaft, Ideologie und damit potentiell Unterdrückungsinstrument zu sein; sie wird tolerant und erheischt daher die Toleranz
der anderen Weltanschauungen.
Nun kann man sich in der hereinbrechenden Ära des ganzheitlichen Denkens nicht des Eindrucks erwehren, dass an dem religiösen Phänomen „mehr dran ist", als uns die „moderne" mathematisch-physikalische Betrachtungsweise nahe legen will.
Unsere allgemeine Lebenserfahrung prägt beispielsweise den Standpunkt, wonach - zugespitzt formuliert - die Verwirklichung nichts, dagegen „Liebe, Glaube, Hoffnung" und die Vorfreude alles sind. Das Leben verspricht nicht das, was der Glaube verheißt.
Die unheimliche Erscheinung der prophetischen Vorwegnahme, bei der Untersuchungsergebnisse oder Ereignisse tatsächlich eintreffen, nur weil sie intensiv herbeigewünscht werden, ist nur eines der Beispiele für die Tiefenwirkung des Isolationsprinzips, welches vielleicht mit dem Jenseits oder dem Heiligen Geist Berührungspunkte aufweist. Menschen in Lebensgefahr bringen oft Kräfte auf, die im Nachhinein an Wunder zu grenzen scheinen oder solche sind. Es kann auch Leute gegeben haben, deren purer Wille zu Wundmerkmalen an Händen und Füßen führten, als hätten diejenigen die Entleibung Jesu selbst erlitten. Oder deren purer Wille einen fremden Menschen tötete.
Obwohl die Natur nichts auch nur annähernd Vergleichbares hervorgebracht hat, vermag gute Musik die Seele mehr zu bezaubern als alle Naturschönheit. Wären die Klangkörper, die Raumakustik und das Gehör vollkommen und wir hörten Beethovens Neunte - wir wähnten bei soviel Erhabenheit das Nahen Gottes zu verspüren. Ist diese Sphärenmusik des Jenseits nicht eigentlich die Wiege des Menschengeschlechts?
Als weitere die Religion, speziell das Christentum stützende Argumente könnte die Erkenntnis dienen, wonach das in seinem Volumen endliche All wohl aus dem Nichts (besser: aus dem Chaos) geschaffen
worden war, und dass trotz aller Bemühungen der Kosmologen die Menschheit immer noch als einzig dastehende Zivilisation gilt.
Ferner hat sich der fanatische Atheismus, besonders seine kommunistische und faschistische Variante, als nicht funktionsfähig, ja als umfassend verderbenbringend erwiesen, im Gegensatz zu dem pluralistischen Weltbild des Abendlandes, deren bedeutender Bestandteil das Christentum ist. Zur urchristlichen oder einer inhaltlich ähnlich konzipierten Moral wie dem Buddhismus lässt sich kaum eine Alternative finden, denn haben wir nicht heute die Quittung dafür, was es bedeutet, den Menschen, dem übrigen Leben und der ganzen Erde als den „Werken Gottes" ohne Liebe zu begegnen? Werden wir nicht bereits wegen der Missachtung unserer Umwelt, wegen unserer Überhebung bestraft?
Wie dem auch sei: Die Wahrheit verträgt sich nicht mehr mit dem blinden Glauben, der Indoktrination und einem menschenverachtenden Fanatismus, gleich welcher Spielart und welcher Himmelsrichtung.
Die wahre Religion besteht im Kampf gegen Gewalt, Repression, Indoktrination und Intoleranz (siehe auch aktuell das Beschneidungsthema oder den Tierschutz). Das ist der Maßstab für alle anderen Religionen.
Eine Religion der Güte, die sich jedem Fanatismus entgegenstellt, die KEINEN Menschen ausgrenzt, keine Strafen propagiert, die fair und gerecht und keine Spintisiererei ist - beseelt von einem gesunden Geist in einer zeitgemäßen, neuen Weltordnung. Damit könnte dem Krieg der Kulturen entgegengewirkt werden. Eigene Symbole und Liturgien wären angebracht, weil sie die Emotionen ansprechen. Ich fand zum Beispiel den Abschied von Diana - der englischen Herzenskönigin - sehr beeindruckend, wie ihr Sarg durch die Kirche geführt wurde. Wir brauchen wieder echte und starke Gefühle.
5
Die friedliche Koexistenz zwischen den Religionen ist durch die Globalisierung beendet worden, weil die Mauern der gegenseitigen Abschottung eingestürzt sind. Zum Konflikt aber wird die neue Situation erst durch das Agieren von Religionen mit Absolutheitsanspruch. Die Mindestanforderung besteht in der Säkularisierung der Weltgesellschaft. Da anzunehmen ist, dass dieser Schritt nicht ausreicht, um Frieden zu stiften, bedarf es eines vermittelnden, religionsübergreifenden, philosophischen Weltbildes, in dem Toleranz und Gewaltfreiheit Programm sind. Dies ist die Stunde der Geburt einer ubilibetanen Gesellschaftstheorie: des Logischen Humanismus. Lassen Sie mich hierzu drei Thesen anführen, die Bestandteil dieser neuen Theorie sein könnten:
1. Die Schändung und Tötung von Mensch und Tier ist eine schwere Sünde, weil die Schöpfung Gottes damit der Verachtung preisgegeben wird. Der Mensch als Ebenbild Gottes - wie verträgt sich das mit der Unterdrückung der Frau und allgemein mit dem Fehlen von Menschenrechten? Wenn Tiere Mitgeschöpfe des Menschen sind - wieso werden sie dann millionenfach gequält und hingeschlachtet?
2. Es bleibt noch viel zu tun, um dem Anspruch Gottes an uns gerecht zu werden. Aber genau das ist das Ziel: Wirklich Ebenbild Gottes zu sein! Durch das Befolgen SEINER Gebote sollen wir Menschen aus der Kindschaft entlassen werden, wir sollen reife, kluge, tugendhafte Menschen, also Erwachsene werden. GOTT WILL, DASS WIR SEINER NICHT MEHR BEDÜRFEN! Der liebende Gott ist unser Vater, und welcher Vater möchte nicht sein Kind groß werden sehen? Um IHN nicht zu enttäuschen, sind wir gehalten, SEINE unendliche Liebe zu erwidern; wir müssen IHN lieben, wie der gestandene Mann oder die gestandene Frau die alt gewordene Mutter oder den alt gewordenen Vater lieben!
3. Schon seit Abraham beten wir, damit ein dringender Wunsch erfüllt werde. Wir tun alles, um dereinst in das Himmelreich, ins Paradies oder zum Nirwana zu gelangen. Wir helfen anderen „uneigennützig" in der Hoffnung, dafür vom himmlischen Vater belohnt zu werden oder dafür nach der Wiedergeburt ein besseres Leben zu bekommen. Seit Abrahams Zeiten also geht es immer nur um das eigene ICH! Was glauben Sie, lieber Leser, wie groß ist wohl die Geduld des Schöpfers mit uns Menschen? Wenn wir nicht bald aufwachen und tugendhaft werden, ohne dabei heuchlerisch nur dem eigenen Selbst zu dienen, wird das Menschengeschlecht verworfen werden.
6
Ich gehöre keiner Konfession an, aber in erster Linie bin ich tolerant, weil ich erstens um die Wichtigkeit des Prinzips der Gewaltlosigkeit weiß (Intoleranz ist eine abgeschwächte Spielart derselben) und zweitens mir um meine Unvolkommenheit keine Illusion mache. Einstein und andere glaubten an etwas Göttliches, und diese Leute waren ja gewiss keine Dummköpfe. Andererseits findet man (naiv) gläubige Menschen vor allem in dörflichen Landstrichen, am wenigsten also in den Metropolen. Doch würde man über gläubige Menschen „herziehen", nur weil man sie für „naiv" hält? Ich denke nein. Gerade in Anbetracht der muslimischen Revolution muss aktuell die Toleranz-Formel gesucht werden. Ohne diese globale Toleranz (genauer Gewaltlosigkeit) kann die Menschheit nicht überleben. Deshalb muss man sich den Gedanken zu eigen machen, wonach die Frage nach der Existenz Gottes zu einer Spaltung der Menschen führt, so wie überhaupt Ideologie die Menschen segmentiert und partikuliert. Und da Ideologie den Keim zur Gewalt in sich birgt, müssen wir uns von ihr kompromisslos verabschieden. Nur der gegenseitige Respekt, die Feinfühligkeit auch den Tieren gegenüber und das Verstehen des komplizierten Mechanismus „Erde" sichern das Überleben des Menschengeschlechts.
7
Die Ameise schaut zu Dir auf, ohne Dich zu erkennen; sie sieht nur schemenhafte Farbflächen, die sich im Nebel der Entfernung verlieren, denn Du bist ihr viel zu groß. Sie hat Dich sogar zu ihrem Gott erkoren, weil soeben ihre Nachbarin zertreten wurde von einem Gebirge, dessen Gipfel bis ins All reicht und das Du Schuh nennst.
So wenig, wie die Ameise Dich und Dein Wesen erfasst, so unbedarft blickt der Mensch in die Welt. Ähnlich wie sie hält er seine Erde für den Mittelpunkt von allem, was ist. Diese Unfähigkeit, die eigenen Grenzen sprengen zu können, führt zu dem Selbstbespiegelungsphänomen: Es ist dem Menschen nämlich nicht gegeben, seinen Planeten a priori als Staubkorn in der galaktischen Weite zu sehen. Er glaubt sich geborgen auf dem Erdenrund, nur weil die letzte, vernichtende Katastrophe aus den Tiefen der Weltnacht vor einigen Millionen Jahren hereinbrach. Den Charakter der Zeit vermenschlicht der Erdling - auch das ein Selbstbespiegelungsphänomen. Endzeitszenarien übersteigen wohl die Vorstellungskraft unserer Ameise, aber aus der Sicht der Milchstraße, unserer Galaxis, geschehen lebensbedrohende Heimsuchungen auf Erden ständig, von Minute zu Minute...
Zu begreifen, dass die Zeit und der Raum auch von der Begrenztheit unseres kleinen Gehirns hinaus gedacht werden müssen, führt uns überhaupt erst zu Gott.
Du betest allabendlich und Du fühlst dabei, da ist Gott, der Dich erhört - glaube mir: zu Dir spricht ein Anderer. Stell Dir vor, Du schwebst inmitten eines unendlichen und tödlich eisigen Vakuums, und schaust in die Schluchten der ewigen Nacht. Der feine Lichtschleier dort, bestehend aus Myriaden Sternen, beherbergt Deine Sonne und mit ihr die Erde... Gerade auch die Seltenheit von Leben in dieser feindlichen, übermächtigen Umgebung nimmt Dich in die Pflicht, es zu achten und zu bewahren.
Nur wenn Du diese beklemmende Vision vor Augen hast, bist Du Gott nahe. Und Du hast das kosmische Evangelium verstanden.
8
Wenn das Familienleben harmonisch verlaufen soll, müssen sich die Kinder ihren Eltern bis zu einem gewissen Grade unterordnen. „Wahrheitsliebend, gut und gerecht" muss das Ziel ihrer Erziehung sein, denn die Eltern würden vor den Kopf gestoßen und der Familienfriede gestört, wären die Kinder lügenhaft, dumm oder ungerecht. Daraus lässt sich ersehen, dass positive Persönlichkeitsmerkmale - schlicht: das Gute im Menschen -, hervorgehen aus dem auf Intaktheit bedachten Kreis einer Familie. So gesehen hat das Gute seinen Ursprung in ganz trivialen, „weltlichen" Sachverhalten. - Doch wer vermöchte bestreiten, dass die Spuren des Edlen, Guten, Moralischen und Schönen in eines Menschen Brust von dieser dumpfen Erde wegführen, dass der Sinn unserer Existenz nicht hienieden begründet ist, sondern in des Schicksals oder in des Schöpfers Hand liegt?
9
Wächst ein Kind in einer aseptischen, klinisch reinen Umgebung auf, dann hat das Immunsystem - so die gängige Meinung - nichts zu tun und richtet sich dann gegen den eigenen Organismus. In der Tat treten Allergien gehäuft bei Städtern und weniger bei Dorfbewohnern auf.
Warum soll dieser Zusammenhang nicht auch auf die Psyche zutreffen? Ein Kind, das behütet und verwöhnt im Elternhaus aufwächst, kommt in seinem späteren Leben nur schlecht zurecht. Es will in seiner Anspruchshaltung haben, aber nichts dafür geben. Vielleicht sollte man mal über Erziehungscamps für ehemals verzogene Problemkinder nachdenken. Ohne Drill und Schikane, aber mit unmissverständlichem Nachdruck und klaren Regeln könnten Unterrichtungen und die Erziehung zum Arbeitsethos Jugendliche auf den rechten Pfad zurückbringen. Der Mensch ist nicht für die grenzenlose Freiheit geschaffen, als kollektives Wesen braucht er auch einen Kanon an Tugenden. Freiheit alleine genügt nicht - ohne Selbstbeschränkung und ohne Dienst an der Gemeinschaft läßt sich keine harmonische Gesellschaft aufbauen - so wie ja auch Egoismus und Altruismus in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen müssen.
Warum soll dieser Zusammenhang nicht auch auf die Psyche zutreffen? Ein Kind, das behütet und verwöhnt im Elternhaus aufwächst, kommt in seinem späteren Leben nur schlecht zurecht. Es will in seiner Anspruchshaltung haben, aber nichts dafür geben. Vielleicht sollte man mal über Erziehungscamps für ehemals verzogene Problemkinder nachdenken. Ohne Drill und Schikane, aber mit unmissverständlichem Nachdruck und klaren Regeln könnten Unterrichtungen und die Erziehung zum Arbeitsethos Jugendliche auf den rechten Pfad zurückbringen. Der Mensch ist nicht für die grenzenlose Freiheit geschaffen, als kollektives Wesen braucht er auch einen Kanon an Tugenden. Freiheit alleine genügt nicht - ohne Selbstbeschränkung und ohne Dienst an der Gemeinschaft läßt sich keine harmonische Gesellschaft aufbauen - so wie ja auch Egoismus und Altruismus in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen müssen.
10
Der Umweltschutz wird meines Erachtens nicht so sehr durch eine Strategie des Verzichts erreicht werden. (Natürlich wäre eine Verringerung der Zahl von Menschen auf unserem Globus die Lösung schlechthin - doch wie sollten wir das anstellen?) Deshalb lege ich den Schwerpunkt eher darauf, dass kreative Technologien entwickelt werden, die den gefährlichen Tendenzen entgegenwirken.
Ich selbst bin kein Wissenschaftler, darum werden meine beiden nachfolgend genannten Ideen wohl laienhaft erscheinen. Doch sie mögen erhellen, was so alles möglich sein könnte.
Ich selbst bin kein Wissenschaftler, darum werden meine beiden nachfolgend genannten Ideen wohl laienhaft erscheinen. Doch sie mögen erhellen, was so alles möglich sein könnte.
Der Wasserstoff erweist sich als ideales Speichermedium für die überschüssige Energie aus Windkraft und Sonne. Wasser ist im genügenden Maße vorhanden, zumal es sich durch das Abschmelzen der Pole vermehrt. Mit der energieaufwendigen Spaltung des Wassers wird neben Wasserstoff auch Sauerstoff freigesetzt. Letzterer würde, bei ausreichenden Mengen in die Atmosphäre geblasen, den prozentualen Anteil von Kohlendioxid in der Luft wieder verringern. Auf den Einsatz von Wasserstoff als Treibstoff sollte aber so lange gewartet werden, bis eine Lösung für die Reduktion von Kohlendioxid in der Luft gefunden worden ist. Um einen Motor mit Wasserstoff zu betreiben, wird ja wieder der Sauerstoff benötigt.
Ein anderer oder ergänzender Weg wäre die technische Nutzung des Kohlendioxids in der Luft. Durch die Spaltung dieses Moleküls ließe sich Kohlenstoff gewinnen, der zum Beispiel in Gestalt von Karbon schon heute für Autokarosserien, für Fahrräder und Walkingstöcke eingesetzt wird. Gerade in Anbetracht der Verknappung der fossilen Rohstoffe erscheint dieser Weg ideal, zudem wird der Lufterwärmung entgegengewirkt.
Wie schon gesagt, will ich diese beiden Lösungsansätze nicht gerade zum Patent anmelden. Doch mir ist wichtig zu zeigen, dass Technologien auf elegante Weise ihren Beitrag leisten könnten, um diese Welt zu retten. Die hierzulande weitverbreitete Technologiefeindlichkeit halte ich einfach für unangebracht.
Ein anderer oder ergänzender Weg wäre die technische Nutzung des Kohlendioxids in der Luft. Durch die Spaltung dieses Moleküls ließe sich Kohlenstoff gewinnen, der zum Beispiel in Gestalt von Karbon schon heute für Autokarosserien, für Fahrräder und Walkingstöcke eingesetzt wird. Gerade in Anbetracht der Verknappung der fossilen Rohstoffe erscheint dieser Weg ideal, zudem wird der Lufterwärmung entgegengewirkt.
Wie schon gesagt, will ich diese beiden Lösungsansätze nicht gerade zum Patent anmelden. Doch mir ist wichtig zu zeigen, dass Technologien auf elegante Weise ihren Beitrag leisten könnten, um diese Welt zu retten. Die hierzulande weitverbreitete Technologiefeindlichkeit halte ich einfach für unangebracht.
Zweiter Gedanke, Standort Mond: Warum wird Energie noch nicht durch Aufspaltung des dort vorhanden Wassers mittels Sonnenkollektoren gewonnen? Sonne gibt es dort ja unbegrenzt, das Produkt Sauerstoff hält die Mondstation am Leben und den Wasserstoff bringen Raumfähren zur Erde.
Gewiss ein prima Vorschlag, nur eben (noch) zu teuer. Jede Idee hat ihre Zeit, man kann ihr nicht vorgreifen. Alternative Energieerzeugung im großen Maßstab kann wegen der Kostenexplosion die Wirtschaft und den privaten Verbraucher ruinieren. Die dafür notwendigen Technologien müssen also erst reif sein für die Anwendung; die entsprechende Forschung und Entwicklung ist allerdings großzügig zu alimentieren.
Ökonomie und Ökologie sind eben nicht voneinander zu trennen, beide bedingen einander. Der Eifer von Ideologen und Fanatiker vermag die Wahrheit nicht zu ignorieren, wonach bei der globalen ökologischen Umwälzung Augenmaß, Vernunft und ausgewogenes Handeln das Gebot der Stunde sind.
11
Betrachten wir einmal das gesamte Universum als eine einzige Omniade, dann könnte diese bei einer konventionell-realistischen Anschauungsweise ihre Umwelt nicht außerhalb ihrer, als vielmehr nur in sich selbst finden. Damit entfiele für die Omniade Universum die Notwendigkeit, sich nach außen hin behaupten zu müssen; sie bräuchte sich niemandem anzupassen und wird in seiner Entwicklung von Anfang an wie ein Uhrwerk ablaufen. Ohne Umwelt außerhalb ihrer selbst fallen bei ihr Dyasmatium und Monasmatium zusammen, und das ist genau auch die Zustandsbeschreibung der Welt vor dem Urknall. In Ermangelung eines „Draußen" erscheint das Universum endlich wie auch unendlich groß, und alles in ihm geschieht „programmgemäß" und vorausschaubar.
Nehmen wir dagegen eine mehr unkonventionell-idealistische Anschauungsweise an, dann dürfen wir folgendes sagen: Das Differenz-und Relationsprinzip haben uns gelehrt, dass es keine fest stehenden Dinge, keine stoffliche Materie gibt, sondern dass buchstäblich alles wenn nicht in Monasmata, so doch in Dyasmata aufgelöst ist. Folglich kann diese Welt nicht existieren ohne eine Antiwelt, wie ja auch Materie und Antimaterie, positiv und negativ geladene Teilchen zusammen gesehen werden. Das Axiom der Dyasmität verlangt es, diese Welt nur im Zusammenhang mit der Antiwelt zu begreifen; das eine besteht nur durch das andere. Welt und Antiwelt sind nur, insofern sie sich rein unterscheiden und rein aufeinander beziehen. Wo aber könnte der reine Unterschied der Antiwelt zur Welt
verborgen sein?
Logischerweise in dem Gedanken, dass ihre Dyasmata zwar gleichberechtigte Beziehungen und Unterschiede enthalten, letztlich jedoch, im Gegensatz zum Diesseits, die Beziehungen leicht über die Unterschiede dominieren. Gleichermaßen werden die Monasmata - bei aller Alternanz - letzten Endes die Dyasmata etwas überwiegen.
Somit verfügt die Antiwelt in ihrer Eigenschaft als Außen- oder Inwelt unserer Welt genau über die Fähigkeiten, die seit alters her einem Jenseits zugeschrieben werden.
Bar aller Erdenschwere bewegen sich die von ihren Astralleibern umhüllten Geister mühelos im feinstofflichen Raum, wohin es ihr Wille eben treibt, dabei in ständiger Veränderung begriffen durch ihresgleichen. Weil deren Inneres offen wie ein Buch brachliegt, scheinen alle Fernen geschrumpft zu sein. Die Individuen gehen ein in den Weltgeist, sie verschmelzen mit ihm und wissen daher alles - ein Zustand, wie man ihn annähernd schon auf Erden durch die Nutzung von Suchmaschinen und großen Communities im Internet findet.
Die Philosophie des Jenseits, gekennzeichnet durch einen „knappen Sieg" des Idealismus über den Materialismus, vermag den Triumpf der Seele über die dumpfe Materie und das Ineinanderverklettetsein der Seelen, die sich im Voneinanderloskommen schwer tun, beschreiben. Nur selten jedoch darf eine Begegnung des Diesseits mit dem Jenseits statthaben ...
Schon die allseits akzeptierte Hypnose (akzeptiert inzwischen wie auch die Akupunktur) ist für dogmatisch Wissenschaftsgläubige eine schwer verdauliche Kost. Man könnte das mit Schlüsselreizen erklären: bestimmte Tonlagen, -stärken, Abfolgen - die dann den Schlüssel bilden zum Unterbewusstsein, welches dann den Probanden so steif werden lässt, dass dieser wie ein Brett auf zwei Stuhllehnen zu liegen kommt. Also bestimmte Schlüssel zu bestimmten Bewusstseinsebenen (=Schlösser), so wie der Tanz der blauen Libellen auf dem Weiher zur Trance verhelfen kann oder der vertraute Gesichtsausdruck eines Menschen sofort die volle Gewissheit vermittelt, man habe es hier mit dem Beginn einer Liebe zu tun. Auch bei einem guten Gespräch im Rauch einer Kerze können sich Abgründe erschließen, von denen man vorher nichts ahnte; die wechselseitige Suggestivität legt die in den Tiefen der Seele verborgenen, oftmals unheimlichen Mechanismen offen. Natürlich lassen sich Energie und Seele vom grobstofflichen Gesichtspunkt aus nur schwer erklären, weil diese der feinstofflichen Welt angehören. Doch so wie in einem Lebewesen sich grob- und feinstofflicher Körper überlagern, muss man auch für merkwürdige Erscheinungen eine grobstoffliche Ursache suchen. Im Diesseits hat die Sichtbarkeit feinstofflicher Erscheinungen eine Ausnahme zu sein, so wie es im Jenseits im Sinne einer Symmetrie genau umgekehrt ist.
12
Lüge unterbricht das Band der Beziehungen. Die Wahrheit hingegen stellt einen reibungslosen Informationsfluss, eine Batterie von maximalen Zusammenhängen her. Schon darum soll man die Wahrheit lieben.
Wahrheit schließt immer auch die Wahrheit des Andersdenkenden mit ein. Information bedeutet Dyasmition und gilt deswegen als Naturprozess. Daraus leitet sich das Recht auf Information ab und die Pflicht, Wesentliches nicht zu verschweigen.
Doch was ist die Wahrheit? Welche Meinung, welche These hat je die Zeiten überdauert? Muss nicht vielmehr zugegeben werden, dass jeder Idee, auch wenn sie heute als falsch gilt, Wert anhaftet, sobald sie sich nur von den anderen unterscheidet? Führt das Pochen auf Allgemeingültigkeit einer Ansicht nicht zur Unterdrückung der anderen Ansichten? Beginnt der Abschied von der Inquisition, von den tragischen Irrtümern des Ideologiezeitalters nicht erst, indem wir konsequent unsere Erkenntnisse mit den Erkenntnissen der anderen messen, indem wir die Wahrheiten der anderen gleichberechtigt neben unsere Wahrheit stellen und nach schöpferischen, geistigen Auseinandersetzungen die Mehrheit entscheiden lassen - ohne uns dabei aufzugeben -, was Wahrheit sei?
Da vor dem Hintergrund der Geschichte keine Auffassung für völlig falsch erklärt werden kann, verwandelt sich Wahrheit ohne Toleranz stets in einen Glauben. Und wollen wir mehr als Glaube und Überzeugung, dann müssen wir derjenigen Auffassung die meiste Aufmerksamkeit schenken, sie daher Wahrheit nennen, mit der ein Maximum an Beziehungen einhergeht.
Gemäß dem Axiom, wonach die Fragen einen etwas höheren Stellenwert als die Antworten einnehmen, da erstere die Unterschiede, letztere die Beziehungen zum Ausdruck bringen, sollte man sich folgende Grundsätze zu Herzen nehmen:
1. Wenn man eine Frage hat, so ist herauszufinden, ob mehr als eine Antwort darauf denkbar wäre. Gibt es mehr als eine denkbare Antwort, soll man es bei der Frage belassen.
2. Hat man eine Antwort gefunden, so ist diese nur zu akzeptieren, wenn hierzu neue Fragen auftauchen.
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Das Isolationsprinzip gebietet es, das Maß des Leidens, also den Betroffenheitsgrad zwischen mehreren Lebewesen miteinander abzuwägen. Die Tötung eines Zobels und die Gewinnung von Pelz für Handschuhe, die den späteren Besitzer erfreuen - diese Freude und die unaussprechliche Qual des Sterbens stehen in keinem Verhältnis zueinander. Zumal Handschuhe nicht aus Pelz gearbeitet sein müssen.
Es bereitet dem Menschen keine Mühe, schmerzlose Methoden zur Tötung der Tiere zu ersinnen und einzuführen - zeugt es nicht von grenzenlosem Egoismus, dies versäumt zu haben? Müssen Affen auf die Folter gespannt werden, nur um Pharmaka zu erproben, die es im benachbarten Land schon längst gibt oder die als Bestandteil einer „neuen" Hautcreme gedacht sind?
Zur zeitgemäßen Ethik und zur Wahrung der Würde des Menschen gehört es, den Grad der Betroffenheit immer in die richtige Relation zu bringen. Dies bezieht sich auch auf Problembereiche wie die der Abtreibung und der Euthanasie.
Für den Fall, dass der materielle Reichtum eines Landes die Wohlfahrt eines jeden Bürgers ermöglichen würde, erweist sich die Tötung eines unschuldigen Lebewesens, allen voran natürlich der Mensch (auch als Embryo), immer klarer als kriminelle Straftat. Falls widrige soziale oder persönliche Umstände eine Abtreibung unumgänglich erscheinen lassen, handeln sich automatisch diejenigen gesellschaftlichen Institutionen, die per Gesetz oder durch konkrete Hilfe die zur Abtreibung führenden Umstände hätten mildern oder beseitigen können, den Vorwurf der kriminellen Unterlassung ein. Desungeachtet bleibt es die Pflicht jeder Frau und jeden Mannes, Situationen zu vermeiden, in deren Gefolge die Konfrontation mit der Abtreibungsfrage steht. Denn es macht sich strafbar, wer abtreibt ohne einen triftigen Grund.
Die Tötung Geisteskranker und alter Menschen, die Euthanasie also, ist aus den gleichen Erwägungen heraus indiskutabel. Allerdings kann kein Arzt für schuldig erklärt werden, der von geistigen oder körperlichen Gebrechen drangsalierten Opfern, auch nach menschlichem Ermessen hoffnungslosen Fällen in Intensivstationen, Suizidmöglichkeiten nicht verweigert. Denn der Wunsch der Betroffenen allein hat Priorität zu genießen.
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Zur Fremdbesetzung: Meine ältesten Erinnerungen gehen dahin, dass ich eigentlich mein ganzes Leben fremdbestimmt/fremdbesetzt war. Schon als Säugling litt ich an vielem: ich hatte Hunger, mir war zu warm/zu kalt; als Kleinkind sollte ich schlafen und konnte nicht; ich durfte seitdem so vieles nicht - mein Wille wurde stets konterkariert. Ich bin also das Produkt einer dialektischen Wechselwirkung von eigenem Willen und Anpassung/Unterordnung. Überhaupt hat sich mein „freier" Wille verändert im Laufe der lebenslangen Anpassungen - ich will heute nicht mehr die gleichen Dinge wie vor 30 Jahren. Die Dialektik von Innen und Außen kennzeichnet also den Sachverhalt. Selbstverständlich muss es hier eine Ausgewogenheit geben: Zum Beispiel verwöhnte Kinder mit ihrem ungebremsten Ego leiden, wenn sie Widerstand erleben, und auf der anderen Seite das mit Stoff überfrachtete Lernsystem, das die Fähigkeit zur Phantasie abtötet. - Übrigens, einzelne Quanten sind es nur im Verbund mit anderen Quanten, das heißt sie haben keine Einzelindividualität. Sie sind eigentlich nur reine Beziehungen auf der Grundlage von reinen Unterschieden. So ist es auch mit dem Innen und Außen des Menschen. Selbst sein Gehirn kann als Produkt der Auseinandersetzung mit der Umwelt angesehen werden. Folglich ist auch sein Inneres „von dieser Welt" - sein Bewusstsein, sein Geist „passt" in diese Welt...
Menschen (Tiere natürlich auch) glauben, was anders als sie selbst aussieht, könne keinen Schmerz empfinden und könne keine Seele haben. Klar geht die „Architektur" der Seele konform mit der unterschiedlichen materiellen Gestalt des entsprechenden Lebewesens. Aber ein inneres Sein haben sie alle. Bisher ist die Philosophie noch nicht präsent, die aufzeigt, weshalb alles Leben ein inneres Sein - zum Beispiel eine Seele - besitzt. Diese Philosophie zu liefern, betrachte ich als meine Aufgabe.
So langsam werden die Leute begreifen, dass Gewalt und Transparenz die großen und alles entscheidenden Themen der ganzen Menschheit sein werden.
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Viele Menschen empfinden den Tod als einen Zustand, in dem alle Unzulänglichkeiten, Bekümmernisse, heimlichen und offenen Leiden des Daseins verschwunden seien. Dasein heißt, entbehren müssen, heißt kämpfen; Dasein verpflichtet. Das Gegenteil ist die ewige Ruhe, ist Freiheit von Leidenschaft und Bedürfnis. Man will nicht dieses Leben, doch jede langanhaltende seelische Ruhe erzeugt Unzufriedenheit und jede Bedürfnisverneinung Hoffnungslosigkeit. Das Gegenteil dieses Lebens läßt unvermeidlich neues Leben auferstehen. Man sucht den Tod als das wahre Gegenteil dieses Lebens - und findet nur neues Leben. Alles, was wir kennen und - darauf aufbauend - was wir wollen, gehört in das unendliche Reich des Lebens; etwas uns gänzlich Unbekanntes, Fremdes können wir nicht wollen. Folglich wird jede menschliche Vorstellung vom Tod in das Leben integriert. Selbst die Erinnerung an eine tiefe Bewusstlosigkeit schafft nur den Vergleich mit einem Loch, das im Leben so war, wie wenn es nicht war. Die Idee und alle Philosophiegedanken darüber, nie wieder zum Ich zurückzukehren, gehen vom lebendigen Ich aus. Möchte ich durch Selbstmord Rache üben, so ist letztere nur bis zum Tode süß, obwohl sie noch keine ist. Die Rache oder das Gegenteil dieses Lebens erlebt man nicht mehr.
Der Tod hat nichts mit den Problemen des Lebens zu tun, denn er kommt nur einmal und nie wieder. Der Tod, der nicht gedacht, nicht gesagt werden kann, ist das absolute Ende, der einzig andere Zustand. Er besitzt für den bewussten Menschen keinen Sinn, denn der Sinn ist ein Attribut des Lebens. Er ist auch kein Unsinn, denn der Unsinn ist ebenfalls ein Attribut des Lebens und kein Merkmal des absoluten Endes. Der Tod, weder Sinn noch Unsinn, ist die Negation aller Begriffe. Das Leben unterscheidet zwischen Sinn und Unsinn, aber verglichen mit IHM entfällt auch diese Unterscheidung des Lebens. Es ist so oder so, oder auch nicht so, doch der Tod ist etwas anderes. Die Erwähnung des eigenen Todes, folge man der Logik, dürfte nur Toten vergönnt sein. Die Monasmität des Bewusstseins, des inneren Lebens, muss sich erst gegenüber dem anderen Zustand, dem unerreichbaren Objektiven abgrenzen, um zu sein.
„Kannst Du dem Leben einmal nichts Lebenswertes abgewinnen, wirst Du von Trostlosigkeit und Elend überrollt, so bedenke, dass der Schlüssel zur Tür des erlösenden Todes im Leben zu suchen ist. Siehst Du für Dich und das Leben auch keinen Sinn mehr, sinnloser als Du und das Leben ist immer noch der Tod".
Dieser Satz hat nur Gültigkeit, solange die betroffene Person a) bei klarem Verstand bleibt und b) das obige Axiom anerkennt. Jemand, der vor Scham oder Qual außer sich ist, unterliegt anderen Gesetzen und wird preisgegeben den Fängen des blinden Seins. Er lebt dennoch wie auch der klar denkende Mensch immer den Ein-Klang des Alls.
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Ein Mörder sollte nicht davor verschont werden, die Schmerzen, welche er seinem Opfer zugefügt hat, an sich selber zu spüren. Weil ein Verbrechen nicht gegen sich selbst gerichtet sein kann, wäre der Fall einer Notwehr, bei dem das „Opfer" genau in dem Moment und mit gleicher Waffe den „Mörder" tötet, da es dem Tode geweiht ist, die ideale Sühne des Verbrechens. Der Betroffenheitsgrad wäre hier ausgeglichen. Doch dürfte ein solcher Fall kaum eintreten, außerdem steht der Beweis, dass es sich überhaupt um Notwehr gehandelt hat, noch aus. Desgleichen muß der Unterschied zwischen Mord und Totschlag in Rechnung gestellt werden, und der Betroffenheitsgrad schließt dazu noch die Interessen der Angehörigen von Mörder und Opfer mit ein.
Zunächst ist die Ausgleichung des Betroffenheitsgrades als ethisches Normativ zu behandeln, der den weiteren Verlauf der Urteilsfindung bestimmt. Dies gilt auch für Bagatellfälle wie den Diebstahl, wobei die Wiederherstellung der Gerechtigkeit nicht etwa darin besteht, den Dieb seinerseits zu bestehlen. Da, wie schon angedeutet - noch andere Aspekte (zum Beispiel die Angehörigen oder die gesellschaftlichen Erfahrungen) für die Urteilsfindung mit hinzuzuziehen sind, wird das endgültige Urteil sich dann kaum noch mit dem ursprünglichen ethischen Normativ decken.
Langjährige Zuchthausstrafen können weder soziale Rehabilitationsmaßnahme noch Sühne sein, denn der Zeitfaktor und die Isolierung machen jede Ausgewogenheit zwischen Tat und Urteil zunichte. Die Haft im Sinne von Eingesperrtsein erzeugt eine solche Distanz des Verbrechers zu seinem Verbrechen, dass sich eine Atmosphäre der staatlichen Verwaltung angefangen von der Tatbestandserfassung bis hin zur Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in der wiedergewonnenen Freiheit einschleicht, beide der dem Verbrecher jede Veranrwortlichkeit abgenommen und dem Staat übertragen wird. Außerdem ist ein Zusammenhang zwischen der in der Regel Kurzfristigkeit der Verbrechensausführung (besonders beim Totschlag) und den persönlichkeitsverändernden Zuchthausjahren zu vermissen.
Um also dem Verursacherprinzip und der Forderung nach Selbstverwaltung, nach Vergesellschaftung staatlicher Angelegenheiten Rechnung zu tragen, sollte man den Straftäter auf Grund des Schutzbedürfnisses der Bevölkerung zwar gesondert unterbringen, ihn aber auch mehr oder weniger regelmäßig in die Umstände und Folgen seiner Strafhandlung „hineinstellen". Er, seine Angehörigen, der Geschädigte (falls er kein Mordopfer ist) und dessen Angehörigen sowie neutrale Persönlichkeiten - ausgestattet mit der Vollmacht, in das Geschehen einzugreifen und zu helfen - sollten im angemessenen Rahmen miteinander kommunizieren, intensiven Kontakt pflegen und auf diese Weise dem Relationsprinzip Genüge tun. Der Austausch von Beziehungen ermöglicht es den Geschädigten, mit dem ihnen zugefügten Leid besser fertig zu werden, während andererseits der Straftäter gezwungen ist, immer wieder den Geschädigten ins Auge zu sehen und Rechenschaft abzulegen. Es hängt mit vom Verhalten der Geschädigten ab, welche Lehren der Straftäter zieht, ob er „Besserung gelobt", oder, falls er ein brutaler Mörder ist, gar sich selbst richtet...
Dieses Sühnemodell nimmt in sich den Widerspruch auf zwischen dem Naturrecht und dem formalen Recht, wobei dem ersteren letzthin ein leichtes Übergewicht zukommt. Schließlich repräsentiert das Naturrecht, das individuelle Recht also, das Differenzprinzip und das formale Recht als Staatsrecht das Relationsprinzip. Wenn bei aller Alternanz das Naturrecht leicht überwiegt, dann kann auf dieser Grundlage ein Nazirichter, obwohl er im Dritten Reich im Sinne des Staatsrecht „korrekt" gehandelt hat, heute zur Verantwortung gezogen werden, ebenso der Terrorist, weil er das formale Recht total ignoriert. Eine Organisation wie Greenpeace dagegen kann man nicht strafrechtlich belangen, sofern sie sich an die Regel hält, dass sie formales Recht nur bis zu dem Betrag verletzen darf, wie das Naturrecht leicht überwiegt.
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Die ubilibetane Lehre begreift sich als ein Versuch, die drängenden Probleme der Gegenwart einer Lösung zuzuführen. Es bleibt allerdings noch viel zu tun, um diesem Anspruch auch nur annähernd gerecht zu werden. So sind viele Einzelfragen beispielsweise auf dem Gebiet der Wirtschaft - ich denke an das Drama der Massenarbeitslosigkeit -, überhaupt nicht angegangen worden, und auch in der Gesellschaftstheorie fehlt es an konkreten Rezepten.
Konkret ist es allerdings, wenn behauptet wird, dass auf Grund der gesellschaftlichen quantitativen Dyasmition, bei welcher Altes nicht wirklich vergeht im Reigen des Neuen und Allerneuesten, die kleinen Zuliefererbetriebe dem Wesen nach ihren Platz neben den Großkonzernen behalten können. Mehr noch: Da die Zulieferbetriebe speziell die Unterschiede und die Konzerne speziell die Beziehungen zum Ausdruck bringen, gewinnen wir die scheinbar konservative wirtschaftspolitische Aussage, wonach bei allem gleichberechtigten Alternieren die Zuliefererbetriebe, ja die kleinen bis mittleren, bekanntlich flexibleren Betriebe überhaupt letzten Endes das Oberwasser erlangen. Wäre dem nicht so, dann würden der Konzentrationsprozess des Kapitals und die Monopolisierung eines Tages das Konkurrenzgebaren und also die soziale Marktwirtschaft zerstören.
Weil der Reichtum des Landes sich immer in Grenzen hält, kann es zunächst nur einigen Schichten der Gesellschaft „blendend ergehen". Diese bilden eine Art Vorreiterfunktion in der Ausformulierung neuer Bedürfnisse, und wo immer sie entstehen, werden sie bald auch „volkseigen". Die gestiegenen Bedürfnisse des Volkes widerum als dem eigentlichen Kraftstoff treiben den Motor der Wirtschaft an - dank der gehobenen Ansprüche der „Privilegierten"...
Ein Weg, künftig in den „gutsituierten Kreisen" weilen zu dürfen, besteht in dem beruflichen Aufstieg, und wäre es in der anzustrebenden Selbstverwaltungsgesellschaft die Regel, Funktionsträger, die es eben weit gebracht haben, alle Jahre wieder prinzipienlos von der Belegschaft abzuwählen, dann wird jedem ansonsten ehrgeizigen Mitarbeiter die Lust vergehen, „nach Höherem zu streben".
Obzwar die Belegschaft als freie Individuen im Rahmen dieser konträren Dyasmata den Unterschied, die Funktionsträger als Mittelpunktpersonen die Beziehung verkörpern - die Belegschaft daher letztlich einen gewissen Vorrang genießt, kann man weder von einer konträren (also lebendigen, widerspruchsvollen) Dyasmata, noch von einem optimalen Betriebsregime sprechen, wenn diese gewählten Funktionsträger nicht mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet und befähigt sind, ihrerseits zum Beispiel Mitarbeiter umzubesetzen oder gar zu entlassen.
Im Zeitalter des ganzheitlichen Denkens wäre es eine Sünde, die konträre Dyasmata Computopia-Ökotopia als den beiden wie eine Schere auseinander laufenden Tendenzen unserer modernen Welt, eben weil sie einen Widerspruch bilden, zugunsten der einen Tendenz vernichten zu wollen.
Würden alle Männer und Frauen, die miteinander zu tun haben, sooft wie möglich gemeinsame, ehrliche Gespräche führen, also stetig in Beziehung treten und das Isolationsprinzip walten lassen durch Liebe zur Wahrheit, gleichzeitig aber einander absolut tolerieren, also den Unterschied anerkennen - ich glaube, das Problem der weiblichen Emanzipation, ob in der Familie oder im Beruf, gäbe es dann einfach nicht mehr. Überhaupt sollte es viel leichter sein, die Wände unserer Wohnungen transparent zu machen und zu erreichen, dass jeder mit jedem in Kontakt treten kann; ganz besonders aber diejenigen, die sich sehr voneinander unterscheiden, so die Armen und die Reichen, die Unwissenden und die Klugen, die Kranken und die Gesunden, und die Alten und die Jungen. Die Wände unserer Wohnungen haben uns zwar die Freiheit gebracht, sie haben uns aber auch voneinander abgeschottet. Nun kommt es darauf an, uns aufeinander zuzubewegen, ohne gleichzeitig unsere Freiheit aufzugeben.
Wenn der Reiche neben dem Armen zu Tische sitzen würde, symbolisch auch das Entwicklungsland neben dem Industriestaat, und der Kluge sich mit dem Unwissenden arrangieren müsste, und der Gesunde den Kranken und der Junge den Alten hilflos vor sich hätte - jeder von Angesicht zu Angesicht den anderen „ertragen" müsste, damit einer im anderen den Bruder erkenne - das wäre die Utopie einer gesegneten Erde.
Die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme besteht in dieser Abstraktion: Die Widersprüche, da sie ein Moment der Selbstvernichtung beinhalten, mittels konträrer Dyasmition entwickeln zu einem Verhältnis, welches nur noch von reinen Unterschieden und reinen Beziehungen geprägt ist. Eine solche Sublimierung des Widerspruchs zum reinen Dyasmatum hin beschleunigt die Entfaltung der quantitativen Dyasmition und bedeutet den Übergang zum inneren Widerspruch, zum vertieften monasmatalen Sein der einzelnen Individuen. Die Erhaltung und Entwicklung der Widersprüche also, die Diktatur der Toleranz und der Pluralismus, die übergreifende, wechselseitige Solidarität, Dialog, Information und Wahrheit, Unabhängigkeit, Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie, das Gewährenlassen des Geistes und der Sensibilität bilden im Hinblick auf die ubilibetane Lehre kategorische Imperative, die zu befolgen alle sozialen Systeme und alle Menschen, gleich ob Regenten, Kapitalisten oder Arbeitnehmer, aufgerufen sind. Die zu errichtende neue Gesellschaft kann nur das Werk aller sein. Der Omnialismus, nicht Kapitalismus, nicht Sozialismus und nicht Gottesstaat, ist ein stetiger, schrankenloser Prozess. Er fordert jeden ohne Ausnahme dazu auf, kraft seiner Verantwortung einen eigenen Beitrag zu leisten, um ein Leben in Wahrhaftigkeit und Würde auf unserem gemeinsamen Planeten zu gestalten - und um der Apokalypse Einhalt zu gebieten, welche schon längst begonnen hat.
Gerade weil alle zivilen, humanistischen und demokratischen Werte im Omnialismus aufgehoben sind und sein Wesen bestimmen, demaskiert sich jeder Feind desselben als Freund des Thanatos, als blinder Eiferer auf der breiten Magistrale in die Endzeit.
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Schmerz oder Ekel sind besonders deutliche Beispiele für die Äußerung des Selbstseins eines Menschen. Ansonsten müssen auch Galaxien, Sonnen und Planeten, Kristalle, Viren, Bakterien , Moleküle, Atome u.ä. ein inneres Sein haben, um zu existieren. Der Mensch glaubt, die Erde als Ganzes ist für ihn da, sie ist so, wie er sie sieht, hört oder riecht. Dabei nimmt jedes Lebewesen die Erde auf eigene Weise wahr, immer anders. Der Regenwurm hat andere Sinnesorgane als der Mensch. Die Katze hört mehr als der Mensch. Also wie ist die Erde wirklich??? Die Erde nur als Objekt ist daher völlig uneinheitlich, ist zerrissen und zerfasert. Und doch existiert eine Erde, nämlich die für sich selber, unabhängig davon, was die Lebewesen von ihr halten, wie sie sie empfinden. Dieses Selbstsein als Voraussetzung für Existenz ist etwas, was so gut wie kein Mensch versteht. Die Dinge müssen auch für sich sein! Andererseits: Es gibt auch Gemeinsamkeiten bei den Eindrücken aller Lebewesen und Nichtlebewesen: Der kleinste gemeinsame Nenner, das Abstraktum: die reinen Beziehungen und reinen Unterschiede. Diese sind die wesentliche Eigenschaft der Materie, und sie stehen in Symmetrie zum erwähnten Selbstsein.
Die Wissenschaft bzw. die Philosophen haben noch nicht begriffen, dass Geist beziehungsweise Bewusstsein eben erst dann da sind, wenn man ein konkretes Gehirn beziehungsweise Zentralnervensystem selber ist. Gehirne sind wie die objektive Welt etwas außerhalb Befindliches. Ist man ein bestimmtes Gehirn selber („steckt man in diesem drin"), wird Geist erlebbar. Die Prozesse (Bewegungen) im Gehirn und in „seinem" Geist laufen daher immer gleichzeitig und parallel ab. Offenbar wird dieser Gedanke nur schwer verstanden.
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Die Menschen sehen einen Baum (oder einen Stein) mit ähnlichen Augen deshalb, weil sie materiell ähnlich sind. Und die Menschen glauben (das habe ich annähernd oben schon beschrieben), der Baum als Ganzes wäre für sie da, er sei so, wie sie ihn sehen oder riechen. Dabei nimmt jedes Lebewesen den Baum auf eigene Weise wahr, immer anders. Der Specht hat andere Sinnesorgane als der Mensch. Die Katze hört mehr als der Mensch. Das Bakterium am Blatt reagiert wieder anders auf den Baum. Also wie ist der Baum wirklich??? Der Baum nur als Objekt erscheint daher völlig uneinheitlich, scheint zerrissen und zerfasert zu sein. Und doch existiert der Baum, nämlich für sich selber, unabhängig davon, was die Lebewesen von ihm halten, wie sie ihn empfinden: Als Selbstsein. - Die Wahrheit des Baumes als Objekt (also hier nicht als Selbstsein) kann nur in den Gemeinsamkeiten bei den Eindrücken aller Lebewesen und Nichtlebewesen bestehen. Alle, die mit diesem einen Baum zu tun haben, werden in ihrer Perzeption bei allen Unterschieden auch etwas Gleiches finden, denn sonst wäre der Baum nicht existent - das ist der kleinste gemeinsame Nenner, ein Abstraktum. Formal wie eine mathematische oder geometrische Struktur, wie spezielle reine Beziehungen und reine Unterschiede erweist sich dieses Gemeinsame. So als wäre die Sprache der Quantenphysik letztlich die einzig zutreffende (was ich durchaus glaube, weil es nur an der Beschränktheit unserer Augen liegt, dass wir etwas anderes als Elementarteilchen um uns herum wahrnehmen).
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In der Quantenphysik ist man zu 80% nur durch Mathematik weitergekommen. Ihre Formeln sind daher unter Umständen objektiver als unsere Anschauung, was denn Materie sei. Daher muss man sich immer mehr vom alten Materialismus verabschieden. Ein Beispiel: Quarks sind ohne Struktur, weil nicht „teilbar". Gleichartige Quarks, zum Beispiel Top-Quarks, unterscheiden sich also nicht voneinander, folglich verschmelzen sie irgendwie. Sie schaffen sich einen Raum, der (fast) ein Punkt ist - mehrere Punkte nebeneinander ergeben auch nur einen Punkt! Und „aus der Sicht" eines Objektes, das nur punktförmig ist, kann auch das ganze Universum nicht unendlich oder zumindest grenzenlos sein; es kann daher von der Ebene der Quanten aus betrachtet nur eine endliche und sehr geringe Größe haben - vielleicht mit dem Durchmesser von einem halben Meter. Weil die Lichtgeschwindigkeit unabhängig von den jeweiligen „Inertialsystemen" immer gleich ist, wäre die Verschränkung kleinster Teilchen miteinander auch dann „kaum" aufgehoben, wenn diese sich im Anschluss räumlich trennen. Denn das Universum (fast) punktförmiger Teilchen ist aus unserer mesokosmischen Sicht so klein, dass ein lichtschneller Informationsaustausch zwischen verschränkten Teilchen praktisch ohne zeitliche Verzögerung erfolgt. - Ob die Physik diese Hypothesen nun bestätigen wird oder ganz andere, atemberaubend werden sie in Zukunft allemal sein.
Mehrere nicht gleichartige Quanten schaffen sich einen gedehnten Raum, der unseren Raumvorstellungen schon näher kommt. Das hat nichts mehr mit Materialismus oder Idealismus zu tun, eher mit umfassender Ganzheitlichkeit, in welcher der menschliche Verstand nicht mehr sich selbst spiegelt und auch nicht mehr im Mittelpunkt steht.
Zum Begriff Materialismus: Elektronen kreisen um den Atomkern, hieß es früher. Heute spricht man von Elektronenwolken. Elektronen sind hier einmal einzelne Teilchen, dann wieder eine „Wolke". Das scheint von der Art der Messung abzuhängen (analog Teilchen-Welle-Dualismus). Die „Wolke" wird nach meiner Ansicht gemessen, weil die einzelnen Elektronen wegen ihrer (Fast-)Nichtunterscheidbarkeit miteinander verschmelzen. Die „Elektronenwolke" ist also ein nicht gedehnter, „punktförmiger Raum", der aus unserer mesokosmischen Sicht als Wolke erscheint. Das ist die Relativität gemäß Einsteinschem Denken. Wo ist da noch Materialismus oder Idealismus?
Liebe I., für uns ist sichtbares Licht in Wahrheit nur eine bestimmte Wellenlänge des elektromagnetischen Spektrums. Das heißt die Empfindung der Helligkeit und der Farbe entsteht nur, wenn man ein Mensch mit Bewusstsein ist, wenn man also ein bestimmter Mensch selbst ist (=Selbstsein). Diese Empfindung verursacht haben aber entsprechende Wellenlängen, also etwas irgendwie Quantitatives, etwas nicht Fassbares, ein eher mathematisches Phänomen. Und so ist es mit allem: Das außerhalb von uns Befindliche, die objektive Realität also, ist ein formales, in mathematische Formeln gefasstes Sein, während das in uns Befindliche, die subjektive Realität, als voller Lebendigkeit erscheint; sie ist Fülle und Farbe. Beide Realitäten sind gleichberechtigt. Information kann einmal ein forrmelhaftes Computerprogramm sein, aber umcodiert - also auf dem Monitor - wird sie zur farbenprächtigen Show. Geschriebene Wörter sind zunächst einmal nur Symbole, die irgendwie einen Algorithmus bilden. Erst in uns, in unserem Gehirn, entsteht Bedeutung, Semantik, die voller Leben ist. - Wie Du siehst, zerfällt bei mir das, was man das Geistige nennt, in diese beiden Welten. Die Quantenphysik besteht praktisch vor allem aus Mathematik - das könnte man „geistig" nennen. Und die Lichtquanten, die auf mein Auge treffen, machen mich lebendig - auch das könnte man „geistig" nennen. In letzter Zeit bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Einteilung Materialismus und Idealismus nicht mehr der Realität entspricht. Ich glaube nicht an einen Geist personaler Art (Gott), als eine geballte Kraft - ich bin da eher mit Goethes Pantheismus.
Ich glaube tatsächlich, dass Denken der objektiven Realität angehört (zur Materie, wie sie Einstein oder die Quantenphysiker sie verstehen, welche ja die Materie in Mathematik aufgelöst haben), das Empfinden der Denkvorgänge dagegen ist subjektive Realität - also Seele. Die heiße Herdplatte ist nicht etwa Materie, sondern sie „gehört" zur Seele, während die molekularen Schwingungen in der Herdplatte (das kennzeichnet die Wärme) Materie sind. Der Körper kann beides sein - je nachdem, ob ich ihn von außen betrachte oder ob ich „der Körper selber" bin, was dann der Fall ist, wenn ich zum Beispiel Verbrennungs-Schmerz fühle.
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Sehr geehrter Herr Prof. D.!
Ich stelle die - zunächst nicht näher begründbare - Hypothese auf, wonach es nicht kleinere oder größere Objekte gibt, sondern nur Objekte mit einer mehr oder weniger großen Menge an innewohnenden, verschachtelten Strukturen. Gewöhnlich sagt man, der Mond sei kleiner als die Erde, in Wahrheit hat er lediglich weniger Unterschiede und Beziehungen in sich, so z.B. weniger Atome als die Erde.
Wie derzeit bekannt ist, bilden die Metagalaxien die umfangreichste Organisationsform des Universums. Wegen der unfassbar großen Menge an Strukturen, die sich in jeder dieser Organisationsformen befinden (der äußere Rand mit eingeschlossen), ist der Unterschied zwischen den Metagalaxien optimal, d.h. er kann wohl nicht mehr übertroffen werden. (Ich gehe hier nicht von der Existenz eines Multiversums aus). Die Verschachtelung der Strukturen reicht bis zu den Atomen, und wegen der zwingenden Evidenz des Unterschiedsprinzips (=Differenzprinzip. Die Unterschiede - wie auch die Beziehungen =Relationsprinzip - gehören zu den abstraktesten und allgemeinsten Kategorien überhaupt. Ihnen gesellt sich noch die Kategorie des Innenseins bzw. Selbstseins einer Organisationsform hinzu; ich nehme das Beispiel des Selberseins eines konkreten Menschen, was z.B. beim Empfinden von Schmerz zum Ausdruck kommen kann) - wegen des Differenzprinzips also wird man auf den Himmelskörpern der Metagalaxien keine zwei gleichen Sandkörner und keine zwei gleichen Lebewesen finden.
Der optimale Unterschied zwischen den Metagalaxien geht erstaunlicherweise mit optimal reduzierten Beziehungen zwischen ihnen einher. Es ist jedenfalls anzunehmen, dass kaum etwas anderes als Gravitation in der (scheinbaren!) Leere des Raumes zwischen ihnen die Beziehungen herstellt. Die ihnen innewohnende Zeit ist so gedehnt, so großzügig bemessen, dass ihnen die Geburt des Universums so vorkommt, als wäre diese erst gestern geschehen. (Es ist eine hypothetische Frage, ob andere Organisationsformen als das Leben nicht auch eine Art Erinnerung besitzen). Jedenfalls scheinen die Eigenschaften der materiellen Zeit eng gekoppelt zu sein an die Art der jeweiligen Organisationsform. Die verschiedenen, ineinander verschachtelten Organisationsformen möchte ich hinfort als Omniaden bezeichnen (in Abwandelung des Monadenbegriffes des von mir hochgeschätzten Gottfried Wilhelm Leibniz).
Begeben wir uns jetzt in das andere Extrem, in den Mikrokosmos, zu den geheimnisvollen Elementarteilchen. Da die Physik auf diesem Gebiet noch sehr theoretisch ist (und ich persönlich obendrein kein Physiker bin), erdreiste ich mich zu der Willkür, die Quanten (oder Quarks?) als die Organisationsform zu bezeichnen, welche fast gar keine Strukturen „in" sich mehr besitzen, die also im landläufigen Sinne am kleinsten und nicht mehr teilbar sind. Diese strukturlosen Omniaden unterscheiden sich also fast nicht mehr voneinander, und wo Unterschiede eliminiert werden zwischen Individuen, verschmelzen sie miteinander. Im Gegensatz zu der Ebene der Metagalaxien schlägt hier das Pendel weg von den Unterschieden hin zu den Beziehungen aus. Der Verlust von Individualität lässt die Beziehungen übermächtig werden, und das kommt zum Ausdruck im Wellencharakter der Teilchen und in den merkwürdigen Phänomenen der Quantenmechanik. Wenn z.B. Teilchen sich so gut wie nicht mehr unterscheiden, verschmelzen sie miteinander - folglich wird auch die materielle Eigenschaft des räumlichen Abstandes zwischen ihnen „verwässert", es kommt zur scheinbar spukhaften Fernwirkung u.a.m.
Welle-Teilchen-Dualismus: Je nach Experiment kann man einzelne Teilchen nachweisen (=Unterschiede) oder Wellen (=Beziehungen). Felder rufen den Eindruck hervor, stark von Beziehungen zu Lasten von Unterschieden geprägt zu sein. (Magnetfeld, Fermionen-Feld usw.)
Alle Omniaden, selbst die Metagalaxien werden in ihren Eigenschaften von den Strukturen bestimmt, die selbst (fast) keine Strukturen mehr enthalten. Gehören die Quarks zu diesen Strukturen, dann sind ihnen die quantenmechanischen Phänomene eigen, aus denen sich auch die uns bekannten Eigenschaften der „größeren" Omniaden ableiten lassen.
Der Urknall war die erste Dyasmition, d.h. die Geburt von - neuen - Unterschieden und Beziehungen. Aus der Sicht der Quantenphysik scheint sich dieser Vorgang etwas anders darzustellen. Vielleicht existiert ein Urfeld, in dem alle Möglichkeiten von Entwicklung bereits enthalten sind. Die Zeit vor dem Urknall war vielleicht eine (fast) gänzlich ohne Unterschiede, dann kam eine Phase, die die Unterschiede wieder stärker zutage treten ließ, eine Phase, welche also das Auftauchen von Teilchen verursacht haben könnte. Faszinierend ist für mich die Vorstellung, dass auf Quantenebene nach wie vor die Beziehungen dominieren und dass Entfernungen zwischen den Teilchen, die selbst (fast) keine Strukturen besitzen, wohl ohne Bedeutung sind, weil diese Teilchen wegen mangelnder Unterscheidbarkeit (fast) miteinander verschmelzen. Die Konsequenz dieser Vorstellung ist ungeheuerlich: Auf Quantenebene wäre das Universum sehr klein, fast punktförmig und seine Expansion fände so gar nicht statt...
Ich hatte vor Jahren einer sehr bekannten Dame in einem Brief Philosophisches „zum besten gegeben" und mich darum bemüht, sehr einfach und verständlich zu schreiben. Hier der Auszug, z.T. etwas modifiziert:
...Wir befinden uns in einer Phase, da erkannt worden ist, dass unternehmerische Freiheit und gesellschaftliches Gesamtinteresse wieder in Einklang gebracht werden müssen, und dass diese Ordnung nicht automatisch, nicht marktwirtschaftlich hergestellt wird. Es müssen sowohl die privaten Interessen der Unternehmer (die strukturtheoretisch die Unterschiede verkörpern) als auch die gesellschaftlich stabilisierende Staatsmacht (die strukturtheoretisch die Beziehungen verkörpert) zusammengeführt werden. Die Wichtigkeit dieser Konstellation ergibt sich daraus, dass beide Seiten wiederum sowohl als Unterschied wie auch in ihren Beziehungen zueinander sich optimal verhalten. Wäre ein beliebiger Unterschied absolut, könnte keine Beziehung zwischen den beiden Polen existieren; wäre eine beliebige Beziehung absolut eng, könnte kein Unterschied zwischen den beiden Polen existieren. Ein absolutes Vakuum herzustellen, d.h. einen vollkommen leeren Raum, gilt in der Physik - wie in der Philosophie - als unmöglich. Denn dann gäbe es Räume ohne Unterschiede und Beziehungen (bzw. ohne Elementarteilchen). Absolute Gleichheit, das Fehlen eines Unterschiedes also, wird man nie finden, selbst zwei Klone unterscheiden sich schon durch ihre räumliche Lage mit den entsprechend verschiedenen Umwelteinflüssen. Beziehungen und Unterschiede bedingen sich also wechselseitig, sind nur miteinander „überlebensfähig" und sind omnipräsent, überall vorhanden. Ausgeprägte, also nicht absolute, sondern optimale Unterschiede und Beziehungen (ich nenne sie Dyasmata) zu suchen und zu bewahren ist eine bislang unterschätzte Aufgabe.
Von dem fundamentalen Begriff Dyasmatium abgeleitet sind philosophische Kategorien wie Vielfalt, Zusammenhang, Ganzheitlichkeit, Wechselwirkung, Widerspruch, dialektischer Widerspruch (diese sind die Motoren der gesellschaftlichen Entwicklung!), Rückkopplung, Vernetzung und das Paar Analyse (das Suchen nach Unterschieden) - Synthese (das Suchen nach Beziehungen). Wenn ich mal die genannten Kategorien erwähne, muss man sich immer die in ihnen verborgene Dyasmität vor Augen halten. (Ich selbst sehe mich übrigens in der Tradition der klassischen deutschen Philosophie).
In der objektiven Realität werden Sie nichts anderes als Dyasmata finden. Stellen Sie sich jetzt bitte ein Stück Metall vor, das unter dem (Aufsichts-)Mikroskop liegt. So blank es zunächst zu sein schien, vergrößert bietet es Ihnen eine von Kratern und Linien übersäte Landschaft. Fokussieren Sie Ihr Interesse nun auf eines der Details und vergrößern es weiter, werden Sie Kristalle entdecken (insbesondere, wenn die Oberfläche geätzt worden ist). Nehmen Sie nun wieder ein Detail ins Visier und vergrößern es nochmals, erblicken Sie Moleküle (bei einem Elektronenmikroskop) und so fort. Es liegt an der Beschränktheit unserer Augen, dass wir bei dem Stück Metall und überhaupt bei allen Dingen der äußeren Welt die bis ins Feinste verästelten Strukturen nicht wahrnehmen. Unsere Sinnesorgane verfügen genau über den Perfektionsgrad, der notwendig ist, um die Selbsterhaltung des Menschen sicherzustellen. Darum nehmen wir Gegenstände nicht als ein System von Strukturen wahr. Hätten wir die - bei ihnen notwendige - Fähigkeit von Fledermäusen, Ultraschall zu hören, würde das unser Gehirn mit den zusätzlichen Informationen überlasten.
Objektiv existieren also nur Strukturen, die wiederum aus Strukturen zusammengesetzt sind. Unser Mikroskop könnte vielleicht die noch kleineren Atome dem Auge darbieten, die Elementarteilchen jedoch entziehen sich dem Bemühen nach Sichtbarkeit, sie sind nur als Spuren und im Kontext mit Wechselwirkungen nachweisbar. Es würde hier zu weit führen, uns der Quantentheorie zuzuwenden. Diese aber bestätigt die Ansicht, wonach es in der objektiven Realität nur das Dyasmatium gibt. - Neben den Physikern können Sie übrigens auch Wissenschaftler anderer Richtungen befragen; Sie werden feststellen, dass meine Auffassungen von den neuesten Erkenntnissen (fast) aller Wissenschaftssparten abgeleitet sind. (Das hier zu belegen, würde den Rahmen des Briefes sprengen).
Die Vorstellung von dinglicher Materie ist daher der Beschränktheit unserer Sinnesorgane geschuldet. Das Gefühl von fest oder heiß entsteht in unserem Bewusstsein, indem Strukturen der objektiven Realität mit den Sinnesrezeptoren in der Hand bzw. der Haut wechselwirken, das Resultat geht dann als elektrischer Impuls ins Gehirn (das Gehirn wechselwirkt zudem selbst mit den Sinnesorganen). Fest oder heiß werden Sie also vergeblich in der äußeren Welt suchen, diese Empfindungen sind nur Codierungen der Einwirkungen von außen. Diesen Empfindungen wohnt aber nicht minder Realität inne - sie gehören zur subjektiven Realität. Zu ihr gehören auch alle inneren Welten von Tieren und Pflanzen; alle Wesenheiten, die zur Selbstorganisation fähig sind, die sich selbst erhalten können, ums Dasein kämpfen (gemäß Darwin), verfügen über subjektive Realität.
Das gemeinsame Merkmal von Atomen, Molekülen, Kristallen, Lebewesen, Planeten und -systemen, Sonnen, Galaxien, schwarzen Löchern u.a. (ich bezeichne sie als Omniaden) ist ihre Fähigkeit, sich selbst zu erhalten. Ein Stein zerfällt beim Stoß nicht gleich zu Staub, und zwar deshalb nicht, weil seine innenliegenden Moleküle (bzw. Atome) auf den Stoß im Sinne der Selbsterhaltung reagieren können. Dass ein Mensch reagiert, wenn er einen Stoß in den Rücken bekommt, scheint allen klar zu sein. Erstaunlicherweise kommt aber offenbar keiner auf die Idee, auch ein einzelnes Atom müsse bei Einwirkungen von außen reagieren, um nicht zu zerfallen. Ein Atom ist ein fein austariertes System aus einem Protonen-Neutronen-Kern und einer Elektronenwolke drumherum mit entgegengesetzter Ladung. Bekanntlich „lebt" ein solches Atom eine Zeit lang, obwohl es ständig traktiert wird mit Wärmestrahlung, Photonen (Licht) und unserem berühmten Stoß. Nötig dazu ist ein Reservoir an Eigenenergie, um „kontern" zu können. - All diese Omniaden verfügen, entsprechend abgestuft vom Atom bis zum Menschen, über eine mehr oder weniger „lebendige" Innenwelt; diese Individuen der subjektiven Realität heißen bei mir Monasmata. (Beim Menschen z.B. ist ein heftiger Schmerz etwas Einmaliges, das in der reinen Gegenwart passiert, weil in diesem Augenblick nichts anderes mehr existiert als der Schmerz. Jenseits von Vergangenheit und Zukunft und jenseits von Unterschieden und Beziehungen - einfach die reine Eins; daher der Begriff Monasmität). - Dyasmität und Monasmität verhalten sich übrigens in ihren Unterschieden und in ihren Beziehungen zueinander optimal - auch hier echte Dyasmität. Genauso auch die Kategorien Unterschied und Beziehung selbst: sie sind optimal in ihren Unterschieden und Beziehungen zueinander. (Ich weiß, wie kompliziert das ist...)
Das Prinzip der Selbsterhaltung der Omniaden hat den tiefer liegenden „Zweck", neue Unterschiede und Beziehungen hervorzubringen. Dies geschieht einfach dadurch, dass die Omniaden Umwelteinflüssen Widerstand entgegensetzen oder gar, wie der Mensch, die Umwelt selbst aktiv gestalten. Dem dient auch das Phänomen der Höherentwicklung, das man wahrscheinlich in der Kosmologie (seit dem Urknall), bestimmt aber bei der Evolution des irdischen Lebens und der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft findet.
Jetzt möchte ich noch einen Gedanken ausführen, bevor ich zu den konkreten Anwendungen meiner Philosophie komme. Von letzterer werden Sie in diesem Brief nur einen fragmentarisch-begrenzten Einblick bekommen haben. - Man kennt ja den Begriff der Symmetrie. Ich behaupte, dass ein absolut identisches Spiegelbild bei den Symmetriearten in der Natur nicht nachweisbar ist. Nach dem Differenzprinzip (wonach Unterschiede allgegenwärtig sind) müssen Original und Spiegelbild - wie übrigens auch Original und Kopie! - feine, vielleicht verdeckte Unterschiede aufweisen. (In der Elementarteilchenphysik ist diese These - noch? - umstritten. - Zusätzliche Anmerkung, Herr Prof. D.: Für das Konzept der Symmetriebrechung gab es sogar den Nobelpreis!). Auch das Paar Unterschied und Beziehung kann man bei all ihrer Gegensätzlichkeit nicht wirklich als spiegelbildliche Symmetrie bezeichnen, denn das jeweilige Gegenstück wären Gleichheit und Isolation. Eine analoge Schlussfolgerung ergibt sich bei der Betrachtung des Paares Dyasmität und Monasmität.
Die Polarität Arbeit und Kapital z.B. bedeutet Gegensatz (Unterschied), der wiederum nur sein kann, weil beide Seiten einander bedingen (Beziehungen). Das ist zugleich wahre Dialektik. Auch: Arbeitgeber und Arbeitnehmer stehen sich konträr gegenüber, so wie sie füreinander unverzichtbar sind. Der Urheber der Konzeption des „Dialektischen Materialismus", der von mir hoch geschätzte Karl Marx, hat mit seiner Vision von einer Gesellschaft des befreiten Proletariats selber den Pfad der Dialektik verlassen. Was bleibt denn von seiner eigenen Philosophie noch übrig, wo ist noch Potential für die gesellschaftliche Entwicklung, wenn die Pole Kapital und Arbeitgeber bis zum Verschwinden unbedeutend werden sollen im Sozialismus/Kommunismus? Der Interessenkonflikt zwischen Arbeit und Kapital, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist ein dialektischer (eine optimale Dyasmität), der durch die permanente Auseinandersetzung überhaupt erst eine stete Höherentwicklung ermöglicht (diese nenne ich Dyasmition; sie schafft neue Differenzierungen und Relationen, also neue Unterschiede und Beziehungen, und genießt dadurch Priorität in unserer Aufmerksamkeit). Voraussetzung ist aber die Bereitschaft, einander zu respektieren (Unterschiedswahrung) und miteinander vertrauensvoll und vollkommen offen zu kommunizieren (Beziehungen).
Wenn es einer Gesellschaft gelingt, durch permanente Evolution die Revolution zu vermeiden, dann ist sie eigentlich permanent revolutionär. Dies impliziert eine moderne Definition von Dialektik, die in ihrer Radikalität über die Dialektikauffassungen von Hegel und Marx weit hinausgeht.
Ähnliche Konstellationen ergeben sich zwischen den Kategorien Ordnung und Freiheit (die Alternative Diktatur oder kapitalistische Anarchie verliert also ihren Sinn), zwischen staatlich gelenkter Marktwirtschaft und demokratischer Marktwirtschaft, wie auch zwischen Vermieter und Mieter.
Der Versuch, das Artensterben von Tieren aufzuhalten, ist im Kern Vielfalts- bzw. Unterschiedswahrung (wie in der Gesellschaft allgemein das Toleranzgebot). Mit dem gleichen Gedanken sollte das Aussterben von Sprachen und Dialekten verhindert, zugleich aber endlich als Zweitsprache eine von allen Menschen verstandene Weltsprache eingeführt werden (schaffen von neuen Beziehungen). Schon als 19-jähriger formulierte ich einmal, man müsse die Wahrheit sagen, um das Band der Beziehungen nicht zu unterbrechen - eine strukturtheoretische Begründung einer bisher nur moralischen Kategorie.
Einen ganz klaren Beweis für das gesetzmäßige Anwachsen von Beziehungen liefern die Globalisierung und insbesondere das Internet sowie die sogenannte Informationsflut.
Der ganzheitliche Ansatz eines Rudolf Steiner - die wechselseitige Beeinflussung von Geist (Seele) und Körper - erscheint im Lichte meiner Philosophie plötzlich als selbstverständlich.
Die Konkurrenz zweier Autofirmen (=Unterschied) gehört zur Marktwirtschaft, dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Aufnahme von engen Beziehungen unabweisbar wird - weil es einen Unterschied ohne Beziehungen eben nicht gibt. Noch waren es makroökonomische Bedingungen (Überproduktion, Konzentrationsprozess zur Kostenverringerung), weshalb - laut Zeitungsmeldung - BMW und Daimler einen gemeinsamen Einkauf markenneutraler Komponenten in die Wege leiten wollen. Auf der Grundlage meiner Philosophie hätte man diesen Vorgang aber schon Jahre eher erkennen können, unter der Voraussetzung, man weiß um den Wert des Qualitätssiegels „made in Germany". Dem Zusammengehen von BMW und Daimler würde also allgemein betrachtet eine goldene Zukunft beschert werden. Der vorgeschlagene Aktientausch würde nach meinem Verständnis die Unabhängigkeit Ihrer Seite beeinträchtigen. Die bekanntermaßen gute Firmenpolitik mag Ihnen da Recht geben. Doch in der Perspektive, fürchte ich, steht die Unabhängigkeit (=Unterschied) auf schwankendem Boden, da ohne Beziehungen (siehe oben)...
Ich bin mir nicht sicher, ob ich durch bloße theoretische Überlegungen von selbst auf jene verhängnisvolle Tendenz gekommen wäre, die da heißt „Transparenz". Vor unseren Augen vollzieht sich eine revolutionäre Umwälzung, und kaum jemand merkt es. Wir gehen auf eine offene Gesellschaft ohne Datenschutz zu (Wolfgang Schäuble lässt schön grüßen). Dieses Shakespeare'sche Drama müssen wir erdulden, weil wir Naturgesetze nicht überlisten können: das Gesetz der Dyasmition. Wir Menschen sind stolz auf unsere Individualität (=Unterschiede), aber erst jetzt beginnen wir zu begreifen, dass wir damit auf eine Grenze gestoßen sind, die Grenze zur Isolation. Wird Freiheit verabsolutiert, entsteht Isolation, welche wiederum die Macht der Beziehungen wie Phönix aus der Asche entfesselt. Wie eine Lawine aus Seilen rollen die Beziehungen über unsere Köpfe hinweg, sie schnüren uns ein und machen selbst dem blinden Ignoranten klar, dass wir uns mittendrin in einer neuen Ära befinden.
Durch die Transparenz auf allen Ebenen verlieren die Steuerparadiese ihren Mantel des Schweigens, Steuerhinterziehung, Schwarzgeld und Schwarzarbeit ihre Anonymität. Die Behörden öffnen ihre Aktenschränke für den Bürger und das Betriebsgeheimnis der Unternehmen und der Datenschutz werden Geschichte. Schon heute kennt der Geschickte meine Bankverbindung, jedoch kenne ich ihn künftig auch, sollte er versuchen, mein Konto zu plündern. Der unbescholtene Bürger steht nackt da, der Betrüger, Wandbeschmierer, Dieb, Gewalttäter, Mörder oder Terrorist aber, ehe er überhaupt ein solcher wird, ebenfalls. Strafen werden zumeist überflüssig.
Die offene Gesellschaft, ein Überwachungsstaat der Nackten, wird uns heimsuchen, das ist keine Frage. Worauf es ankommt, ist der geordnete, strukturierte Übergang zwischen
den beiden Welten, damit der Missbrauch durch Kriminelle und der Machtmissbrauch des Staates für den Bürger kontrollierbar bleiben".
Zu dem Thema „Transparenz" möchte ich nun aus meinem jüngsten Brief an die Piratenpartei zitieren, wobei ich mich hier teilweise wiederhole:
„Gerade vor wenigen Tagen votierten die Schweizer in einer Volksabstimmung gegen den Bau von Minaretten. Solche Volksabstimmungen als Ausdruck der direkten (Basis-) Demokratie halten auch Sie – glaube ich - für erstrebenswert, was unser Land anbetrifft. Nun wird das Schweizer Wahlergebnis zu einer Einschränkung für die dort lebenden Muslimen führen. Die moderne Form der Demokratie aber bedeutet zwar Herrschaft der Mehrheit („Volksherrschaft"), aber nicht mehr Unterdrückung der Minderheit. Die Basisdemokratie kann dagegen – wie wir gesehen haben – zur Unterdrückung der Minderheit führen. Die Lösung des Problems besteht m.E. in einer sorgfältig austarierten Mischung aus direkter und repräsentativer Demokratie, beide Formen der Demokratie müssen ineinander aufgehen, so wie es ja auch der beiden Pole Freiheit und Ordnung bedarf. Beide bedingen einander; der Widerspruch zwischen beiden muss erhalten bleiben, aber ebenso auch die enge Verflechtung der beiden miteinander. Mit den Begriffen „Unterschiede" (z.B. in Form des genannten Widerspruchs) und „Beziehungen" (z.B. in Form der Verflechtung) gleiten wir direkt in die Abgründe der Philosophie hinein...
Wenn Beziehungen als philosophische Kategorie (wie auch die Unterschiede) so wichtig sind, dann kann man schon auf dieser Grundlage fordern, die Wahrheit zu lieben, denn die Lüge unterbricht das Band der Beziehungen. (Das ist tatsächlich so!) Das Gleiche gilt für die Forderung nach Transparenz, Glasnost und Offenheit. Begriffe wie die Informationsexplosion, das Internet und die Globalisierung weisen darauf hin, dass den Beziehungen (und den Unterschieden! Den letzteren zugeordnet sind z.B. Begriffe wie Toleranz und Menschenrechte) die Zukunft gehört. Globalisierung findet allerdings auch im eigenen Lande statt, bzw. man muss für sie kämpfen. Weil die Piratenpartei die Freiheit des Internets verteidigt (Zensur im Internet steht konträr zum Recht auf Information, zur Informationsfreiheit!), dachte ich, bei den Spandauer Piraten meine Ansichten vertreten zu sehen [...]
Ich selbst war erschrocken gewesen, als ich die Konsequenzen dieses Denkprinzips bedacht hatte. Wenn wir es schaffen, nach und nach (sonst würde das Chaos ausbrechen) eine Welt der absoluten Transparenz zu errichten („Transparentia"), dann würden wir mit dem gleichen Problem konfrontiert werden, wie man es mit der Gegenüberstellung Wahrheit – (erlaubter) Notlüge auch schon hat. Eine offene Gesellschaft muss also ihren Anteil des Privaten behalten. Ansonsten verschwinden in dieser Gesellschaft die folgenden Missstände: Die intransparenten Handlungen von Managern (und damit auch die der Banken), die Mauscheleien in der Politik und die Kriminalität, soweit sie nicht im Affekt geschieht. Es verschwinden die Steuerparadiese, das Bankgeheimnis ebenso wie das Betriebsgeheimnis, Schwarzgeld und Schwarzarbeit sowie die Korruption. Heute schon gibt es die Tendenz, dass Behörden alle Akten offen legen müssen.
Die - stufenweise – zu errichtende Offenheit beruht auf der Grundlage einer internet-basierenden Verknüpfung aller Menschen miteinander. Auch Technologien wie automatische Kameraüberwachung und Positionsbestimmung und automatischer Datenabgleich werden eine Rolle spielen (ich weiß, was Sie jetzt denken...) Der Datenschutz, der heute noch verteidigt werden muss, wird in Zukunft keinen Bestand mehr haben – er ist heute schon durchlöchert und kann aus objektiven Gründen nicht mehr „repariert" werden. Die Piratenpartei hat noch nicht begriffen, dass der Datenschutz (den sie vehement verteidigt) und das Recht auf Information nicht zusammen passen. (Parteimitglieder äußerten sich mir gegenüber, sie hätten dieses Problem noch nicht bedacht. Natürlich ist die Aufhebung des Datenschutzes nur möglich in einer höheren Form von Demokratie).
Wer also – was dann kein Problem mehr ist – mein Konto plündert, dessen Identität würde im selben Augenblick bekannt. Illegale Graffitis und Geschäfte und Bestechung würden reduziert, der Totschlag im Zorn dagegen bliebe. Das Hauptproblem in „Transparentia" (deren Vorstufe die engagierte Bürgergesellschaft sein dürfte. Durch Nachbarschaftshilfe usw. würde gegen die neuzeitliche Isolation des Individuums angegangen) liegt in der Missbrauchsmöglichkeit durch den Staat oder durch Kriminelle begründet. „Transparentia" kann also nur funktionieren in einer höher entwickelten Demokratie, in der Selbstbestimmung und der Verlust von Persönlichkeitsrechten (z.B. Autorenrechten oder der Patentschutz) als dialektischer Widerspruch begriffen wird. Sicherlich würde in einer solch offenen, toleranten Gesellschaft, in der alles ausdiskutiert wird und die wohl kein Tabu mehr kennt, das Verhältnis zwischen Christen und Moslems sich entspannen, und das Problem mit dem Minarett-Bau (wie in der Schweiz) würde sich einfach in Luft auflösen, da keiner dem anderen mehr misstrauen kann. Wenn Menschen keine Geheimnisse mehr voreinander haben (bis auf einen Rest des Privaten...) und mit der Maßgabe der Toleranz einander zu verstehen suchen, werden Schranken fallen und wird das Böse diese Welt verlassen. Denn Böses kann nur gedeihen im Verborgenen.
Die Identität des Produzenten wie auch des Anbieters von Kinderporno-Seiten wäre mit dem Einstellen dieser Seiten ins Internet sogleich bekannt. (Technisch ist das heute schon möglich, wenngleich noch aufwendig). „Transparentia" drückt also die Kriminalitätsrate auf ein Minimum, Strafen werden z.T. überflüssig und auch die gegenwärtige Bankenkrise hätte sich gar nicht erst soweit entwickelt.
In rückständigen Gesellschaften allerdings, da wo z.B. eine Volksgruppe die andere ausrotten will, funktioniert „Transparentia" nicht."
Der Zug in Richtung offene Gesellschaft ist unaufhaltsam, weil er ein objektiver Prozess ist. Als hochaktuelle Beispiele dafür können der Missbrauchsskandal, die Internetplattform WikiLeaks, aber auch der sog. Nacktscanner genannt werden. Wir stehen vor der Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder der gläserne Mensch oder die Atombombe in der Hand anonymer Terroristen.
Nach meiner Ansicht müsste die Piratenpartei, die gegenwärtig zu Recht den Datenschutz verteidigt, diese furchtbare Alternative begreifen und sich daher Gedanken über die Gestalt der künftigen Gesellschaft machen. Wir brauchen eine höhere Form von Demokratie, wenn künftig alle noch so kleinen und unbedeutenden Lokalitäten des ganzen Erdballs informationell miteinander verknüpft sein werden und auch alle Individuen sich voreinander kaum mehr verbergen können.
Wie kann man verhindern, dass Falschinformationen in der Zielebene - z.B. in der Öffentlichkeit - unkritisch aufgenommen werden? In „Transparentia" wird es keine Geheimnisse mehr geben, aber Nachrichten oder sonstige Infos dürfen „nicht ohne weiteres" geglaubt werden, da es sich unter Umständen um lancierte Falsch- meldungen handeln könnte [...]"
Und zum Schluss noch einige Gedanken aus meinem Brief an eine Grünen-Politikerin:
„...Kindlicher Egoismus, Anthropozentrismus, Lokalismus, Geozentrismus und schließlich Heliozentrismus – das sind Entwicklungsstufen des menschlichen Geistes. Der moderne Mensch besitzt die Fähigkeit, zu differenzieren, und am schwersten ist es, sich selbst in einem reellen Zusammenhang zu sehen (Selbstbewusstsein, Bewusstsein seiner selbst, Über-Ich). Es fängt an damit, dass das Kind zunächst nur sich selbst sieht, bis zur Vorstellung, nur die eigene Großfamilie könne im Recht sein, oder die Geringschätzung der Tiere (die angeblich keine Seele haben), bis zum Glauben, die Erde oder – später – die Sonne seien der Mittelpunkt der Welt. Heute wissen wir: die Erde und auch der Mensch sind noch nicht einmal ein Staubkorn in den ungeheueren Weiten des Alls. Um die Erde herum ist der lebensfeindliche, klirrend kalte, unendliche Raum des Universums. – Was mich hierbei bewegt ist, dass offenbar die Menschen immer noch glauben, die Erde wäre wie eine Mutter („Mutter Erde"), die ihre Kinder versorgt und schützt. Die Menschen begreifen nicht, dass unser Planet nur eine schlingernde Arche Noah auf den sturmgepeitschten Wassern des Weltozeans ist. Erst wenn sie das erfasst haben, wenn sie sich das kosmozentrische Weltbild angeeignet haben, werden sie zu wirklichen Menschen und bereit sein, auch unter Opfern die Erde und die Schöpfung bewahren zu helfen. Die Erkenntnis, nicht geschützt, sondern in Wahrheit den Gefahren der eisigen, luftleeren, fremden Allnacht, aus der plötzlich zerstörerische Kolosse auftauchen können, hilflos ausgeliefert zu sein, bedeutet einen Quantensprung in der Entwicklung des menschlichen Geistes. Der neue Geist schwebt hinfort nicht mehr über den Fluren der Erde - er befindet sich weit draußen im Kosmos, von wo aus er voll Zärtlichkeit das Weichbild seines kleinen, zerbrechlichen Heimatplaneten sieht. - Ein ähnliches Gefühl des Ausgeliefertseins erlebt übrigens derjenige, dem blitzartig klar wird, dass es keinen Gott gibt..."
Sehr geehrter Herr Prof. D., ich habe in diesem Brief nur Teilbereiche meiner Weltsicht, hier mit dem Schwerpunkt Dyasmatik darstellen können. Die Omniadetik ist zu kurz gekommen, auch der Bereich der Monasmatik sowie die Polarität Diesseits-Jenseits. Aus der genannten Polarität lassen sich konkret Eigenschaften des Jenseits herleiten, die optimal (also nicht absolut) gegensätzlich zum Diesseits sein müssen.
Ich würde mich sehr, sehr freuen, sollten Ihnen diese Zeilen etwas gegeben und Ihr Interesse geweckt haben.
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Sehr geehrter Herr Prof. D.!
Die Entdeckung der Quantelung von bislang geglaubten kontinuierlichen physikalischen Vorgängen untermauert meine These von der Omnipräsenz der reinen Unterschiede und reinen Beziehungen (kurz Dyasmata). - Im Gegensatz zu den übergeordnet-verschachtelten Hadronen und überhaupt zu allen anderen Wechselwirkungen verhalten sich die Quarks (und Gluonen) bekanntlich völlig anders:
Asymptotische Freiheit: Quarks spüren um so weniger von ihrem Partner, je näher sie beieinander sind; Quarks wechselwirken bei kurzen Abständen nicht mehr miteinander.
Confinement: Ein Quark kann sich nicht beliebig weit von seinem Partner entfernen. Eine Konsequenz des Confinement ist, dass Quarks nie als eigenständige Teilchen auftreten; sie existieren nur in Bindungszuständen - den Hadronen. Dies unterscheidet sie von allen anderen Teilchen, die wir in der Natur kennen. (Quelle der beiden Abschnitte: Internet)
Zum Differenzprinzip gehört der Gedanke, wonach der dyasmatale reine Unterschied ohne Pole oder Partner gebildet wird - es gibt keine Objekte, sondern nur den Unterschied selbst. Das oben beschriebene Verhalten zweier Quarks kann ich als Beweis meines Weltbildes ansehen, denn die Asymptotische Freiheit und das Confinement beschreiben genau die Vorstellung, als seien die Quarks keine eigenständigen Objekte und als wären sie nur eine Umschreibung des reinen Unterschieds. Das gleiche gilt für die Gluonen, die in Wirklichkeit nur reine Beziehungen sind, ohne die reine Unterschiede nicht existieren würden. (Natürlich haben Gluonen keine Klebefunktion. Solche materiellen Vorstellungen - wie auch die der Energie, der Helligkeit, der Dichte, der Temperatur - entbehren jeder Grundlage. Man kommt der Wirklichkeit umso näher, je weniger unsere Sinneseindrücke eine Rolle spielen. Das erklärt den Erfolg der Mathematik als Rüstzeug).
Doch offenbar stellen Quarks und Gluonen, so wie sie gegenwärtig beschrieben werden, noch nicht das letzte Fundament dar, auf dem diese Welt aufgebaut ist. Den drei Quarks eines Hadrons dürften nämlich nur genau drei Gluonen gegenüberstehen, wenn man die Reinheit der Dyasmität postuliert. (Ich gehe bislang davon aus, dass die Beziehung zwischen zwei Quarks beidseitig gerichtet ist).
Betrachtet man allerdings den (dreidimensionalen) Raum als gleichwertig fundamental wie die von mir beschriebene reine Dyasmität (also der Raum wird nicht erst durch die Dyasmität gebildet), dann kann ich mir vorstellen, dass zu einem Unterschied zwei Beziehungen (zwei Gluonen?) gehören mit gegensätzlicher Gerichtetheit. Nur unter der Voraussetzung, dass der Raum gleichberechtigt neben der reinen Dyasmität steht, kann ich mir Tatbestände vorstellen wie Farbladungen und die große Zahl von acht Gluonen, welche auch noch untereinander in Beziehung treten können (wechselwirken), so als schlüpften sie zuweilen in die Rolle von Unterschieden. - So finden sich genug Kombinationsmöglichkeiten für die Vielfalt der Welt.
Fundamentaler als das soeben Beschriebene scheint das Quark-Gluon-Plasma zu sein, und hochinteressant hierbei ist die Bemerkung, dass die Wechselwirkung von Quarks und Gluonen in dem Plasma nicht gegen Null geht. Dieses Plasma definiert den Beginn der Dyasmition des Universums. Letzteres soll bis auf wenige Zentimeter „komprimiert" gewesen sein, was man als einen Zustand ohne Vakuum verstehen könnte. Ich halte es für logisch, dass mit der Bildung der Atome und der (angeblichen) Expansion virtuelle Teilchen dort fluktuieren, wo wir ein Vakuum feststellen. Die virtuellen Teilchen bekräftigen die These, dass ein absolutes Vakuum nicht wirklich existiert. Wenn dem so ist: Kann man nicht die Vermutung mathematisch darstellen, wonach das Universum in Ermangelung des absoluten Vakuums räumlich gar nicht expandiert?
Verhalten sich die Photonen zu den Elektronen so, wie die Gluonen zu den Quarks? Wenn ein Photon das Antiphoton selbst ist, dann verkörpert es wie die Quarks den reinen Unterschied, ist es wie diese fundamental. Gesetzt der Fall, dem Raum kommt tatsächlich die gleiche Fundamentalität zu wie den Quarks, dann sind vereinzelte Photonen („Quanten") denkbar, auch wenn sie nichts voneinander unterscheidet. Diese Aussage steht zunächst im Widerspruch zu meinem Gedanken in der E-Mail vom 15.04.10, wonach Objekte, die sich (fast) nicht unterscheiden, irgendwie miteinander verschmelzen, was in der Elektronenwolke, den Wellen und den Feldern zum Ausdruck kommt. Damals hatte ich den Raum für abgeleitet vom Differenzprinzip gehalten. Demnach wäre das Quark-Gluon-Plasma eine Realität gewesen noch ohne die Dimension eines Raumes. (Die Quarks, Gluonen und Photonen befinden sich dort wechselseitig beinahe hinter den Ereignishorizonten - doch das Wörtchen „beinahe" zeigt auf einen vorhandenen, wenn auch embryonalen, weil chaotischen Raum). Gehe ich in die Irre, wenn ich statt dessen behaupte, dass Teilchen, die sich (fast) nicht voneinander unterscheiden (also solche ohne innere Struktur) und nur räumlich getrennt sind, (erst) durch eine Verschränkung miteinander verschmelzen? Und dies auch bleiben, selbst bei erneuerter räumlicher Trennung? Vielleicht kommt hier der holografische Charakter der Wellen zum Tragen?
Würden sich nur Photonen verschränken lassen, hätte ich das folgende Bild vor Augen: Wegen der Zeitdilatation und von seiner Eigenzeit (Selbstsein) aus betrachtet „fühlt" sich das zweite, verschränkte Photon, das vom ersten weg auf die Reise geschickt wird, nie vom ersten getrennt. Die Verschränktheit bleibt erhalten, weil es kein nach der Verschränkung gibt; die beiden Photonen „kennen" auch keinen räumlichen Abstand voneinander, weil dieser ohne Zeit durchmessen wurde.
Ein anderes Thema: Für ein Objekt, das sich immer mehr der Lichtgeschwindigkeit annähert, gibt es keine Geschwindigkeitsbeschränkung wegen der Zeitdilatation. Aus der Sicht des Selbstseins des Objektes kann unendlich schnell geflogen werden, sofern die Energie dafür reicht. - Sollten die Objekte am „Rande" des Universums sich der Lichtgeschwindigkeit nähern, dann wäre für sie (im Zustande ihres Selbstseins) das Universum unendlich. Im Endstadium der Entropie nach vielen Milliarden Jahren stirbt auch das Licht - für die Photonen wäre das schon jetzt; Geburt und Tod wären für sie gleichzeitig.
Von dem ausgehend, was ich von der Theorie der Schleifenquantengravitation verstanden habe, ist an ihr die Urgründigkeit bemerkenswert, ihre Fähigkeit, nur noch mit reinen Dyasmata zu operieren. Theorien, die noch der Anschaulichkeit bedürfen, die sich noch auf unsere Sinneseindrücke stützen, sind nicht wirklich neutral, quantitativ, mathematisch und dyasmatal. Ich glaube, es ist richtig, auch Raum und Zeit zu formalisieren, aufzulösen in mathematische Quantitativa ohne jeglichen sinnlichen Bezug. Denn unsere menschlichen Vorstellungen sind aus Gründen der Rationalität begrenzend, und diese Grenzen können wir uns nicht mehr leisten. So erweist sich hier der Spin als ein „nur" mathematisch zu verstehender Eigendrehimpuls, gut ist auch, dass es hier nichts unendlich Kleines gibt und dass das Vakuum einfach kein Raum ist. Statt der kontinuierlichen Zeit gibt es das getaktete Entstehen neuer Knoten im Spinnetzwerk. Die LQG erinnert mich an die Funktionsweise des Gehirns - auch hier entstehen Raum- und Zeit- sowie auch Energievorstellungen usw. Erst durch neue Verbindungen der Synapsen; der Vorgang der Dyasmition schafft überhaupt erst das, was wir die Welt nennen. Vielleicht beschreibt die LQG das von mir schon erwähnte sehr kleine Universum.
Wieder ein anderes Thema: Wie nehmen das Pantoffeltierchen, eine Nierenzelle, der Maulwurf, der Falke und der Mensch ihr Umfeld wahr? Wie erfassen sie z.B. den Tatbestand „Wasser"? Von ihrem Selbstsein aus dürften sie denkbar verschiedene Aufnahmen von ihrer Umwelt haben; keines der Innenwelten gleicht den anderen. Hätten ihre Innenwelten, die Monasmata also, keinerlei Gemeinsamkeiten miteinander, dann müsste man von Solipsismus sprechen - das wäre konservativster Idealismus. Die fünf hier genannten Wesen könnten gar nicht miteinander kommunizieren, hätten ihre Innenwelten keinerlei Gemeinsamkeiten. Dieses Paradoxon lässt sich nur auflösen, indem man die Gemeinsamkeiten auf die reinen Unterschiede und die reinen Beziehungen reduziert. Also: für den Falken ist die optische Entfernung nur relativ, denn seine Augen sind scharf wie ein Fernglas. Der Mensch kann nicht so weit schauen wie er usw. Trotz dieser Verschiedenheit der Innenwelten kann der Falke gezähmt werden und können sich beide Wesen bis zu einem gewissen Grade verstehen. Das wäre wohl auch mit einer Fledermaus möglich, obwohl wir in uns keine Ultraschallwelt haben. - Dieses Gedankenspiel ist eine der Quellen, weshalb ich die objektive Realität auf reine Unterschiede und reine Beziehungen (also Dyasmata) „reduziert" habe. Im Außerhalb ihres Selbst ist die reine Dyasmität das einzige gemeinsame Merkmal für diese fünf Wesen (und überhaupt für alle Omniaden). Die Monasmata werden charakterisiert durch Qualität, die Dyasmata dagegen durch Quant-ität.
Herr Maier hat Zahnschmerzen, doch beweisen kann er den Schmerz als solchen nicht. Die physiologischen Prozesse in seinem Körper, die mit den Zahnschmerzen zu verbinden sind einerseits und die Schmerzen als inneres Erlebnis, als Monasmität andererseits vollziehen sich parallel und gleichzeitig. Keines der beiden Welten ist die Ursache der anderen. Sie unterscheiden sich fundamental und rein voneinander, daher gibt es auch reine Beziehungen zwischen ihnen. Eine reine Beziehung wäre z.B. die Feststellung der Parallelität der Schmerzen und der entsprechenden körperlichen Vorgänge. - Wie gesagt, Schmerzen, das Erleben von Empfindung und Bewusstsein, Monasmität also können nicht Gegenstand der Forschung sein, da deren Existenz nicht beweisbar ist. Ich kann versuchen, mich in Herrn Maier hinein zu versetzen, was nur geht, indem ich seine Gesichtszüge mit meinen im Spiegel vergleiche, und zwar zu einer Zeit, da ich selber Schmerzen hatte. Die äußeren Merkmale des Schmerzes, die ich an mir selber sehe, lassen mich dadurch, dass ich ähnliche Merkmale bei Herrn Maier feststelle, vermuten, dieser habe offenbar Schmerzempfindungen. Es handelt sich hier um die Methode des reinen Vergleiches, also um reine Dyasmität, welche eine Beziehung zwischen meiner Monasmität und derjenigen des Herrn Maier herstellt. Was die Sache noch komplizierter macht ist, dass die von mir registrierten körperlichen Vorgänge bei Herrn Maier, sofern sie meine Sinneseindrücke sind, ebenfalls meiner Monasmität angehören, denn - das hatte ich schon ausgeführt - stoffliche Vorstellungen, Farbe, Schwere, Dichte usw. gibt es nicht. Es gibt nur deren Entsprechungen - also reine Beziehungen! - im Mikrokosmos, in den Frequenzen der elektromagnetischen Wellen, den Quanten usw. Andererseits: Die Strukturen meines Bewusstseins, sofern sie außerhalb meines direkten Empfindens fluktuieren, die zeitlichen Gedankenabläufe, die ich nicht selber steuere, das Spontane, Unter- und Unbewusste also haben - von meinem bewussten Standpunkt aus gesehen - Teil an der objektiven Realität, sind reine Dyasmata.
Man kann nur mit der Methode des reinen Vergleichs schlussfolgern, dass alle Omniaden ein Selbstsein besitzen, dass sie eine objektive Gestalt und gleichzeitig Monasmata sind, je nachdem, ob man sie als (Forschungs-)Objekt betrachtet oder als in ihrem inneren Sein von uns unabhängige Wesen. Nach meiner Kenntnis hat die Wissenschaft noch immer nicht begriffen, dass man z.B. das Empfinden des Pawlowschen Reflektes bei einem Hund nur beweisen kann, indem man versucht, sich in den Hund hineinzuversetzen. Der Hund selber ist nämlich ganz was anderes, ein mit Seele begabtes Wesen, als wenn ich den Hund als Forscher oder Herrchen von außen anschaue. Dieses Innen und Außen, das Selbstsein und Anderssein wird von der Wissenschaft nicht begriffen. Sie behauptet z.B., ein konkretes menschliches Gehirn erzeugt Bewusstsein, dabei ist dieses spezielle Bewusstsein für mich erst reell, wenn ich dieses Gehirn selber bin. Es ist wohl nur schwer nachzuvollziehen, dass z.B. ein Planet oder ein Baum (beides Omniaden) nicht nur Objekte für uns Menschen, sondern auch Subjekte für sich selber sind.
Wie ich oben schon ausgeführt habe, scheinen Teilchen „oberhalb" der Quarks und Gluonen, sofern sie der gleichen „Art" angehören, auf Grund ihres (fast) nicht mehr vorhandenen Unterschieds (der möglicherweise nur noch durch die Raumkoordinaten erzeugt wird) die Tendenz zu haben, einander zu verschmelzen. Das Ergebnis nennen wir dann Feld oder Welle oder - vielleicht - auch Elektronenwolke. Dieser Mangel an Individualität verwischt aber auch den Unterschied zwischen außen und innen, zwischen Objekt und Subjekt bei den betreffenden Teilchen. Die Eigenschaft der Monasmität und die der Dyasmität nähern sich offenbar dabei an. Das Moment des Objekten wird für den Forscher weniger sichtbar und erkennbar, während er es gleichzeitig mit Phänomen des Subjektiven zu tun hat, die schwer zu deuten sind. Für denkbar halte ich es, dass nicht nur die Art des Experiments das Teilchen - und damit das Ergebnis - beeinflusst, sondern unter bestimmten Bedingungen auch schon die Absicht des Forschers, das Experiment zu beginnen. Sind Ihnen, sehr geehrter Herr Prof. D., eventuell solche Erscheinungen der Beeinflussung aus der Psychosphäre bekannt? Jedenfalls könnte Ihr Eindruck, das, was die Welt im Innersten zusammenhält, sei rein geistiger Natur („am Anfang war das Wort"), etwas mit diesem Theorem zu tun haben.
Die Omniaden (von Teilchen, Viren bis zu den Galaxien) sind Holisten, d.h. sie sind als Ganzes mehr als die Summe ihrer Teile. Ihr „Zweck" besteht darin, neue Unterschiede und Beziehungen zu produzieren. Die Quarks formieren sich also zu Omniaden, diese werden zu übergeordneten Omniaden formiert usw. Neben Omniaden existieren noch Omniadenkonfigurationen (wie z.B. die menschliche Gesellschaft oder der Ameisenstaat) und Omniadenkonglomerationen (wie z.B. ein Stein. Möglicherweise ist auch die Metagalaxis keine Omniade, wie ich annahm, sondern nur ein Konglomerat!) Den beiden letzteren kommt offensichtlich nicht die Eigenschaft zu, Holisten zu sein. Die menschliche Gesellschaft kennzeichnen Eigenschaften, die an (z.B. morphogenetische?) Felder oder an eine Elektronenwolke erinnern. Die Individuen werden auf eine geheimnisvolle Weise von der Gesellschaft synchron beeinflusst, so dass ich meine, man könnte hier von einer Verschränkung (!) der Seelen ausgehen - erfahrbar für jedermann in der Liebe. Es gibt also (fast) keine dreidimensional-räumliche Trennung der Seelen voneinander. Diese Wirklichkeit (so wie Sie sie definieren) weist auf ein Jenseits hin, in dem die Trennung zwischen den Monasmata (z.B. Seelen) größtenteils aufgehoben ist, weil die zwischen ihnen befindliche „grobstoffliche" Materie - ein Merkmal des Diesseits - fehlt. Extrapoliert auf das ganze diesseitige Universum komme ich wieder zu dem Schluss, dieses müsse in Wirklichkeit sehr klein sein.
Sehr geehrter Herr Prof. D., auch wenn die (gemittelten, mechanisch-stofflichen, „starren") Eigenschaften des Mesokosmos sich von den fundamentalen Eigenschaften des Mikrokosmos herleiten lassen, sind erstere ja nicht irgendwie von uns Menschen ausgedacht: ihnen wohnt gleichfalls Realität inne. Wäre es anders, wären sie einfach nur Illusion, Truggebilde und falsche Wirklichkeit, dann hätten sie unmöglich ihre Wurzeln im Mikrokosmos haben können. Die Eigenschaften des Mesokosmos haben also ihre Berechtigung, sie gehören zum „Plan Gottes"! - Wenn mich nicht alles täuscht, liegt genau da „der Hund begraben", weswegen die „Potsdamer Denkschrift 2005" nicht den erhofften Erfolg zeitigte. Die Quantenphysik zeigt uns, wohin sich unser Denken entwickeln muss (die Beschäftigung mit ihr in den letzten Wochen hat auch meiner Philosophie einige Impulse verliehen!), jedoch kommen wir nicht umhin, uns innerhalb des engen Rahmens der mesokosmischen Realität bewegen zu müssen. Es gibt für diesen Gedanken auch noch einen ganz handfesten Hintergrund: Einerseits werden sich manche quantenphysikalischen Vorstellungen noch verändern und damit auch die Ableitungen daraus (ich persönlich glaube z.B., dass die Vorstellung, Teilchen könnten aus dem Nichts auftauchen und dorthin wieder verschwinden, zu kurz gegriffen ist), andererseits werden die meisten Menschen solche Vorstellungen schlicht und ergreifend gar nicht verstehen (z.B. die Frage, inwieweit virtuelle Teilchen Realität sind).
Ich würde mich sehr freuen, sollte ich Sie mit meinen Darlegungen nicht gerade gelangweilt haben, sondern eher im Gegenteil. Ich lerne auch gerne hinzu!
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Im Zusammenhang mit den vorhin genannten Begriffen „Asymptotische Freiheit" und „Confinement" steht das folgende Zitat (aus „Teilchenzoo", Kapitel 4):
„Die Gluonen, die zwischen den Quarks die Kraft austauschen, kann man sich als Gummiband vorstellen. Sind die Teilchen mit Farbladung dicht beieinander so wirkt nur eine geringe Kraft. Entfernt man zwei farbgeladene Teilchen voneinander, so wird das „Gummiband" gestrafft und die Kraft nimmt zu. Entfernen sich die Teilchen zu sehr voneinander (ungefähr ein Femtometer), so „reißt" das Band und es entsteht ein Quark-Antiquark-Paar, da in dem „Band" genügend Energie gespeichert ist, um neue Quarks zu erzeugen. Darum kommen Quarks auch niemals einzeln vor, da bei der Überschreitung des Abstandes von einem Femtometer sich immer wieder neue Quark-Paare bilden. So kann man bei Teilchenreaktionen im Detektor eine Art „Wolke" um entstandene Quarks beobachten, den Jet, der aus neu entstehenden Hadronen besteht, die aus den „Gluonenbändern" hervorgegangen sind. Dies ist auch der Grund dafür, daß die starke Wechselwirkung nur auf sehr geringen Abständen wirkt, da immer wieder neue Teilchen entstehen können, die insgesamt farbneutral sind. Die Bildung der neuen Teilchen erfolgt durch die recht große Kopplungskonstante fast sofort. Dies gibt keine Gelegenheit, einzelne Quarks zu beobachten."
Die Quarks (entweder mit unterschiedlichen Farbladungen oder aber als Quark-Antiquark-Paar) wechselwirken bei kurzen Abständen nicht mehr miteinander. Obwohl sie sich also als reiner Unterschied gegenüber stehen, der frei von anderen Eigenschaften ist, gibt es hier keine Wechselwirkung, also keine (reine) Beziehung mehr. Zwei Pole ohne Beziehung untereinander - so hatten wir gelegentlich schon festgestellt - sind nicht mehr voneinander unterscheidbar; sie verschmelzen miteinander. Dieser Zustand, ein (annähernder) Punkt beziehungsweise ein Raum ohne Ausdehnung zu sein, könnte das Universum vor dem Urknall beschreiben.
Für eine Amöbe dürfte das Reagenzglas, in welchem es sich befindet, als das unermessliche Weltall erscheinen, analog dazu die Vorstellung von uns Menschen, was denn das Weltall sei. In den Dimensionen einer Galaxie gedacht, wird das Weltall eine überschaubare Größe haben. In den Dimensionen von Quarks gedacht, entsteht ein „Raum" jenseits der menschlichen Vorstellungskraft - er entzieht sich jedweder menschlichen Phantasie.
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Objekte, die sich kaum/nicht unterscheiden (Elementarteilchen, insbesondere Quanten: Quarks, Gluonen, Photonen), schaffen sich einen „Raum", der für uns, die wir im Mesokosmos leben, praktisch KEIN Raum mehr ist. Verschränkung heißt für immer Verschränkung, weil keine „räumliche" Trennung erfolgt. Die „raumlose" Quantenwelt entspricht dem Zustand nahe dem Urknall. Welle, Feld oder die Elektronenwolke bilden den „raumlosen" Zustand von Teilchen ab, die, anders gemessen, ansonsten wie Einzelobjekte wirken. Im Meso- und Makrokosmos unterscheiden sich alle Objekte wesentlich voneinander, weil deren innere Struktur vielzahlig ist. Diese Unterschiede erzeugen den gedehnten Raum, wie wir ihn kennen.
Galaxien unterscheiden sich auf unermessliche Weise voneinander (wenn es nicht einmal zwei gleiche Fingerkuppen bei Menschen gibt), dafür sind ihre Beziehungen untereinander nur sehr schwach ausgebildet. Der Mesokosmos nimmt im Verhältnis Unterschiede-Beziehungen eine Mittelstellung ein, darum scheint Ausgewogenheit zu herrschen bzw. ein nur winzig kleines Übergewicht zugunsten der Unterschiede. Diese drohen im Mikrokosmos dagegen zu verschwinden (unterscheiden sich zwei konkrete Photonen überhaupt voneinander?), während die Beziehungen dominieren, eben weil die Einzelobjekte (Elementarteilchen) (fast) miteinander verschmelzen (und zur Welle werden z.B.) Im „Raum" der Quanten ist natürlich alles miteinander zeitlos verbunden, da es dort keine Entfernungen gibt.
Aus mikrokosmischer Sicht existiert keine unterschiedliche Größe von Objekten. Sie unterscheiden sich „nur" durch die Anzahl der ihnen innewohnenden Strukturen, genauer: durch die Zahl ihrer Elementarteilchen. Somit unterliegt auch die Größe der Quantelung.
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Ich hatte als Jugendlicher (ohne die geringste Ahnung von schlechter Unendlichkeit und den verschiedenen Unendlichkeitsvorstellungen der modernen Mathematik und Physik) formuliert, dass der Mensch bei dem Begriff der Unendlichkeit überfordert ist: Er versucht in seinem Unterfangen, sich die Unendlichkeit vorzustellen, immer wieder, eine Grenze zu ziehen - sein Geist kann sich keine Unendlichkeit vorstellen ohne eine (wenngleich heimliche) Grenze. Weil er das nicht kann, muss er kapitulieren und die Unendlichkeit als Kontinuum definieren - eine sich fortlaufend nach hinten verschiebene Grenze. Man könnte sagen, die reale Unendlichkeit sei doch kein Kontinuum - doch wir können nicht über unseren Schatten springen. Wir können nicht unser Gehirn überwinden oder überlisten - daher müssen wir bescheidenerweise definieren, die Unendlichkeit IST ein Kontinuum. Die Mathematik allerdings hilft uns, der Wahrheit näher zu kommen, ohne auf unser Vorstellungsvermögen (jedenfalls in gewissem Grade) angewiesen zu sein... Die Strukturen und Symbole der Mathematik sind eben reine Dyasmata; je weniger wir von unseren Vorstellungen, von den Ergebnissen unserer Sinnesorgane und unserer „Denkkraft" abhängig sind, desto näher gelangen wir zur objektiven Realität (=Dyasmatium). Das erklärt den Erfolg der Mathematik.
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Was haben Atome, Moleküle, Kristalle, Viren, Lebewesen, Planeten, Sonnen und deren Systeme, Galaxien und so weiter gemeinsam? Ganz einfach: Sie fallen nicht auseinander, wenn man sie anstößt! Es irrt, wer glaubt, Stabilität sei bei Materie selbstverständlich. Aber was bedeutet das? Das bedeutet, diese Omniaden haben einen (gemeinsamen) Mechanismus der Selbsterhaltung! Sie bieten ihrem Umfeld einen Widerstand! Sie reagieren auf Einwirkungen aus der Umwelt! Ihre inneren Strukturen kommen in Bewegung, um der Einwirkung von außen in dem Sinne zu begegnen, dass das alte innere Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Jede Einwirkung von außen löst Bewegungen innerhalb der Omniaden aus. Das ist eine Art vitale Flexibilität, wie man das beim Leben kennt. Über die wichtigste Eigenschaft des Lebens, nämlich die der Selbsterhaltung, verfügen auch alle anderen Omniaden! Ohne diese gewisse Stabilität würde das Universum im Chaos versinken. - Es ist wahrscheinlich nicht leicht zu verstehen, dass die Omniaden nicht nur als Objekt, nicht nur für mich und für Dich existieren, sondern auch für sich selbst! Nur durch diese Selbstversunkenheit beziehungsweise das Selbstsein / Insein einer Omniade kommt die subjektive Realität zum Tragen. Weil alle Omniaden die oben genannte gemeinsame Eigenschaft haben (ohne die es kein Universum gäbe), verfügen sie auch über das Insein - beim Menschen nennt man das Bewusstsein, Unterbewusstsein oder Seele, beim Wurm wäre das entsprechende Insein primitiver und so weiter. - Das ist meine Antwort auf die bis heute noch nicht gelöste Frage in einschlägigen Wissenschaftlerkreisen, was denn zum Beispiel der empfundene Schmerz eigentlich ist. Er ist jedenfalls nicht Materie.
Man sollte die Matrix des Gehirns untersuchen ohne die Ambition, die Überleitung ins Psychische finden zu wollen. Es gibt sie nicht. Erst wenn man das konkrete, gerade untersuchte Gehirn selber ist, dann hat man das Psychische... Das kann man dann separat erforschen. Das scheint schwer verstehbar zu sein...
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Die große Liebe scheint nicht von dieser Welt zu sein, sie hat ihr Zuhause womöglich im Feinstofflichen oder im Jenseits. Da sie uns sich in Menschen offenbart, fängt hiermit auch der ganze Jammer an: Zwei durch Materie getrennte Seelen, die wissen, dass sie eins sind. Räumliche Entfernung, Verlustängste, täglich verschiedene Verfasstheit, Unpässlichkeiten, Ärger wegen dem Nachwuchs und schlussendlich die Wahrheit, die sich plötzlich auftut, wenn wir in Rente gehen und die Unvollkommenheiten unserer Liebe nicht mehr übertünchen können. Bereits mit der Geburt einer großen, wahren und bedingungslosen Liebe verspüren wir Schmerzen, einfach schon in den Momenten der alltäglichen Verrichtungen, wo das Gefühl der Liebe ein wenig schläft. Diese Ermattungen, eigentlich eine notwendige Erholung, können desillusionieren wie ein Drogenentzug und die Welt in einen grauen Schleier einhüllen. Kleine Unstimmigkeiten, die Zweifel wecken, die Angst vor dem einen Satz des Geliebten, der dich in deiner inneren Existenz vernichten kann, weil keine anderen Worte kostbarer sind als diese. Doch auch schon der Blick zu einem anderen Menschen lässt dich an dir selbst zweifeln, die Eifersucht nagt an deinem Selbstwertgefühl und verdirbt auch noch deinen Charakter. Die Liebe und der Schmerz, das sind zwei Geschwister - dessen sollte gewärtig sein, wer die große Liebe sucht... Wohl erst im Jenseits, in welchem die Seelen nicht mehr von Materie und nicht mehr durch Raum voneinander getrennt sind, kann man die himmlische Liebe erfahren... Der jeweils andere muss einen aber auch so annehmen, wie man wirklich ist. Die Liebe ist in uns selbst und vor allem dann, wenn man weiß, was Seele, beseelt sein ist. Ich glaube, dass zwischen zwei Liebenden sich Dinge abspielen, die man nicht so ohne weiteres erklären kann, wie zuweilen Gedankenübertragung. Die große Liebe scheint also nicht nur im Innen stattzufinden; für Merkwürdigkeiten, von denen Liebende berichten, muss wohl die feinstoffliche Sphäre herhalten...
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...Ich finde Deinen Gedanken bemerkenswert, dass Männer und Frauen ihre männliche und weibliche Seite frei entfalten lassen sollten. Die beiden Partner werden auf diese Weise zu reichen Persönlichkeiten mit einem großen Potential an Unterschieden und gleichzeitig Beziehungen zueinander. Der Austausch zwischen beiden wird von stetigen Entdeckungen geprägt sein. Die Gefahr der Monotonie wird gebannt und der Liebe kann, wie Du auch sagst, Dauer beschieden sein. - Zwei Dinge, die sich nicht unterscheiden, sind ein und dasselbe Ding. Selbst zwei Kopien unterscheiden sich normalerweise schon dadurch, das sie eine andere Lage im Raum einnehmen und dadurch mit der Außenwelt etwas andere Beziehungen eingehen, die sie prägen. Das trifft auch auf tote Gegenstände zu. Zwei absolut gleiche Dinge müssen also den gleichen Raum einnehmen - sie verschmelzen daher zu einem Ding. Sie gehen keine Beziehungen untereinander ein. Seelenverwandtschaft impliziert Harmonie, blindes Vertrauen und Verstehen, wie Du schon sagst. Die beiden Partner werden nie ein einzelner Mensch werden - deshalb gibt es Beziehungen zwischen beiden. Ob aber die Seelen der beiden Liebenden miteinander verschmelzen können, ob sie eins werden können? Ich glaube ja: Die Seele und die Liebe haben Teil in einer anderen Welt, in der die materielle Trennung zwischen den Geistern und Seelen so nicht existiert. Die trennenden Wände sind weg, darum herrscht in jener Welt eine weitgehende Verschmelzung, die daher alles mit Liebe ausfüllt. Zwei Menschen können in die Situation hineingeraten, dass sie zeitweise an jener anderen Welt teilhaben: ihre Seelen überlagern einander. Dieses Ereignis ist offenbar von solcher Kraft, dass sich die Materie zwischen den Seelen der Wahrnehmung entzieht; dies ist eine der seltenen Situationen, wo man von überirdischer Liebe spricht.
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Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird sich immer wieder stellen. Vor allem dann, wenn Verzweiflung hochkommt. Man lernt aber im Laufe des Lebens, Situationen, die Verzweiflung bringen, auszuweichen. Auch ich habe mir den Gedanken verinnerlicht, etwas Positives, vielleicht sogar Bleibendes zu hinterlassen am Ende meiner Zeit. Und zwar nicht aus religiösen Motiven heraus, nicht weil ich die Belohnung des Himmels wünsche. Ich bin wohl von zu Hause aus so erzogen worden, an das Gute zu glauben und Gutes zu tun. Was mit mir geschieht nach meiner letzten irdischen Stunde, möchte ich dem Schicksal oder Gott oder wem auch immer überlassen. Ich wünsche mir für mich nicht das Paradies, denn das könnte als Eigennutz angesehen werden, sondern ich vertraue einfach auf den Gang der Dinge. Allerdings gibt es ein ganz tiefes Gefühl in mir, das mir sagt, man habe auf dieser Welt VERANWORTUNG. Dinge zu tun, die ich nicht verantworten kann, das wäre die Hölle und würde die Seele kaputt machen. Das (fast religiöse) Verantwortungsgefühl ist womöglich die Grundlage für meinen glühenden Durst nach Gerechtigkeit... - Was ist der Sinn des Lebens? Nur das, was nicht der Vergänglichkeit anheimfällt, was bleibt. Und diese einzige Konstante ist die geistige Entwicklung, der Erkenntnisgewinn, das innere Wachsen. Nach meinem Gefühl werden wir eines Tages danach beurteilt werden, ob wir geistig faul und träge waren und ob wir unverantwortliches Handeln zustande brachten - oder eben nicht. Diese beiden Komponenten: geistige Entwicklung und verantwortliches Handeln, auch starke Gefühle befinden sich ganz tief in meiner Seele, sie sind wie Archetypen, die man nicht mehr hinterfragen kann. So gesehen scheint es etwas Unsagbares und unsere Persönlichkeit Übersteigendes zu geben, dem wir ausgeliefert und dem wir rechenschaftspflichtig sind...
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Die weltweiten Autonomiebestrebungen bestätigen einmal mehr die langfristige Tendenz der teilweisen Auflösung der Nationen zugunsten der Regionen mit der Folge, dass supranationale Organisationen immer bedeutsamer werden. Weil also „unten" und „oben" weiter auseinander driften würden, muss sich zu der Unterschiedsvermehrung eine vertikale, aber auch horizontale Beziehungsvermehrung gesellen.
Vom Sudan hat sich der Südsudan abgespalten, Eritrea von Äthiopien. Durch Belgien geht ein Riss zwischen den Flamen und Wallonen; in Schottland, Norditalien („Padanien") und Spanien (hier Katalonien) gibt es Autonomiebestrebungen, und selbst in den USA wollen 15 Unionsstaaten die Unabhängigkeit. Jugoslawien ist auseinander gebrochen, auch die Tschechoslowakei gibt es nicht mehr; die Sowjetunion ist ebenso zerfallen und sogar manche Bayern wollen Deutschland verlassen.
Welche Aspekte können als Ursache für diese Regionalisierungstendenzen angeführt werden?
Mit dem Zerfall des Ostblocks war ganz sicher das Bedürfnis nach Befreiung von Bevormundung ausschlaggebend, die Regionen und Nationalitäten wollten ihr Selbstbestimmungsrecht zurück. Die Geberländer des ehemaligen Jugoslawiens (Slowenien, Serbien und Kroatien), der Tschechoslowakei (hier Tschechien), die Geberregionen von Italien, Belgien und sogar Deutschland wollen nicht mehr für ihre angeblich „faulen" Nachbarn zahlen. Der Südsudan und Aserbaidshan können endlich über ihr Erdöl allein verfügen und müssen ihr Reichtum nicht mehr mit anderen teilen. Die Norweger wollten und wollen wegen ihrem Öl nicht der Europäischen Union beitreten. Befreit von Moskau können von ihren reichhaltigen Bodenschätzen profitieren nun auch Kasachstan und die Mongolei.
Es scheint, als würden die Nationalstaaten vor unser aller Augen langfristig durch unabhängige Regionen abgelöst werden. Dieser globale Akt der Befreiung ist aber egoistischen Einzelinteressen geschuldet und geht oft auf Kosten der jeweiligen Nachbarn.
Supranationale Organisationen wie zum Beispiel die EU oder die Afrikanische Union müssen daher der Partikularisierung der Welt entgegen wirken. Die ungeheure Vielfalt der „befreiten" Einzelinteressen bedarf zwingend eines Schirmes für die zentrale Planung, Lenkung und Leitung, der mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet wird, auch mit Zugriffsrechten in die Regionen hinein, weil ansonsten wieder Kriege und Völkerwanderungen die Erde heimsuchen würden.
Rein äußerlich zeichnet die „Ausdünnung" des Mittelstandes in den etablierten Industriestaaten ein ähnliches Bild.
Parallel zur Regionalisierungstendenz erkennt man ein verstärktes Streben nach Selbstorganisation und Selbstverwaltung in den Nationen und Regionen. Auch hier muss der jeweilige Staat vermehrt Aufgaben der Planung, Steuerung und Regelung übernehmen, damit es nicht zum Chaos infolge der Partikularisierung kommt.
Eine weitere Parallele betrifft die Behandlung der Kunden durch die staatlichen Behörden und auch durch gemeinnützige Einrichtungen sowie durch die Werbewirtschaft. Die Einzelschicksale der Kunden sind offenbar so diffizil und verschiedenartig, dass man kaum mehr Kundenprofile zusammenfassen kann, man erkennt einfach keine Muster mehr. So gibt es den Senioren, die Familie oder den Single nicht mehr.
Auf Grund dieser Individualisierung stehen wir vor der Notwendigkeit, Menschen, die Sozialleistungen beantragen oder die Steuern zu entrichten haben, als Einzelpersonen zu betrachten, über welche die Behörden jeweils gesondert entscheiden müssen. Die individuelle Behandlung der Einzelschicksale ist auch im Namen der Gerechtigkeit geboten, wenngleich der Staat und die Behörden entsprechend gefordert werden. Auch in der Medizin bahnt sich eine Entwicklung in Richtung einer maßgeschneiderten Therapie an, bei der zum Beispiel die Medikamentenvergabe nicht mehr nur zwischen Männern, Frauen und Kindern unterscheidet, sondern auch schon die medizinisch indizierten Gegebenheiten jedes einzelnen Patienten mit berücksichtigt. - Diese Personalisierung wird auch auf dem Gebiet der Erziehung angestrebt.
Epilogon
Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern, so Marx. Ich möchte ergänzen: Die Welt zu verändern ist gut, es kommt aber darauf an, wem es nützt. - Wie wir wissen, haben die Hitlers, Stalins und Maos die Welt gründlich verändert. Nicht immer ist also die Veränderung der Welt ein Fortschritt. Seine Quelle aber hat zwei Seiten, die progressive und die konservative; beide Seiten bedingen einander, ihr Widerspruch zueinander muss erhalten bleiben. Davon läßt sich der Gedanke ableiten, dass die permanente Evolution radikaler sein kann, als die Revolution.
„Intoleranz den Intoleranten, Toleranz den Toleranten!" - Ich glaube, diese Maxime hat Gültigkeit in jedem Winkel unseres Erdballs. Ich weiß nicht genau, ob Christen oder Muslime anders darüber denken, ich finde jedenfalls, man solle Gewaltlose belohnen und Gewalttätige zur Verantwortung ziehen. Dabei ist es vollkommen gleichgültig, von wem die Intoleranz oder Gewalt ausgeht, es darf keine Tabus, keine Täuschungsmanöver und „Sand in die Augen streuen" geben: Nicht ein Einziger, weder ein Einheimischer, noch ein Zugewanderter und schon gar nicht eine ganze Nation oder Staat darf sich in dem Glauben wiegen, diese Maxime habe für ihn keine Gültigkeit.
Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder der GLÄSERNE MENSCH oder die Atomwaffe in der Hand anonymer Terroristen. Ein dritter Weg ist Illusion.
Als eine Säule für das Verständnis des Omnialismus möchte ich folgendes, vorhin schon einmal angeführtes Beispiel schildern: Wenn man durch ein hinreichend starkes Mikroskop schaut, sieht man bei einem Stück Metall auf dem Objektträger irgendwelche Strukturen, das könnten Kristalle sein. Richtet man das Mikroskop jetzt auf eine glatte, undifferenzierte Stelle innerhalb des Bildes und verstärkt die Vergrößerung, dann stellt man auch auf der vorher scheinbar gleichmäßigen Stelle Strukturen fest. Setzt man dieses Verfahren fort, um also alle Stellen, die gleichmäßig erscheinen, mikroskopisch aufzulösen, dann kommt man bis zu den Molekülen, bei weiterer Vergrößerung bis zu den Atomen und schließlich (zumindest theoretisch) bis zu den Elementarteilchen. Das Resümee ist, wir haben beim untersuchten Stück Metall nur Strukturen festgestellt. Genau genommen, sind Strukturen nur Unterschiede, die irgendwie Beziehungen eingehen. Wir fanden also beim Metall nur Unterschiede und Beziehungen. Dieses Ergebnis unserer Untersuchung würden wir bei jedem anderen Stück Materie erzielen, weil ja alle Materie aus Elementarteilchen bestehen, also genauer aus Unterschieden und Beziehungen. Bei einer Struktur wird ersichtlich, dass Unterschiede nur registriert werden können, wenn die Pole, die den Unterschied ausmachen, in Beziehung zueinander stehen. Umgekehrt kann es Beziehungen nur geben, insofern sich irgendwelche Details voneinander unterscheiden. Unterschiede und Beziehungen gehören also untrennbar zusammen. Diese Menge aus Unterschieden und Beziehungen möchte ich - wie schon angeführt - Dyasmata nennen, eine einzelne Paarkonstellation davon heißt demnach Dyasmatum. Anstatt stofflicher, fester, flüssiger oder gasförmiger und flächenhafter oder volumnöser Materie, wie uns unsere Sinne vorgauckeln, existiert also in Wahrheit „nur" ein Dyasmatium (von Dyasmata abgeleitet). Die Außenwelt ist unendlich reichhaltig, man findet in ihr keine Leere, kein wirkliches Vakuum, doch unsere Sinnesorgane registrieren nur soviel von ihrer endlosen Vielfalt, wie es für das Überleben unserer Spezies Mensch ausreicht. - Eine maschinenlesbare Programmiersprache, eine Software also, ist auch „nur" ein Stück Dyasmatium. Entsprechend kodiert, wird sie für uns verständlich, zum Beispiel im Internet sichtbar.
Ich halte es für gesetzt, dass Materie sich in Bewegung befindet, mag sich das in Sekundenbruchteilen oder auch erst in Jahrmillionen ereignen. Folglich befindet sich auch das Dyasmatium in Bewegung, die Unterschiede und Beziehungen in ihr wandeln sich ständig, es gibt keinen Stillstand. Daher kann man schlußfolgern, dass auch die Menge an Dyasmata nie stets gleich sein wird, denn das wäre eine Form von Stagnation. Diese Menge kann sich aber auch nicht verringern, denn das wäre eine Richtung hin zu weniger Bewegung. Demzufolge können sich Dyasmata eigentlich nur vermehren, allerdings nie gleichmäßig, weil das auch eine Form von Stagnation wäre. Dyasmata vermehren sich daher ungleichmäßig, mal mehr, mal weniger. Diesen evolutionären Prozess möchte ich Dyasmition nennen. - Widersprüche können direkt als Ableitung eingegrenzter Unterschiede und Beziehungen verstanden werden. Folglich gewinnt die Betrachtung von Widersprüchen in der menschlichen Gesellschaft eine besondere Bedeutung. Widersprüche sind zu suchen, deren Widerparts (Unterschiede also) sind zu erhalten, aber die Beziehungen zwischen den Widerparts sind zu vertiefen. Weil die Dyasmata sich eigentlich immer nur - wenn auch ungleichmäßig - vermehren können, müssen gesellschaftliche Widersprüche entsprechend behandelt werden. Es sind zielgerichtet Widersprüche (also spezielle Unterschiede) zu suchen und deren Widerparts sind zur Kommunikation anzuhalten - ihre Beziehungen müssen intensiviert werden. Eine Klassengesellschaft wie der Kapitalismus tendiert bei Widersprüchen dazu, einen der Partner zu unterdrücken oder zu liquidieren. So werden Arbeitnehmer in Konstellation zum Arbeitgeber oder Länder der sogenannten dritten Welt in Konstellation zu den Industriestaaten nicht als gleichberechtigt angesehen. Der Omnialismus als die neue Gesellschaft hat das Gegenteil zum Ziel: Erhaltung der Widersprüche und deren Vermehrung, was folglich die Gleichberechtigung der Widerparts voraussetzt. Wegen dieser Gleichberechtigung muss sich auch die Form der Demokratie wandeln; sie muss sich in Richtung direkte Demokratie entwickeln, weil die bisher bestehende repräsentative Demokratie sich nicht auf eine Gleichberechtigung der Widerparts (z.B. Regierung und Wahlvolk) stützt. Am Ende werden direkte Demokratie und repräsentative Demokratie wie zwei Pole eines gesellschaftlichen Widerspruchs erscheinen, die sich zueinander völlig gleichberechtigt verhalten und auf`s Engste miteinander verflochten sind. - Der Omnialismus als gesellschaftspolitische Wissenschaft weist uns den Weg aus der globalen Krise und er beschreibt präzise die Grundlagen für eine Zivilisation der Zukunft.
Die Ubilibetik (beziehungsweise Ubilibetic in den Fremdsprachen) ist eine umfassende Philosophie. Da man mit streng logischen und wissenschaftlichen Gedanken kaum über einen eng begrenzten Kreis von Spezialisten hinaus kommt, wurde die Konzeption des Omnialismus entwickelt. Parallel dazu soll es eine neue Religion geben mit dem Namen Cosmevan (aus dem Lateinischen für kosmisches Evangelium - jeweils die ersten vier Buchstaben. Der englischsprachige Raum wird lateinisch akzeptieren, obwohl Evangelium bei ihnen Gospel heißt). Der Cosmevan versöhnt religiöses Gefühl und religiöses Vokabular mit der Wissenschaft. Der Cosmevan sollte auch die Weltreligionen miteinander versöhnen und sich als ihr Mittelpunkt begreifen. Ubilibetik und Cosmevan ergänzen einander, haben beide doch den gleichen Seriositätsanspruch, den gleichen Geist und die gleiche Mission.
Traktat zur Speziellen Relativitätstheorie
Die folgenden Darlegungen sind als Anregung gedacht für Lehrkräfte auf dem Gebiet der Physik, die sich mit der Absicht tragen, ihre Schüler ansatzweise in die Geheimnisse der von Einstein entdeckten Erscheinungen im Zusammenhang mit lichtnahen Geschwindigkeiten einzuweihen. Die Schüler sollen in erster Linie die Zusammenhänge der einzelnen Phänomene verstehen lernen, ohne dass hierbei wissenschaftliche Korrektheit beansprucht wird.
Es gilt zunächst festzuhalten: Je schwerer (das heißt dichter) beziehungsweise je größer ein Körper ist, desto ausgeprägter auch die Gravitation beziehungsweise die Trägheit. Je dichter ein Körper ist, desto mehr Strukturelemente (das heißt Omniaden) bei gleichem Rauminhalt besitzt er, desto mehr Gravitonen sind folglich vorhanden. Je mehr Strukturelemente - gleich, ob der Körper dichter oder größer ist -, desto mehr von diesen müssen bei einer „Übertragung von kinetischer Energie" bewegt werden (wir abstrahieren hier einmal von dem Prinzip der Selbstbewegung der Materie), wodurch viel Zeit verloren geht und sich mehr Bewegungsenergie in Wärme umwandelt. Mit einem Wort: Ein dichter oder großer Körper braucht auf Grund der Anzahl der Strukturelemente mehr Zeit, ehe er eine Ortsbewegung durchmachen kann, und wenn er keine durchmacht, so hat er die Bewegungsenergie „verschluckt", das heißt in Wärme umgewandelt. Solche Körper, die mehr Zeit benötigen, bezeichnet man als besonders träge, schwer oder massereich, was aber in diesem Zusammenhang offensichtlich überflüssige Begriffe, ideelle Eigenschaften sind.
Nun stellen wir uns das Triebwerk eines Raumschiffes vor, aus welchem Teilchenströme herausgeschleudert werden, dabei einen Impuls in Flugrichtung abgebend. Angenommen, das Raumschiff bewege sich bereits mit einer Geschwindigkeit nahe des Lichtes. Dann wird verständlich, dass jede Fortbewegung in Flugrichtung, sobald sie, mit der Raumschiffgeschwindigkeit addiert, das Licht einzuholen droht, in dem Maße sich verlangsamen muss, wie sich das Tempo des Raumschiffes noch erhöhen kann. Eine solche Fortbewegung in Flugrichtung wäre die Ausbreitung der Rückstoßenergie, die durch das Triebwerk erzeugt wird. Alle Strukturelemente des Raumschiffrumpfes erfassend, geschieht die Ausbreitung gewöhnlich blitzartig, so dass der Bug nie in Rückstand zum Heck gerät.
Was aber, wenn die zwangsläufig ungeheure Rückstoßenergie sich nur noch im Schneckentempo fortpflanzt, das Heck auf den Bug zuschiebt und die Elastizitätsgrenze des Raumschiffmaterials den kritischen Punkt überschreitet? Dann findet jener Prozess statt, den man mit „Längenkontraktion" bezeichnet und der die Stauchung oder Schrumpfung - sich freilich außerordentlich gleichmäßig und „sauber" vollziehend - des Flugobjektes beinhaltet. Infolge der Verkürzung des Raumschiffrumpfes hat die Rückstoßenergie einen kleineren Weg zurückzulegen und daher mehr Zeit, den Bug zu erreichen - auf diese Weise wirkt die Raumschiffmaterie der Herausforderung entgegen; eine Anpassung an veränderte Bedingungen, wie man sie des öfteren in der Natur vorfindet. Die Raumschiffmaterie muss sich zusammenziehen, aber dadurch verschafft sie sich nur die Chance, für's erste einer weiteren Kontraktion zu entgehen.
Die Schwierigkeit, das Tempo des Raumschiffes überhaupt noch zu steigern und das immer mit dem Preis der Kontraktion, ruft den Eindruck hervor, das Raumschiff habe einen Massezuwachs erfahren - dies ist das Hinzutreten der sogenannten Impulsmasse.
Nun gibt es neben der Ausbreitung der Rückstoßenergie auch noch die schnellen Bewegungen in der Mikrowelt; man denke nur an den bizarren Platzwechsel der Atome im Kristallgitter oder an die merkwürdigen, weil schwer fassbaren Wolkenelektronenumkreisungen um den Kern. All diese Bewegungen - und man vermag nicht zu sagen, was überhaupt im Inneren der Dinge ruht - entsprechen irgendwann einmal Bahnen, die der Flugrichtung unseres Raumschiffes nahe kommen, woselbst sie regelmäßig gezwungen werden, die Geschwindigkeit zu vermindern. Auch die Resultante der Bewegungen ist mit dem Merkmal behaftet, langsamer, also zeitlich gedehnt zu sein. Zerfallserscheinungen und Umwandlungen in der Mikrowelt treten in
immer kleinerer Zahl auf, die Strukturelemente verlernen das Altern - sie sind auf Eis gelegt.
Und wenn Astronauten unser Raumschiff bewohnen? Selbstverständlich trifft sie dann ebenfalls die Dehnung der Zeit. Nach Hause zurückgekehrt, wird man sie die Nachfahren ihrer Enkel heißen, denn wie kann der Jüngere früher geboren sein als der Ältere? - Das nennt man die Zeitdilatation.
Soweit unsere Ausführungen über die Entstehung einiger Phänomene der lichtnahen Geschwindigkeit - der Längenkontraktion, dem scheinbaren Massezuwachs und der Zeitdilatation, - freilich in vereinfachter, anschaulicher Form.
Wie erlebt nun ein Astronaut am eigenen Leibe die immer geringfügigere Annäherung an die materielle Endgeschwindigkeit?
Gesetzt der Fall, der Treibstoffvorrat und dessen Energie seien endlos. Der „Zuwachs der Raumschiffmasse" verringert das Tempo der Geschwindigkeitszunahme; gleichwohl bedeutet jedes weitere Herantasten an die magische Lichtgrenze das verstärkte Hervorkehren jener vorhin genannten Phänomene. Ein qualvoll sich hinziehender Kampf um das kaum registrierbare Schnellerwerden - dafür aber eine explosionsartige Dehnung der Zeit. Dem Astronauten, nunmehr mit unheimlicher „Geduld" gewappnet, erscheint das Schnellerwerden keineswegs als ein Vorgang, der sich verlangsamt hat, denn solange dieser überhaupt nur eintritt, vervielfacht sich die Fähigkeit, all das in Ruhe beobachten zu können. Verweilend in dem spiegelglatten Fluss der Zeit, wird das Raumschiff zu einem Projektil, das sich in immer rasenderem Tempo seinem Ziele entgegen wirft; ehe man sich versieht, hat es schon eine Hürde von Quintillionen Parsec genommen.
In dieser Situation jedoch muss der Astronaut bemerken, wie nicht weniger rasch der Treibstoffvorrat zur Neige geht, so dass zwar
eine Überwindung der Zeitbarriere der Lichtgeschwindigkeit, nicht aber ein beliebig schneller Flug möglich ist.
Ja, und wie bewältigt der Astronaut selbst seine „gewachsene Körpermasse" Lernt er etwa die Symptome der Überernährung kennen?
Mitnichten, und zwar aus einem einfachen Grunde: Wenn nämlich sehr viel mehr Zeit zur Verfügung steht, um vielleicht einen Schritt zu tun, so kommt auch die „erhöhte Trägheit" des eigenen Körpers nicht wirklich zur Geltung, welche ja die „Masse" wesentlich kennzeichnet. Dem irdischen Beobachter der Szene würde sich das faszinierende Schauspiel eines Wachschlafes bieten, wogegen der Astronaut, sich mit althergewohnter Kraft fortbewegend, nicht weniger erstaunt wäre über die plötzliche Vitalität der auf der Erde Daheimgebliebenen, über die sinnlos rasche Aufeinanderfolge von Geburt und Tod.
Wird unser Raumschiff endlich abgebremst, so entfernen sich die Teilchenströme, die in Flugrichtung enteilen sollen, zunächst kaum vom Triebwerk. Die „Trägheit" der Teilchenströme und des Raumschiffes führten vorher zur „Schrumpfung", jetzt aber, nach der Drehung um die Achse, zerren die ausgeschleuderten „Trägheitskräfte" der Teilchen das Raumschiff in die Länge, während sie auf das Triebwerk so gut wie keinen Druck ausüben. Die Zugkräfte überwiegen also die Druckkräfte. Mit der Streckung gehen einher ein entsprechender „Masseschwund" und eine Zeitverschnellerung. Das notwendig geringe Tempo der Teilchen nach vorn ruft den täuschenden Eindruck einer gewaltigen Trägheit des Raumschiffes hervor.
Mit diesen merkwürdigen Erscheinungen muss rechnen, wer das Wagnis auf sich nimmt, in die interstellaren Abgründe zu tauchen...
Quellenangabe
- „Antimaterie in der Falle". - Berliner Morgenpost. - Berlin: 19.11.2010
- Arnold, Alfred: Wilhelm Wundt; Sein philosophisches System. - Akademie-Verlag. - Berlin: 1980. - 293 S.
- Bohm, David: Im „Experiment des Jahrhunderts" sprengen Teilchen unser Denken, in: PM-Magazin. - 7/1988
- Charon, Dean: Im „Experiment des Jahrhunderts" sprengen Teilchen unser Denken, in: PM-Magazin. - 7/1988
- Engels, Friedrich: Konspekt über „Das Kapital". - Verlag IHW Dietz Nachf. GmbH. - Berlin: 1947. - 54 S.
-
I Hörz, Herbert: Werner Heisenberg und die Philosophie. - VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften. - Berlin: 1968. - 308 S.
- II Hörz, Herbert: Materiestruktur. - VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften. - Berlin: 1971. - 394 S.
- Philosophen-Lexikon. - Dietz-Verlag. - Berlin: 1983. - 975 S.
- „Teilchenzoo", Kapitel 4, Internet
- v. Weizsäcker, C.F.: Die Einheit der Physik, in: Werner Heisenberg und die Physik unserer Zeit. - Braunschweig: 1961
Theorie und Praxis
Die Geld- und Machteliten werden immer im Vorteil sein, wenn es der neuen Bewegung nicht gelingt, eine theoretische, philosophisch-politische Basis zu schaffen. Wir alle spüren, dass sich ein neues Weltbild auftut. Es kann aber nicht nur darum gehen, immer nur Wünsche einzufordern. Wir müssen auch die Konsequenzen der globalen Vernetzung, des Internets, der Informationsexplosion, der (leider gesetzmäßigen) Erosion des Datenschutzes in die Theorie mit einbeziehen. Nur eine zeitgemäße, streng wissenschaftliche Philosophie der Revolution kann den Argumenten der Machthaber Paroli bieten!!! - Die Auffassungen der jungen Spanier finden meine volle Zustimmung, vor allem diese Distanz von allen überkommenden Ideologien!
Schon Karl Marx hat sich über den Utopischen Sozialismus lustig gemacht. Wollen wir die alten Fehler wiederholen?
Die germanrevolution, so wie sie „organisiert" ist, kann nicht erfolgreich sein, weil all diese Gruppen und Grüppchen, insbesondere ihre Führer an die Macht kommen wollen. Reine Basisdemokratie führt zu Anarchie, das lehrt die Geschichte (Spanien, Italien, Polen). In der Anarchie herrschen Spekulanten, kriminelle Manager, Banden, Sekten, Ideologen... - Ich bin nun 60 Jahre alt und ich hatte mein halbes Leben in der DDR verbracht. Im Kommunismus sollte ja der Staat absterben. Doch der Ostblock hatte sich bald von dieser Idee verabschiedet.
Die moderne Wissenschaft widmet sich dem Widerspruch, weil er Fehler aufdeckt, neue Wege aufzeigt und überhaupt erst Bewegung ermöglicht.
In Diktaturen und bei orthodoxen Ideologien wird der Widerspruch unterdrückt. Folglich wäre es falsch, den (dialektischen) Widerspruch Staat-Basisgruppen abschaffen zu wollen. Wir befinden uns augenscheinlich in einer Periode, wo dieser Widerspruch sich vertiefen muss: einerseits Ausweitung der Basisdemokratie (Stuttgart21 z.B.), andererseits Stärkung der Rolle des Staates. Wer wenn nicht ein starker Staat, eine starke Staatenorganisation (UNO?) kann den global agierenden Spekulanten und Bankern Paroli bieten??? (Die Macht des Großkapitals wird in den Diskussionen hier vollkommen unterschätzt). Die Ordnungsfunktion des Staates ist unersetzbar, allerdings brauchen wir eine Verfeinerung des Wahlmodus, damit der Bürger mehr Einfluss darauf hat, wer die Regierung stellt und was sie beschließt. Die Möglichkeit, nach den Wahlen grundlos etwas anderes zu machen, als vorher versprochen wurde, gehört ausgemerzt.
Der Pluralismus hat immanent den Widerspruch.
Die prekären Arbeitsverhältnisse (Zeitarbeit usw.) einerseits, die Festanstellung andererseits ermöglicht das Prinzip „teile und herrsche". Die unteren Einkommen und die höchsten Einkommen (Spitzensportler, Börsenhändler usw.) stehen heutzutage in keinem Verhältnis mehr zueinander. Das sind Widersprüche, bei denen beide Pole ihre Beziehung zueinander verloren haben: damit sind es auch keine Widersprüche mehr. Also muss man die Beziehung der Einkommensgruppen zueinander wieder herstellen. Gleiche Einkommen jedoch darf es nicht geben, damit der Widerspruch erhalten bleibt.
Globalisierung findet auch im eigenen Lande statt. Daher ist die Ausgrenzung von Behinderten, Arbeitslosen u.a. nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch objektiv überholt. Die Kenntnis solcher objektiv-realen Phänomene und ihre Nutzung würde unserer Bewegung einen Vorsprung gegenüber den Mächtigen verschaffen.
Der Omnialismus (omnes=alle) wäre die vernetzte Gesellschaft, in der keiner mehr ausgegrenzt wird, auch nicht die Reichen und auch nicht die Rechtsradikalen. Voraussetzung ist das Gebot der Gewaltfreiheit (auch keine Gewalt gegen Sachen). Gewalt will einen bestimmten Widerspruch beseitigen, daher kann man nur noch zivilisierte Umgangsformen akzeptieren. Ideologie bedeutet tendenziell die Bekämpfung anderer Ideologien, also die Bekämpfung eines Widerspruchs. Zur gewaltfreien Gesellschaft passen (orthodoxe) Ideologien also nicht.
...Deine Auffassungen sind logisch und mir sehr sympathisch. Ich denke, Du meinst eher Wirtschafts- und Sozialeinheiten wie die Kibbuzim in Israel. Der von Dir erwähnte Artikel definiert Anarchie im Grunde so ähnlich. Ich bin sofort dafür, diese kollektiven Formen des Wirtschaftens in einer neuen Gesellschaft (z.B. steuerlich) zu fördern.
Bedingt durch meine Erfahrungen in der DDR sind für mich Begriffe wie Kollektiv und Sozialismus aber Reizwörter. Das Ostblock-System scheiterte ...... an der Eigentumsfrage.
Denn in der DDR z.B. war das Politbüro der eigentliche Eigentümer an den Produktionsmitteln, mit der Folge, dass niemand mehr (als auch noch die letzten mittelständischen Betriebe verstaatlicht wurden) sich verantwortlich fühlte. Konzerne staatlich zu führen funktioniert schon eher, aber nicht die kleineren Wirtschaftseinheiten. Das hat mit der notwendigen Übereinstimmung von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen zu tun (nach Marx). Weil also die PK und die PV zusammen passen müssen, konnte Thomas Münzer (richtig geschrieben?) sein Bauernheer nicht zum Sieg führen, konnten die russischen Anarchisten ihren Traum nicht verwirklichen. (Ich meine hier nicht Deine Intentionen!) Anders gesagt: Ohne Elektrifizierung (klingt ja nach Lenin!) und Automation sowie EDV sind die Voraussetzungen für sozialistische (oder auch kommunistische) Verhältnisse nicht gegeben. (Die ursprüngliche Akkumulation des Kapitals z.B. war blanke Ausbeutung, aber notwendig für die Industrialisierung! Das ist dialektisches Denken, die Liebe zum Widerspruch!)
Was Dich vielleicht überraschen wird: Ich war zu DDR-Zeiten jahrzehntelang Titojaner (insbesondere seit dem Prager Frühling)! Warum? - Wegen dem Modell des Gruppeneigentums und der Arbeiterselbstverwaltung. Trotz des entscheidenden Nachteils dieser Eigentumsform, dass Entscheidungsprozesse sich oft sehr, sehr lange hingezogen hatten, war der Lebensstandard z.B. Sloweniens durchaus mit dem Österreichs vergleichbar. Meine Frage: Warum haben die Völker Jugoslawiens im Großen und Ganzen dieses Modell wieder aufgegeben? Das war nicht allein der eventuelle Druck von seiten der EU, Privateigentum als Beitrittskriterium zu formulieren. Ich halte die Antwort auf diese Frage für grundlegend wichtig, denn historische Erfahrungen müssen mit einfließen bei der Diskussion, kollektive Formen des Wirtschaftens ins Leben rufen zu wollen.
Und nun weiter: Nachdem Peking sich damals von der Katastrophe der Kulturrevolution distanzierte (PK und PV haben in diesen chinesischen Dorfgemeinschaften eben nicht übereingestimmt!), wählte man als Systemalternative nicht Titos Belgrad, sondern das kapitalistische, aufstrebende Hongkong!!! Warum wohl entschieden sich die chinesischen Kommunisten nicht für das Gruppen-, sondern für das Privateigentum??? Wieso funktioniert eine Gesellschaft, in der die Staatsmacht die Milliardäre im Griff hat (und nicht umgekehrt, wie bei uns), in der makroökonomisch gesteuert wird, versucht wird, Manchesterkapitalismus mit sozialen Standards zu verbinden (und die Partei über alles wacht, wenngleich einzelne Parteimitglieder bestechlich sind...) - wieso funktioniert das so gut? Wieso hat China die erfolgreichste Volkswirtschaft der Welt? Selbst die Chinesen sagen im allgemeinen, das liege am System!!! Warum auch sollten Marxisten die Entwicklung eines Landes nicht nach wissenschaftlichen Kriterien steuern können? Und wenn China dereinst ein Industrieland geworden ist - da wette ich mit Dir -, wird die Pekinger Führung die sozialen Standards des Westens übernehmen und die Menschenrechte vollständig einhalten. Immer nach dem Motto, dass PK und PV übereinstimmen müssen...
Wir hier in Deutschland müssen erreichen, dass der Skandal beendet wird, wonach (im schlimmsten Fall) eine Privatperson über die Verwendung von seinen Milliarden Euro allein entscheiden kann. Die Auswirkungen seiner Entscheidungen haben gesamtgesellschaftliche Dimension und oft auch internationale. Folglich kann dieses System hier nicht stabil sein, wenn der Staat (d.h. die Gesellschaft) zu schwach ist, um diese Entscheidungen zu beeinflussen. Mir ist klar, in Deinen Ohren klingt das wie Frevel, aber es geht in diesem Fall um Systemstabilisierung: wenn man der Geldelite alle Freiheit lässt, geht das System dieser Leute über´n Jordan, so einfach ist das. Man muss das System mit den eigenen Waffen schlagen, das macht man in Peking ja auch.
Nach meiner Meinung aber haben wir im Westen (weil Stamokap) eine Stufe erreicht, wo man den Marxismus bereits hinter uns lassen können (in meiner Homepage steht mehr darüber). Meine Philosophie bezieht sich nicht mehr auf den Sozialismus, sondern auf ein zeitgemäßes Ziel: den Omnialismus. Die sozialhumanistische Tradition bildet dabei einen wichtigen Teilaspekt für diese neue Welt...
...Das mit den selbstverwalteten Betrieben in Spanien habe ich gelesen (Internetseite). So hat man sich den Kommunismus vorgestellt. Ich vermute aber, dass auch ohne den Bürgerkrieg und die Franco-Diktatur dieses Modell mit der Zeit erodiert wäre. Aus dem einfachen Grunde: das Modell konnte zu der Zeit kaum auf andere Länder angewendet werden, weil die jeweiligen Verhältnisse zu unterschiedlich waren. Mit der Folge (und so kam es ja auch), dass das Großkapital Europas diesen „gefährlichen", revolutionären Ansatz liquidieren wollte. Übrigens: Ein noch größeres „Übel" war Stalin, der ja die Weltrevolution (Komintern) auch militärisch durchsetzen wollte - mit der Folge der Enteignung des Privateigentums. So bekam das Deutsche Reich als das dafür am besten geeignete Land die Aufgabe, mittles massiver Investitionen durch das internationale Großkapital (Ford z.B. war Amerikaner) aufzurüsten. Ohne entsprechende Spenden (Deutsche und Diskontbank usw.) wäre Hitler und sein Partei gar nicht an die Macht gekommen, wenngleich der Versailler Vertrag die deutsche Bevölkerung psychologisch für einen Hitler anfällig machte. Der Antisemitismus in dieser Zeit war in Deutschland vor Hitler nicht größer als in den anderen Ländern.
1...Du schaust dezidiert auf Begriffe aus der NS-Zeit (Volk ohne Raum und so). Du unterschätzt meiner Meinung nach aber die Rolle des Großkapitals, das damals Stalin das Genick brechen wollte und darum Hitler protegierte (und auch die KZ´s am Anfang tolerierte). Die Deutschen waren und sind genauso viel oder sowenig anfällig für rechtes, völkisches Gedankengut wie andere Völker auch - du brauchst dich bloß in Europa umschauen. Es gibt kein „braunes" Gen bei den Deutschen, das wäre ja auch glatt unwissenschaftlich. - Schlussfolgerung: Wir sind berechtigt, das Wort „Volk" zu gebrauchen! Für mich ist „Volk" ein poetischer Begriff der Dichter und Denker, EIN WORT DER LIEBE. Die Zärtlichkeit der Völker... Als die Ostdeutschen skandierten „Wir sind das Volk", dann war das keine Wiedergeburt des Nationalismus (wie damals viele befürchteten), sondern ein Ausdruck des Zusammengehörigkeitsgefühls, ein Fanal an die Freiheit, das große und tiefe Empfinden der Liebe... Ich persönlich bin aus dem Osten und weiss, wovon ich rede....
In den Armen des Volkes hat jedermann Platz, auch die Reichen, selbst die Rechtsradikalen. Voraussetzung: Keine Gewalt, auch nicht gegen Sachen [orthodoxe Ideologien sind auch eine Form von (sublimierter) Gewalt] Credo: Toleranz den Toleranten, Intoleranz den Intoleranten!
In Anbetracht dessen, dass die eigentlich pluralistische Gesellschaft erst noch im Werden ist, sollte man dazu passend über die Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone in Deutschland nachdenken. In dieser könnte man vorhandene Betriebe (für neue Betriebe gibt es in dem übersättigten Markt wohl keinen Spielraum) - vielleicht mit steuerlichen Anreizen - bezüglich ihrer Eigentumsverhältnisse umwandeln hin zum Gruppeneigentum. Die von mir in einem vorhergehenden Beitrag erwähnte Langsamkeit von Entscheidungsprozessen in solchen selbstverwalteten Betrieben lässt sich heute wegen der Nutzung von EDV und Internet (Intranet) womöglich vermeiden. Vielleicht sind heute die technischen Möglichkeiten schon vorhanden, die eine effektive, selbstverwalterische Wirtschaft ermöglichen. (Zur Frage PK-PV: EDV und Internet wären die Produktivkräfte, das Selbstverwaltungsmodell wären die Produktionsverhältnisse. PK und PV müssen übereinstimmen - Marx!) Du siehst..., die Bereitschaft zum Kompromiss führt uns weiter als alles andere...
Mein Vorschlag muss eingebettet gesehen werden in einer konsequenten Anwendung des Subsidiaritätsprinzips.
Die Arbeiter in der DDR waren übrigens nicht entrechtet und entmündigt, ... , solange sie sich politisch nur vorsichtig äußerten. Ja, sie waren am Arbeitsplatz sogar freier als ihre Kollegen im Westen, weil sie nicht entlassen werden konnten. Alkoholiker z.B. wurden dann eben immer mal wieder zur Kur geschickt, aber rausgeschmissen wurde keiner. Weil ja kein Eigentümerbewusstsein da war, gab es auch keine Schikane oder Ausbeutung, eher schon Schlendrian, und die Arbeitsbedingungen waren oft miserabel wegen dem Mangel an allem. Dann hat man eben länger Pause gemacht...
Du glaubst nicht, dass der bürgerliche Staat die Reichen (und fast alle anderen) enteignen würde??? Nun: Die Erhebung von Steuern ist nichts anderes als (Teil-)Enteignung! Sogar der bürgerliche Staat kann das und hat die Macht dazu!!! Was wir aber noch ändern müssen ist die „Verunmöglichung" von Steuerhinterziehung und Schwarzgeldkonten. Schon mit dieser Maßnahme kämen unglaublich viele Milliarden zusammen, die die Armut in diesem Lande glatt beseitigen könnte, mit erhöhten Steuereinnahmen wegen vermehrtem Konsum... Durch entsprechend gestaltete Steuern (und staatliche „Schnüffelei" bezüglich Steuerhinterziehung) könnten gerechte, nachvollziehbare Nettoeinkommen in allen Bevolkerungsschichten erreicht werden. Dieses wäre ein Modell der Integration von Privat- und gesellschaftliches Eigentum. Das Prinzip der Integration von privaten und öffentlichen Interessen auch auf die Eigentumsfrage auszudehnen halte ich für zukunftsfähig. Dazu könnten natürlich auch Formen von Gruppeneigentum entwickelt werden, wie ja die pluralistische Gesellschaft überhaupt vielfältiger und bunter werden wird. Mit der weiter zunehmenden Bildung sind auch die Voraussetzungen gegeben für die stärkere Einbeziehung der Arbeitnehmer - über das Delegiertenprinzip - in Unternehmensentscheidungen, einschließlich Fragen der Verwendung des Vermögens bei Privatfirmen. (Diesen letzten Satz muss ich allerdings hinterfragen...) Die staatliche Kontrolle von Vermögen wird den Datenschutz durchlöchern müssen, EDV-gestütztes Abgleichen der Daten geschieht dann blitzschnell. Wir steuern notwendig auf eine offene Gesellschaft zu, auf Transparentia - das hat mit der zunehmenden Vernetzung zu tun, mit der Zunahme an Beziehungen... Da kann sich niemand ausklinken. Allerdings muss dieser „Spitzelstaat" gründlich reformiert werden, damit der Missbrauch der Daten durch den Staat selber und durch Kriminelle oder auch durch Arbeitgeber vermieden wird. Die Notwendigkeit der offenen Gesellschaft geht einher mit der Notwendigkeit, eine höhere Ebene an Zivilisiertheit, an Demokratie zu schaffen. Sollte das alles schon durch bloße Reformen möglich sein, dann wäre das großartig, dann hätte die herrschende Klasse das Handwerk gelernt (und den Marxismus, speziell die Dialektik begriffen). Ist jedoch die Revolution unvermeidlich wegen mangelnder Fähigkeiten der Macht- und Vermögenseliten, dann wäre das sehr traurig, denn eine Revolution ist bekanntlich für niemanden ein Spaziergang - es könnte sehr, sehr handfest zur Sache gehen. Und zu guter Letzt: vielleicht frisst eine solche Revolution auch noch ihre Kinder... - Aber als ehemaliger Ostdeutscher neige ich - erfahrungsbedingt - eher zum Optimismus.
...in der DDR wurde uns immer erzählt, der Mensch an sich ist gut und es seien nur die gesellschaftlichen (also die kapitalistischen) Verhältnisse, weshalb der Mensch nicht gut ist. Später als Erwachsener sah ich dann, dass auch in der DDR der Mensch fehlbar ist. Uns wurde immer erzählt, dass Erziehung alles und eigentlich nichts angeboren ist (Makarenko als Vorbild usw.). Die Wissenschaft zeigte uns später aber, dass der Mensch und sein Verhalten (sagen wir mal zur Hälfte) auch genetisch vorbestimmt ist. [Wenn immer gleiche Umweltbedingungen auf den Menschen einwirken, dann wird das irgendwann genetisch fixiert. (Genetisch) vorprogrammiertes und selbstprogrammiertes (Erziehung, freier Wille) Verhalten sind im Grunde das Gleiche - nur der Zeitfaktor macht diesen Unterschied. Das aber war mir früher noch nicht klar]. Uns hatte man in der DDR immer von den guten Sowjetmenschen erzählt und welche Opfer sie gebracht haben gegen den Faschismus. Und die Liquidierung der polnischen Elite im Wald von Katyn war daher selbstverständlich ein Werk der Deutschen. Als diese Lüge ruchbar wurde, begann ich, die verschiedensten ideologischen Strömungen (auch die des Rechtskonservatismus) nach ihrem Wahrheitsgehalt „abzuklopfen". Ich erkannte alsbald, dass eigentlich alle diese Ideologien ihr Körnchen Wahrheit hatten. Die Wahrheit an sich wurde für mich wichtiger als alles andere. Natürlich muss man einfühlend sein, aber wenn auch die UdSSR Kriegsverbrechen begangen hat, muss das gesagt werden. [Erst später erkannte ich, dass, wenn die Vernetzung (bzw. die Zunahme der Unterschiede und Beziehungen = Dyasmation) ein fortschreitender Prozess ist, auch die Vermeidung der Lüge immer notwendiger wird. Die Lüge unterbricht das Band der Beziehungen! Also Wahrheitsliebe, völlige Transparenz, Pluralismus usw. - all das kommt zwingend auf uns zu]. Ich erkannte auch, dass die bösen Kapitalisten und ihre Apollogeten gar nicht der einheitlich-monolithische „Klassenblock" waren und die armen Arbeiter auf der anderen Seite auch Faschisten sein konnten (bei allem Verständnis für ihre damalige soziale Lage).
Anderes Thema: Eine Klassengesellschaft kann ein Fortschritt sein gegenüber einer klassenlosen Form! Nämlich,......... als die Urgemeinschaft von der Sklavenhaltergesellschaft abgelöst wurde. Das ist von Marx und dialektisches Denken! Die Produktivkräfte reichten noch nicht aus, um allen Bürgern Zugang zur Bildung zu gewährleisten. Daher hat eine gebildete Elite ungebildete Menschen benutzt (genauer: ausgebeutet). Diese Konstellation hat die Kultur vorangebracht, und es konnten die Produktivkräfte weiterentwickelt werden, die dann den Feudalismus (also Abschaffung der direkten Sklaverei) ermöglichten. Übereinstimmung PK-PV! - Historische Gesetzmäßigkeiten sind also zu beachten, wenn es um den tiefgreifenden Wandel im Lande geht. (Noch) nicht alle Blütenträume sind realisierbar!
Noch ein anderes Thema: Der kubanische Sozialismus ist nicht nur wegen der Wirtschaftsblockade gescheitert. Fidels Bruder Raul will reformieren, hat sich aber nicht für einen anarcho-syndikalistischen Weg bzw. für Selbstverwaltung entschieden. Warum??? - Er hat sich für den chinesischen Weg entschieden! (Wie ja auch Vietnam, und wohl auch Myanmar, wenngleich die Führung/Junta hier keine Kommunisten sind). Es mag sein, dass sich diese Länder von Peking Vergünstigungen versprechen.
Die damalige Ambition des Großkapitals, Stalin das Genick zubrechen, ist doch absolut nachvollziehbar. So dämlich war es gewiss nicht, einfach abzuwarten, bis Ernst Thälmann deutscher Präsident wird oder bis Stalins Truppen Polen überrennen (was ja tatsächlich geschah) mit dem Ziel der Weltrevolution. Wahrheiten können schmerzen, sind aber unsterblich. Das hat die Geschichte bewiesen. Dieser Zusammenhang mit dem Antisemitismus ist eben ein Widerspruch, den man aushalten muss. Ich werde misstrauisch, wenn es irgendwo (angeblich) nur Harmonie gibt. Die Bewegung „echte Demokratie jetzt" zeigt mir (zu meiner großen Verblüffung), dass sie europaweit eigentlich zu allen Punkten das Gleiche will - trotzdem gibt es da ein pluralistische Bandbreite.
Was Du über Ausbeutung usw. schreibst, stimmt ja alles. Nach meinen ostdeutschen Erfahrungen gehe ich aber davon aus, dass es ohne Wettbewerb nicht geht. Wohlgemerkt: Wettbewerb, nicht Konkurrenz. Die Konkurrenz tendiert dazu, den Gegner in die Pleite treiben zu wollen. Sie will den Widerspruch beseitigen durch die Eliminierung des Widerspruchspartners. Es kommt jedoch darauf an, Widersprüche zu erhalten. Ich möchte solch ein unzivilisiertes Gebaren entschärft sehen - Wettbewerb soll motivieren, gut zu arbeiten, auch, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Dann auch noch die Frage des Zuganges zu den Rohstoffen - wie sichern wir ihn? Ich glaube nicht, das ein reformiertes Europa nur mit Freundlichkeit den Zugang zu den Rohstoffen sichern kann. Die Reformen geschehen nun einmal nicht weltweit gleichzeitig. Ohne absoluten Realismus wird alles scheitern!
... ich versuch jetzt mal den einen Gedanken noch klarer darzustellen: Dass die globale Vernetzung sowie ihre Zunahme existiert, bestreitet wohl keiner. Je mehr Einzelpersonen, Gruppen und Völker also miteinander austauschen, desto mehr erfährt man etwas, auch mehr über Ansichten, Erfahrungen usw. Die Welt erscheint uns bunter, sie wird überhaupt erst pluralistisch. Bestände eine Dominanz von Halbwahrheiten und Lügen in der Welt, dann würde die Vernetzung gebremst werden, denn Räume ohne volle Wahrheit behindern die Anknüpfung an Daten anderer Räume. Desgleichen beim Fehlen von Transparenz: Auch dies wäre ein Hindernis zur fortschreitenden Vernetzung, die als solche aber keiner aufhalten kann, weil sie eine objektive und gesetzmäßige Erscheinung ist. Ich bin also kein romantischer Schwärmer, wenn ich für eine tendenziell total offene und pluralistische Gesellschaft werbe, in der die Versuche, nicht die Wahrheit zu sagen, unterbleiben werden. Womöglich sterben dann sogar die sogenannten Notlügen aus. Was für eine Revolution!
Nun verstehst Du mich, Isa, dass „Bespitzelung" oder ein gesellschaftliches Klima der totalen Offenheit zwei Paar Schuhe sind. Die Phantasie wird natürlich gefordert, soweit in die Zukunft zu blicken...
Götz Werner, Gründer von dm, ein waschechter Kapitalist, setzt sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. Findest Du dafür eine Erklärung? Er meint mit diesem Einkommen eines, das höher liegt als Hartz IV und mit dem man in Würde leben kann. Er glaubt, dass es auch dann noch genügend Anreize geben würde, arbeiten gehen zu wollen, weil der Wunsch bei vielen, mehr zu verdienen, bestehen bleibt. Und natürlich kann man Hobbys zum Beruf (zur Berufung) machen, so als Sportler, Künstler oder Gärtner.
Unsere kommunalen Betriebe im Kapitalismus: Diese gegenwärtige Tendenz des Zurückkaufens solcher Betriebe (jedoch auch die Erkenntnis der Mietexplosion bei privatisierten Wohnungsbeständen) könnte als Argument dafür herhalten, dass Aktiengesellschaften dem Kunden/Mieter nur zum Schaden gereichen. Was für Eigentumsverhältnisse haben kommunale Betriebe? Wäre die Kommunalisierung nicht ein Ansatz für eine Pluralisierung der Eigentumsverhältnisse? Dieser Weg würde gegenwärtig ganz sicher viel Zustimmung bei den Leuten finden.
Forscher haben kürzlich festgestellt, dass Babys schon ein gewisses, spontanes Verständnis für geometrische Zusammenhänge besitzen. Ich würde sagen, die Struktur des Denkens selber ist Resultat der Auseinandersetzung mit der Umwelt, so wie auch der menschliche Körper (und wie überhaupt alle Lebewesen - und nicht nur sie!) Resultat der Auseinandersetzung mit der Umwelt sind. Orthopäden wissen, dass unser Skelett noch nicht richtig an den aufrechten Gang angepasst ist. Es macht daher keinen Sinn, Geist und Körper strikt zu trennen. Im Moment jedenfalls stellen Forscher immer mehr genetisch fixierte Verhaltensweisen fest.
Deine Imperialismus-/Kolonialismuskritik macht (von Dir sicher nicht beabsichtigt) auf mich den Eindruck, als wären für Dich feudalistische, clanistische (von Clans) und patriachalische Zustände weniger schlimm als der Kapitalismus. Marx würde sich hier sehr wundern. Ist es nicht eher zu bedauern, dass es der britischen Besatzungsmacht damals nicht gelang, das grausame Kastenwesen in Indien durchlässiger zu machen? (Natürlich waren die Inder zu der Zeit noch gar nicht reif dafür). Nicht der Westen oder überhaupt der Kapitalismus liefert die Grundlage für die Beschneidungen, die Ehrenmorde, die Verschleierung, die Kriege z.B. zwischen Pakistan und Indien, oder für die Vergewaltigungen und die Kindersoldaten in Afrika. Oder in Südafrika: Jemandem einen Reifen aufstecken und dann anzünden. Was soll das? (Richtiger wäre es, gewissen muslimischen Männern einen Scheuklappenzwang zu verordnen, um so von der Verführung durch Frauen gefeit zu sein. Die Burka kann dann ins Museum. - Hälst Du solche Gedanken von mir für fremdenfeindlich?) - Das Weltbild, das Du hast, muss einfach (dialektische) Widersprüche aushalten, darauf kommt es mir hier an. Der Kapitalismus ist - je nachdem, von welchem Ende man es betrachtet -, ein Rückschritt oder ein Fortschritt.
Für Marx (dem alten Dialektiker) war die Sklaverei ganz klar ein „gesellschaftlicher Fortschritt" gegenüber der Urgemeinschaft - das ist nicht eine bürgerliche Betrachtungsweise.
Wieso würden Wirtschaftseinheiten auf der Basis des Gruppeneigentums (oder anarcho/syndikalistisch) die Herrschaft der kubanischen (oder chinesischen) Parteielite mehr gefährden, als das Privateigentum an Produktionsmitteln? Das verstehe ich nicht. Privateigentum tendiert zum ideologischen Gegner, Gruppeneigentum nähert sich dagegen kommunistischen Vorstellungen (dort soll ja das Geld abgeschafft werden u.a.)
Natürlich geht es um politische UND soziale Revolution. (Allerdings sind die russische oder französische Revolution oder auch die DDR weiß Gott kein Vorbild. Man darf die Millionen Verhungerten in Sowjetrussland, die Gulags usw. nicht vergessen. Solschenizin hat die Wahrheit gesagt. Die Toten während der chinesischen Kulturrevolution hat wohl noch keiner gezählt, die unter Pol Pot dagegen schon). Ich vermute auch, dass die kommende Umwälzung mehr ist als eine politische und soziale.
Ich verstehe auch nicht, wieso die Transaktionssteuer zugunsten der „3." Welt per se negativ zu werten ist. - Die Präimplantationsdiagnostik ist ein sehr kompliziertes ethisches Problem, das sollte man nicht mit einer Ideologie überfrachten. Woher weißt Du so genau, dass z.B. Krüppel wie Contergangeschädigte alle sehr froh sind, auf die Welt gekommen zu sein??? Empfindet das werdende Leben Schmerz? Die Abtreibung ist erlaubt, hier aber wird wirklich getötet - merkwürdige Doppelmoral!!! Eine Selektion vielleicht im kapitalistischen Verwertungsinteresse wird es nicht mal unterschwellig geben. Besser wäre es, darüber zu diskutieren, wie man Umweltbedingungen schaffen kann, die die Zahl von geschädigten Kindern vermindert. Dass die menschliche Evolution bald auch vom Menschen direkt beeinflusst werden wird, halte ich für sehr wahrscheinlich. Warum sollte man die Entwicklung des Skeletts nicht so gestalten - sofern das möglich wird -, dass es dem aufrechten Gang besser angepasst ist?
Die Selektion im Kapitalismus nach Leistung kann man nicht mit der Selektion unter Hitler vergleichen. Heute sind die polnischen Facharbeiter begehrt, unter Hitler wurden sie eher vergast.
... mein Postulat der Gewaltfreiheit ist weniger moralisch, sondern eben auch logisch begründet wie das mit Transparenz und Pluralismus beim Prozess der Vernetzung. Gewalt tendiert ja dazu, zu vereinheitlichen durch Ausschaltung des Gegners - dies wäre das Gegenteil von Pluralismus. Folglich hat jedwede Form von Gewalt auf unserem Planeten immer weniger Platz. Gewalt wird mal genauso anachronistisch werden wie Kannibalismus!!!!!! Das macht man einfach nicht mehr, egal wie die Gesellschaftsordung dann heißt (ich hoffe doch: „Omnialismus"...)
Gleichheit zwischen den Menschen steht ebenfalls dem Pluralismus entgegen. Die Menschen selber sind biologisch verschieden und wären nicht alle z.B. für den Beruf eines Piloten gleich geeignet, dazu noch der Altersunterschied. Aber die noch bestehende Ungleichheit wird gewaltfrei sein, d.h. sie wird allgemein akzeptiert werden.
Das Postulat der Informationsfreiheit stützt sich ebenfalls auf die Pluralismustendenz (bzw. auf den Begriff der Informationsexplosion). Ich war mal ein paar Wochen Mitglied der Piraten-Partei, unter anderem auch, weil sie gegen jede Zensor im Internet ist. Auch ich bin der Meinung, man müsse die technischen Voraussetzungen schaffen, um Anbieter z.B. von Kinderpornoseiten identifizieren zu können. Ich bin aber strikt dagegen, solche Seiten von Staats wegen zu zensieren bzw. zu löschen. In einer offenen Gesellschaft wird es alle Informationen geben, alle Internetseitenanbieter sind bekannt und die kriminellen unter ihnen werden halt zur Rechenschaft gezogen. Kriminelle Anbieter werden es sich dann vorher überlegen, ob sie dann noch solche Seiten einstellen.
Wahrscheinlich hat die Eigenschaft der Frau, Kinder gebären zu können, in der Urzeit zu anatomischen Unterschieden zwischen Mann und Frau geführt. Ich meine, dass sich damals die Spezialisierung herausbildete, wonach der Mann zur Jagd ging und die Frau die Kinder aufzog. Diese unterschiedlichen Tätigkeiten formten auch den Körper und die Psyche von Mann und Frau unterschiedlich. Für den evolutionären Eingriff stand während der Phase der Urgemeinschaft genug Zeit zur Verfügung. (Möglicherweise geschah die Spezialisierung sogar noch früher, zur Affenmenschenzeit).
Die unterschiedliche körperliche und psychische Ausprägung von Mann und Frau hat sich im wesentlichen bis heute erhalten; die gesellschaftliche Entwicklung vollzog sich schneller, als die Evolution es vermag.
Durch die Jagdspezialisierung erlangte der Mann Eigenschaften wie körperliche Stärke, Verwegenheit und den Jagdinstinkt, die in letzter Konsequenz die Unterdrückung der Frau möglich machten (das Matriachat als Ausnahme). Die Bedingungen für die unterschiedliche Emanzipation der Geschlechter waren also schon weitaus früher vorhanden, weit vor der Geburt des Kapitalismus. Man sieht das ja an den Zuständen in den Trikont-Staaten -
eine Frau hat es im entwickelten Kapitalismus besser.
Geschmückt haben sich die Frauen schon seit der Steinzeit; vielleicht um in die Gunst des heimkehrenden Großwildjägers zu gelangen, der ein ganzes Mammut auf der Schulter geladen hatte. Seitdem schon gilt der Mann als Versorger und die Frau macht sich für einen Gutsituierten schön... (Heutzutage heiraten die Promis 30 Jahre jüngere Partner - der Kapitalismus wirft alle herkömmlichen Bräuche über Bord. Diesen Wurf kann man aber auch Emanzipation nennen, dialektisch doppeldeutig...)
Warum schreibe ich das alles? Mir liegt daran, zu erhellen, wie tief in die Geschichte hinein reichend die Erscheinungsformen des Kapitalismus sind. Jede Klassengesellschaft hat ihre Eigenheiten, aber es gibt ein Muster, das die ganze Entwicklungskette durchzieht. Es gibt eben auch Übergänge vom Biologischen zum Gesellschaftlichen, es wäre ja auch kurios, wenn das Bewusstsein losgelöst von dem Körper wäre, in dem es „steckt". Die Bewusstseinsformen im Kapitalismus sind nicht gänzlich neu, sie sind im wesentlichen gemeinsame Formen aller Klassengesellschaften.
...es kann sein, dass ich keinen Menschen kenne, der ein stärkeres Gerechtigkeitsempfinden hat, als Du. Man kann Dich eine/n Frauenrechtler/in nennen. Zudem vermute ich, das Du Vegetarier/in oder Veganer/in bist. (Ich jedenfalls bin Lactovegetarier seit einigen Jahren - nicht wegen irgendwelcher Gammelfleischskandale, sondern der Tiere wegen). Wenn dem so wäre: Warum hast Du bei Deiner Konsequenz nicht den Schritt getan, Fruitarier zu werden? Wärest Du Dir da nicht untreu, ein Verrat an Deinem Weltbild?
- Wenn ich Dich richtig verstehe, hat der Kapitalismus zum großen Teil die bäuerliche, und damit die (angeblich) herrschaftsfreie Struktur im Trikont zerstört. Ich verstehe wirklich nicht, warum Du die althergebrachten Gesellschaften so idealisierst. Von den Millionen, die verhungert sind in vorkapitalistischen Zeiten, weil sie sich gegen Dürre und Seuchen nicht wehren konnten, oder weil sie Kriege untereinander geführt haben (die alten Indianer z.B.), von denen existieren keine Zahlen.
Und übrigens: nicht jede Herrschaft ist Unterdrückung und nicht jede Freiheit ist ein Segen. Wir werden in Zukunft „Herrschaftsverhältnisse" nach Art der Straßenverkehrsordnung haben - also keine „wirkliche" Freiheit, aber ein Recht, das für alle gilt. (Schon aus ökologischen Gründen!) Das Rotationsprinzip bei den Grünen wurde meines Wissens abgeschafft. Warum? Weil es ohne auf eine Person zentrierte Leitung nicht geht. Deswegen aber sind Joschka oder auch der Oskar (Linke) keine Autokraten - oder doch? Fazit: Ohne (Liebe zum) Widerspruch funktioniert gar nichts.
Der gesellschaftliche Reichtum heute wurde unter Klassen- und Herrschaftsverhältnissen geschaffen. Er ist so groß, dass niemand auf dem Globus mehr arm sein muss. Es geht heute also ums Verteilen, wobei man neue Formen von Kapitalsammelstellen braucht, die nicht mehr an Herrschaft gebunden sind. Also wohl Banken, die verhindern, dass das Verteilen zu neuen Herrschaftsstrukturen führt.
Im Gegensatz zu Dir glaube ich nicht, dass ein Weg aus der Urgemeinschaft ohne Klassen- und Unterdrückungscharakter möglich gewesen wäre. Das gilt auch für den Trikont. Wir werden alsbald eine andere Gesellschaftsform bekommen, die jenseits von Klassen und ungeschminkter Herrschaft ist - doch die (eher subtilen) Widersprüche in ihr werden zahlreicher sein denn jemals zuvor. Wegen der Informationsfülle wird die Verworrenheit zunehmen... Das Paradies wird es jedenfalls nicht sein.
Kann man die Arbeitswelt im öffentlichen Dienst, bei den (ausgerechnet...) Beamten und in kommunalen Betrieben als Vorlage betrachten, wie Gruppeneigentum funktionieren könnte? Leistungsbereitschaft ist jedenfalls vorhanden, obwohl kaum Entlassung droht. In der DDR führte auch die Mangelwirtschaft dazu, dass nicht richtig gearbeitet werden konnte, die Motivation oft schlecht war.
Wenn ich von der Finanztransaktionssteuer spreche, dann meinte ich immer deren regulatorische, bremsende Funktion bezüglich Spekulationsgewinne. Die unkontrollierten Geldflüsse sind doch eines der Hauptprobleme!
Durch die Euthanasie wollte man meines Wissens einfach nur aus Kostengründen die Heimbewohner, die „unnützen Kostgänger" abschaffen. Es waren unter den Opfern meist welche aus der Herrenrasse... Ansonsten haben „leistungsschwache" Leute durchaus Arbeit bekommen (wegen der Kriegsvorbereitung, ich weiß).
Gegen die Abtreibung scheinst Du im Prinzip nichts zu haben. Ist das nicht inkonsequent?
In ferner Zukunft wird es sicher keine „Behinderte" mehr geben, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Menschen dann vor allem sitzen. Selber Gehen wird überflüssig (es gibt für Senioren heute schon Gehmaschinen usw.). Das würde die heutige Definition von Behindert umkehren, denn gehbehindert wäre dann keiner mehr, während umgekehrt Sehschwäche eine große Behinderung darstellen würde, weil man in jener Zeit gute Augen braucht, um die ganzen Daten, die dann wohl im 3D-Raum herumschweben werden, schnell lesen zu können. - Die gesellschaftlichen Bedingungen haben also Einfluss darauf, wer als behindert gilt. Nach dem 2. Weltkrieg sah man sehr viele Männer mit einem Bein - dort galten diese Männer im allgemeinen Bewusstsein als weniger behindert, verglichen mit Beinversehrten von heute. Andererseits ist man heute mit den Rollstühlen (hoffentlich) mobiler als damals.
Verglichen mit dem Tricont bröckeln in allen hochindustrialisierten Ländern die Werte, Tugenden, Maßstäbe. Vermutlich nimmt in einem Umfeld der sozialen Entschärfung (keiner hungert mehr, bei Arbeitslosigkeit und Krankheit landet man nicht gleich auf der Straße) das Verständnis für Gewalt ab. Die Zunahme der Toleranz ist Zuwachs an Pluralismus. Dazu kommt beim Menschen noch die Erfahrung der Machbarkeit. Im Gegensatz zu den Tieren kann der Mensch Transsexualität medizinisch begleiten (Operation, Hormone usw.) Gewaltlosigkeit (Toleranz) und die Erfahrung der Machbarkeit sind sicherlich das Fundament für die „Duldung" aller (gewaltlosen) Spielarten der Sexualität - Duldung durch die sexuell orientierte Mehrheit. (Allerdings galt im alten Griechenland (oder Rom?) Sex mit Knaben als normal. Ob eine solche Toleranz auch im Westen noch einkehrt, wage ich nicht zu beurteilen... Nach meiner Theorie und unter der Maßgabe der Gewaltfreiheit wird es wohl keine Schranken mehr geben. Gewaltfreiheit impliziert auch Freiheit vor psychischen Schäden...). - In der Tierwelt findet man auch Homosexualität - sie ist damit quasi etwas Natürliches, wenngleich sie nicht von der Mehrheit ausgeübt wird. Gegenüber dem Tier hat der Mensch deutlich mehr Freiheitsgrade sowohl in seinem Bewusstsein wie auch bei seinem Körper. Er kann mit seinem Körper mehr anstellen als jedes Tier (z.B. trainieren, um auch in dünner Höhenluft klarzukommen), er ist geistig und seelisch breiter aufgestellt als jedes Tier; er hat mehr Phantasie. Und so braucht man sich nicht zu wundern, dass der Mensch wegen fehlender Einengung und Beschränktheit ebenso auch mehr sexuelle Spielarten kennt als jedes andere Tier.
Zur Gleichheit: Ich bin für Chancengleichheit, soweit das möglich ist (hundertprozentig wird das nicht gehen). Alle Schüler sollten möglichst gleich gute Startbedingungen für das weitere Leben bekommen. - Soziale Ungleichheit ist eine Form von Gewalt. Daher sollte man soviel Gleichheit herstellen, dass dann niemand mehr den Eindruck von Gewalt, Ausgrenzung und Erniedrigung mehr hat. Soziale Gleichheit bedeutet, dass alle Menschen teilhaben können am Reproduktionsprozess in der Gesellschaft, an der Kultur usw. Doch die Unterschiede zwischen den Menschen bleiben - die Menschen treten durch die soziale Gleichheit überhaupt erst vollständig miteinander in Beziehung, weil ja dann keiner mehr ausgegrenzt usw. wird. Und durch die vielen Beziehungen treten neue Unterschiede zwischen den Menschen zutage... Eine Form des bedingungslosen Grundeinkommens, die keinen diskriminiert, könnte im Sinne der sozialen Gleichheit sein.
So, denke ich, kann man Pluralismus und soziale Gleichheit unter einen Hut bringen...
... ich bin ja dafür, Dein Weltbild einem Praxistest zu unterziehen (kontinuierliche Versuch-Irrtum-Methode), und zwar in ein oder zwei Sonderwirtschaftszonen in Deutschland. Du sagst selbst, für Deine Ideen gibt´s zu wenig Anhänger, deshalb müssen wir erst einmal die Massen hinter uns scharen (mein Gott, das hört sich ja an wie bei Lenin...). Machttechnisch, so glaube ich, müssten wir zunächst das Primat der Politik gegenüber dem Kapital erreichen; China beweist, dass das geht. Im Gegensatz zu China bleiben wir aber unseren abendländischen Werten treu - also Demokratie, die man noch ausbauen muss. Das Verhältnis repräsentative zur direkten Demokratie muss bestehen bleiben, weil das ein dialektischer Widerspruch ist. Die direkte Demokratie ausbauen, aber die repräs. Dem. nicht abschaffen. - Selbstverwaltete Kooperative - wer garantiert denn, dass diese sich zueinander anders verhalten als private Betriebe zueinander??? Wird das dann ein Kapitalismus auf der Basis des Guppeneigentums? - Zum Thema soziale Gleichheit: Ich persönlich würde lieber den Begriff soziale Gerechtigkeit verwenden. Geht es nicht überhaupt eher um Gerechtigkeit als um Gleichheit??? Meine Skepsis zur Gleichheit hat schon mit der DDR zu tun. Wir waren dort alle Proleten, es herrschte die Kultur der Einfachheit; mit dem Bierglas in der Hand haute man auf den Tisch, anstatt durchzudiskutieren, und schon lag man sich in den Armen. "Gleichheit" erinnert mich an den Proletkult der damaligen Tage, Eliten waren schon mal automatisch Klassenfeind. Ob Du es glaubst oder nicht, z.B. die LPG-Genossenschaften entsprachen Deinen Vorstellungen. Alle Menschen waren Brüder, und waren Einheitsbrei... Die Individualität, die Persönlichkeit und die Freiheit des Einzelnen waren ohne Wert!
Normative Gleichheit, als Gesetz oder auch als kategorischer Imperativ (moralische Norm), natürlich ist das möglich. Die Wirklichkeit aber wird widersprüchlicher, pluraler sein. Solange es noch Geld gibt, werden etliche mehr haben wollen als andere. Einen neuen Menschen zu erziehen, der Befriedigung empfindet, für andere dazusein (Altruismus) und für sich selbst nur wenig einfordert, diese Erziehung ist gescheitert. Alle DDR-Bürger wissen, dass ein bestimmtes Maß an Egoismus im Lebewesen Mensch drin ist. Darum musste die kommunistische Erziehung, die aus uns moralisch hochstehende, selbstlose Menschen machen wollte, scheitern. Aber wie gesagt: Hierarchiefreiheit und symmetrische Machtbeziehungen - damit sollte man experimentieren, wenn die Gesellschaft sich das Kapital untergeordnet hat.
Wir haben seit mehreren tausend Jahren Klassenherrschaft - warum soll es ausgerechnet jetzt möglich sein, daraus auszubrechen?????? Der Wille, daraus auszubrechen, war ja oft genug vorhanden - alle Versuche dazu sind gescheitert. Voluntarismus nennt man die Aufassung, dass es vor allem der Wille sei, der die Geschichte voranbringe. Marx verfolgte ein anderes Konzept, und war deshalb so ziemlich erfolgreich, seine Ideen haben jedenfalls die Welt verändert. Er war schlicht und einfach Wissenschaftler! Es gibt heute Wissenschaftszweige, die Marx noch nicht kannte, die ich aber für relevant halte, um aus ihnen Denkmuster und Schlussfolgerungen abzuleiten. Ich hatte mal die Kybernetik (Schaltkreise usw.) als Lehrfach - das hatte mich stark beeindruckt, später kam Systemtheorie, noch später die Relativitätstheorie und die Quantenphysik. Ich habe seitdem (soweit mein Verstand überhaupt in diesen Gebieten mitkam...) z.B. die Gesellschaft als System gesehen, in dem jeder seinen PLatz hatte. Der Gewinn- und Ausbeutungscharakter im Kapitalismus ist für mich daher nicht nur einem bösen Willen geschuldet, sondern ein Baustein des Systems. Die menschliche Gesellschaft ist eine ähnlich objektive Erscheinung wie z.B. ein Ameisenstaat oder auch wie die tektonischen Bewegungen der Erdkruste.
Aus all dem hab ich z.B. den Schluss gezogen, dass man sehr vorsichtig sein muss mit den Veränderungen. Durch sie kann sehr viel kaputtgehen, ähnlich wie in der Chaostheorie, wo sich eine kleine Abweichung aufschauckelt, bis alles zusammenbricht. Darum zwar die Basisdemokratie ausweiten (ich schrieb ja darüber in meiner Webseite: "Betroffenheitsgrad" als Begriff. So ähnlich formulierte es hier auch M.), aber die repräsent. Demokratie als Widerspruchspart und Korrektiv beibehalten. Es könnte ja sein, dass die Bürgerinitiativen und Kooperativen (Betriebe) sich mal nicht einigen können - was dann? Man muss Erfahrungen sammeln mit der Selbstverwaltungsgesellschaft. - Eigentlich ist das Problem sehr, sehr einfach zu lösen: Spanische und portugiesische Freunde (wegen der Sprache und Kultur) fahren nach Bolivien, Venezuela, Nicaragua und nach Brasilien. Letzteres Land hat zwar eine Art linke Regierung, diese setzt aber auf die (gesteuerte) Entfesselung der Triebkräfte des Kapitalismus. Die anderen genannten Länder wollen den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts" errrichten. Eigentlich eine Sensation!!! Wieso diskutieren wir hier noch - lasset uns das einfach mal anschauen! Wichtig: Diese Regierungen sind durch Wahlen an die Macht gekommen! Es geht also! Wir sollten alle etwas Geld spenden, damit unsere Freunde diese „Dienstreise" finanzieren können. Auch wichtig: Sich das chinesische System anschauen vor Ort. Natürlich erfährt man in den hiesigen Medien nicht viel Relevantes von diesen Ländern. Ergänzung: Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt, wo Lateinamerika nach links rückt, führt Kuba die Marktwirtschaft ein (eine nach chinesischem Muster). Findest Du nicht auch, wenn Du Dir noch alle anderen Staaten in der Region anguckst (das wirtschaftlich erfolgreiche Panama), die Mafia in Kolumbien und Mexiko... - findest Du nicht auch, dass der Pluralismus zunimmt? So wird es wohl auch in Europa kommen, deshalb braucht man erst einmal nationale Lösungen. Der Globalisierung (also zunehmende Vernetzung) werden wir uns trotzdem nicht entziehen können.
Ohne Konkurrenz würden sich die Firmen nicht die Substanz des Unterlegenen (samt Kundendaten) aneignen können, sie würden wohl relativ klein bleiben, weil ja die Nachfrage im wesentlichen gedeckt ist. Um aber Innovationen umsetzen zu können (in die Forschung und Anwendung investieren), bedarf es heutzutage eine Menge Geld; mit jedem Jahrzehnt steigen die Ausgaben dafür gewaltig an. Würden die Firmen relativ klein bleiben, ich glaube nicht, dass sie von Banken (oder über Aktien) solche Summen geliehen bekommen. In dieser Welt bräuchte man vielleicht keine Steuern erheben und die Arbeitsplätze blieben erhalten. - Ein freiwilliger Zusammenschluss von Firmen würde nichts bringen ohne Einsparungen; sie könnten Kapazitäten beim Vertrieb, beim Einkauf und der Innovation abbauen. Wegen der Erhöhung der Stückzahl lohnt sich die Investition in die Automation usw.; der Kredit von der Bank würde wohl gewährt werden. Das Ergebnis wäre nach meinem Dafürhalten dasselbe wie bei einer Konzentration durch Konkurrenz.
Das umgekehrte Beispiel (so funktioniert es ja heute): Immer weniger Firmen produzieren immer mehr, also das weltweite Internet kommt von ganz wenigen amerikanischen Firmen, einige Inder programmieren die Software dazu, die Chinesen sind die Werkbank der Welt und die Deutschen liefern noch einige Autos und Maschinen. Der Bedarf der Welt ist gedeckt. Das bedeutet weltweite Arbeitlosigkeit als Normalzustand und hohe Unternehmenssteuern (hoffentlich).
Ich habe hier im Forum (und anderswo) gesagt, die Konkurrenz tendiert zur Eliminierung des Gegners. Ich will jetzt nicht in die Philosophie einsteigen, daher nur soviel: eine Verringerung der Vielfalt bzw. die Liqidierung des Widerspruchs sind im Zeitalter der Vernetzung kontraproduktiv, eine Fortschrittsbremse. Statt Konkurrenz also Wettbewerb??? Das Leistungsprinzip bliebe hier erhalten, damit auch die Triebkräfte des Fortschritts, und die Mitbewerber überlebten ebenfalls! Eine Welt des (zivilisierten) Wettbewerbs als Ausweg? Das Kartellamt müsste dann einige Regeln überarbeiten...
Ich hab die Seite im Zusammenhang mit dem Firmengründer Ricardo Semco gelesen. Ich kann da nur sagen, dort ist detailiert genau das an neuer, menschlicher, kreativer und produktiver Unternehmenskultur formuliert, was mir auf abstrakter Ebene immer vorgeschwebt ist. Das ist das genaue Gegenteil eines „Dienstes nach Vorschrift". Zusammenfassend läßt sich das auf den Nenner bringen: Volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit, keinerlei Ausgrenzung, alle werden mit einbezogen, keine Geheimhaltung, keine Abschottung von Gruppen oder Einzelpersonen, Durchlässigkeit, Flexibilität, emotionale Betriebsbindung. Bislang war mir (von dem ausgehend, was man von ihm weiß) immer Wolfgang Grupp (Trigema) eine Vorbild!!! Doch finde ich, Umsatzsteigerung sollte nicht gänzlich unter dem Tisch fallen. Sie wäre einer der vielen Komponenten der neuen Unternehmenskultur und sie könnte von dieser sogar profitieren. Das heutige System der Profitmaximierung muss ganz klar ersetzt werden durch die „Semco-Kultur", was für das Unternehmen, aber vor allem für die Gesellschaft einen höheren Mehrwert darstellen würde. Zum Beispiel durch weniger Krankschreibung und weniger Frühverrentung, durch mehr Umweltschutz. Und man könnte die Arbeitslosen von der Straße holen - vielleicht zusätzlich stimuliert durch Steuervergünstigung. Dies ist genau das Paradigma, das wir brauchen!!!
Genau diese Aufgabe stelle ich mir bei der Leitung auch vor. Es müsste eine sachbezogene Zusammenarbeit sein. Und wenn der Chef abwählbar ist und er und seine Kollegen widerum ihren Chef abwählen können - das könnte wunderbar klappen. Eine Voraussetzung ist aber eine positive, moralisch untermauerte Einstellung der Belegschaft. Hier im Westen könnten diese Bedingungen wirklich gegeben sein. Ich glaube auch, dass es mehrere Spielarten der Selbstverwaltung geben wird, abhängig von der Betriebsgröße, der Branche usw. Das hat mit dem eigentlich erst kommenden Pluralismus zu tun, der sich ja auch ableitet vom objektiven Prozess der Vernetzung. Kleine Betriebe bleiben privat usw.
Die Geld- und Machteliten werden immer im Vorteil sein, wenn es der neuen Bewegung nicht gelingt, eine theoretische, philosophisch-politische Basis zu schaffen. Wir alle spüren, dass sich ein neues Weltbild auftut. Es kann aber nicht nur darum gehen, immer nur Wünsche einzufordern. Wir müssen auch die Konsequenzen der globalen Vernetzung, des Internets, der Informationsexplosion, der (leider gesetzmäßigen) Erosion des Datenschutzes in die Theorie mit einbeziehen. Nur eine zeitgemäße, streng wissenschaftliche Philosophie der Revolution kann den Argumenten der Machthaber Paroli bieten!!! - Die Auffassungen der jungen Spanier finden meine volle Zustimmung, vor allem diese Distanz von allen überkommenden Ideologien!
Schon Karl Marx hat sich über den Utopischen Sozialismus lustig gemacht. Wollt ihr die alten Fehler wiederholen?
Schlanke Produktion / Scrum / agile Methode: Klar, dass bei so hochkomplexen Arbeitsvorgängen wie wie bei der Software-Entwicklung sich lineare Strategien zur Auftragserfüllung nicht eignen. Selbstprogrammierung und das zeitweise Einbinden von Kollegen, flache, ja fehlende Hierarchien, unerwartete Rückschläge und das drohende Sprengen des Zeitrahmens sind hier kennzeichnend. Ich hatte selbst mal eine Zeit lang programmiert (mit COBOL). Die Vernetzung der Kollegen empfand ich als absolut notwendig, weil ja jeder seine eigenen Erfahrungen gesammelt hat. Charakteristisch ist in diesem Zusammenhang die oft fehlende Möglichkeit, zu formulieren, um was es konkret geht. Einem zuhilfe kommenden Kollegen kann oft nicht erklärt werden, worin das Problem besteht - er muss sich das selber am Monitor anschauen. Diese Sprachschwierigkeit und die absolute Priorität der Erfahrung gegenüber dem auf der Schulbank Gelernten sind typisch in dieser Branche und macht übergeordnete Planvorgaben, sofern sie zu sehr ins Detail gehen, aberwitzig. Normal sind Überstunden, was bei mir aber nicht der Fall war damals, weil es sich um eine große Firma mit starker Gewerkschaft handelte. Eine lineare Vorgabenplanung ohne Rückkopplung hätte sicher oft zu nicht erfüllten Aufträgen geführt. Ich denke auch, dass diese agile Methode / Prinzip in einer immer komplizierter werdenden Welt unabdingbar wird (mit der Voraussetzung der kontinuierlichen Weiterbildung). Ich kann mich noch erinnern, wie vor wohl 30 Jahren die Vorteile der immer intensiver gehenden Spezialisierung am Fließband in Zweifel gezogen worden sind. Man hat herausgefunden, dass die Produktivität und die Arbeitszufriedenheit gestiegen sind durch die Einführung der Clustermethode (ich weiß nicht mehr genau, ob es dieser Begriff war). Jedenfalls hat der Arbeiter hier mehrere Arbeitsgänge hintereinander ausgeführt (vielleicht im Kreis auf dem Stuhl drehend?), so dass die Monotonie sich verringerte und auch der Krankenstand zurückging. SCRUM scheint wohl auch so eine Abkehr von der streng linearen und streng hierarchischen Arbeitsweise zu sein. Insgesamt erkennt man hier eine Vermenschlichung der Arbeitswelt, die der intrinsischen Motivation zur Geburt verhilft. Und diese scheint ja, wie ich ja schon sagte, die stärkste Motivation überhaupt zu sein. Ein (kluger) Unternehmer sieht darin sicher eine Möglichkeit zur Umsatzsteigerung, auch wenn das von S. wohl nicht vordergründig angedacht war. Ein selbstverwalteter Betrieb wird hierin eine Vermenschlichung der Arbeit sehen und die gute Produktivität dabei gewiss nicht als Makel betrachten.
Zu Horst Stowasser: Ich bin jetzt bei Seite 100, und ich muss sagen, er hat im Großen und Ganzen recht... Er spricht von Vernetzung horizontal und vertikal, die nötig ist, um eine große Stadt wie New York regieren zu können (ich glaub auf S. 67). Aber auf die gewaltige Dimension einer Weltgemeinschaft, die dann z.B. in der UNO repräsentiert ist, ging der Autor nicht ein. Zieht man die Reibereien zwischen den Ländern mit ihren Zuständigkeiten und der Bundesregierung in Betracht, dann erkennt man schon die Probleme einer Dezentralisierung.
Er spricht vom Recht auf Freiheit und Glück, differenziert aber nicht, wenn es um Kinder geht. Oder er meint z.B., eigentlich könne man die Schule abschaffen (wohl weil sie dem Glück im Wege steht?). Dabei ist ja längst bekannt, welche negativen Folgen es hat, wenn Kindern und Jugendlichen keinerlei Schranken aufgezeigt werden. Überhaupt bin ich sehr skeptisch zur Forderung nach maximaler Freiheit, erst recht im Hinblick auf die Realisierbarkeit. Der Bergmann, selbst wenn er dann nur noch vier Stunden arbeiten müsste, wäre nicht plötzlich ein glücklicher Mensch. Die Anarchie schafft die Herrschaft, die Ausbeutung und die Unfreiheit ab: doch befreit sie nicht auch gleichzeitig den Menschen vom Zwang zur Selbstdisziplin? Diese ist im Kapitalismus notwendig, um sich konform zu verhalten und den Arbeitsplatz zu behalten. In der Anarchie steht die persönliche Freiheit im Mittelpunkt, folglich entfällt der Zwang, sich konform zu verhalten. Bekommen wir da nicht Zustände wie früher im wilden Westen, jedenfalls wenn die erste Euphorie der Revolution vorüber ist? Müssten sich diese selbstverwalteten Einheiten allerdings gegen privatwirtschaftlich geführte Betrieb behaupten, dann dürfte diese Selbstdisziplin erhalten bleiben. Diese Konstellation führt mich zu der Auffassung, in der ersten Phase einer neuen Gesellschaft (mit einem das Kapital dominierenden Staat) würde es verschiedene Eigentumsformen nebeneinander geben, was ja auch dem Gebot des Pluralismus entspricht. Die privaten Betriebe allerdings müssten Auflagen bekommen, wonach a) die Vermenschlichung der Arbeitsbedingungen (ganz im Sinne von SCRUM und der intrinsischen Motivation) und b) der Umweltschutz Priorität haben. c) Umsatzsteigerung bzw. Profit nicht auf Kosten von a) und b); die rücksichtslose Profitmaximierung würde ausgebremst. Da das Privateigentum selber staatlichen Regelungen unterworfen wäre, könnten die oben genannten Auflagen im Prinzip (ohne Kontrollwut von Beamten) - auch mit Hilfe der Gewerkschaften, eingehalten werden.
Stowasser spricht von den natürlichen Bedürfnissen, die befriedigt werden müssten, wer Luxus liebt, kann dem ja frönen, sofern er die Möglichkeit dazu hast. Der Autor ignoriert die Bedeutung der wachsenden Bedürfnisse für die Weiterentwicklung der Menschheit. Ginge es nach ihm, würden wir immer noch auf Tontafeln schreiben. Das Internet ist kein natürliches Bedürfnis, also weg damit. Er hat recht mit dem Hinweis, dass der Kapitalismus die Bedürfnisse pervertiert; es gibt zu viel unnützes Zeug, welches Arbeitskraft kostet, um es herzustellen. Die Bedürfnisentwicklung muss wieder auf ein vernünftiges Maß reduziert werden, Werbung muss wieder eher Information sein usw. (Aggressive Werbung stachelt die Bedürfnisse an). In Maßen unterschiedliche Einkommen führen - wie auch schon im Kapitalismus - dazu, dass Innovationen, die am Anfang teuer sind, zuerst von den etwas besser Gestellten gekauft werden; mit der Verbilligung werden sie für die Masse erschwinglich. Also Einkommensunterschiede haben durchaus ihren Sinn, sie sind aber im Kapitalismus pervertiert worden.
Ghadafi führte die Selbstverwaltung ein, bis diese für ihn selbst gefährlich wurde.
Dass man nicht viel über Venezuela erfährt, ist ja kein Zufall, und wenn mal dann doch, so im Zusammenhang mit einer „schlechten Nachricht".
Stell Dir vor, die Delegierten der Selbstverwaltungsorgane (=SO) kommen zusammen, um zu entscheiden, wie Deutschland außenpolitisch reagieren soll im Falle eines Beschlusses der OPEC, bis auf´s weiteres kein Öl mehr zu liefern (vielleicht um so einen höheren Verkaufspreis zu erzielen). Oder der selbstverwaltete Betrieb Opel Deutschland hat festgestellt, die Produktion in Deutschland müsse teilweise nach Mexiko verlagert werden, damit die Rentabilität (und das Überleben) gesichert ist. Wieweit reicht die Solidarität der betroffenen, deutschen SO´s mit dem mexikanischen Volk?
Die Selbstverwaltungsgesellschaft kann offenbar nur funktionieren, wenn die Nationalstaaten sich aufzulösen beginnen zugunsten größerer Einheiten - das wäre eine historisch-logische Entwicklung. Ich kann mir nicht helfen, aber ich komme immer wieder zum Schluss, dass wir eine Synthese von Basis- und repräsentativer Demokratie brauchen. Deine Analyse des Parlamentarismus ist einfach Spitze und findet meine volle Zustimmung. Aber der Ausweg daraus... Das Internet würde es ja ermöglichen, zu allen denkbaren Fragen Volksabstimmungen abzuhalten, deren Ergebnisse für die Parlamente bindend wären. Der Vorlauf für die Abstimmungen müsste streng geregelt sein; so auch Werbesendezeiten und -dauer in den Medien (Parteienwerbung im Fernsehen wird ja schon so geregelt). Die Piraten machen soetwas ja schon („fluide Demokratie").
Ich sag ja, ein durch Wahlen hervorgegangener „Volksstaat" wäre nur ein erster Schritt hin zu mehr Basisdemokratie. Es sei denn, wir bekämen eine finale Krise. Dann würde z.B. auch die FAU bei der Arbeiterschaft mehr Zuspruch erhalten. Solange aber der Kapitalismus sich immer wieder zu Reformen durchzuringen vermag (was ich für besser halte, als blutige, chaotische Umstürze mit ungewissem Ausgang, vielleicht mit einer neuen „sozialistischen" Diktatur) sehe ich keine Grundlage für eine Veränderung des politischen Bewusstseins der Arbeiterschaft.
An Hugo Chavez sieht man, daas die zukünftige Welt nicht anders als pluralistisch sein kann. In Europa würde man einiges anders machen als er, jeder Kontinent hätte dann eine eigene Spielart des Sozialismus. - Ob die Äquivalenz-Theorie sich in der Praxis bewähren würde, wird wohl von Experten zu Experten verschieden beurteilt. Ich denke, auch diese Frage müsste in einer neuen Gesellschaft mit der Versuch-Irrtum-Methode getestet werden. Ernst zu nehmende Theorien einfach unter den Tisch zu kehren würde dem Gebot des Pluralismus widersprechen. - Das „Internet der Dinge" und die Roboterisierung werden menschliche Arbeit noch einmal auf atemberaubende Weise überflüssig machen. Der Mensch definiert sich über Arbeit, doch das wird sich ändern. Die explosionsartige Produktivitätssteigerung wird dazu führen, dass sich die Menschen mit verschiedenen Dingen beschäftigen werden, aber nicht jede dieser Beschäftigungen wird man als Arbeit definieren. Durch die weiter voranschreitende Vernetzung sind die Bedingungen gegeben, dass niemand mehr isoliert oder ausgegrenzt sein müsste. Die Selbstorganisation wird zunehmen und dominieren. Es wird nicht langweilig werden! - Voraussetzung ist natürlich eine andere Gesellschaft, in der die Vermögen gerecht verteilt sind. Nach meiner Einschätzung wird die künftige Welt so verworren und kompliziert sein, dass viele sich an die „gute, alte Zeit" erinnern werden, also an unsere jetztige, so übersichtliche Zeit...
... Ich glaube, wir kommen langsam über Marx hinaus; er wie auch Hegel, Feuerbach, die Anarchisten und andere bleiben aber die Quellen. Es geht zukünftig nicht mehr nur um soziale Belange, deshalb wäre der Begriff Sozialismus nur ein Übergangsstadium. Kommunismus kommt von „kommunal" oder „Kommune". Ich denke, es geht zukünftig um mehr; deshalb habe einfach mal den Begriff Omnialismus vorgeschlagen. Hiermit wird suggeriert, dass es um jeden geht und keiner ausgegrenzt sein wird, dass alle miteinander vernetzt sind, aber auch alle Dinge miteinander vernetzt sein werden (omnes= alle oder alles!)... - das „Internet der Dinge".
Ich denke, wir brauchen eine Synthese von gesellschaftlichem und privatem Eigentum, also die Interessen des Einzelnen werden eingebunden in die Interessen der Allgemeinheit. Also nicht mehr entweder / oder. Auch die Verflechtung Zentral / Dezentral, zwischen Staat und dem Einzelnen wird sich vertiefen; es wird ein „digitales" Verhältnis sein, und wegen der Pluralismustendenz wird sich auch Gruppeneigentum ausbreiten. Ganz sicher ist: Einfache Lösungen wird es weniger denn je geben!
Ist alles sehr kompliziert, aber gerade deshalb kommt man der Realität nahe.
Es ist doch mit den Händen zu greifen, wie faul, verdorben und charakterlos dieses System ist. Diese Amoralität und Passivität (von der auch Camerun für Großbritannien spricht) vergiftet die Atmosphäre des ganze Landes. Das geht schon los damit, dass man Angst hat, einen Kriminellen anzuzeigen und das vielleicht erst Recht, wenn er aus einer Einwandererfamilie kommt. Der Täter kriegt Bewährung und das Opfer dagegen ist u.U. für das ganze Leben gezeichnet. Es hat vielleicht obendrein Angst vor einem Racheakt. Die Medien sehen sich nicht genötigt, ihre erzieherische Funktion wahrzunehmen. In der DDR gab es "Der Staatsanwalt hat das Wort". Hier wurde versucht, zu zeigen, dass sich Kriminalität nicht lohnt. Wie ist es hier? Hier fühlen sich die Jungspunde besonders großartig dabei, Autos abzufackeln in Massen. Diese Typen kennen nur sich - blanker Egoismus. Man traut sich als Bürger fast nicht mehr, diesen Typen Einhalt zu bieten. Die Polizei beschwert sich bitter über die Justiz. - Was wir hier haben, ist schon stückweit eine Art Anarchie, die von so vielen jungen Leuten hier sehnlichst herbeigewünscht wird. Dass Anarchie aber auch brutal und antikollegial sein könnte, das bedenken sie nicht. Der Jugend muss man Schranken aufzeigen können! Doch genau das passiert hier nicht - im Namen der Freiheit und der Liberalität. Dieses System trägt die Schuld am Erstarken der NPD! Statt Charakter erleben wir windelweiche Charakterlosigkeit und Verantwortungslosigkeit, gepaart mit materialistischer Raffgier.
Mehr staatliche Kontrolle bei gleichzeitiger Ausweitung der direkten Demokratie ist genau der Weg, den wir brauchen. Widersprüchlichkeit führt zum Erfolg - das hat nicht nur mit Dialektik zu tun, auch die moderne Wissenschaft bejaht widersprüchliche Prozesse, weil nur so Bewegung zustande kommt. Stillstand, also Widerspruchlosigkeit gibt es in Diktaturen und bei orthoxen Ideologien. Kurzum: Gerade (dialektische) Widersprüche führen uns weiter, führen zum Erfolg!!! - Dieses theoretische Denken kommt bei allen Debatten hier leider zu kurz. Doch ohne Theorie wird die Revolution versanden...
Auch dieses Abfragen muss objektive Ergebnisse zeitigen - würden Einzelmenschen abgefragt, könnten wir zu subjektiven Ergebnissen kommen. Mein persönlicher Ansatz ist der: Teilaspekte der (globalen) Vernetzung sind logischerweise eine Intensivierung von Beziehungen (zwischen Menschen) und die Zunahme der Transparenz. (Ein Mangel an Glasnost würde ja die Vernetzung bremsen). Würde man es (sicher vorwiegend auf technischem Wege) erreichen, dass die Menschen aller Schichten von keinen (Häuser-)Mauern mehr voneinander getrennt wären, würden Millionäre und Verlierer der Gesellschaft buchstäblich (fast) alles voneinander wissen, da sie (z.B.) viel Zeit miteinander verbringen - würde man ein solches Klima der konsequenten Vernetzung schaffen (die ja ohnehin objektiv kommt) - dann hätte man die idealen Seismographen für die wahren Zustände der Gesellschaft. Natürlich wäre es eine Revolution, Millionäre dazu zu zwingen, den Armen und der gesamten Gesellschaft hautnah Einblick zu gewähren über ein Leben in Luxus und über die gängigen Tricks der Steuerhinterziehung. Die Konsequenz einer solchen Matrix wäre schlicht Befreiung.
Die Richter vom Volk wählen? Dann dürfte die Rechtsprechung der Richter abhängig sein von der jeweiligen Stimmung im Volk - mal sollen diese liberal, dann wieder streng urteilen, je nach Zeitgeist. Sind solche Urteile dann noch gerecht? Mit den Richtern ist es wie mit allen Entscheidern der Gesellschaft: ab welcher Ebene müssen sich diese zur Wahl stellen - als Bundes-, Landes- oder Amtsrichter? Welche Berufsgruppen sollten ebenfalls gewählt werden und welche nicht? Basisdemokratie heißt doch nicht, dass die Entscheider nicht mehr selber entscheiden können!!! Der Widerspruch zwischen oben und unten muss deshalb erhalten bleiben! Es ist ja gerade dieses Klassensystem hier, das die untere Seite dieser Widerspruchs-Konstellationen unterdrückt, also tendendenziell liquidieren möchte. Worum es heute geht ist, Mechanismen zu schaffen, wodurch den unterdrückten Rechten des Volkes wieder der gebührende Platz eingeräumt wird (Basisdemokratie). Andererseits müssen Entscheider immer noch selbst entscheiden können! Die paritätische Mitbestimmung ist das Modell für die Widerspruchs-Konstellation von Arbeitgeber-Arbeitnehmer. Dieses Modell ist anzuwenden auch auf die Konstellation Kapital und Arbeit, Behörden und Bürger, Parteien und ihre Wähler, Regierung und Bevölkerung. Ohne Gleichgewichtung der beiden Pole eines Widerspruchs droht diesem die Gefahr der Liquidierung. Die Kontrahenten stehen damit oft vor einer Pattsituation, die man durch Mediatoren, Gerichte, neutrale Letztentscheider oder durch Volksbefragung überwinden kann. Der Austausch zwischen den Widerspruchspolen muss zudem intensiviert werden mit dem Ziel der völligen Transparenz. In fernerer Zukunft werden die Widersprüche ein anderes, "entschärftes" und pluralistisches Gesicht bekommen. - Was ich damit sagen will: Ohne fundierte Gesellschaftsanalyse wird die basisdemokratische Ambition nicht von Erfolg gekrönt sein!
Es muss mit aller Konsequenz durchgesetzt werden, dass nur Befähigung (Begabung, Wissen, emotionale Intelligenz, Erfahrung) der Gradmesser sein darf, welche Position jemand einnimmt. Niemals wieder der Posten durch Beziehungen, Geburt, Eltern, Bestechung, falsche Doktorarbeiten u.ä. Jeder, der eine "wichtige" oder leitende Stelle hat, soll sie verdient bekommen haben. Diese Leute bekommen von uns dann auch den gebührenden Respekt.
Eine konkrete Maßnahme wäre ja schon, dass niemals wieder ein Titel (Adelstitel, Diplom oder Doktor) ungeprüft akzeptiert wird. Niemals wieder Privilegien durch Tricks und Fälschungen!
...Das ist eben eine Machtfrage. Wäre die Macht dauerhaft beim Volke angesiedelt, würden wir die technischen Möglichkeiten zur Schaffung von vollständiger Transparenz akzeptieren, dann kann der Filz agieren wie er will - dem Volke entgeht nichts. Die Versuchungen und Verführungen in Richtung Klüngelwirtschaft und Missbrauch wird man vermutlich nicht beseitigen können, aber man kann die Machtverhältnisse umkehren.
BASISDEMOKRATIE kann bedeuten, dass Bayern nichts mehr in den Länderfinanzausgleich einzahlt. Oder dass Griechenland keine Hilfen mehr von uns bekommt (obwohl der deutsche Export vom relativ niedrigen Eurokurs profitiert hat. Profitiert hat davon allerdings nicht der „kleine Mann"). BASISDEMOKRATIE muss daher etwas anderes bedeuten: Zum einen hätte zum Beispiel schon während der Planung des neuen Berliner Airports BER absolute Transparenz herrschen müssen. Zum anderen hätten alle betroffenen Anwohner um den Flughafen entsprechend dem Betroffenheitsradius in das Projekt einbezogen werden müssen. Der Betroffenheitsgrad der Menschen, die weiter weg wohnen, ist naturgemäß geringer. Aber auch sie müssen mit berücksichtigt werden, zumal diejenigen, die durch den Wegfall der beiden alten Flughäfen profitieren wie auch diejenigen, die oft den Flieger nutzen müssen, aber auch die Experten, Politiker und die beteiligten Baufirmen. Möglicherweise wäre durch diese Verfahrensweise der Airport an einem anderen Standort gebaut worden. BASISDEMOKRATIE kann nicht bedeuten, dass Entscheider nicht mehr selbst entscheiden können. So muss die Bundesregierung selbstständig Beschlüsse fassen und Gesetze beschließen können. Sie muss vor allem in der Lage sein, die Hochfinanz und das Großkapital dem Regierungsauftrag unterzuordnen. Heute werden umgekehrt die Regierung und die Abgeordneten getrieben von den Wünschen der Wirtschaft und vom Gedanken an die Wiederwahl. Die Regierung muss also mit mehr Macht, Unabhängigkeit und Souveränität als heute ausgestattet werden. Diametral dazu aber haben sich die Regierungsmitglieder in einer DIREKTWAHL dem Volke zu stellen. Heutzutage stehen zwischen den beiden Polen Regierung und Volk noch die Parteien und die Lobbyisten, so dass die Widerspruchskonstellation Regierung-Volk gewissermaßen von Unschärfe gekennzeichnet wird. Widersprüche aber dürfen nicht „verwischt" oder gar unterdrückt werden. Dies geschieht im heutigen Kapitalismus, indem der Faktor Arbeit zugunsten des Kapitals, die Arbeitnehmer zugunsten der Arbeitgeber, die Bürger zugunsten der Behörden, die Wähler zugunsten der Parteien und die Bevölkerung zugunsten der Regierung benachteiligt werden. Regierung und die Bürger müssen also künftig direkt miteinander kommunizieren, sie müssen direkt voneinander abhängig sein und erstere muss von letzteren direkt gewählt werden können. Nur auf diese Weise wird die BASISDEMOKRATIE Bestand haben.
...Diese Bestimmung könnte einige (die ganz Politikmüden natürlich nicht) Stimmberechtigte zusätzlich ermuntern, das Kreuz zu machen, weil es sich ja schließlich auszahlt, wenn die eigene Region (bisher Bundesland) möglichst viele eigene Abgeordnete stellen kann. Die Idee, auf diese Weise die Wahlbeteiligung zu erhöhen, ist wegen ihrer Einfachheit schon wieder genial zu nennen. An diesem Beispiel sieht man mal wieder, wie das kreative Potential des Volkes im Kapitalismus nicht wirklich zum Zuge kommt. (Im Ostblock war das allerdings noch schlimmer). In der künftigen basisdemokratischen, transparenten, vernetzten und pluralistischen (und damit herrschaftsfreien) Gesellschaft dürften diese Schranken fallen - die Auswirkungen könnten uns das Staunen lehren. - Zurück zu Deiner Frage: Wer partout sich nicht einbringen will, der muss sich halt gefallen lassen, in seinen Interessen übergangen zu werden.
Glasnost ist nicht zu verhindern, weil er ein objektiver Prozess ist - es wäre ein Kampf gegen Windmühlen. Darum MÜSSEN wir die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern. Am Ende muss eine Gesellschaft stehen, in der der Datenschutz überflüssig wird. Leider verstehen nur wenige diesen Zusammenhang.
...Ich kann Dich verstehen. Auch rechtspopulistische Initiativen und Parteien ("Rechtsstaatliche Offensive" von Schill oder die Republikaner hier) schlafen irgendwann ein. - Es gibt ja den Spruch: „Wenn die oben nicht mehr können und die unten nicht mehr wollen", dann gibt es eine Umwälzung. Es sieht ja so aus, als wären wir jetzt in einer fundamentalen, antagonistischen Krise des Systems. Die daraus entstehenden Ängste der Bevölkerung führen zu einer großen „Suchbewegung", die Leute sind orientierungslos geworden. Sie grübeln zum ersten Mal ernsthaft über Alternativen nach. Die Bereitschaft für den Systemwechsel nimmt immer mehr zu. Das scheint eine völlig neue Situation zu sein, zumal ja sogar erzkonservative Spekulanten auf unserer Seite zu sein scheinen. Zum Zweiten glaube ich, man muss auch sagen können, worin die Alternative denn nun konkret besteht. Die Leute müssen wissen, wie sie aus dem momentanen Schlamassel herauskommen. Wir brauchen eine (wissenschaftliche) Theorie für den epochalen Wandel. Dies ist ein Gebiet, für das ich eine Leidenschaft entwickelt habe... Dazu noch das Angebot einer neuen, revolutionären Verfassung, das ja bereits besteht. - Also einerseits ist die Bereitschaft der Leute für den Wandel zum ersten Mal den objektiven Umständen geschuldet, und wenn dann zweitens noch eine wissenschaftliche Theorie des Auswegs angeboten werden kann, dann dürften die von uns vertretenen Ambitionen nicht einschlafen...
S., gerade das ist doch das Neue: die (vor allem dialektischen) Widersprüche deutlich herauszuschälen, sie zu „befreien" von „fremdem Ballast" und sie so zu erhalten. Das kann man aber auch nur, wenn beide Widerspruchspole gleichgewichtigt sind. Widersprüche sind die Motoren des Universums, ohne sie gibt es keinen Fortschritt. In der menschlichen Gesellschaft allerdings hat man es mit der Besonderheit zu tun, dass der jeweilige Widerspruchspartner in dem anderen reflexiv abgebildet wird. Also die Bürger werden immer mehr die Denkweise der Regierung verinnerlichen, ohne die eigene Position in Frage zu stellen. Die Regierung wiederum wird immer mehr die Denkweise der Bürger verinnerlichen, ohne die eigene Position aufzugeben. Diese Besonderheit hängt mit der Eigenschaft der menschlichen Psyche zusammen, sich in einen anderen hineinversetzen zu können.
1. zu Marx: Der alte Hund ist noch nicht tot! Beweis: Seine These, dass Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse übereinstimmen müssen, stimmt nach wie vor. So wird die effektive und globale Selbstverwaltung(-organisation) [=PV] überhaupt erst heutzutage möglich durch die Nutzung von EDV/Internet [=PK]. Diese Technologie vermeidet das Chaos der Abstimmung und die Verringerung der Arbeitsteilung (wer kennt sich schon in allen Sparten aus?) beim Selbstverwaltungssystem.
2. zu den Preisen: Ich glaube nicht, dass es mit Einheitspreisen funktioniert, denn diese berücksichtigen nicht die spezifischen Bedingungen vor Ort und die Zeit. Vereinheitlichung würde auch der Pluralismustendenz widersprechen. Die Preise bzw. das Geld werden künftig sicher eher formale, digitale Verrechnungseinheiten sein.
3. zur Struktur: Selbstverwaltung würde z.B. den positiven Effekt der lokalen Selbstversorgung hervorbringen, so dass nicht mehr massenhaft Früchte aus dem anderen Ende der Welt herbeigeflogen werden usw. Aber gerade wegen der neu gewonnenen Lokalität bedarf es einer übergeordneten, globalen Regulierung der Weltwirtschaft und des politischen Weltsystems. Dieses zentrale Organ könnte die UNO sein, wenn sie mit erweiterten Befugnissen ausgestattet wäre. Wer wenn nicht dieses Superorgan kann die Hochfinanz und das Großkapital in Schach halten? Die Selbstverwaltungseinheiten jedenfalls sind zu dieser Regulierung überhaupt nicht in der Lage - diese Einheiten wären leicht gegeneinander ausspielbar (an den neuen, edlen Menschen der Zukunft glaube ich nicht). Die dezentralen, lokalen Einheiten auf der einen Seite und die Super-UNO auf der anderen Seite bedingen einander - und nur so sieht unsere Zukunft aus! Es wird dann noch basisdemokratisch gewählte Regierungen geben, aber ihre Bedeutung wird zurückgehen zugunsten der globalen Regulierung (parallel dazu die Tendenz hin zu den Vereinigten Staaten von Europa).
4. zur Eigentumsfrage: Der Pluralismus setzt die freie Entfaltung aller Eigentumsformen voraus. Privat geführte Konzerne werden - da deren Managemententscheidungen sehr viele Menschen betreffen (hoher Betroffenheitsradius) - im Rahmen eines staatlich verordneten „Korsetts" geführt werden, so dass sie ineinander verschachtelten und miteinander verknüpften Selbstverwaltungseinheiten ähneln. Hier wie auch bei den kleineren Firmen, die im eigentlichen Sinne selbstverwaltet (oder genossenschaftlich) strukturiert sind, bleibt es aber bei dem Prinzip der Widerspruchskonstellation „Arbeitnehmer" - Leitung (Entscheider). Beide Widerspruchspole sind (zunächst) gleichgewichtet. - Andere Eigentumsformen sind die kleinen Privaten (wie der Bäcker), die sehr frei agieren werden können, sind öffentliches, davon speziell kommunales und auch staatliches Eigentum (zu letzterem könnte die Zentralbank und die Rüstungsindustrie gehören - Waffen gegen Kriminelle...)
Da die untere Ebene einen höheren Betroffenheitsradius aufweist (die Volksmassen oder die „Arbeitnehmer") als alle darüber liegenden Ebenen (zu sehen als Pyramide), da bei den unteren Ebenen also die Interessen von mehr Menschen berührt werden als bei den oberen Ebenen, haben diese letzten Endes „das Sagen". Die Disziplin, als einfacher Bürger, Wirtschaftseinheit, Region oder Staat die Gleichgewichtung der Super-UNO (Weltregierung) anzuerkennnen, muss gegeben sein. Dasselbe gilt bei der Konstellation „Arbeitnehmer" - Leitung (Chef). Aber die letzte Entscheidung, wenn bei einem Konflikt der Mediator, der neutrale Letztentscheider, das Gericht oder die außergerichtliche Einigung keine befriedigende Lösung herbeiführen können, liegt bei der Mehrheit. Dann wird die Mitgliederbefragung oder der Volksentscheid unumgänglich. - Alle soeben genannten Widerspruchskonstellationen dürfen nicht durch „Unschärfe" gekennzeichnet und in ihrer Widersprüchlichkeit „verwischt" sein. Schon gar nicht darf einer der beiden Widerspruchspole unterdrückt werden. Der Kapitalismus hat die Tendenz, Widersprüche zu unterdrücken oder gar auszumerzen. Das sieht man an der Konstellation Arbeitgeber und "Arbeitnehmer", Kapital und Arbeit, Behörden und Bürger, Parteien und ihre Wähler, Regierung und Bevölkerung. Es kommt aber darauf an, die Widersprüche „zu befreien" nach dem Modell der paritätischen Mitbestimmung. Weiterhin kommt es darauf an, das „Wesensfremde" und Störende aus einem Widerspruch zu entfernen. So erscheinen bei der Konstellation Regierung und Volk die Parteien und die Lobbyisten mit ihren Sonderinteressen als Störfaktoren im Hinblick auf die optimale Funktion des Widerspruchs.
Demokratie heißt bekanntlich Herrschaft des Volkes oder auch Herrschaft der Mehrheit. Beim heutigen Demokratieverständnis bedeutet Herrschaft der Mehrheit jedoch nicht Unterdrückung der Minderheit. Migranten, Behinderte, Senioren und auch die Reichen befinden sich in der Minderheit inmitten des Volkes. Sie haben dennoch zunächst (hoffentlich) die gleichen Rechte wie die Mehrheit des Volkes. Diese Widerspruchskonstellationen der Mehrheit mit den jeweiligen Minderheiten haben also (hoffentlich) gleichgewichtige Pole, die sich nach dem Muster der paritätischen Mitbestimmung zueinander verhalten. Nur für den Fall, dass ein antagonistischer Konflikt auftaucht, wenn also eine bestimmte Minderheit sich nicht mit der Mehrheit einigen kann und alle Vermittlungsbemühungen hierzu scheitern, wird den Interessen der Mehrheit der Vorrang gegeben. Die Mehrheit darf sich dann - unter der Maßgabe der Gewaltfreiheit - durchsetzen. Dieses Privileg der Mehrheit lässt sich damit begründen, dass ihr Betroffenheitsradius größer ist als bei jeder Minderheit, die schiere Zahl an betroffenen Menschen einfach größer ist als die Zahl an Menschen einer Minderheit. Insofern kann das heutige Demokratieverständnis als das denkbar humanste aller möglichen Demokratieformen bezeichnet werden.
Dieses Denkschema lässt sich übertragen - wie schon angedeutet - auf das Verhältnis zwischen den Reichen des Volkes und dem Volk selbst. Es lässt sich auch übertragen auf das Verhältnis zwischen Arbeit„geber" und „Arbeitnehmer", Leitung („Chef") und Team, Kapital und Arbeit, Behörden und Bürger, Parteien und ihre Wähler, Regierung und Bevölkerung, UN-Generalsekretär und die UNO-Mitgliedsstaaten.
Die Übertragung der modernen Demokratievorstellung auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens schafft also eine spezielle Form von Basisdemokratie, deren Erfolg hinsichtlich einer dauerhaften Existenz dadurch gewährleistet ist, dass die moderne Demokratie bereits seit langem die Industriestaaten geprägt hat. Sie gilt bis heute als alternativlos. Die dauerhafte Existenz anderer vorstellbarer Formen der Basis- oder direkten Demokratie bleibt dagegen Spekulation. Wir haben die Wahl, ein bewährtes Demokratiekonzept lediglich auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auszudehnen oder aber Experimente zu starten, deren Ausgang - so zeigt es die Geschichte - alles andere als gewiss ist.
Das war ein Ausflug in die Zukunft und so wird es kommen!
Eine Welt ohne Widersprüche wäre zum Stillstand verurteilt. Man muss daher die Widersprüche, denen eine Tendenz zur Selbstzerstörung eigen ist, ins rechte Lot rücken. So entsteht eine Gesellschaft, die hervorragend funktioniert und die gleichzeitig ihren Ausbeutungscharakter verliert. Keiner kann mehr den anderen übervorteilen! Das ist wahre Dialektik: Die Verhältnisse (=Widersprüche) vom Kopf auf die Füße stellen.
...Die Funktionäre „verunreinigen" und verfälschen doch die von Dir genannte Widerspruchskonstellation! Die müssen da raus! Das ist wie mit den Parteien! Wenn die Arbeit„geber" dieses Denkmodell der gleichgewichtigen (gleiche Kräfteverhältnisse) Widerspruchspole begriffen haben, könnten sie dazu beitragen, ihre eigene Haut zu retten und die Menschheit auch noch gleich dazu. Dazu müssen aber auch die anderen Widersprüche „harmonisiert" werden.
...I., S. sagt ganz richtig, wenn sie hier von Mitbestimmung spricht. Denn in einer Basisdemokratie ist Leitung nach wie vor absolut notwendig, und die Leitung hat nun mal einen besseren Überblick als der, der am Schraubstock steht. Der befreite Widerspruch ist einer, bei dem keine Seite versucht, die andere zu unterdrücken/übervorteilen/auszumerzen. Denn diese Handlung führt ja tendenziell zur Ausmerzung des Widerspruches selber!!! Eine „Verschmutzung" des Widerspruches ist ebenfalls ein Problem, womit ich bei diesem Beispiel den Betriebsrat meine, der leider oft auch eigene Interessen vertritt. Der Betriebsrat müsste verschwinden, falls er also eigene Interessen vertritt. Dies würde dann die Befreiung des Widerspruches bedeuten. Ich glaube, hier hätte man ein logisches Gedankenmuster, mit dessen Hilfe man (endlich) die Befreiung des Menschen selber erreichen kann.
A. und I., ich glaube, eine Welt ohne Widersprüche führt zur Stagnation (das sehen die alten Philosophen ja im Prinzip auch so - ohne Widerspruch keine Bewegung usw.) Meine ganz persönliche Erfahrung aus der DDR-Zeit spielt hierbei eine Rolle. Dort hatten Widersprüche aus ideologischen Gründen nicht zu sein, und das Ergebnis war lähmende Stagnation in allen Bereichen des Lebens. Uns wurde in der Schule beigebracht, wie herrlich die Völkerfreundschaft und wie toll der arbeitende Mensch (=Arbeiterklasse) ist. Wir hatten die beste Erziehung in moralischer Hinsicht, das ging bis zum Altruismus (Subbotnik z.B.) Wie man sieht, hat alles nicht geklappt. Der Mensch bleibt ein zwiespältiges Wesen. In der DDR habe ich miterlebt, wenn der Chef milde war, dass dann kaum mehr gearbeitet wurde. Die DDR war keine Ausbeutergesellschaft, wie diejenigen oft glauben, die dort nicht gelebt haben. Dort war eher ein bisschen Schlendrian, und in den Betrieben hatte man wesentlich mehr Freiheit als im Westen; man war abgesichert, selbst wenn man Alkoholiker war. Schwerbehinderte hatten Arbeit. Man musste nur die politischen Äußerungen auf den Freundeskreis beschränken. - Da war vieles so, wie ihr euch die Gesellschaft vorstellt!!! - Mit dem Gedanken der befreiten Widersprüche kann es gar keine Unterdrückung mehr geben, folglich würde Eigentum nicht mehr zur Machtausübung verwendet werden. Da bliebe nur noch die ungleiche Verteilung von Eigentum. Zu dieser Frage hatte ich gesagt, dass der Besitz der Menschen in Relation zueinander stehen muss. Also z.B. ist es gerechtfertigt, wenn jemand die Wohnungseinrichtung seiner Mutter erbt - obwohl das ungleiches Eigentum schafft. Der Besitz von Eigentum muss im Hinblick auf die anderen Menschen begründet sein. Etwas anderes ist, wenn jemand ohne eigene Leistung Milliarden erbt usw. usf. Das Vermögen bildet in diesem Fall keine Relation zum Vermögen der anderen Menschen - die Relation ist dann verschwunden. Sie darf aber ebensowenig verschwinden, wie auch die Widersprüche erhalten bleiben müssen. Ich glaube also, dass privates Eigentum erhalten bleibt, allerdings wird es dann gerechtfertigt sein und es wird kein Machtinstrument mehr sein. Gleicher Besitz (oder Eigentum) kann es schon wegen dem Pluralismus-Axiom nicht geben.
...A., schon deswegen wird man künftig nicht mehr allein darüber entscheiden können, wieviel man besitzen möchte. Das führt dann etwas in die von Dir genannte/angestrebte Richtung. - I., wir hatten uns ja schon darüber unterhalten, wie basisdemokratische/anarchistische Betriebe usw. sein müssten. Ich meine eben, ohne Leitung geht es nicht. Der „Chef" kann ja von der Belegschaft gewählt worden sein, oder die Belegschaft stimmt dem Personalvorschlag der noch weiter übergeordneten Leitung zu. Warum soll ein Ingenieur mit seinem Überblick nicht Arbeitspläne ausarbeiten dürfen? Da häufig im realen Arbeitsleben die Zeit knapp ist, kann die Belegschaft nicht über jede Kleinigkeit abstimmen - der Ingenieur oder der Leiter gibt eben dann die Richtung vor. Auch das ist Basisdemokratie.
Ich hatte auch die Konstellation Arbeit-Kapital erwähnt. Beide Seiten sind voneinander abhängig. Hätten wir die Demokratie, wären beide Seiten gleichgewichtig, keine würde die andere über den Tisch ziehen. Ansonsten wäre es eine Straftat. Dass Mitbürger und Mitarbeiter Eigentümer werden, würde ich sogar steuerlich fördern, damit die Selbstverwaltung in Gang kommt. Hier befinden sich Arbeitgeber (evtl. auch Kapitalgeber) und Arbeitnehmer in einer Person (Personalunion). In einer Person wird dieser Widerspruch ausgetragen. Nach meinem Gefühl wird das allmählich in diese Richtung gehen. Ansonsten aber bin ich für Vielfalt der Wirtschaftsformen (wegen dem Pluralismusgebot). So ist das auch in Venezuela.
Kollektivismus und Individualismus müssen miteinander verknüpft werden - gerade weil sie im Widerspruch zueinander stehen. Zum Begriff Widerspruch habe ich auch in den Notizen was geschrieben. Außerdem der Pluralismus aller Eigentumsformen, wobei die Selbstverwaltung gefördert werden muss, denn wegen ihrer Neuheit kann sie noch nicht mit den anderen Eigentumsformen konkurrieren.
...I., wer spricht vom Sozialismus? Ich meinte, dass wir auch jetzt zwei Phasen haben werden --> 1. Phase: der Volksstaat. So wie ich ihn beschrieben habe, führt er die Menschen an die Selbstorganisation/-verwaltung/-bestimmung heran. Es gibt noch die Trennung eigene Interessen / fremde Interessen. Fremdbestimmung wird trotz konsequenter Demokratisierung nicht vollständig verschwunden sein, Fremdherrschaft dagegen ja. 2. Phase: Selbstbestimmtes Leben. Die Interessen anderer Menschen werden Teil des eigenen Willens und Handelns. Die Widersprüche zwischen fremd und eigen, zwischen Anleiten und Ausführen usw. verlagern sich in ein und dieselbe Person. - Ich denke, der Entwicklung von zwei Phasen kannst auch Du zustimmen. Du sprichst ja selber sinngemäß, dass die Menschen erst lernen (erkennen) müssen.
...I. und F., noch mal ein Gedanke zur ersten Phase: Die gegenseitige Achtung von Käufer und Verkäufer, Chef und Team, Wahlvolk und Regierung usw. ist dann nicht einfach moralischer, sondern grundsätzlicher Natur. Es muss sogar gesetzlich festgeschrieben werden (ähnlich wie bei der paritätischen Mitbestimmung), dass beide Seiten gleichgewichtig sind, so dass beide Seiten einfach gezwungen sind, miteinander bis zum geht nicht mehr zu kommunizieren. Jeder trägt dem anderen seine Argumente vor und streitet für sie. Das soll ruhig hitzig zugehen, denn genau dabei lernt das Volk Zusammenhänge zu verstehen und auch mal eigene Interessen hinten an zu stellen. Dieser intensive Dialog ist die direkte Schule des Volkes auf dem Weg zur Selbstverwaltung!!! Erst wenn es in der „lautstarken" Auseinandersetzung keinen Kompromiss gibt, sollte der Schlichter oder ähnliches eingeschaltet werden. Sollte das Angebot des Schlichters nicht die Zustimmung beider Seiten finden, ist die jeweilige Mehrheit einer solchen Widerspruchskonstellation (das Team hat mehr Menschen als der Chef selber usw.) gesetzlich berechtigt, sich durchzusetzen. Das sind also klare Regeln, eine Ausweitung der modernen Demokratie auf alle Bereiche der Gesellschaft. Die gesetzlich verordnete intensive Kommunikation mit dem Widerspruchspart auf der Grundlage völliger Transparenz schwächt die negativen Erscheinungsformen von Herrschaft, demokratisiert den Kapitalismus/Marktwirtschaft. Diese erlernte Fähigkeit zum Dialog muss aber auch angewendet werden zwischen Menschen „gleichen Ranges", also z.B. zwischen Kollegen oder Freunden. Man kann diese erlernte Fähigkeit auch einfach Toleranz nennen, weil man den Standpunkt des Anderen für sich selbst verinnerlicht. Mit diesen Eigenschaften ausgestattet ist das Volk reif für den Übergang in die 2. Phase - die des selbstbestimmen Lebens. Selbstverwaltung wird also nicht von lauter Egoisten „gemacht", denn das wäre das Ende derselben, sondern von reifen Menschen, die den Widerspruch in sich selbst austragen. Der Staat ist verschwunden und mit ihm alle Formen von Herrschaft, aber keineswegs auch die verschiedenen Interessen der Menschen. Natürlich hat ein Kongolese z.B. eigene Vorstellungen über die Verwendung landeseigener Rohstoffe, das muss er mit einem Deutschen eben durchdiskutieren - mit dem Ziel Nutzen gegen Nutzen.
...Wir ... suchen ja gerade die Prinzipien, die uns von den Parteien unterscheiden. Es muss so funktionieren, das ein Einzelner gar kein Interesse hat, sich allein ehrgeizig hervorzutun. Anders gesagt: entweder alle Mitglieder der neuen Bewegung werden mitgenommen oder gar keiner. Oder noch klarer: Die Wähler dieser Bewegung kommen an die Macht, nicht nur die Mitglieder. Oder noch konsequenter: Das ganze Volk kommt an die Macht! Die Basisdemokratie bei den Grünen kann man als gescheitert erachten, wir dagegen müssen ihr wieder Leben einhauchen!
Parteien und Wahlvolk: Fukushima hat die Grünen hochgepuscht. Kaum sind ein paar Monate ohne neue Nachrichten über die japanische Tragödie über Land gegangen, stürzt diese Partei wieder ab. Da sieht man, dass der vermeintlich mündige Wähler in hohem Maße von den Medien beeinflußt wird. Ergo: Basisdemokratie erfordert auch eine Beendigung derTrennung der Medien vom Volk. Die Medien sollen den Pluralismus widerspiegeln und gleichzeitig die Stimme des Volkes sein. Zum Volk aber gehören auch wirklich unabhängige Experten, die nicht dem Diktat des Sensationsjournalismus unterworfen sind.
...I., damals im Osten hieß es immer: „Die DDR, dein Heimatland". Es lag auch an dieser emotionsfreien Abkürzung, dass fast niemand die DDR als sein Heimatland empfand. Die DDR war irgendwie ein bürokratisches, künstliches, zu klein geratenes, graues und ödes Gebilde, als dass man sich mit ihr hätte identifizieren können. Mit meiner Ausreise in den Westen und nachdem ich den überwältigenden Strom an Neuigkeiten verarbeitet hatte, empfand ich zum ersten Mal ein Heimatgefühl. Ich war nunmehr im Land meiner Väter, der Heimat von Goethe und Schiller - ICH WAR IN DEUTSCHLAND! - I., Du wirst vermutlich die überwältigende Empfindung nicht verstehen, die ich hatte, als ich mich auf einmal als Deutscher fühlen durfte, denn Du magst den Namen unseres Landes nicht. Das Gefühl ist ganz ähnlich dem, wenn sich jemand als Brandenburger, als Badener oder Holsteiner empfindet. Dem Menschen seine Identifizierung mit einem Landstrich oder aber auch - im großen Maßstab - mit Europa nehmen zu wollen, muss man daher als einen Akt von Bevormundung ansehen - jedenfalls solange Heimatliebe nicht in Chauvinismus ausartet.
...Genau. Das muss zusammengefügt werden. Die Mitarbeiter sollen selber entscheiden, ob sie nicht nur betriebl. Mitbestimmung, sondern auch betriebl. Mitverantwortung haben wollen. Wenn sie das wollen, können sie die betriebliche Selbstverwaltung beantragen (nachdem sie u.a. durch das Konvergenzverfahren geschult wurden). Der Staat sollte dann dieses Begehren fördern. Wenn konkret keine Selbstverwaltung gewünscht wird, dann bleibt es beim Alten. So entsteht eine Wirtschaft mit Pluralismus in den Eigentumsformen.
S., alles in den „..." kann ich unterschreiben. Leider hängt die Verwirklichung solcher Vorschläge von (gesellschaftlichen) Bedingungen ab, die wir alle kaum beeinflussen können. Wenn die Hochfinanz das nicht will, wird keines dieser Vorschläge umgesetzt. Also müssen wir was am System selber ändern. Wir müssen die Massen befähigen, die Wirtschaft effektiv zu führen und die Gesellschaft gerecht zu gestalten. Nur so kann vermieden werden, dass immer wieder neue (und alte) Minderheiten über die Mehrheit herrschen. Daher glaube ich nach wie vor, dass das Modell der Konvergenzdemokratie der richtige Einstieg für die Lösung dieser Grundfrage ist.
Die heutigen Menschen sind mehrheitlich nicht in der Lage, komplett selbstorganisiert zu leben. Sie müssen das lernen!!! Das geht am besten mit den altbekannten staatlichen Strukturen, an die wir Menschen ja gewöhnt sind. Wenn die Menschen gar nicht wollen, das Führen und Leiten selbst in die Hand zu nehmen, dann sollten sie per Gesetz dazu aufgefordert werden! Der Reiche und der Normalbürger/Arme sollen sich gegenseitig in ihren Wohnungen aufsuchen, sollen alles kennenlernen direkt vor Ort - doch viele der Normalbürger hätten Hemmungen, das zu tun (die Reichen sowieso) - daher die gesetzlichen Bestimmungen, das in die Wege zu leiten! Im Gegensatz zu Dir betrachte ich den REALEN Menschen, den Du idealisierst. Ich gehe mit absoluter Nüchternheit an die Problematik heran, weil ich den Erfolg der neuen Gesellschaft will. So, wie Du herangehst, kommt der Erfolg nicht! Einzige Ausnahme: Alles kracht global zusammen, dann haben wir über Nacht die Selbstverwaltungsgesellschaft. In diesem Fall müssten wir sofort lernen, uns selber zu regieren.
Wegen dem zunehmenden Pluralismus kommen immer mehr verwirrende Ideologien zur Welt. Die einzige Richtschnur kann heutzutage nur noch sein, welche der Gruppen oder Weltanschauungen dogmatische, orhodoxe oder indoktrinäre Aufassungen haben. Allen Tendenzen solcher Ideologien gilt es zu widerstehen, insbesondere solchen, die nicht nur diese subtile Gewalt predigen, sondern sogar die offenherzige, direkte, brutale.
I., dieses Prinzip, auf den anderen zugehen zu müssen, würde ich sogar zur Pflicht machen. Wir bräuchten regelrecht ein Gesetz, das jedes Individuum oder jede Gruppe verpflichtet, sich mit einem Widerspruchspartner auf das Intensivste auseinander zu setzen. Der Atheist und der Katholik besuchen sich gegenseitig und diskutieren absolut offen, der Arbeitnehmer und der (reiche) Unternehmer schauen sich ihre Wohnungen (Häuser) gegenseitig an, da darf nichts verschwiegen werden: wo ist die Yacht, wie teuer war sie, wieviel Steuern werden gezahlt, ist das Vermögen ursprünglich von einer Erbschaft, wie gehts den Kindern? Und umgekehrt beim Arbeitnehmer. Absolute Transparenz! So kann aus der zerissenen Gesellschaft, die fast nur noch aus Parallelgesellschaften besteht, endlich wieder ein Volk werden. In dieser KONVERGENZDEMOKRATIE werden sich die Widerspruchspartner einander annähern, weil sie den jeweils anderen dann kennen und verstehen. Dieses Vorgehen ist auch auf die internationale Ebene übertragbar. Mit dieser Entideologisierung und diesem Gewaltverzicht wird meines Erachtens DER EINZIGE WEG gewiesen, dieser Welt ihren Frieden zurück zu geben.
Transparenz, Virtualisierung, Informatisierung, Individualisierung, Vernetzung - das prognostizieren Zukunftsforscher.
Man kann auch sagen, das Denken muss erst noch befreit werden. Und dieses sich selbst immer mal zu hinterfragen ist natürlich eine der größten intellektuellen Leistungen. Denn man sieht die Welt - leider - durch die EIGENE Brille. Ich glaube aber, es wäre psychisch verheerend, die rosa Färbung der eigenen Brille völlig auszulöschen. Ohne das Rosa würde man nur die eigene Nichtigkeit innerhalb der Menschheit und die völlige Sinnlosigkeit erkennen, dass man überhaupt lebt. Entweder man GLAUBT an sich oder man GLAUBT an eine höhere Instanz, wenn man psychisch gesund bleiben will. Mir bleibt nur die erste Variante... Mit mehr Liebe auf der Welt würde die Sehnsucht vieler nach Gott nachlassen.
Im Gegensatz zu früher können Menschen heute verheerendes Unheil anrichten: Über Fernsehen lassen sich Millionen Zuhörer beinflussen, die Automation in den Schlachthöfen schafft tausende Qualen pro Tag, eine Bombe (die Atombombe) oder Biowaffen vernichten Millionen. Die vielen Quellen von Kohlendioxid können erstmals das Klima künstlich verändern. Das schaffte früher keiner.
Der Adler war die erste Lokomotive der Welt. Hätte es damals bereits die grüne Bewegung gegeben, Eisenbahnen wären nie gebaut worden, weil die Schienenstränge und die Bahnhöfe die Landschaften zerstören mitsamt den Baumfällungen. Da aber Straßen damals schon existierten, hätten die Grünen den Automobilverkehr favorisiert.
Die Widersprüche müssen so sein wie bei Mann und Frau: Gleichberechtige Partner, die zusammengekommen sind, weil sie Gemeinsamkeiten haben und die zusammengekommen sind, weil sie unterschiedlich sind... Sicherlich haben sie sich auch zusammengerauft. Und so sollte es bei allen Widersprüchen sein: die beiden Parts raufen sich zusammen, brauchen aber ihre Persönlichkeit nicht aufzugeben. Regierung und Wahlvolk sollten gleichberechtigt werden, dann sollten sie sich "zusammenraufen" (mittels äußerster Transparenz), so dass die Entfremdung zwischen beiden ein für alle mal verschwunden ist. Übrigens kann es gar keine Widerspruchskonstellation geben ohne Gemeinsamkeiten, denn dann hätten die beiden Parts keine „Andockstellen", mit dessen Hilfe sie in Beziehung getreten sind.
Organe wie z.B. die UNO werden künftig mehr Vollmachten haben und gleichzeitig wird sich die Basisdemokratie ausbreiten. Der Trend geht in beide entgegengesetzte Richtungen, das eine bedingt das andere. Die Wirklichkeit ist eben komplizierter als ein Kochrezept.
Basisdemokratische Parteien sind ein Widerspruch in sich. Parteien müssen nämlich auch die Interessen von Lobbyisten mit einbeziehen. Natürlich muss die Wirtschaft mitreden dürfen. Wir brauchen daher eine breite basisdemokratische Bewegung, in der vielleicht per Internet über Ziele abgestimmt wird. Sie kommt ohne komplizierte Struktur, im Prinzip ohne Programme und ohne Führer aus. Darüber hinaus wird eine Partei benötigt, die die Interessen bündeln und führen kann sowie der Bewegung gegenüber rechenschaftspflichtig ist. Die Bewegung macht permanent Druck von unten - sie ist von der Partei unabhängig, aber eng mit ihr verflochten. Und die Partei bildet die Regierung. Dieses Dreistufenmodell (welches das Mehrparteiensystem überflüssig macht, ohne es abzuschaffen) ist das einzige, welches Zukunft hat. Alle anderen Modelle werden scheitern.
Ich persönlich würde es in Bezug zu einer Liebes-, Ehe- oder Staatenbeziehung so formulieren: Die Unterschiede zwischen beiden Parts herausarbeiten, was nur geht durch eine Intensivierung der beiderseitigen Beziehungen. Und gleichzeitig die Beziehungen intensivieren, was nur geht, wenn man Widersprüche feststellt, also Unterschiede. Zwischen zwei Dingen, die sich nicht unterscheiden, gibt es auch keine Beziehungen. Das Herausfinden der Unterschiede (welche ja die Freiheit und Unabhängigkeit sicherstellen) geht nur durch Erforschung, durch Befragung, also durch Kontakte knüpfen, durch Beziehungen (welche für Harmonie, für Liebe stehen). Das Ganze ist ein gehöriges Stück Arbeit und das Gegenteil von machtlüsternem, diktatorischem Gebaren, welches global und privat noch immer existiert.
Ich persönlich neige mehr zum formalen Denken und würde gar nicht von der Alternative Anarchie ODER Diktatur sprechen. Es geht nur um zeitgemäße (kybernetische) Abläufe, um diese Krisenerscheinungen zu überwinden. Wen man den Gedanken akzeptiert, dass die (globale) Vernetzung ein objektiver Prozess ist, dann muss man auch akzeptieren, dass Intransparenz (auch Mangel an Wahrheitsliebe u.ä.) die Vernetzung bremst. Das ist einfach logisch, keine Ideologie. Bei voller Transparenz hätte es die aktuelle Finanzkrise nicht gegeben, hätte es den Irakkrieg nicht gegeben und wäre das mit Fukushima nicht passiert. Christian Wulff wäre gar nicht erst gewählt worden. Und so ist das auch in vielen Unternehmen, dass destruktive Entscheidungen gefällt werden, nur um der Spitze zu mehr Einkommen zu verhelfen. Chefärzte lassen für sich arbeiten, und erhöhen damit auf Kosten der Kliniken (und der Krankenkassen) ihr ohnehin schon zu hohes Einkommen. Wer oben sitzt, ist gieriger nach Macht und Geld, als der, der fast nichts besitzt. Die gegenwärtigen Machtstrukturen stürzen die ganze Welt gerade wegen der Vernetzung in den Abgrund. Natürlich gehört zur Transparenz die Einschätzung von Experten; das Volk allgemein kann gar nicht einschätzen, ob 3 oder besser 4 Milliarden Steuerzuschüsse für das Gesundheitssystem gut sind oder nicht. Diese Kultur der vollen Offenheit muss sich auch in den Unternehmen etablieren, so dass man schon allein dadurch zu einer gesunden Machtbalance zurückkommt. In Transparentia würden Ausgrenzungs- und Ausbeutungsverhältnisse sich gar nicht erst einstellen, Schwarzarbeit und Schwarzkonten wären unmöglich. Transparentia würde Wirtschaft und Gesellschaft gesunden lassen. - Bei den alten Ägyptern brauchten die Arbeitskräfte nichts zu wissen; da genügte die Peitsche, um ein wirtschaftliches Ziel zu erreichen. Im Zuge der industriellen Revolution mussten die Arbeiter geschult werden und sie hatten ein großes Stück Eigenverantwortung, damit die teuren Maschinen nicht kaputt gehen. Heute sind wir soweit, dass die Einbeziehung der Mitarbeiter auch in Entscheidungsprozesse notwendig geworden ist für den Erfolg eines Unternehmens. Die heute unbedingt zwingende intrinsische Motivation gibt es darüber hinaus nur, wenn die Mitarbeiter ähnliche Spielräume (Freiheiten) besitzen und ähnlichen Zwängen unterliegen wie ein Unternehmer - „Bestrafung", aber auch die Belohnung (Kursgewinne z.B.) müssen denen des Unternehmers ähneln. Die soziale und machtmäßige Differenz zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, zwischen Mitgliedern und ihren Parteien und zwischen den Wählern und der Regierung muss sich gravierend verringern, wenn wir den Fortbestand der Zivilisation wollen.
Ich glaube, solange die Arbeit oft so beschaffen ist, dass die Leute am liebsten faul sein möchten, braucht es einen Anreiz, um tätig sein zu wollen, so z.B. den Wettstreit. Man muss das Ganze also als einen Prozess ansehen. So wird es erst später so sein, dass Neugier und Selbstentfaltung ausreichen, um motiviert zu sein und die ganze Wirtschaft und Gesellschaft in Gang zu halten.
...Transparentia wird unvermeidlich kommen, so wie die (globale) Vernetzung nicht aufzuhalten ist. Hätten wir die Offene Gesellschaft schon, würde uns nicht die Finanzkrise in den Abgrund reißen, gäbe es Fukushima nicht, keine Affäre Wulff, keine Terroristen, die heimlich sich Atombomben besorgen könnten. Wir stehen heute vor der Situation, dass Halbwahrheiten und Lügen die ganze Menschheit in ihrer Substanz bedrohen. Aber Du hast recht, der Weg in die absolute Ehrlichkeit muss strukturiert erfolgen, d.h. Notlügen werden moralisch erst einmal geduldet werden. Und die Transparenz muss zuerst von den Kreisen in der Oberschicht ausgehen, weil deren Entscheidungen leicht verheerend sein können. K., Du gehst vom Ist-Zustand aus, ich möchte zeigen, was die Zukunft von uns abverlangen wird. Ich habe hier bei Fb schon viel Zustimmung erhalten, dass wir uns wie Kinder der vollen Wahrheit annähern sollten. Wahrheit, auch wenn sie uns Nachteile bringt, schafft Vertrauen und auch die Grundlage dafür, einander zu helfen. Wenn die Mauern zwischen uns Menschen fallen, werden wir wieder eine Familie, in der jeder dem anderen beistehen wird. In diesem Kapitalismus kann das nicht gelingen, weil die durch Wahrheit entstehenden Nachteile gravierende Folgen nach sich ziehen können. Es ist daher logisch, dass dieses Gesellschaftssystem der Lüge überwunden werden muss, will die Menschheit überleben.
Ich glaube sogar, dass wir heute die Dialektik weiterentwickeln können. Dazu gehört der Gedanke, das Revolution möglicherweise nur den Austausch von Personen bedeutet, während Evolution zum wirklichen Fortschritt führen kann, weil ihre Teilnehmer hier zum zivilisierten Umgang miteinander gezwungen sind.
Die Angst vor der Endzeit ist auch bei den Herrschaften in Davos angekommen. Sie spüren die Klauen im Nacken. Darum gerieren sie sich zu Rettern. Und könnten es auch werden.
In dieser Welt sind nur diejenigen keine Mörder, die zu schwach sind. In Europa (mit Ausnahme Österreich) stehen die kleinen Länder gut da (abgesehen von ihrer überseeischen kolonialen Vergangenheit). Völkermord gibt es z.B. in Sri Lanka (gegen die Tamilen). Lauter „kleinere" Völkermorde auf dem Globus, die zusammengenommen aber die Dimension des Holocaust erreichen. Was kann ein Volk dafür, das ausgelöscht worden ist und „nur" aus einigen tausend Bewohnern bestand?
Es genügt ja schon zu wissen, dass Tötung und Zwang Schmerzen verursacht. Es genügt schon zu wissen, dass das Leben im kosmischen Maßstab - also in den Weiten des Universums - seltener und damit kostbarer ist als alles andere („kosmisches Evangelium"). Diese beiden Fakten reichen schon aus, um Leben schonen zu wollen. Offensichtlich kann aber der Mensch nicht einmal einfachste Gedankengänge nachvollziehen. Ich appelliere ja nicht mal an das Gefühl (Mitleid), sondern „nur" an die Logik.
Noch im Mittelalter war jedes Stück beschriebene Papier viel wert - es zeugte von viel Wissen. Heute werden Texte und Bilder tausendfach vervielfältigt - als Fernsehbild, im Radio, Internet und der Presse. Allen Menschen werden einige Bücher, Texte, Videos und Fotos vorgeführt mit der Konsequenz, dass fast alle Künstler überflüssig sind... Die Vervielfältigung durch Automation und EDV/Internet machte Arbeiter und Angestellte arbeitslos, jetzt sind die Künstler dran...
Die Perspektive Harzt IV soll ja auch wie eine Keule über die Arbeitplatzbesitzer schweben, als Druckinstrument. Die Arbeitsintensität konnte dadurch zunehmen. Weil sie in der Regel so hart arbeiten müssen, haben die „Arbeitnehmer" für die Arbeitslosen kein Verständnis. Das ist eine psychologisch raffinierte Schleife - mit dem Arbeitgeber als lachendem Dritten. - Davon abgesehen: Neben Arbeitslosen geht es auch Steuersündern an den Kragen (wenn die Hohen Herrschaften tatsächlich Schlupflöcher beseitigen sollten). Und die dritte Kategorie - die Bankster, oder überhaupt alle Geldmenschen - befindet sich im Ansehen ebenfalls im freien Fall. Zudem liest man immer öfters von inkompetenten, betrügerischen oder bestechlichen Managern, Ärzten, Politikern usw. Durch die zunehmende Transparenz verliert auch das globale Beziehungsgeflecht an Legitimität, man sieht überall den Sumpf. Nach meinem Bauchgefühl sind die Herrschenden weltweit sprachlos geworden, weil sie ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt haben. Möglicherweise stehen wir wirklich vor einem globalen Wandel.
Programmatika
Nach den Prognosen der Zukunftsforscher geht die Tendenz allgemein in Richtung Komplexitätszuwachs, Vernetzung, Internet / Intranet („Internet der Dinge"), Computerisierung, Digitalisierung, Elektronisierung, Miniaturisierung, Roboterisierung, Virtualisierung und Personalisierung / Individualisierung. Diese Aspekte machen erstmals die Beherrschung von Problemen möglich, die im Zusammenhang mit der erwähnten Regionalisierung, der Selbstverwaltung und der Individualisierung stehen.
Wir werden es in Zukunft mit zwei Phasen zu tun haben --> 1. Phase: der Volksstaat. So wie hier gelegentlich schon ausgeführt wurde, führt er die Menschen an die Selbstorganisation/-verwaltung/-bestimmung heran. Es gibt noch die Trennung eigene Interessen - fremde Interessen. Fremdbestimmung wird trotz konsequenter Demokratisierung nicht vollständig verschwunden sein, Fremdherrschaft dagegen ja. 2. Phase: Selbstbestimmtes Leben. Die Interessen anderer Menschen werden Teil des eigenen Willens und Handelns. Die Widersprüche zwischen „fremd" und „eigen", zwischen Anleiten und Ausführen usw. verlagern sich in ein und dieselbe Person.
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WIR SIND DIE BASIS - DAS VOLK!
In welchem Industrieland hat es je eine wirkliche Volksvertretung gegeben? Bei dieser Frage richtet sich der Blick auf die Schweiz: Gegenwärtig scheint ihre Demokratie Vorbild zu sein. Sie ist es aber auch, weil die repräsentative und die Basisdemokratie nicht als Alternativen gesehen werden, bei der die eine gegenüber der anderen den kürzeren zieht. Beide Formen der Demokratie sind hier eng miteinander verflochten, weil sie einander bedingen. Eine Regierung ist gezwungen, immer mal bestimmte Volksgruppen bzw. Klassen zu benachteiligen, zur Zeit wird beispielsweise bei den Beamten gespart. Aus strategischen Gründen müssen auch mal Mittel ins Ausland fließen, um die langfristigen Interessen des Landes zu wahren. Das ist wie mit der Decke, die nach allen Seiten gezogen wird - es gibt aber nur die eine Decke. Diese Zumutungen gegenüber einigen Teilen des Volkes oder auch dem Volk insgesamt, diese unpopulären, aber notwendigen Maßnahmen also wären auf rein basisdemokratischer Grundlage nicht machbar.
Die basisdemokratische Bewegung müsste eigentlich eigene Politiker wählen, die aber ihr Amt nicht ausfüllen könnten, weil sie nicht eigenverantwortlich handeln dürfen: ihre Entscheidungen wären jedesmal vom Votum der Basis abhängig. Politiker oder Regierende brauchen also ein Mandat, und damit sind wir bei der hinlänglich bekannten Parteienlandschaft. Und Politiker bzw. Parteien werden immer auch eigenen Interessen nachgehen und nicht nur dem Mandat, sie werden anfällig bleiben für Bestechlichkeit und Korruption. - Wie kann man diesen Interessenkonflikt auflösen? Ich verwies schon auf das Schweizer Vorbild; wir müssen also die basisdemokratische Seite der Demokratie stärken.
Die basisdemokratische Bewegung sollte das Internet mit seinen Vorteilen nutzen; so könnte der gesamte deutschsprachige Raum mobilisiert werden. Bezüglich des Namens dieser Bewegung würden sich Wörter wie Convent (international, weil englisch), Volkssouverän oder „Die Basis", oder „UnPartei" anbieten. Ich benutze hier zunächst das Wort „Die Bewegten", weil es wie eine kreative Neuschöpfung klingt. Geht es darum, unser Anliegen präzise zu beschreiben, würde ich persönlich das Wort Konvergenzdemokratie bevorzugen, ein ebenfalls neuartiger Begriff.
Die Hauptaufgabe Der Bewegten besteht nach meiner Meinung in der Mitgliederwerbung. Es wäre zu diskutieren, ob ein Klick auf den „gefällt mir"-Button ausreicht, um Mitglied zu werden. Entscheidend in diesem Zusammenhang ist die Wahrnehmung Der Bewegten nach außen hin. Wir brauchen so viele „echte" Mitglieder wie nur möglich, damit wir von den Parteien und der Wirtschaft als ernst zu nehmende Kraft angesehen werden! DIE BEWEGTEN ETABLIEREN SICH SO ZUM ERSTEN MAL IN EINEM INDUSTRIELAND ZUM WÄCHTER DER DEMOKRATIE!
Die Bewegten sollen also die Basis des Volkes vertreten und nicht selber parteipolitisch tätig sein. Dazu wird sie Parteien oder Direktkandidaten ihrer Wahl unterstützen, ohne selbst als Partei aufzutreten. Um Fehlentwicklungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aufzudecken, müssen alle Möglichkeiten zur Schaffung von TRANSPARENZ ausgeschöpft werden. Die Beschäftigung eigener oder die Beauftragung „fremder" Journalisten, Anwälte und Informatiker ist mit Kosten verbunden. Das micropayment-Verfahren und die Suche nach Sponsoren wären daher zu diskutieren. Es versteht sich von selbst, dass das Sponsoring nicht zu Abhängigkeiten führen darf. Eine Zusammenarbeit zum Beispiel mit der Piratenpartei, den Linken oder der ddp, mit „Direkte Demokratie in Deutschland (Omnibus)", mit attac, Occupy, Echte Demokratie jetzt, Wikileaks/Openleaks, Amnesty International, Transparency International, Greenpeace, PETA usw. ist anzustreben.
Durch Befragungen der vielen Millionen Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum im Internet und vielleicht auch außerhalb kann sich Volkes Stimme Gehör verschaffen. DIESE STIMME WIRD SO UNÜBERSEHBAR UND MEDIAL PRÄSENT SEIN, DASS SIE ALS NEUER UND WAHRSCHEINLICH WICHTIGSTER MACHTFAKTOR IM LANDE AUFTRETEN KANN. Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg bildet aber die Einsicht, dass wir nicht in kleinliche, sektiererische und ideologische Grabenkämpfe verfallen dürfen. Nur die Einheit in Vielfalt stärkt uns, indem sich die besten Kräfte unseres Volkes durch KONVERGENZ vereinen, ohne ihre Unterschiedlichkeiten aufzugeben, während wir uns andererseits das spalterische Prinzip „Teile und herrsche" vor Augen halten müssen. - Mit Hilfe der SuperLiquidDemocracy lassen sich Persönlichkeiten wählen, die fähig und gewillt sind, die ersten Grundlagen einer vom Volk legitimierten, deutschen Verfassung sowie eines bedingungslosen Grundeinkommens zu erarbeiten.
Das Volk soll nie wieder die Zeche zahlen für Finanz- und Wirtschaftskrisen oder für Kriege! Alle Formen von Gewalt, seien sie gegen Minderheiten gerichtet, gegen Benachteiligte, Schwache und Frauen, gegen unser Volk und gegen unsere tierischen Mitgeschöpfe - jede Ausgrenzung und jede Spielart von Fanatismus und Fundamentalismus sollen aus der Welt verschwinden! Alle Menschen sollen in Frieden und frei von Intoleranz, Repression, Ungerechtigkeit, Ausbeutung, sozialer Not und Hunger auf einer grünen Erde leben können!
WIR SIND DAS VOLK!
Eine Gesellschaft, in der es Pflicht zweier Kontrahenten ist, ihre verschiedenen Interessen nicht mehr durch Verheimlichen, Missachtung, Unterdrückung oder gar Liquidierung des Widerparts durchsetzen zu wollen, sondern sie aufzulösen durch intensiven Dialog und Konsens, ohne dabei ihre Identität aufzugeben, möchte ich als KONVERGENZDEMOKRATIE bezeichnen. Wie ich schon schrieb, wäre dies die erste Phase der kommenden gesellschaftlich-politischen Umwälzung, während der die Menschen ideale Bedingungen vorfinden werden, um zu lernen, wie man vertikal und horizontal gelagerte widerstreitende Interessen verstehen, akzeptieren und schließlich verinnerlichen kann. So wird ein Bauarbeiterteam wissen, wie sein Chef denkt und entscheidet, so wie umgekehrt dieser seine Kollegen genau kennen wird. Da beide Widerspruchspartner in der Konvergenzdemokratie gleichgewichtig sein werden und somit zur Einigung gezwungen sind, wird die vertikale Differenz zwischen Chef und Team sich auflösen. Gesetzlich verordnet und nach dem Muster der paritätischen Mitbestimmung haben die widerstreitenden Kontrahenten bei Unfähigkeit, eine Einigung herbeizuführen, die Möglichkeit, einen Schlichter zu bestellen. Sollte selbst dieser keine beide Seiten befriedigende Lösung finden, dann gilt das Primat der Mehrheit - in diesem Fall wäre es das Team, das sich wird durchsetzen dürfen. Staatlich unterstützt muss dieses Modell auch auf Widerspruchskonstellationen wie Regierung und Bürger, Parteien und ihre Mitglieder sowie Wähler, Vermieter und Mieter u.ä. angewendet werden. - Weil das Volk auf diese Weise die Selbstverwaltung von der Picke auf erlernt, kann die Konvergenzdemokratie später in die zweite Phase übergehen: in die Gesellschaft des selbstbestimmten Lebens, für die ich den Namen OMNIALISMUS vorschlagen möchte (omnes = alle oder alles). Die Slogans der Sozialdemokraten „Mehr Demokratie wagen" und „Wandel durch Annäherung" erhalten hiermit unversehens eine neue und tiefere Bedeutung.
DIE QUINTESSENZ DER GESCHICHTE
WAS KOMMT? DER WEG ZUM OMNIALISMUS
Die globale Vernetzung vollzieht sich nicht nur zwischen Personen. Ganze Staaten vernetzen sich, der Handel, die Wissenschaft, die Kultur - alles vernetzt sich, Computer vernetzen sich und demnächst steht auch noch das „Internet der Dinge" an. Das Internet, die Internationalisierung und die Informationsexplosion kann man als Erscheinungsweisen des objektiven Prozesses der Vernetzung anschauen.
Bei einer allgemeinen Betrachtung der Entwicklungslinien der menschlichen Gesellschaft offenbart sich die bemerkenswerte Eigenschaft der Widerspruchsvermehrung: Je enger die Völker und auch die Individuen zusammenrücken durch die Vernetzung, desto deutlicher kristallisieren sich die Unterschiede zwischen den Völkern und Individuen heraus. Mit der Zunahme dieser Beziehungen nehmen also auch die Unterschiede zu - und umgekehrt.
Die Beziehungen bilden den Oberbegriff für Kategorien wie Vernetzung, Internet, Globalisierung u.a. Die Unterschiede bilden den Oberbegriff für Kategorien wie Vielfalt, Widersprüche, Pluralismus, Informationsexplosion u.a.
Beziehungen und Unterschiede existieren immer nur zusammen. Letztendlich gibt es in der objektiven Realität NUR diese beiden, sich wie ein Widerspruchs-Paar zueinander verhaltenen Erscheinungen; ein solches Paar heißt Dyasmatum. Selbst Materie oder Energie lösen sich vollständig in Unterschiede und Beziehungen (plural: Dyasmata) auf, und das keineswegs nur aus der Sicht der Quantenphysik.
Weil die Vernetzung ein anhaltener, objektiver Prozess ist, lassen sich von ihr die folgenden axiomatischen Erkenntnisse ableiten:
1. PLURALISMUS-AXIOM
Die Zunahme der Unterschiede und Beziehungen (Dyasmition) kann als Pluralismus-Tendenz angesehen werden. Dies wiederum impliziert die Vorstellung von einer immer komplizierter, unübersichtlicher und auch farbiger werdenden Welt. Von der Idee der allumfassenden Konformität, Vereinheitlichung und Normierung muss Abschied genommen werden. Weil aber auch, wie gesagt, die Beziehungen zunehmen, gesellt sich zur zunehmenden Vielfalt auch eine Tendenz zu mehr Organisation, die nach oben hin zu Strukturen wie der UNO einmündet. Das Vermögen eines milliardenschweren Erbens und das eines Ganztagsbeschäftigtens, der das JobCenter zur Aufstockung braucht, stehen in keinerlei Relation zueinander; es existiert keine Beziehung zwischen den Vermögen der beiden Menschen und deshalb auch kein wirklicher, messbarer Unterschied. Pluralismus bedeutet daher auch, die Beziehungen zwischen den Menschen und ihren Vermögen zu wahren, ohne dabei in Gleichmacherei zu verfallen.
2. WIDERSPRUCHS-AXIOM
Die Dyasmition, die Vernetzung bzw. die Pluralismus-Tendenz lassen die Zahl der Widersprüche zunehmen. Von großem Interesse sind hierbei die dialektischen Widersprüche - sie sind die Motoren des Universums. Konfliktlösungen der Art, den einen Widerspruchspart liquidieren zu wollen zugunsten des anderen, laufen der Vernetzung bzw. dem Pluralismus oder der Gewaltfreiheit zuwider. So hat heute die Alternative: „Privateigentum (an Produktionsmitteln) oder gesellschaftliches Eigentum?" keine Relevanz mehr. Wir brauchen eine Synthese zwischen beiden Eigentumsformen; das Gruppeneigentum wird sich neben diesem gesellschaftlich eingebundenen Privateigentum aber immer besser behaupten. Der Pluralismus bedingt eine Vielfalt an Eigentumsformen. Das Prinzip der Selbstverwaltung innerhalb einer staatlich-ordnenden Struktur wird weitere Verbreitung finden.
3. GEWALTFREIHEITS-AXIOM
Gewalt bedeutet Liquidierung, Unterdrückung, Ausbeutung oder Ausgrenzung. Die vernetzte oder plurale Gesellschaft geht implizit in die entgegengesetzte Richtung. Alle Menschen und auch alle Dinge müssen daher mit einbezogen werden, die Emanzipation des Menschen gleich welchen Geschlechts oder welcher sexuellen Orientierung gehört auf die Tagesordnung. Ebenso die Vermeidung von Ausgrenzung der Armen, Behinderten, Kranken, Älteren, Arbeitslosen und von ethnischen Minderheiten, denn die Globalisierung findet auch im eigenen Lande statt. Demokratie heißt jedoch nicht Diktatur der Minderheiten. Auch dialektische Widersprüche wie die zwischen staatlichen und privaten Interessen, privater und gesellschaftlicher Verfügung über Eigentum und zwischen Kapital und Arbeit sollen der Gewaltfreiheit unterliegen und als solche unangetastet bleiben. Bestrebungen der Kapitalseite, ihren Gegenpol „Arbeit" auszubeuten, zielen auf die Verwässerung des dialektischen Widerspruchs ab und verlieren daher ihre Legitimität. Jede Form von Herrschaft, materiellem Reichtum, Privilegien, die nicht durch eigene Leistung gedeckt sind, von (eliminierender) Konkurrenz, prekären Arbeitsverhältnissen, Ungerechtigkeit, sozialer Ungleichheit (zum Beispiel ungleiche Startbedingungen für Schüler), Fremdbestimmung und natürlich Kriminalität sind Gewalt. Die Ignoranz gegenüber dem Recht auf Schmerzfreiheit bei Tieren und deren artgerechte Haltung sowie gegenüber dem Umweltschutz bedeuten Gewalt. Auch orthodoxe Ideologien kann man als eine Form von Gewalt bezeichnen, denn sie streben potentiell danach, andere Ideologien zu unterdrücken. Gewalt wird eines Tages genauso anachronistisch werden wie heute der Kannibalismus. - Credo: Toleranz den Toleranten, Intoleranz den Intoleranten!
4. INFORMATIONSFREIHEITS-AXIOM
Die globale Vernetzung einerseits und fehlende Informationsfreiheit andererseits sind nicht kompatibel. Daher sollte man alles Wissen ohne Schranken allgemein zugänglich machen. Der Schutz geistigen Eigentums / Patentschutz / Autoren- und Urheberrechte kann durch neue Formen von Entschädigungszahlungen gewahrt werden. Die Anonymität im Internet steht diesem Prinzip im Wege und wird in der kommenden gewaltfreien Gesellschaft überflüssig. Das Verbot oder die Zensur im Internet - wie überhaupt in allen Medien - ist ebenfalls kontraproduktiv. Die Anbieter von Kinderpornoseiten sind wegen fehlender Anonymität schnell ermittelbar; die Informationsfreiheit stellt also ein Korrektiv dar.
5. WAHRHEITS-AXIOM
Die Lüge unterbricht das Band der Beziehungen. Bestände eine Dominanz von Halbwahrheiten und Lügen in der Welt, dann würde die Vernetzung gebremst werden, denn Räume ohne volle Wahrheit behindern die Anknüpfung an Daten anderer Räume. Selbst von der Notlüge wird in ferner Zukunft keiner mehr Gebrauch machen.
6. TRANSPARENZ-AXIOM
Wir gehen auf eine offene Gesellschaft ohne Datenschutz zu. Durch Glasnost auf allen Ebenen verlieren die Steuerparadiese ihren Mantel des Schweigens, Steuerhinterziehung, Schwarzgeld und Schwarzarbeit ihre Anonymität. Den verborgenen Entscheidungen von Banken, Spekulanten, gewissen Managern und den Mauscheleien in der Politik sowie der Korruption allgemein werden damit klare Schranken gesetzt, einer neuen globalen Finanzkrise wird die Grundlage entzogen. Die Mauern der Banken, Kernkraftwerke, Schlachthäuser, Spielwarenfabriken und Parlamentsgebäude werden gläsern. Die Behörden öffnen ihre Aktenschränke für den Bürger, das Betriebsgeheimnis der Unternehmen wird Geschichte. Schon heute kennt der Geschickte meine Bankverbindung, jedoch kenne ich ihn künftig auch, sollte er versuchen, mein Konto zu plündern. Der unbescholtene Bürger steht nackt da, der Betrüger, Wandbeschmierer, Dieb, Gewalttäter, Mörder oder Terrorist aber, ehe er überhaupt ein solcher wird, ebenfalls. Strafen werden großenteils überflüssig und sich zumeist auf Affekthandlungen beziehen. Die offene Gesellschaft, ein Überwachungsstaat der Bloßgestellten, wird uns heimsuchen, daran gibt es keinen Zweifel. Wikileaks, der Nacktscanner, die Bahnhofskamera, der automatische Datenabgleich, die örtliche Positionsbestimmung weisen in diese problematische Zukunft. Wir stehen vor der Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder der gläserne Mensch oder die Atombombe in der Hand anonymer Terroristen.
1Worauf es ankommt, ist der geordnete, strukturierte Übergang zwischen den beiden Welten, damit der Missbrauch durch Kriminelle und der Machtmissbrauch durch den Staat, der dann aber die Funktion eines herrschaftslosen, subsidiarischen Volksstaates einnehmen wird, strikt ausgeschlossen werden können.
Im Anschluss noch einige Thesen im Zusammenhang mit der Eigentumsfrage:
Bekanntlich bräuchten wir mehrere Erden, hätten alle Menschen den Ressourcenverbrauch der Europäer. Anders gesagt: Ohne Verzicht in den reichen Staaten könnte die Bevölkerung in den armen Ländern nicht menschenwürdig existieren. Damit gerät das private Eigentum des Einzelnen in den Blickpunkt der Allgemeinheit. Die Vergesellschaftung des persönlich-privaten Eigentums, die keine Enteignung ist, vermeidet die Verschwendung von Ressourcen.
Die Vergesellschaftung des Privateigentums an Produktionsmitteln (materielle Produktion, Dienstleistungen und Vervielfältigung von Information und Geld) muss nicht Enteignung sein, wenn eine Parität besteht in der Machtbeziehung zwischen dem privaten Besitzer (oder Aktionär) der Produktionsmittel und den Interessen der Allgemeinheit.
Das Zurückhalten von persönlichen Informationen gegenüber anderen Menschen kann dem Selbstschutz dienen oder aber auch eigenen Interessen. Der Besitzer privilegierter Informationen, die seine Einkünfte oder seinen Status verbessern, lebt auf Kosten der anderen Menschen. In einer Welt, da die Ressourcen zur Neige gehen und Sparsamkeit herrscht, muss daher auch das Privateigentum an Information vergesellschaftet werden, ohne dabei einen gewissen Eigentumsvorbehalt und die Würde des Informationsbesitzers in Frage zu stellen.
Die Aufgaben der omnialistischen Gesellschaft sind vom Umfang und den Schwierigkeiten her nicht zu übertreffen. Aber sie sind alternativlos. Der ideenbasierte Große Sprung a la Mao jedoch endet stets im Ungewollten.
Es geht um nichts Geringeres, als um das Überleben der ganzen Menschheit.
Es entsteht ein Gefühl von Religion, wenn man erst einmal die gewaltige Größe und die Lebensfeindlichkeit des Universums und damit die Winzigkeit der Erde und die Gefährdung des Lebens auf ihr begriffen hat. Das ist die Mission des Cosmevans. Wird dies durch unsere Überzeugungsarbeit erst einmal global verstanden, würde jedes einzelne Leben als etwas Kostbares aufgefasst werden, und damit einhergehend würden sich die Menschen gegenseitig zu achten anfangen. Aus kosmischer Sicht sind wir alle seltene Edelsteine, weil Leben so gut wie gar nicht existiert. Hier kommen wir auch zu einem neuem Gottesverständnis.
Konkretika
Transparenz ist oft wirksamer, als staatliche Gesetzgebung: Dass Frauen im allgemeinen weniger verdienen als Männer, wissen wir durch viele Statistiken. Diese wiederum entsprechen bereits dem Bedürfnis nach Transparenz. Anstatt eine Frauenquote oder eine sonstige bürokratische Maßnahme zu beschließen, wäre es jedoch effektiver, für noch mehr Transparenz zu sorgen. Man sollte also beginnen, alle Gehälter und Löhne offen zu legen, so dass für jedermann ersichtlich ist, wer zu viel (Manager, viele Beamte, Sportler und andere) und wer zu wenig erhält. Eine zivilisierte Gesellschaft verträgt diese Ungerechtigkeiten nicht. Daher werden die Relationen zwischen den Einkommen wieder auf ein Normalmaß zurück gehen.
Absolute Transparenz! So kann aus der zerissenen Gesellschaft, die fast nur noch aus Parallelgesellschaften besteht, endlich wieder ein Volk werden. In dieser KONVERGENZDEMOKRATIE werden sich die Widerspruchspartner einander annähern, weil sie den jeweils anderen dann kennen und verstehen. Dieses Vorgehen ist auch auf die internationale Ebene übertragbar.
Die paritätische Mitbestimmung ist das Modell für die Widerspruchs-Konstellation von Arbeitgeber-Arbeitnehmer. Dieses Modell ist anzuwenden auch auf die Konstellation Kapital und Arbeit, Behörden und Bürger, Parteien und ihre Wähler, Regierung und Bevölkerung. Ohne Gleichgewichtung der beiden Pole eines Widerspruchs droht diesem die Gefahr der Liquidierung. Die Kontrahenten stehen damit oft vor einer Pattsituation, die man durch Mediatoren, Gerichte, neutrale Letztentscheider oder durch Volksbefragung überwinden kann. Der Austausch zwischen den Widerspruchspolen muss zudem intensiviert werden mit dem Ziel der völligen Transparenz. In fernerer Zukunft werden die Widersprüche ein anderes, „entschärftes" und pluralistisches Gesicht bekommen.
Kollektivismus und Individualismus müssen miteinander verknüpft werden - gerade weil sie im Widerspruch zueinander stehen. Außerdem der Pluralismus aller Eigentumsformen, wobei die Selbstverwaltung gefördert werden muss, denn wegen ihrer Neuheit kann sie noch nicht mit den anderen Eigentumsformen konkurrieren.
Die Mitarbeiter sollen selber entscheiden, ob sie nicht nur betriebliche Mitbestimmung, sondern auch betriebliche Mitverantwortung haben wollen. Wenn sie das wollen, können sie die betriebliche Selbstverwaltung beantragen (nachdem sie unter anderem durch das Konvergenzverfahren geschult wurden). Der Staat sollte dann dieses Begehren fördern. Wenn konkret keine Selbstverwaltung gewünscht wird, dann bleibt es beim Alten. So entsteht eine Wirtschaft mit Pluralismus in den Eigentumsformen.
Bei den alten Ägyptern brauchten die Arbeitskräfte nichts zu wissen; da genügte die Peitsche, um ein wirtschaftliches Ziel zu erreichen. Im Zuge der industriellen Revolution mussten die Arbeiter geschult werden und sie hatten ein großes Stück Eigenverantwortung, damit die teuren Maschinen nicht kaputt gehen. Heute sind wir soweit, dass die Einbeziehung der Mitarbeiter auch in Entscheidungsprozesse notwendig geworden ist für den Erfolg eines Unternehmens. Die heute unbedingt zwingende intrinsische Motivation gibt es darüber hinaus nur, wenn die Mitarbeiter ähnliche Spielräume (Freiheiten) besitzen und ähnlichen Zwängen unterliegen wie ein Unternehmer - „Bestrafung", aber auch die Belohnung (Kursgewinne zum Beispiel) müssen denen des Unternehmers ähneln. Die soziale und machtmäßige Differenz zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, zwischen Mitgliedern und ihren Parteien und zwischen den Wählern und der Regierung muss sich gravierend verringern, wenn wir den Fortbestand der Zivilisation wollen.
Transparenz wird künftig immer wichtiger, so erfindet die Wissenschaft sicher immer heimtückischere Waffen, mit denen ein Einzelner gleich Tausende umbringen könnte. Die Waffe mit einer Stinger-Rakete, auf die Schulter geladen, holt ein Flugzeug (könnte auch ein Jumbo-Jet sein!) vom Himmel. Die Menschheit muss also gläsern werden, will sie überleben. Doch das alles sollte in überlegten Schritten geschehen: Die neue Staatsmacht muss zuerst im Banken-/Finanzsektor Ordnung schaffen, damit die Geldwirtschaft wieder der Realwirtschaft dient und nicht umgekehrt. Damit wäre schon einmal eine Hauptursache der globalen Krise beseitigt. Schweden hatte ja in seiner besten Zeit beinahe einen Sozialismus - allen ist es gut gegangen. Doch nach meiner Kenntnis gab es damals den gläsernen Bürger. Ich würde hier vorschlagen, die schwedischen Erfahrungen auszuwerten. Was war dabei gut und was nachteilig?
Ich könnte mir Bürgerwehren vorstellen, die den Normalbürger und die kleinen Geschäftsleute schützen. Deren Erkenntnisse könnten zusammengefasst und ausgewertet werden mit dem Ziel, die Interessen des Volkes zu wahren. Im Gegensatz zu diesen dezentralen, selbstverwalterischen Maßnahmen müsste die Staatsmacht die größeren Wirtschaftseinheiten kontrollieren und die globalen Beziehungen pflegen, und dort für absolute Transparenz sorgen. Der Staat wird im Omnialismus also vor allem makroökonomisch und für die Außenbeziehungen tätig. In den „unteren" Ebenen der Gesellschaft werden in der Regel die Vorschläge für Weiterentwicklungen kommen, so vielleicht die Anregung für einheitliche Lehrprogramme und so weiter. Natürlich können Vorschläge auch von „oben" kommen, zumal auf den „oberen" Ebenen ein besserer Überblick für komplexe Zusammenhänge vorhanden ist.
Das Internet wird die dezentralen Aktionen der Bürger steuern und auch die Aktionen der Bürger einerseits und die des Staates andererseits koordinieren können. Das Internet macht die Selbstverwaltungsgesellschaft (die nicht mit einer Anarchie zu verwechseln ist!) überhaupt erst möglich. Dieses Gesellschaftsmodell ist meiner Meinung nach das einzige zukunftstaugliche.
Grundsätzlich geht das Zeitalter der Erfassung von Menschen in Gruppen / Klassen seinem Ende entgegen. Der objektive Prozess der Zunahme des Individualismus kommt auch darin zum Ausdruck, dass von den Ämtern immer stärker der Einzelmensch mit seinem persönlichen Schicksal gesehen werden wird. So ist zum Beispiel die bisherige Vorstellung, alle Menschen über 65 Jahren gehörten zur Gruppe der Rentenbezieher, mittlerweile völlig obsolet. Die verstärkte Differenzierung der Menschen würde eigentlich einen überbordenden Bürokratismus mit sich bringen, doch die Computertechnologie und das Internet machen die persönliche „Begleitung" eines Menschen möglich. Die Idee vom „Geld als individuellem Wertmaßstab" scheint daher der objektiven Tendenz zu entsprechen. Noch aber ist (fairer) Wettbewerb im herkömmlichen Sinne wichtig, denn Entwicklung muss noch immer durch Anreize stimuliert werden. Ab einem bestimmten Stand der Produktivkräfte und einer globalen digitalen Verflechtung wirkt ausbeuterischer Wettbewerb destruktiv, weil das System der Weltgesellschaft dann kein blindes Agieren mehr zulässt. Die bisherigen Konflikte (nicht nur in Gestalt des Wettbewerbs!) werden nicht mehr in althergebrachter Weise nach außen ausgetragen, sondern eher nach innen verlagert, in die eigene Psyche. Konflikte, allgemeiner gesagt Widersprüche, finden dann kaum mehr zwischen Menschen, Wirtschaftseinheiten, Behörden oder Parteien statt, sondern eher in den Persönlichkeiten selbst. Dieses Prinzip vermeidet dann auch ethnische Konflikte, Gewalt und überhaupt intolerantes Verhalten. Die Menschheit geht somit einer gewaltfreien Zivilisation entgegen.
Die unten aufgeführten Ziele sind nur als - vorläufige - Auswahl zu betrachten. Ihre Verwirklichung kann nicht anders als unter breiter Beteiligung der Bevölkerung geschehen. Jedes undemokratische Durchsetzen von Maßnahmen ist eine Form von Gewalt. Es geht aber gerade darum, die verschiedenen Formen und Abstufungen der Gewalt abzuschaffen, um den Menschen wirklich zu befreien. Den gleichwertigen Gegenpol zur Freiheit bildet die Ordnung. Wo sie zur Herrschaft gelangt, eröffnet sich die Möglichkeit, teure, bürokratische Strukturen abzubauen, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und somit das Wirtschaftswachstum zu stimulieren.
1. Die positive Tendenz der Befreiung des Individuums wurde abgekoppelt von der parallelen und potentiellen Tendenz, die Beziehungen zwischen ebendiesen Individuen zu vertiefen. Das eine kann ohne das andere gemäß den Grundsätzen der Ubilibetik auf Dauer nicht funktionieren. Es ist möglich, dass im Menschen noch die genetische Prägung aus der Steinzeit existiert, die ihn veranlasst, die Nähe von anderen Menschen zu suchen. Damals „hauste" man gemeinsam in der Höhle, man ging gemeinsam zur Jagd, die Kinder wurden gemeinsam aufgezogen und so weiter. Die Trennung zwischen den verschiedenen Großfamilien mag mit dem Bau von Blockhütten begonnen haben.
Es sollte in Erwägung gezogen werden, ob die örtliche Zusammenführung von Familienmitgliedern, die Wiederherstellung der Großfamilie also, die zum Beispiel zwei, drei Etagen des gleichen Aufganges eines Miethauses bewohnt (oder in Form des Mehrgenerationenhauses) praktikabel ist. Die Wiedergeburt der Großfamilien oder auch die Mehrgenerationenhäuser - steuerlich gefördert - würden sicher dem menschlichen Wesen entsprechen, hätten aber auch den nicht zu unterschätzenden volkswirtschaftlichen Effekt, dass die Großeltern sich um die Enkel und die erwachsenen Kinder sich um ihre betagten Eltern kümmern könnten. Die gemeinschaftlichen Kosten für Kitas und Senioren- und Pflegeheime würden beträchtlich reduziert. Natürlich müssen die Mitglieder einer Großfamilie oder in Mehrgenerationenhäusern nicht unbedingt miteinander verwandt sein, zumal ja der Haussegen zwischen den Generationen zuweilen schief hängt.
2. Die Transparenz ist in allen Teilen der Gesellschaft herzustellen. Es entspricht diesem Geiste, Zensur im Internet abzulehnen, gleichzeitig aber die Anonymität der Urheber von Internetseiten aufzuheben. Seiten mit strafbarem Inhalt werden somit kaum noch angeboten.
Kindesmissbrauch, die teilweise kriminellen Praktiken von Bankern und Managern, die sogar die Weltwirtschaft in den Abgrund reißen können, auch Lebensmittelskandale, Steuerhinterziehung, Schwarzgeld und -arbeit, Drogenhandel, geplante Morde, Umweltsünden - alles das würde tendenziell verschwinden, wären die Menschen informationell miteinander verknüpft. Die Intensität der Verknüpfung hängt vom Grad und der Reichweite der jeweiligen Betroffenheit ab. So sollte es zwischen den Mietern eines Hauses ein Informationssystem geben, das die Anonymität von gewalttätigen Konflikten innerhalb einer Familie beseitigt. Jede Wohnung könnte mit einem Notruf/Klingelknopf ausgestattet werden, deren Betätigung den Nachbarn auf den Plan ruft. Es würde verhindert, dass Frauen geschlagen und Kinder missbraucht werden. Verbrechen würden schon an der Wurzel verhindert, die Notwendigkeit von Bestrafungen entfiele. Vielleicht würde schon mit dieser Maßnahme das Wesen einer bislang im Aussterben befindlichen Hausgemeinschaft wieder hergestellt.
Bei der Planung von Bauvorhaben ist das Umfeld mit einzubeziehen. Ein neues Flughafenprojekt zum Beispiel korrespondiert mit einem besonders großen Betroffenheitsradius, weil die Lärmbelastung sehr viele Bewohner treffen kann. Noch größer erweist sich der Betroffenheitsradius im Zusammenhang mit dem Geschäftsgebaren der Zentralbank eines Landes. Die proklamierte Unabhängigkeit der Deutschen Bundesbank (aber auch der Europäischen Zentralbank), würde sie denn wirklich so praktiziert werden, wäre daher eine falsche, vordemokratische Weichenstellung.
3. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, der Zusammenhang zwischen beiden Polen schwindet und es fehlt die plausible, moralische Erklärung dafür, wieso die einen Bürger Eigentümer von Milliarden sind, während die anderen im Vergleich zur Inflation immer weniger besitzen. Die ubilibetane Stringenz jedweder Beziehung wird hier völlig missachtet, sie löst sich in Luft auf, und mit dieser Fehlentwicklung droht die Morgenröte der Revolution. Würden nicht anonyme (Haus-)mauern die Menschen voneinander trennen, hätte es dieses Übel so niemals gegeben. Eine Aufgabe für unsere Bewegung muss darin bestehen, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem völlige Durchlässigkeit zwischen den Quartieren der Armen und der Reichen normal wird. Das Recht auf Privatsphäre bleibt natürlich erhalten, jedoch soll die jeweils andere Seite genau wissen, wie entbehrungsreich oder wie luxuriös gelebt wird. Diese absolute Transparenz allein führt schon zu mehr Gerechtigkeit, beide Seiten werden vernünftige Übereinkünfte erzielen. Die alleinige Strategie der Umverteilung des Reichtums durch den Staat erweist sich als überholt. Die ubilibetane Transparenz vermeidet als Strafe empfundene Vermögensteuern und dergleichen. Sie reguliert viel effektiver den sozialen Ausgleich, weil der Reiche durch die vollständige Offenlegung seines Vermögens (und auch Offenlegung von möglichen Steuerhinterziehungen) die Revolution fürchten muss, während er gleichzeitig die Ungerechtigkeit von Armut in einem reichen Land durch eigene Anschauung begreift. Die „hautnahe" Auseinandersetzung der verschiedenen sozialen Klassen miteinander schafft die Grundlage für eine „Wiedererstehung" des Volkes. Die Offene Gesellschaft löst also viele Probleme von selbst, wozu bisherige Systeme wegen der Intransparenz nicht wirklich in der Lage waren.
Zu diesem Thema halte ich das aktuelle Sachbuch „Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind" der beiden englischen Mediziner Richard Wilkinson und Kate Pickett für ausgesprochen konstruktiv und bemerkenswert.
4. Das Gefühl von Zusammengehörigkeit, sei es als Familie, als Hausgemeinschaft, als (toleranter) Lokalpatriot, als Volk, auch als Europäer muss gestärkt werden. Ja, es muss das Gefühl, verantwortlich für die ganze Menschheit zu sein, geweckt werden. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten zu erweitern, die den Menschen mehr Freiheiten geben. Freiheit repräsentiert die Unterschiede, die Zusammengehörigkeit die Beziehungen - die Zunahme beider Prozesse ist in der objektiven gesellschaftlichen Entwicklung angelegt. Sich dagegen zu stemmen, gelingt nur zeitweise und ist nicht anzuraten, will man Krisen oder gar die Wirren von Rebellion und Revolution vermeiden.
5. Die Soziale Marktwirtschaft profitiert vom Widerspruch zwischen dezentralen und zentralen Elementen. Sie stützt sich - wie das gesellschaftliche Leben insgesamt - auf das Prinzip der Subsidiarität. Das Denkmodell des Ordoliberalismus, die Verflechtung von zentralstaatlichen Aufgaben und (wirtschaftliche) Freiheit also, sollte Pate stehen. Die schwierige, diffizile Arbeit des Kartellamtes verdeutlicht, um was es geht und was immer wieder neu verteidigt werden muss: Einerseits schließen sich aus Gründen der Effektivität Wirtschaftseinheiten zusammen, andererseits steht die Forderung, Monopolbildung zu vermeiden, um den Wettbewerb nicht zu behindern. Das kann vom nationalen, vom europäischen und internationalen Gesichtspunkt aus jedes Mal eine andere Entscheidung zur Folge haben. Die ständigen Bemühungen um die Ausgestaltung der Europäischen Union spiegeln die Notwendigkeit wider, gemeinsame Normen und Institutionen zu schaffen, ohne die spezifischen Besonderheiten der Mitgliedsländer in Frage zu stellen. - Auf mikroökonomischer Ebene, beim Händler, Handwerker und dem Mittelstand freie Marktwirtschaft, da die Zahl Betroffener pro Wirtschaftseinheit relativ beschränkt ist. Auf makroökonomischer Ebene, bei den systemrelevanten Strukturen, den größeren Betrieben, Konzernen, Banken, Versicherungen und großen Vermögen dagegen staatlich gelenkte Marktwirtschaft („Staatskapitalismus"), da hier eine riesige Zahl Betroffener im In- und Ausland bei einer Fehlsteuerung (wegen krimineller oder nicht nachhaltiger Handlungen) geschädigt werden könnte.
Schaut euch China an: Vielleicht machen sie da etwas richtig, was wir falsch machen? Nämlich auf makroökonomischer Ebene staatlich gelenkte Marktwirtschaft und gleichzeitig auf mikroökonomischer Ebene freie Marktwirtschaft! Nur für westliche Ohren klingt das wie ein antagonistischer Widerspruch: in Wirklichkeit handelt es sich um einen lebendigen, kreativen und DIALEKTISCHEN Widerspruch! Ob diese zentrale Führung des Landes durch Kommunisten (wie in Peking) oder durch eine andere, westlich orientierte Elite geschieht, ist strukturtheoretisch irrelevant. Hauptsache: Die Schaffung einer harmonischen Gesellschaft als Endziel (auch im Parteiprogramm der KP Chinas formuliert).
Die stattliche Zentralbank in Peking überwacht und steuert die Privatbanken des Landes und entfaltet darüber hinaus eigene Aktivitäten zur Stimulierung und Steuerung der Wirtschaft - hätte dieses Modell auf den Westen übertragen nicht die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise verhindert? Eine Verstaatlichung unserer Bundesbank - die dann nicht mehr „unabhängig" wäre - würde auf den massiven Widerstand der Privatbanken und Spekulanten stoßen. Wie immer geht es um Macht, Einfluss und Profit.
Die Soziale Marktwirtschaft grenzt niemanden aus, es herrscht ein - faires - Leistungsprinzip und das Verhalten der Wirtschaftseinheiten untereinander sollte Wettbewerb und nicht Konkurrenz sein.
Da die Würde des Menschen oberstes Prinzip ist, könnten Modelle eines - eventuell bedingungslosen - Grundeinkommens diskutiert werden.
6. Die Transparenz auf allen Ebenen zu schaffen ist aber der allererste Schritt, denn für diese Umwälzung braucht man detaillierte Fakten für eine notwendige „genaue Justierung". Die individuelle Betreuung nämlich setzt den gläsernen Menschen voraus, der allerdings künftig deswegen keinen Gefahren mehr ausgesetzt sein wird. (In Schweden gab es eine solche Transparenz schon einmal!) TRANSPARENTIA sorgt dafür, dass Schwarzgeld, Schwarzarbeit und vor allem Steuerhinterziehung verunmöglicht werden. Die zusätzlichen Einnahmen werden reichen, um die Übergangsphase (die Konvergenzdemokratie) zu finanzieren: Erstens das bedingungslose Grundeinkommen für alle. Wer mehr haben möchte, geht arbeiten, wenn er will und kann. Zweitens zu subventionierende Zweige der menschlichen Arbeit, die „zuwenig" Profit abwerfen, wie Kunst, „reine" Wissenschaft, Kinder- und Seniorenbetreuung, Gesundheit ohne Medikamente und Technik sowie Überwachung/Kontrolle. Wer also hier tätig werden will, erhält mehr als wie bisher nur einen „Notgroschen" oder gar nichts. Oder die eine Frau geht arbeiten und eine andere Frau betreut dessen Kind und so weiter.
Ich halte diese Übergangsphase für notwendig, weil hierdurch ein gesellschaftliches Bewusstsein für den notwendige Wandel hin zur Individualisierung/Personalisierung (und absolute Offenheit -> Transparenz) erreicht wird. Gegenwärtig ist ein System ohne Leistungsanreize, ohne einen (fairen) Wettbewerb nicht denkbar und wird auch von der Bevölkerung nicht mitgetragen.
Transparentia und natürlich die weitere Entwicklung der Produktivkräfte, die Zügelung der Geldmarktgeschäfte sowie das BGE sind jedoch zwingende Voraussetzungen für den nächsten Schritt in der gesellschaftlichen Entwicklung.
7. Parallel zu Regionalisierungstendenzen erkennt man ein verstärktes Streben nach Selbstorganisation und Selbstverwaltung in den Nationen und Regionen. Auch hier muss der jeweilige Staat vermehrt Aufgaben der Planung, Steuerung und Regelung übernehmen, damit es nicht zum Chaos infolge der Partikularisierung kommt.
Wir schon angedeutet, betrifft eine weitere Parallele die Behandlung der Kunden durch die staatlichen Behörden und auch durch gemeinnützige Einrichtungen sowie durch die Werbewirtschaft. Die Einzelschicksale der Kunden sind offenbar so diffizil und verschiedenartig, dass man kaum mehr Kundenprofile zusammenfassen kann, man erkennt einfach keine Muster mehr. So gibt es den Senioren, die Familie oder den Single nicht mehr.
Auf Grund dieser Individualisierung stehen wir vor der Notwendigkeit, Menschen, die Sozialleistungen beantragen oder die Steuern zu entrichten haben, als Einzelpersonen zu betrachten, über welche die Behörden jeweils gesondert entscheiden müssen. Die individuelle Behandlung der Einzelschicksale ist auch im Namen der Gerechtigkeit geboten, wenngleich der Staat und die Behörden entsprechend gefordert werden. Auch in der Medizin bahnt sich eine Entwicklung in Richtung einer maßgeschneiderten Therapie an, bei der zum Beispiel die Medikamentenvergabe nicht mehr nur zwischen Männern, Frauen und Kindern unterscheidet, sondern auch schon die medizinisch indizierten Gegebenheiten jedes einzelnen Patienten mit berücksichtigt. - Diese Personalisierung wird auch auf dem Gebiet der Erziehung und Unterrichtung angestrebt.
8. Es muss jedem Menschen bewusst sein, wie winzig unsere Insel des Lebens ist und wie feindlich das All ringsum. Leben, insbesondere höheres Leben hat wegen seiner Seltenheit in den dunklen, klirrendkalten Räumen des Universums einen unermesslichen Wert. Diese im Grunde einfache Botschaft zu begreifen bedeutet einen Quantensprung in der Geschichte der Menschheit. Die Botschaft möchte ich - wie vorhin schon ausgeführt - kosmisches Evangelium nennen, welches Hauptbestandteil einer neuen Mittelpunktreligion - dem Cosmevan - sein soll.
Daraus impliziert die Würde des Lebens.
Dem entgegen steht das Quälen und millionenfache Hinschlachten von Tieren, obwohl wir von ihnen nichts mehr brauchen. Die Pflanzen, mit denen sie gefüttert werden, könnten mehr Menschen ernähren, als ihr Fleisch. Sie opfern ihr Leben ohne jeden Nutzen für uns. Der Mensch verschleudert Leben, obwohl es doch eigentlich darauf ankäme, Leben ins All hineinzutragen.
Ein Rind verfügt über die gleichen Organe wie der Mensch, es ist anatomisch kaum von uns zu unterscheiden. Schon dieser reine Vergleich nährt den Verdacht, dass das Rind Schmerz und Leid empfindet wie auch der Mensch. Wenn wir diesen beklemmenden Gedanken akzeptieren - warum dann dieser millionenfache, gewissenlose, ungesühnte Mord? Womit und vor wem können wir das verantworten?
Ein erster Reformschritt wäre das informationelle Öffnen der industriellen Mastbetriebe und Schlachtfabriken; die Gebäudemauern müssen gläsern werden.
9. Die Forschung hat im Laufe der Jahrzehnte immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tieren festgestellt. Vorher hatte die andere Gestalt, andere Anatomie, teilweise andere Gestik und Mimik der Tiere die Vorstellung genährt, das Tier könne keinerlei Ähnlichkeit mit uns haben. Affen galten sogar als hässlich. Heute schauen wir tiefer. - Wahrscheinlich erleben wir eine zunehmende Fähigkeit zur Toleranz, die Befähigung, die Welt auch mit anderen als der eigenen Brille zu sehen. Die Befähigung, Widersprüche auszuhalten; sie nicht mehr zu bekämpfen, sondern sie in das eigene Bewusstsein zu verlagern. Die Toleranzbefähigung ist regelrechte Bewusstseinserweiterung.
Der Weg in die Offene Gesellschaft muss mit ausgewogenen und gerechten Entscheidungen verbunden sein. Im Prinzip sind diese Entscheidungen nur Reaktionen auf die objektiven Entwicklungen, die sich vollziehen in Richtung Transparentia, ohne direktes und bewusstes Zutun der Menschen.
Es ist offensichtlich, dass die gläserne Politik, die gläserne Behörde, die gläserne Bank, die gläserne Spielwarenfabrik, das gläserne Kernkraftwerk oder die gläserne Massentierhaltung eine zwingende Notwendigkeit geworden sind. Die Frage dabei stellt sich, wie man all diese Offenlegungen verantwortungsbewusst, intelligent und harmonisch gestaltet, um schwere Verwerfungen oder Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft zu vermeiden. - Diesen Aufgaben sollte sich das Projekt „glass wall" (gläserne Wand oder Mauer) widmen
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Allen wesentlichen Schritte hin zu mehr Transparenz sollten Volksbefragungen vorausgehen.
Ein gegenseitiges Ausgrenzen politischer Richtungen oder Religionen ist einfach nicht mehr zeitgemäß - das schafft nur Märtyrertum. Ideologien - jedenfalls die fanatischen, die nicht der Gewalt abschwören - sind eine Form subtiler Gewalt, Ideologien wollen andere Ideologien unterdrücken. Das ist ähnlich wie Gefahr für Leben und Gesundheit, Repression, Ausbeutung, Fanatismus, Intoleranz, Diskriminierung, Indoktrination und Betrug.
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Man sollte auf Gewalt mit einer angemessenen, zivilisierten Gewalt reagieren, wenn diese dergestalt ist, dass Gegengewalt ausbleibt - dies ist die einzige Gewalt, die man akzeptieren kann. Jedes andere Konzept hat sich in der Geschichte nicht bewährt.
Nur in einer repressionsfreien Zivilisation lassen sich die heutigen Probleme bekämpfen. Dazu gehört vor allem unbedingter Mut zur Wahrheit, der vollständigen Wahrheit sowie absolute Transparenz. Ideologie unterdrückt immer einen Teil der Wahrheit.
So gibt es auch einen grünen Fundamentalismus - er wird in Deutschland nicht durchkommen. Fanatiker aller Couleur, merkt euch: dies Jahrhundert wird sich endlich von euch befreien!
Transparentia wird kommen, das kann niemand aufhalten, weil es sich um einen objektiven und globalen Prozess handelt. Gegenaktionen sind also genauso lachhaft wie früher die Maschinenstürmerei, sie sind pubertär und egoistisch. Eine vergewaltigte Frau wird wegen der Cam´s froh sein. Die Frage hierbei ist die, wer die Macht hat über die gesammelten Daten. Genau deshalb brauchen wir (im Übergangsstadium) den Volksstaat. Wir brauchen absolute Transparenz - zunächst nur - in den oberen Ebenen, damit der Bürger weiß, was gespielt wird. Dann kann er per Wahlen - objektive - Entscheidungen treffen, an die sich die Leitungsebenen halten müssen.
Viele Straftäter flüchten aus ihrer Heimat und kommen zu uns, um der Strafe zu entgehen. Das heißt, wir haben hier viele Kriminelle, die dann von ihren Heimatländern nicht mehr aufgenommen werden. (Das bezieht sich natürlich - leider - auch auf politisch Verfolgte). Wir können sie kaum mehr abschieben. Dann stimmen die Angaben der Migranten nicht oder sie sind eine Scheinehe eingegangen, haben Kinder, die zur Schule gehen und so weiter und so fort. Das Abschieben hängt also nicht nur vom politischen Willen ab. Man hätte sie daher gar nicht erst reinlassen dürfen.
Die Migration und die oftmals hohe Geburtenrate von Migranten sind ein Faktum, welches unsere politische Klasse schamhaft und einseitig als Beitrag gegen den Fachkräftemangel feiert. Ich erinnere in diesem Zusammenhang daran, dass das Kosovo Serbien verloren gegangen ist auf Grund der höheren Geburtenrate der Albaner. Nach Titos Tod herrschte in den Völkern des ehemaligen Jugoslawiens gewissermaßen Basisdemokratie. Mit der Auflösung der völkervereinigenden Klammer, die Tito halbdiktatorisch durchgesetzt hatte, führten die Serben, Kroaten, Slowenen, Montenegriner, Bosnier und Albaner gegeneinander Krieg. Unsere Lehre daraus muss sein, Zuwanderung und Geburtenrate gestaltend zu begleiten - um den Samen von ethnischen Konflikten und Bürgerkriegen nicht aufgehen zu lassen. Es ist strikt jede Konstellation zu vermeiden, die bei bestimmten Bevölkerungsgruppen Hass sät. Eine der Katalysatoren für den Aufstieg Hitlers war bekanntlich der Hass - wir sollten aus der Geschichte gelernt haben. - Vielleicht entschärft sich mit dem Wirtschaftsboom in der Türkei und der Revolution in Nordafrika die Situation durch Rückwanderung. In jedem Falle müssen das konkrete Einzelschicksal und Familienzusammenhänge geprüft werden; man darf nicht einfach Gruppen das Aufenthaltsrecht erteilen oder ausweisen.
Es ist auch unmöglich, dass zu Haftstrafen verurteilte Jugendliche erst ein Jahr später die Konsequenzen tragen müssen. Wo bleibt der erzieherische Effekt? Daher bin ich für den Warnschussarrest - eine vielleicht einwöchige, aber sofortige Haft. Da sie angerechnet wird, werden unsere Haftanstalten nicht stärker belastet. Außerdem sind wesentlich strengere Vorschriften wegen Alkoholmissbrauch wünschenswert. Durch Totschlag, Mord, Mordversuch, Vandalismus und Verkehrsunfälle in Verbindung mit Alkohol entstehen hohe, kaum bezifferbare volkswirtschaftliche Kosten. Die Medien sollten auch endlich aufhören, voyeuristisch
Kriminalfälle spannend und blutrünstig zu schildern. Sie haben im Gegenteil die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, in ihrer Berichterstattung den erzieherischen Aspekt mit einzubeziehen, damit Verbrechen glasklar als solche deklariert werden.
Dazu ist auch unsere allzu formaljuristische Rechtsprechung zu reformieren. Die Balance zwischen formalem Recht und Naturrecht stimmt nicht mehr - was Recht ist, wissen bald nur noch die Anwälte. In unser Rechtssystem (Bürgerliches Gesetzbuch) sollten deshalb verstärkt Elemente des Naturrechts implementiert werden, also das, was man unter „gesundem Volksempfinden" versteht. - Das Recht schreiben die Stärkeren - das zeigt die Geschichte. Bei absoluter Transparenz vor allem in den oberen Etagen weiß aber der Bürger, was Tatsache ist. Schon dadurch verlagert sich Macht nach unten.
Ich fände es gut, wenn Männer Angst davor haben, sich an Schwächere zu vergreifen (an Frauen, Kinder und andere Männer). Oder wenn Viere gegen Einen vorgehen. Diese Möglichkeit muss von der Erde verschwinden. Wir brauchen ein Drohpotential, das über die Stärkeren schwebt - familiär, lokal, national und global.
Extreme neigen dazu, den jeweils anderen zu liquidieren. Der Widerspruch zwischen beiden droht also zu verschwinden. Weil aber die Widerspüche die Motoren des Universums sind, ohne die alles zum Stillstand kommen würde, sollten Extreme sich soweit entgegen kommen, dass sie sich nicht mehr gegenseitig bedrohen. Also ein Marsch in die goldene Mitte, die aber nie absolut erreicht wird, weil ansonsten der Widerspruch ebenfalls verschwinden würde („Konvergenz"). Wir beobachten eine zunehmende Fähigkeit zur Toleranz, also die Befähigung, die Welt auch mit anderen als der eigenen Brille zu sehen. Die Befähigung, Widersprüche auszuhalten, sie nicht mehr zu bekämpfen, sondern sie in das eigene Bewusstsein zu verlagern.
Ich neige ja auch zur Moralität, ich glaube aber, man muss an Strukturen ansetzen, will man was verändern. Nur jammern und klagen hilft nicht weiter. Es gehört sicher Phantasie dazu, sich eine Welt vorzustellen, in der es keine Geheimnisse mehr gibt. Das ist wie in der Steinzeit, als man noch in Höhlen hauste und sich keiner verstecken konnte vor dem anderen. Wahrscheinlich sind wir noch genetisch geprägt von diesem Sippen- und Großfamilienparadigma. Die Einsamkeit und Isolation des modernen Menschen tut uns nicht gut und befördert nur den Egoismus. Kurzum: Es sind die natürlichen Zustände wieder herzustellen.
Das bedeutet, wir müssen wieder die Gemeinschaft fördern, wir müssen wieder ein Volk werden, aber gleichzeitig ist der Individualismus zu erhalten und zu fördern. Der Letztere ist gegenwärtig teilweise ausgeufert und hat zum Isolationismus geführt. Andererseits gibt es eine positive Tendenz zur Personalisierung - in der Medizin und in der Erziehung. Jeder Einzelne ist eben unendlich viel wert, aber sein Volk auch!
Slogans, die zu uns passen: „Einheit durch Vielfalt" , „Global denken, lokal handeln" und "Nicht ´entweder-oder`, sondern ´sowohl als auch`".
Daseinsfürsorge gehört in die öffentliche Hand, wenn das marktwirtschaftlich korrigierende Konkurrenzprinzip ausgehebelt ist oder Transparenz nur schwer verwirklicht werden kann.
Wir brauchen den entbürokratisierten, schlanken, aber starken Staat. Er sollte künftig nicht so sehr durch Gesetze und Verordnungen regieren, sondern vielmehr als Verteidiger und Beschützer der Bürgerbewegung auftreten. Er soll für absolute Transparenz sorgen - zunächst auf den oberen Ebenen der Gesellschaft. Diese Transparenz hilft der Bewegung, Missbräuche aufzudecken, was oft schon ausreicht, diese zu verhindern. Also weniger Strafen, als vielmehr Bloßstellungen bei Missbräuchen - das kennzeichnet den Geist der neuen Gesellschaft.
Die Behörden sollten die Erlaubnis bekommen, sich zu vernetzen - mit dem Eindämmen der Formulareflut werden dem Bürger viel Arbeit, Zeit und Kosten erspart. Gleichzeitig müssen im Sinne des Datenschutzes strenge Regeln festgelegt werden, damit der Missbrauch der Daten durch die Behörden selbst, durch den Staat im allgemeinen und vor allem durch Unternehmen und Kriminelle vermieden wird.
Förderung neuer Technologien: Im Interesse des Volkes angewandt, wird sie zum Segen. Technologiefreundlichkeit muss mit dem Umweltschutz korrespondieren. Ököfanatismus aber ist abzulehnen, weil im Ergebnis oft das Gegenteil des erstrebten Zieles eintritt. Bewusste Verteuerung von Energie führt eben nicht nur zu größerer Sparsamkeit, sondern auch zum Niedergang der Volkswirtschaft.
Ein Meteorit passiert die dünne Lufthülle, zerplatzt und lässt kilometerweit die Fenster zerspringen: Ein schöner Gruß aus dem kälteklirrenden All! Ich denke mir, bei diesem Szenario haben wir verstanden, wie klein und verletzlich unser Planet in Wahrheit ist! Er ist nicht einmal eine Nussschale in den tosenden Wellengebirgen des Universums, er ist noch weniger als ein Staubkorn - und wir sind ausgeliefert. Nur wenn wir unser Höhlen-Denken aufgeben und geistig die Erde verlassen, können wir befähigt werden, unser Überleben zu sichern: das ist die Botschaft des "kosmischen Evangeliums"!
Ethische Normative einer möglicherweise zu gründenden Partei, die sich auf die bisherigen Ideen und Traditionen der sozialhumanistischen Bewegung beruft und den Omnialismus zum Ziel hat:
F A Z I T = Fair - Authentisch - Zivilisiert - Integer - Transparent --> Diese Eigenschaften sollten Minimalkonsens („kategorischer Imperativ") der Anhängerschaft unserer Bewegung sein.
Die Parteimitglieder werden sich jedem Parteiengezänk, jeder Mauschelei und bloßer Taktik verweigern, sie werden ihre Thesen offensiv vertreten ohne den Ehrgeiz, Wahlen gewinnen zu müssen. Sie sind davon überzeugt, dass die Wähler spüren werden, wem sie vertrauen können. Im Informationszeitalter entgeht dem Wähler nicht mehr, wo Halbwahrheiten verbreitet und wo etwas vertuscht und verschwiegen wird. Offenheit, Transparenz und Wahrheitsliebe sind ein hohes Gut, das auch der Wähler gebührend zu schätzen wissen wird.
Diese moderne Partei fußt auf einer breiten Bürgerbewegung, sie ist gewissermaßen ihr Kopf. Bei den Bürgerbewegten kann es zu konträren Ansichten kommen; so hat ein Bundesland vielleicht andere Interessen als die Bürger der betreffenden Stadt (zum Beispiel bei einem Bahnhofsneubau). Die lärmgeplagten Anwohner eines alten Flughafens wollen einen neuen Flughafen im Umland und umgekehrt. Dies ist die Stunde der Partei, um hier zu moderieren und das Ergebnis des Konvergenzprozesses politisch durchzusetzen.
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